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28-12-2017 | Finanzbranche | Im Fokus | Article

So wird das Banken- und Finanzjahr 2018

Authors:
Eva-Susanne Krah, Christian Kemper, Barbara Bocks, Stefan Terliesner
8 min reading time

Das neue Jahr 2018 wird erneut spannend für die Finanzbranche. Basel III, der Brexit und weitere Herausforderungen durch die Digitalisierung werden Banken und Sparkassen in Atem halten. Ein Ausblick von Branchenexperten.

Regulierungsaufgaben, Kostensenkungen durch weniger Filialen, neue digitale Services und Allianzen mit Fintechs, aber auch Pflichten, etwa die Umsetzung der Basel III-Regeln, kommen auf die Banken ebenso wie der steigende Innovations- und Digitalisierungsdruck im Jahr 2018 zu. Auch der Brexit fordert die Institute, sie müssen weiterhin Vorbereitungen für einen eventuellen harten Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) treffen. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) sieht keinen Grund zur Euphorie nach den bisherigen EU-Gipfelbeschlüssen in Brüssel. Zudem verschärft der Wettbewerb im klassischen Bankgeschäft das Veränderungstempo: Das jüngste Investment von Paypal bei Raisin (Weltsparen) etwa zeigt, dass der Schritt des US-Riesen ins klassische Retailbanking nicht mehr weit ist. Über Produktallianzen ist Paypal schon jetzt etwa bei digitalen Banken wie N26 vertreten. Professor Dr. Rolf Tilmes, wissenschaftlicher Leiter des Private Finance Institute (PFI), Finanzakademie der European Business School (EBS), betont, dass im Jahr 2018 auch Fintech- und Robo-Advice-Dienstleistungen sichtbare Auswirkungen auf etablierte Anbieter im Bankensektor haben werden. Das zeigt sich aus seiner Sicht besonders im Zahlungsverkehr: "Die Abwicklung von Zahlungen über Blockchains wird aufkommen und mit der Umsetzung der Zahlungsverkehrsrichtlinie werden neue Angebote rund um Konto- und Zahlungsverkehrsdienstleistungen entstehen", so Tilmes. Aber auch Regulierungsmaßnahmen, wie Anforderungen zum Meldewesen oder die MiFID II-Umsetzung würden den Bankensektor in 2018 beschäftigen. 
Mehr Meinungen der Experten zur Entwicklung in der Finanzbranche gibt es in unserer Bilderstrecke:


Fakt ist jedoch auch: Nur jedes zehnte deutsche Kreditinstitut verdient seine Eigenkapitalkosten. Und jede Woche schließen in Deutschland im Durchschnitt 36 Bankfilialen, wie eine Studie der Managementberatung Bain & Company offenlegt. 

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Kreditinstitute müssen sich derzeit mit drei zentralen Problemfeldern beschäftigen. Die Zinsen befinden sich auf einem historisch niedrigen Niveau. Teilweise, wie zum Beispiel in der Schweiz, in Dänemark oder in Deutschland; werden Negativzinsen gehandelt. Darüber hinaus sind die Zinsstrukturkurven extrem flach.

Projekte 2018: Neue Geschäftschancen durch PSD2

Doch in den Geldhäusern hierzulande bewegt sich zurzeit auch viel in Richtung neuer strategischer Geschäftsmodellinnovationen. Springer Professional hat bei Banken und Sparkassen nachgefragt, welche Projekte in den Häusern für 2018 anstehen. Dabei zeigt sich, dass vor allem die Digitalisierung, aber auch die Verbesserung der angespannten Ertragslage wie schon 2017 im Vordergrund stehen. Die Integration digitaler Angebote in bestehende Beratungsprozesse werde "kostenseitig mittelfristig Einsparungen generieren, aber vor allem den Weggang von Kunden stoppen", meint Tilmes von der EBS. 

Vor allem die Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 sorgt für Dynamik bei den Geldhäusern, wie Thomas Sontheimer, Geschäftsführer des Bereichs Financial Services bei Accenture, beobachtet: "Deutschland ist der Markt in Europa, der bereits heute in Sachen Schnittstellen-Standardisierung am weitesten entwickelt ist." Banken würden selber als Drittdienstleister auftreten und Informationen und Services anderer Institute in ihre digitalen und mobilen Kundenlösungen einbeziehen, glaubt er. Auch Fintechs wollten Kunden neue Serviceangebote mit mehr Nutzerfreundlichkeit anbieten. Das Umsatzpotenzial aus der PSD2 ist für ihn nur schwer zu konkretisieren. Für Konto- und Zahlungsverkehrsdienstleistungen gebe es heute bereits nur eine begrenzte Zahlungsbereitschaft bei den Kunden, meint Sontheimer.

