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Open Access 24-01-2024 | Originalbeitrag

Numerische Untersuchung von Skaleneffekten auf die Hydrodynamik in einem Buhnenexperiment

Authors: DI Dr. M. Glas, Assoc. Prof. PD DI Dr. M. Tritthart, DI S. Pessenlehner, Bakk.techn., PD DI Mag. Dr. C. Sindelar, DI M. Buchinger, Dr. S. Baranya, DI M. Haimann, Univ.-Prof. DI Dr. Dr. h.c. H. Habersack

Published in: Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft | Issue 3-4/2024

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Zusammenfassung

Buhnen werden im Wasserbau vielfach angewendet und sind aufgrund der komplexen Strömungsverhältnisse in Abhängigkeit von Wasserstand und Buhnengeometrie herausfordernd bezüglich der Wirksamkeit und der Eignung als flussbauliche Maßnahme. Physikalische Modellierungen werden seit etwa 130 Jahren im Wasserbau angewendet, bei Bedarf mit Feldmessungen und mittlerweile auch mit numerischen Modellen kombiniert, wodurch unter anderem auch die Bewertung von Buhnen profitiert. Aufgrund der Skalierung von physikalischen Modellen kann es jedoch zu Skalierungsfehlern kommen. In dieser Studie wurden fünf Buhnenvarianten an einem 1:1-Versuch und an einem skalierten Versuch im Maßstab 1:5 untersucht. 3D-numerische Modelle der Versuche wurden erstellt und anhand gemessener Werte kalibriert und validiert. Im Gegensatz zur modellierten Fließgeschwindigkeit konnten generell große Unterschiede in der modellierten turbulenten kinetischen Energie zwischen beiden Skalen identifiziert werden, welche auf einen Skalierungsfehler hindeuten. Die Unterschiede konnten auch beispielhaft in gemessenen Werten gefunden werden. Die Unterschiede waren größer, je niedriger der Wasserstand bzw. je höher die Buhnen waren. Diese Erkenntnisse geben einen Hinweis darauf, dass der gewählte Modellmaßstab von großer Bedeutung für die physikalische Modellierung im Wasserbau ist. Das neue Wasserbaulabor der Universität für Bodenkultur Wien ist für großmaßstäbliche Versuche bestens gerüstet. Eine detailliertere Untersuchung von Skalierungsfehlern bei physikalischen Modellversuchen von Buhnen und anderen Maßnahmen in Kombination mit noch präziseren numerischen Modellen ist in Zukunft jedenfalls zu empfehlen, um die Ursachen zu erforschen und deren Auswirkungen auf andere Aspekte, wie Sedimenttransport, Morphodynamik und Ökologie bewerten zu können.
Notes

