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19-05-2022 | Compliance | Im Fokus | Article

In Lieferantenbeziehungen sind Compliance-Regeln Pflicht

Author: Andrea Amerland

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Wie gestörte Lieferketten Geschäftsprozesse torpedieren, hat Corona Unternehmen gelehrt. Es gibt allerdings auch weitere Faktoren, die für Irritationen in der Supply Chain sorgen. Wie eine WHU-Studie ergibt, führen Informationslecks zu einem herben Vertrauensverlust.

In Kunden-Lieferanten-Beziehungen gibt es typische Supply-Chain-Risiken, die es zu umschiffen gilt. Gelingt das nicht, sollten die Gefahren insgesamt kleiner sein als die Vorteile, weiß Springer-Autor Paul Schönsleben im Buchkapitel "Supply Chain Design: Geschäftsbeziehungen und Risiken" (Seite 83). Der inzwischen emeritierte Professor für Logistik, Operations und Supply Chain Management an der ETH Zürich identifiziert drei Hauptrisiken für Partnerschaften zwischen Zulieferern und Kunden:

  1. Erweist sich eine Abhängigkeit vom einem Lieferanten als zu groß, drohen Lieferausfälle oder zu wenig Flexibilität bei Bedarfsschwankungen. Auch ein neuer Eigentümer beim Dienstleister könnte dann zu Problemen führen. Steht dem Abnehmer nicht nur ein Lieferant zur Auswahl, besteht zwar die Möglichkeit, auf eine weitere Bezugsquelle auszuweichen, dies könne aber zu einem erhöhten Preis pro Einheit führen.
  2. Ist die Geschäftsbeziehung langfristig, werden Preisentwicklungen am Markt gegebenenfalls nicht mit gemacht. Die Partnerschaft sollte daher regelmäßig auf ihre Gültigkeit überprüft und bei Bedarf neu verhandelt werden. 
  3. Wird eine Kooperation vom Abnehmer dominiert, kann dieses Verhältnis durchaus unerwartet in eine lieferantendominierte Beziehung umschlagen. Dann entwickelt sich der Käufer- in einen Verkäufermarkt. Dies geschieht unter anderem, wenn ein Systemlieferant die technologische Führerschaft übernimmt. Doch auch bei der Rohmaterialbeschaffung ist eine solche Entwicklung möglich, etwa bei Naturereignissen oder spekulativer Manipulation. "Die Beziehung muss dann neu verhandelt werden."

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Informationslecks schaden Geschäftsbeziehungen

Dass eine weitere Gefahr keinesfalls unterschätzt werden sollte, ergibt sich aus einer Studie der WHU, Otto Beisheim School of Management. Demnach gefährden Informationslecks in Lieferketten Geschäftsbeziehungen massiv. Dabei kommt es gerade hier auf eine vertrauensvolle Zusammenarbeit an, da je nach Branche ein Abhängigkeitsverhältnis besteht.

Das Forscherteam weißt in seiner experimentellen Studie nach, dass es zu einem klaren Spillover-Effekt kommt, wenn eine Datenpanne absichtlich oder aus Versehen passiert ist. Sei es eine Irrläufer-E-Mail oder die bewusste Weitergabe von Wissen an einen Konkurrenten - nicht nur das Vertrauen beim betroffenen Lieferanten nimmt Schaden. Auch das dritter Dienstleister, die von dem Geschehen erfahren, wird nachweislich erschüttert. 

Während bei einer nicht intendierten Informationspanne noch Bereitschaft bestehe, einen potenziellen Kunden zu beliefern, ist diese wesentlich geringer, wenn es sich um eine absichtliche Datenweitergabe handelt. So oder so stehe neben der Compliance die Integrität des verursachenden Unternehmens in Frage und damit auch die Verlässlichkeit als Business Partner. 

An der experimentellen Studie nahmen 181 Probanden teil, die mindestens ein Jahr Berufserfahrung in relevanten Arbeitsfeldern aufwiesen. Zu vier ähnlichen Szenarien gaben sie vorher und nachher ihre Einschätzung ab. Ausführlichere Einzelinterviews flossen ebenfalls in die Analyse ein.

Supplier Code of Conducts als Lösung?

Rund um das deutsche Lieferkettengesetz und auch im Zuge der angestrebten EU-Regelung, häufen sich kritische Stimmen, die auf die Grenzen der Überprüfbarkeit aller Lieferanten verweisen. Um diesem Problem begegnen zu können, rät Springer-Autor Stefan Zeisel im Buchkapitel "Risikoidentifikation und -bewertung in globalen Lieferketten" Supplier Code of Conducts einzuführen und diese mit Kommunikation, Trainings und Audits auch für Sub-Lieferanten zu begleiten (Seite 30). 

Auch wenn der Experte für Einkauf und Logistik nicht primär an den Kunden des Zulieferers gedacht haben mag, sondern daran, wie beauftragende Unternehmen ihre Supply Chain im Sinne der Sorgfaltspflichten besser kontrollieren, kann ein Verhaltenskodex auf alle beteiligten Partner ausgeweitet werden. So lässt sich die Weitergabe vertraulicher Geschäftsdaten regeln und gegebenenfalls Missbrauch vorbeugen. 

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