Das eigentliche Ertragspotenzial für Banken liegt im Kundenzugang und den aus den Zahlungsverkehrsinformationen gewonnenen Daten.

Thomas Sontheimer, Accenture 

Filialgeschäft: Konsolidierung geht weiter

Auch 2018 werden die Banken weiter an den Kosten schrauben müssen, vor allen bei den Filialen. Besonders eindeutig in absoluten Zahlen fand einem Bericht der Europäischen Zentralbank (EZB) zufolge der Rückgang zuletzt in Deutschland statt. Dennoch sind noch keine spürbaren Kosteneffizienzen sichtbar. Denn die Kosten-Ertrags-Relation über den ganzen Sektor verharrt bei 58 Prozent, wie die EZB feststellt. Dazu passen die Ergebnisse der Studie von KfW Research und Universität Siegen. Die Forscher beobachten seit Jahren den Filialabbau deutscher Banken. Kürzlich berichteten sie von einer "überraschend starken Tempoverschärfung." Ein Ende des Filialsterbens ist daher wohl nicht in Sicht. Im Gegenteil: Unter dem Druck sinkender Zinserträge, eines härteren Wettbewerbs und der Digitalisierung reduzieren fast alle Geldinstitute in Deutschland weiter die Zahl ihrer Geschäftsstellen. 

Das Management vieler Kreditinstitute macht allerdings nicht einfach Filialen dicht, sondern wertet im Gegenzug ausgesuchte Standorte auf. Exemplarisch dafür steht die Stadtsparkasse München. Anfang 2017 kündigte Vorstandschef Ralf Fleischer die Streichung von 200 Arbeitsstellen an. Ende September folgte dann die Entscheidung, dass fünf Filialen geschlossen und zwölf in SB-Einheiten umgewandelt werden. Gleichzeitig soll die Zahl der Beratungscenter erhöht werden. Zusätzlich gründet das Institut eine Direktfiliale. Das neue Konzept soll ab März 2018 eingeführt werden. 

Finanzmärkte: Den Bullen geht die Puste aus

An den Finanzmärkten sind die Kurse bis Ende 2017 stark gestiegen. Doch mit ihnen wächst die Angst vor einer nahenden Korrektur. Die starke Wertentwicklung an den Aktienmärkten basiert laut Sonja Laud, Leiterin Aktien bei Fidelity, auf der Kombination aus einem gleichförmigen globalen Wirtschaftswachstum und einem moderaten Inflationsumfeld. Diese Situation wird auch "Goldilocks" genannt. Doch das Risiko eines schwächeren Aktienmarkts steigt. "Den Bullen geht die Puste aus", titelt beispielsweise die Fondsgesellschaft in ihrem Investmentausblick 2018. "Es wird etwas holpriger an den Märkten", sagt Stefan Keitel, Vorsitzender der Deka-Geschäftsführung. Für die Weltwirtschaft definieren die Deka-Experten vier potenzielle Krisenauslöser:

1. Inflation/Zinsschock
Ein schneller Anstieg der Inflation würde die Erwartung einer deutlich stärkeren Zinssteigerung bedeuten als jetzt eingepreist ist. Bei hohen Verschuldungsgraden von Staaten und Unternehmen könnte die Stabilität der Finanzmärkte gefährdet sein.

2. China
Die Weltwirtschaft ist anfällig für Negativmeldungen aus dem Reich der Mitte. Der Umbau der chinesischen Volkswirtschaft sollte zwangsläufig mit sinkenden Wachstumsraten und finanziellen Verspannungen einhergehen.     

3. Rohstoffe
Eine plötzliche starke Verteuerung von wichtigen Rohstoffen, beispielsweise ein Ölpreisschock, hat das Potenzial, den weltweiten Aufschwung aus der Bahn zu werfen.

4. Politik
Die ökonomische Verschiebung der weltwirtschaftlichen Gewichte hin zu Schwellenländern verändert auch politische Machtverhältnisse. Neue und alte Konflikte drohen auszubrechen. Zudem trübt der weltweite Protektionismus die konjunkturellen Aussichten.  

Jan Bottermann, Chefvolkswirt der National-Bank, merkt allerdings im Ausblick zur Weltwirtschaft des Instituts an, dass "die Kapitalmärkte auch weiterhin von der günstigen Konstellation niedriger Zinssätze und einem im Verlauf zunehmend lebhaften Aufschwung der Weltwirtschaft getragen" werden.