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

1 Einleitung

Numerische Methoden sind in Kombination mit Feldmessungen und physikalischen Experimenten weit verbreitete Methoden im Wasserbau. Es ist eine Herausforderung, geeignete und kostengünstige Methoden für die Lösung spezifischer Probleme im Flussbau (e.g. Pessenlehner et al. 2023; Habersack et al. 2014) zu finden, um einerseits „so genau wie möglich“ zu sein und andererseits methodische Fehler zu vermeiden. Im Zuge von physikalischen Modellierungen sind Skalierungsfehler bei Froude-ähnlichen Modellen zu erwarten, da alle Reynoldszahl-abhängigen Prozesse in einem verkleinerten Modell nicht richtig abgebildet werden (Sindelar et al. 2019). Buhnen stellen eine weit verbreitete Maßnahme im Wasserbau dar, insbesondere zur Bereitstellung einer Mindestfahrwassertiefe für die Schifffahrt (Habersack und Hauer 2023). Außerdem wurde die Wirkung von verschiedenen Buhnenkonfigurationen auf Sedimenttransport und Morphologie des Hauptstroms (Glas et al. 2018; Henning and Hentschel 2013; Alauddin and Tsujimoto 2012) nachgewiesen, wobei die Buhnenhöhe als ein einfach zu verändernder, aber in der hydrodynamischen und morphodynamischen Wirkung als maßgeblicher geometrischer Parameter identifiziert wurde (Glas et al. 2018). Das Zusammenspiel von Monitoring sowie physikalischer und numerischer Modellierung ist bezüglich der Weiterentwicklung des Wissensstands von hydrodynamischen und morphodynamischen Prozessen im Zusammenhang mit Buhnen von maßgebender Bedeutung. Physikalische Experimente können, richtig angewendet, eine gute Entscheidungsgrundlage für wasserbauliche Fragestellungen liefern und darüber hinaus eine solide Basis für die Kalibrierung und Validierung von numerischen Modellen schaffen. Wichtig dabei ist jedoch, dass Skalierungsfehler hier nicht außer Acht gelassen werden, da physikalische Modelle von Buhnenversuchen häufig in kleinen Maßstäben umgesetzt werden (z. B. Uijttewaal et al. 2001; Uijttewaal 2005), es sei denn, die Buhnenuntersuchungen werden direkt im Feld mit Naturmaßen durchgeführt (z. B. Sukhodolov 2014). Die Durchführung von Buhnenuntersuchungen direkt im Feld hat jedoch starke Einschränkungen bezüglich der Schaffung von kontrollierten Bedingungen, wie z. B. die Wahl eines Durchflusses oder Wasserstands, weshalb im Wasserbau physikalische Experimente in Verbindung mit numerischen Modellen eine unverzichtbare Rolle spielen (Sindelar et al. 2019). Umso mehr ist die Kenntnis über Skalierungsfehler für die zukünftige Versuchsplanung und die Interpretation von bisherigen Ergebnissen aus physikalischen Modellversuchen bedeutend. Das im Jahr 2023 fertiggestellte Wasserbaulabor der Universität für Bodenkultur Wien (Habersack 2024, in diesem Heft) hat in diesem Zusammenhang die besten Voraussetzungen, diesen Anforderungen auch in Zukunft gerecht zu werden. In dieser Studie, durchgeführt im Rahmen des Interreg-Projekts SEDDON II, wurden die Skalierungsfehler für verschiedene Buhnenvarianten anhand eines 1:1-Versuchs und eines skalierten Versuchs im Maßstab 1:5 mittels numerischer Modelle untersucht.

2 Methoden

2.1 Fließrinnen und Versuchsaufbau

Als Grundlage für die numerische Untersuchung in dieser Studie wurden zwei physikalische Experimente mit verschiedenen Skalen (Sindelar et al. 2024, in diesem Heft) herangezogen. Der 1:1-Naturversuch wurde an der Universität für Bodenkultur Wien am Standort des Wasserbaulabors durchgeführt. Das rechteckige Gerinne hat eine Breite von 5 m und kann bis zu 10 m3/s fassen. Die Kiessohle besteht aus Sedimenten, die den groben Fraktionen der Donau östlich von Wien entsprechen. Der kleinere Versuch entspricht aufgrund der Breite von 1 m einem Modellmaßstab von 1:5. Hier wurde der Aufbau des Naturexperiments im Maßstab 1:5 nachempfunden. Dies betrifft sowohl die geometrischen Abmessungen wie auch die eingebauten Sedimente. Eine detaillierte Beschreibung der beiden physikalischen Versuche ist in Sindelar et al. (2024, in diesem Heft) enthalten.
Im Rahmen der Studie wurden fünf deklinante Buhnenvarianten für beide Versuche ausgeführt, wobei einerseits die Wassertiefe (V1 bis V3) und andererseits die Buhnenhöhe (V3 bis V5) variiert wurde. Die untersuchten Varianten und deren Versuchsparameter sind in Tab. 1 zusammengefasst. Das Sohlgefälle der Fließrinnen entspricht 7 ‰.
Tab. 1
Untersuchte Varianten und zugehörige Randbedingungen
Variante
Versuch 1:1
Versuch 1:5
Buhnen
Froude Zahl
Buhnenhöhe (m)
Wassertiefe (m)
Durchfluss (m3/s)
Buhnenhöhe (m)
Wassertiefe (m)
Durchfluss (m3/s)
(–)*
V1
0,75
1,10
4,50
0,15
0,22
0,0805
Überströmt
0,25
V2
0,75
0,85
3,48
0,15
0,17
0,0623
Überströmt
0,28
V3
0,75
0,65
2,66
0,15
0,13
0,0476
Nicht überströmt
0,32
V4
0,50
1,10
4,50
0,10
0,22
0,0805
Überströmt
0,25
V5
0,25
1,10
4,50
0,05
0,22
0,0805
Überströmt
0,25
*Bezogen auf die Wassertiefe im Hauptstrom
Das Buhnenexperiment besteht aus 4 linksufrig angeordneten deklinanten Buhnen mit einem Buhnenabstand von 4,4 m und einer Buhnenlänge von 2,2 m. Der Buhnenwinkel beträgt 60°. Die Anordnung der Buhnen und der Versuchsaufbau sind in Abb. 1 dargestellt.

