Damit digitales Marketing gelingt, müssen keine aufdringlichen Popup-Ads her.
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Vor einigen Monaten veröffentlichte die "Coalition for Better Ads" ihre Studienergebnisse zur Wahrnehmung von Desktop- und Mobile-Werbeanzeigen. Mehr als 25.000 Konsumenten zeigten sich vor allem von Popup-Ads genervt, die in 97 Prozent der Fälle für eine Unterbrechung des Internetsurfens verantwortlich sind. Rund 50 Prozent der Befragten gaben deshalb an, bestimmte Seiten aufgrund dieser Banner nicht wieder zu besuchen, 69 Prozent reagieren mit Ad-Blockern.
"Das Popup-Banner erfreute sich in seinen Anfangstagen einer großen Beliebtheit, da der Betrachter dem Banner zwangsläufig seine Aufmerksamkeit schenken musste. Doch hat dieser Bannertypus viele Internetnutzer verärgert und führte dazu, dass die Softwaregattung "Popup-Blocker" entstanden ist", erklärt Springer-Autor Erwin Lammenett im Buchkapitel "Online-Werbung - Hintergründe, Funktionsprinzipien, Formen und Formate, Anbieterstruktur und Marktentwicklung" (Seite 298). Vergleichbar unbeliebt sind Sticky-Ads, die sich über den eigentlichen Inhalt der Website legen und sich beim Scrollen mitbewegen.
Da sich das offene Web jedoch maßgeblich mit Werbeanzeigen finanziert, will die "Coalition for Better Ads" gemeinsam mit großen Unternehmen wie Google für ein positiveres Image von Online-Ads sorgen. Der Suchmaschinendienst und Werbevermarkter geht gerade mit gutem Beispiel voran und versendet in den nächsten Wochen Mahnungen an Publisher, die nervige Ads in Umlauf bringen. Medienberichten zufolge hat Google bis jetzt 1.000 Werber dazu aufgefordert, ihre Ads gemäß der "Better Ads"-Standards der Koalition zu überarbeiten. Bestimmte Google-Tools sollen Unternehmen dabei helfen, die Qualität ihrer Werbeanzeigen selbstständig zu prüfen. Google steht es zwar nicht zu, Sanktionen anzudrohen, wohl aber seinen Webbrowser Chrome mit einem hauseigenen Ad-Blocker auszustatten. Dieser wird wohl voraussichtlich zum Anfang des kommenden Jahres kommen. Unternehmen sind also gut beraten, zum Beispiel auf alles dominierende Popups und Mobile-Ads, die mehr als 30 Prozent des Bildschirms einnehmen, zu verzichten.
Big Data verspricht neue Retargeting-Chancen
Publisher und Vermarkter brauchen jedoch nicht fürchten, dass ihnen fehlende Popup-Ads, blinkende Sticky-Ads oder selbstabspielende Videoinhalte einen Strich durch die Marketing-Rechnung machen. Die Lösung liegt im Umdenken und darin, die sich ständig weiterentwickelnden Möglichkeiten des Online-Advertisings auch zu nutzen. "Es ist heute schon möglich, Werbung geziehlt an demografischen Daten oder an Interessen der Internetnutzer auszurichten. Stichworte dazu sind "Remarketing" und "Retargeting". Doch die heute verfügbaren Methoden der zielgerichteten Aussteuerung von Werbung haben Mängel und Lücken. Zukünftig, so hofft die Werbebranche, sollen diese Lücken durch das massenhafte Sammeln, Analysieren und Interpretieren von Kundendaten geschlossen werden. Das Stichwort hierzu lautet "Big Data"", schreibt Springer-Autor Lammenett (Seite 305). Die Kompetenzen in der Datenauswertung steigern und passende Tools zu suchen, kann also schon jetzt nicht schaden.
Und auch Google ermuntert alle Werbetreibenden, am Ball zu bleiben: "Die gute Nachricht ist, dass die Menschen nicht alle Ads hassen - sondern lediglich die belästigenden. Werden die belästigenden Ads durch akzeptablere ersetzt, wird damit allen Content-Erstellern geholfen sein", heißt es auf dem firmeneigenen Blog.