Digitalisierung: Banking mit Apps und Bots

Neben dem Kostenmanagement wollen kleinere wie große Bankhäuser 2018 von Chancen durch neue digitale Services profitieren. "Die Banken haben im digitalen Wettkampf einige Trümpfe im Ärmel", sagt Andreas Krautscheid, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes. Aleksandar Jeremic, Head of Digital Campus and Journey Management bei der Commerzbank, berichtet von ehrgeizigen Zielen für die Großbank: So will das Geldhaus bis zum Jahr 2020 zum Beispiel 80 Prozent aller relevanten Geschäftsprozesse digitalisieren. Im so genannten Digital Campus treiben über 1.000 Mitarbeiter die Digitalisierungsprojekte der Bank voran. "2018 wird unter anderem unser digitaler Firmenkundenkredit fertig: Kunden können dann Kreditlinien bis fünf Millionen Euro ganz einfach online beantragen, eine zeitnahe Entscheidung erhalten und den Kreditvertrag nach Zusage sofort herunterladen", erklärt Jeremic. Bei der Hamburger Sparkasse (Haspa) sieht man laut Tobias Lücke, Leiter Digitaler Vertrieb, die Digitalisierung "vor allem als Chance, Prozesse zu optimieren und für unsere Kunden immer besser zu werden. Deshalb will die Sparkasse bis 2020 nach eigenen Angaben 200 Millionen Euro in künftige Filialen, den Ausbau digitaler Services und die Weiterentwicklung der Bank-IT investieren. "Mit unserem Innovationslabor Haspa Next erschließen wir zudem auch neue Geschäftsfelder und neue Wege zum Kunden", so Lücke. 

Auch die Volksbank Mittelhessen beschäftigt sich mit digitalen Projekten. Peter Hanker, Vorstandssprecher des Instituts, stellt fest: 

"Der Markt und vor allem das Kundenverhalten haben sich in Sachen Digitalisierung deutlich schneller verändert als die Anbieterseite." 

Es ist nun an uns, den Strukturwandel entschlossen voranzutreiben und auf die neuen Bedürfnisse der Kunden im erwarteten Umfang einzugehen". Für das eigene Haus war aus seiner Sicht die Umsetzung einer Omnikanal-Strategie nur ein erster Schritt. 

Auch Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine immer größere Rolle. Digitale Sprachassistenten, so genannte Chatbots, spielen neben Robo Advisors der Fintechs eine wachsende Rolle. Die ersten Geldhäuser, wie Comdirect, Consorsbank, Deutsche Bank oder die Volksbank in der Ortenau, lassen beispielsweise ihre Geldausgabeautomaten bereits mit ihren Kunden kommunizieren. Anfang 2018 geht dann die VR Bank Westmünsterland damit an den Start, wie das Bankmagazin erfuhr. Deren Chatbot ist ein Pilot, der unter anderem gemeinsam mit VR-Networld, der Digitalisierungseinheit der genossenschaftlichen Finanzgruppe, entwickelt wurde. 

Auch die Sparkassen sind aktiv. Einem Verbandssprecher zufolge entwickelt das Sparkassen-Finanzportal einen Sprachroboter für Serviceanfragen. Die Pilotierung mit einzelnen Instituten starte "in den nächsten Monaten". Der Chatbot solle aber nicht die Beratung ersetzen, "sondern Freiräume für qualifizierte Beratung schaffen und vorbereiten".

Innovation: Labs für neue Produkte

Mit drei internen Start-ups erprobt auch die Fiducia & GAD moderne Formen der Produktentwicklung für digitale Angebote, die für die Ortsbanken bereitgestellt werden sollen. "Alle drei Start-ups verwenden innovative Technologien wie Künstliche Intelligenz", erklärt Klaus-Peter Bruns, Vorstandsvorsitzender der Fiducia & GAD IT AG. Neben den Möglichkeiten digitaler Plattformen beschäftigen sich die Start-ups mit dem Einsatz von Chatbots für das Mobilebanking sowie für den Kundensupport. Der IT-Dienstleister stellte Prototypen mit dem Dialog-System "Sarabi" und dem virtuellen Serviceassistenten "Customer Advisor" im April 2017 vor. 

Auch strategische Partnerschaften jenseits der Branchengrenzen sind ein wichtiges Thema, vor allem im Bereich Mobilebanking. So kooperiert etwa Ferratum mit seiner Banking-as-a-service-Plattform mit Thomas Cook. Der Reisekonzern hat über Thomas Cook Money, der neuen Finanzdienstleistungssparte der Thomas Cook Group, die mobile Banking-App als BaaS-Service zunächst auf dem schwedischen Markt eingeführt. Weitere, darunter Großbritannien, sollen 2018 folgen. 

Für viele Institute wird 2018 vor allem ein Jahr, in dem sie mit neuen Produkten, Kundeninnovationen und Vertriebsstrukturen experimentieren.



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