2.2 Numerisches Modell

Das numerische Lösungsverfahren des 3D-numerischen Models RSim-3D (Tritthart 2005), basierend auf einem Finite-Volumen-Ansatz, approximiert die Reynolds-gemittelten Navier-Stokes-Gleichungen (RANS) auf der Grundlage eines unstrukturierten vielflächigen Berechnungsnetzes. Zur Turbulenzmodellierung wird unter anderem das k‑ε-Modell in Standardformulierung angewendet, das mithilfe zweier Differentialgleichungen den Transport von turbulenter kinetischer Energie im Strömungsgebiet beschreibt. Das Modell wurde bereits in mehreren Studien auf venrschiedenen Skalen von Fließgewässern bis zu Laborrinnen angewendet (Glas et al. 2023, 2017; Tritthart und Gutknecht 2007).

2.3 Messmethoden

Daten für die Erstellung der digitalen Geländemodelle (DGM) für beide Versuche wurden mittels fotogrammetrischer Methoden gewonnen. ADCP- (Acoustic Doppler Current Profiler) und ADV-(Vectrino current profiler) Messungen der 3D-Fließgeschwindigkeiten wurden in Vertikalen entlang des Referenzquerschnitts (P1 bis P9, Abb. 1), welcher stromab der Buhne B2 lokalisiert ist, vorgenommen. Eine detaillierte Beschreibung des Messaufbaus ist in Sindelar et al. (2024, in diesem Heft) enthalten.

2.4 Modellaufbau und Auswertung

Der Modellaufbau und die anschließende Auswertung wurden im Rahmen einer Masterarbeit durchgeführt (Albrecht 2022) und in Habersack et al. (2022) zusammengefasst. Das Rechennetz für den 1:1-Versuch wurde als hexagonales Netz implementiert, wobei die mittlere Zellgröße an der Versuchsfläche mit 0,15 m gewählt wurde. An den Buhnen und Übergangsbereichen wurde das Rechennetz entsprechend verfeinert. Außerhalb der Versuchsfläche konnte ein gröberes Netz mit 0,4 m unter Berücksichtigung entsprechender Übergangsbereiche zur Optimierung der Rechenzeit implementiert werden. Das Rechennetz für den 1:5-Versuch wurde entsprechend dem Maßstab verkleinert. Die DGMs aus den hochauflösenden fotogrammetrischen Messdaten wurden mittels räumlicher Interpolation für die Anwendung in den numerischen Modellen vorbereitet. Die Zu- und Abflussrandbedingungen wurden aus den Messungen übernommen (siehe Abschn. 2.3 bzw. Tab. 1). Die Rauigkeit des Naturmodells (1:1) wurde in einem ersten Schritt aus Erfahrungswerten aus bisherigen numerischen Modellierungen an der Donau östlich von Wien übernommen und für den 1:5-Versuch maßstäblich verkleinert. Nach der Durchführung der numerischen Modellierungen wurden vertikale Profile entlang des Referenzprofils in der Mitte der Versuchsfläche bezüglich der Parameter Fließgeschwindigkeit und turbulente kinetische Energie k entnommen und für die Modellkalibrierung und -validierung (Abschn. 3.1) vorbereitet. Dabei wurden die Variablen in die Hauptströmungsrichtung entlang der Achse der Fließrinne gedreht. Der Skalenvergleich zwischen dem 1:1- und dem 1:5-Versuch erforderte eine Normierung der untersuchten Variablen. Die Normierung der Komponenten der Fließgeschwindigkeit wurde mittels der im Versuch vorherrschenden mittleren Geschwindigkeit U0 durchgeführt,
$$U_{\mathrm{norm}}=\frac{U}{U_{0}},U1_{\mathrm{norm}}=\frac{U1}{U_{0}},U2_{\mathrm{norm}}=\frac{U2}{U_{0}},U3_{\mathrm{norm}}=\frac{U3}{U_{0}}$$
wobei U1 die Geschwindigkeit in Hauptströmungsrichtung, und die Komponenten U2 und U3 die Sekundärströmung repräsentieren. Die mittlere Geschwindigkeit U0 wurde je nach Variante anhand des Durchflusses und des Wasserstands (Tab. 1) berechnet. Die Normierung der turbulenten kinetischen Energie wurde anhand der folgenden Formel durchgeführt,
$$k_{+}=\frac{\mathrm{k}}{0.5{U_{\mathrm{*}}}^{2}}$$
wobei \(k_{+}\) der normierten turbulenten kinetischen Energie, k der turbulenten kinetischen Energie und \(U_{*}\) der Schubspannungsgeschwindigkeit entspricht. Die Schubspannungsgeschwindigkeit wurde auf Basis des Energieliniengefälles errechnet.
$$U_{*}=\sqrt{\frac{\tau }{\rho }}=\sqrt{gRI_{E}}$$

3 Ergebnisse und Diskussion

3.1 Modellkalibrierung und Validierung

Die Modellkalibrierung und Validierung basieren ebenfalls auf den Arbeiten von Albrecht (2022) und wurden in Habersack et al. (2022) zusammengefasst. In einem ersten Schritt wurde das Modell bezüglich des Einflusses der Modellrauigkeit kalibriert. Dazu wurde die Variante im 1:1-Versuch mit einer Buhnenhöhe von 0,25 m und einem Durchfluss von 4,5 m3/s herangezogen. Dabei zeigte sich ein sehr geringer Effekt aufgrund der Änderung der äquivalenten Sandrauigkeit ks im Modell, welcher in der Abb. 2 kaum ersichtlich ist. Die höhere Rauigkeit der Buhnen führt im Buhnenfeld zu etwas geringeren Fließgeschwindigkeiten (Abb. 2a) und im Hauptstrom zu geringfügig höheren Fließgeschwindigkeiten (Abb. 2b, c). Dieser geringe Effekt der Sandrauigkeit auf die Modellergebnisse steht im Einklang mit bisherigen 3D-numerischen Modellierungen (z. B. Glas et al. 2018, 2023).
Die Modellvalidierung wurde ebenfalls anhand vertikaler Profile entlang des Referenzprofils für den 1:1- und den 1:5-Versuch für alle durchgeführten Buhnenvarianten durchgeführt. Dabei zeigte sich generell eine sehr gute Übereinstimmung der Modellergebnisse mit den gemessenen Werten. In Abb. 3 sind beispielhaft vertikale Profile der Fließgeschwindigkeit in den 3 Raumrichtungen (U1, U2, U3) und der turbulenten kinetischen Energie k bezüglich des Modells und der Messung für einen Punkt im Hauptstrom des 1:1-Versuchs dargestellt. Dabei ist eine sehr gute Übereinstimmung zu erkennen. Auch die Unterschiede zwischen Messung und Modell bezüglich der turbulenten kinetischen Energie k (Abb. 3d) sind gering. Ebenso zeigt die Modellvalidierung im 1:5-Versuch eine sehr gute Übereinstimmung zwischen gemessenem und modelliertem Parameter, beispielhaft dargestellt für einen Punkt im Buhnenfeld (Abb. 4a) und einen im Hauptstrom (Abb. 4b). Dies zeigt sich dadurch, dass die Schwankungsbreiten der Messung und der Modellierung, dargestellt als Fehlerbalken, einander überschneiden. Die Schwankungsbreite der Fließgeschwindigkeit wurde für die Messung mittels Standardabweichung und für die Modellierung auf Basis der turbulenten kinetischen Energie k ermittelt (\(\sqrt{2k}\)).
Jedoch gab es auch in manchen Punkten etwas größere Abweichungen, beispielhaft dargestellt für einen Punkt stromab des Buhnenkopfs im 1:1-Versuch (Abb. 4c). Diese größeren Abweichungen sind an Punkten im Buhnenfeld und stromab des Buhnenkopfs lokalisiert und hauptsächlich auf die Anwendung der Reynolds-Mittelung im numerischen Code (RSim-3D) zurückzuführen, wobei jedoch nicht alle Punkte in diesen Regionen größere Abweichungen zeigten. Solche komplexen Strömungsverhältnisse an Buhnen lassen sich mit hoher Genauigkeit im Allgemeinen nur durch die Anwendung anderer Turbulenzmodelle, wie z. B. LES-Modelle, abbilden, wodurch allerdings der numerische Rechenaufwand stark steigt. Das in dieser Studie angewendete Modell war für die Fragestellung in einem ersten Schritt ausreichend genau.

3.2 Skalenvergleich

Auswertungen bezüglich des Skalenvergleichs wurden von Albrecht (2022) durchgeführt und im Projekt SEDDON II fortgeführt (Habersack et al. 2022). Generell ist eine durchaus ähnliche Fließgeschwindigkeitsverteilung zwischen den beiden Skalen (1:1; 1:5) ersichtlich. Diese Ähnlichkeiten sind in allen Varianten erkennbar und wurden auch in Sindelar et al. (2024, in diesem Heft) bestätigt. Abb. 5 zeigt beispielhaft den Vergleich der modellierten, normalisierten Fließgeschwindigkeiten zwischen den beiden Modellmaßstäben. Unterschiede in der Strömungsverteilung waren vor allem im stromab liegenden Bereich des Untersuchungsgebiets erkennbar, da hier die Strömung am rechten Modellrand etwas geringer ausfiel. Diese geringfügige Verschiebung der Strömung in Richtung Strommitte ist in künftigen Studien noch genauer zu untersuchen. Eine mögliche Erklärung kann in der Zuströmung in den Untersuchungsbereich liegen. Weitere Unterschiede in der Geschwindigkeitsverteilung zwischen beiden Skalen wurden in den Buhnenfeldern identifiziert. Je nach Variante wurden Unterschiede in der Form und Größe der Wirbel in den Buhnenfeldern zwischen den beiden Skalen gefunden, welche auch auf die Anwendung der RANS-Gleichungen im numerischen Code zurückzuführen sind.
Im Vergleich zu den generell geringen Skalenunterschieden bei der Fließgeschwindigkeit konnte ein wesentlich größerer Unterschied für die modellierte turbulente kinetische Energie k+ ermittelt werden. Das Turbulenzniveau war im Versuch 1:1 in allen untersuchten Vertikalen und allen Varianten höher als im Versuch 1:5. Das Turbulenzniveau wurde dabei um das 5 bis 10-Fache, in manchen Fällen sogar um das 20-Fache überschritten, obwohl in der normierten Fließgeschwindigkeit keine nennenswerten Unterschiede erkennbar waren. Abb. 6a–f zeigt die normierte turbulente kinetische Energie k+ beider Modellskalen über die Tiefe beispielhaft für zwei Varianten (V1, V3). Außerdem wurde das Verhältnis der turbulenten kinetischen Energie k+ des Versuchs 1:1 zum Versuch 1:5 ermittelt und dargestellt, wodurch ein Hinweis auf einen Skaleneffekt bezüglich dieses Parameters ersichtlich wird. Dabei zeigte sich, dass der Skaleneffekt bei einer Reduzierung der Wassertiefe von 1,1 m auf 0,65 m (aufgrund des reduzierten Durchflusses von Q = 4,5 m3/s bei V1 auf Q = 2,66 m3/s; siehe Tab. 1) und bei gleichbleibender Buhnenhöhe vergrößert wird. Umgekehrt konnte eine Erhöhung des Skaleneffekts bezüglich der turbulenten kinetischen Energie k+ aufgrund der Erhöhung der Buhnenhöhe bei gleichbleibendem Wasserspiegel (zugehörig zu Q = 4,5 m3/s) identifiziert werden.
Als Validierung der numerischen Modellergebnisse bezüglich des Skaleneffekts bei der normierten turbulenten kinetischen Energie k+ wurden die zugehörigen gemessenen Werte anhand der Variante V1 herangezogen (siehe auch Sindelar et al. 2024, in diesem Heft). Dabei zeigt sich generell, dass das numerische Modell die Turbulenz etwas unterschätzt, allerdings ist auch hier ein Hinweis auf den Skalenunterschied ersichtlich. In der Vertikalen P6 im Hauptstrom nahe dem Buhnenkopf ist das Verhältnis 1:1/1:5 bezüglich Modellierung und Messung in guter Übereinstimmung. Am Rand des Hauptstroms ist eine leichte Überschätzung und im Buhnenfeld (P2) ist umgekehrt eine leichte Unterschätzung des modellierten Skaleneffekts (1:1/1:5) gegenüber dem gemessenen Skaleneffekt ersichtlich. Diese Unterschiede sowie die generelle Unterschätzung der turbulenten kinetischen Energie k+ sind, wie schon im Abschn. 3.1 beschrieben, auf die verwendeten numerischen Methoden, insbesondere die Reynolds-Mittelung zurückzuführen. Hier sollte in Zukunft der Hinweis auf mögliche Skaleneffekte mittels genauerer Modelle, wie z. B. numerische Modelle mit LES-Turbulenzmodell, sowie mit besser vergleichbaren physikalischen Modellversuchen in beiden Modellskalen überprüft werden.

4 Zusammenfassung und Schlussfolgerung

Buhnen haben aufgrund ihrer Anordnung und Geometrie im Fluss einen komplexen Einfluss auf die Hydrodynamik und in weiterer Folge auf Sedimenttransport, Morphologie und Ökologie. In dieser Studie wurde der Einfluss von verschiedenen Buhnenhöhen im Zusammenhang mit variablen Wassertiefen auf Skaleneffekte bezüglich hydrodynamischer Variablen (Fließgeschwindigkeit, Turbulenz) mithilfe eines 3D-hydrodynamischen Modells, welches die RANS-Gleichungen löst, untersucht. Dabei konnte anhand der durchgeführten Versuche im Naturmaßstab und im Maßstab 1:5 festgestellt werden, dass im Gegensatz zur Fließgeschwindigkeit ein deutlicher Hinweis auf Skaleneffekte bezüglich der turbulenten kinetischen Energie k zwischen dem Versuch im Naturmaßstab (1:1) und jenem im Maßstab 1:5 besteht. Dieser Hinweis auf Skaleneffekte wurde auch anhand von ausgewählten Messwerten validiert und für Variante 1 auch in Sindelar et al. (2024, in diesem Heft) im Detail ausgeführt. Bezüglich der untersuchten Buhnengeometrien ergab sich, dass der Skaleneffekt bei der turbulenten kinetischen Energie k größer wird, wenn die Buhnenhöhe bei gleichbleibendem Wasserstand erhöht wird, bzw. wenn der Wasserstand bei gleichbleibender Buhnenhöhe reduziert wird. Anders ausgedrückt: Je mehr die Buhne den Fließquerschnitt beeinflusst, desto größer ist der Skaleneffekt. Diese Ergebnisse bestätigen, dass im Zuge der physikalischen Modellierung ein möglichst großer Modellmaßstab (oder wenn möglich der Naturmaßstab) gewählt werden sollte, um diese Skaleneffekte möglichst klein zu halten. Das neue Wasserbaulabor der Universität für Bodenkultur Wien schafft dafür die besten Voraussetzungen (Habersack 2024, in diesem Heft). Die Überprüfung und Vertiefung der bisherigen Skalenuntersuchungen kann an der großen Fließrinne „Big Flume“ im neuen Wasserbaulabor, welcher bezüglich der Zuströmung aufgrund der möglichen Länge kaum Grenzen gesetzt sind, in Verbindung mit genaueren numerischen Methoden im Rahmen weiterer Projekte vertieft werden. In Zukunft sind auch detaillierte numerische und physikalische Untersuchungen von Skaleneffekten bezüglich anderer Aspekte, wie z. B. Sedimenttransport, Morphodynamik und Ökologie zu empfehlen, um für künftige flussbauliche Maßnahmen auch die richtigen Methoden bereitstellen zu können.

Danksagung

Die präsentierten Forschungsergebnisse wurden von der Europäischen Union kofinanziert (SEDDON II –Interreg V‑A Österreich – Ungarn). Die finanzielle Unterstützung durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) wird dankend anerkannt. Weiters danken wir für die finanzielle Unterstützung durch das Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft und die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung. Dank gebührt außerdem Petr Lichtneger, Patrick Albrecht, Silvia Heufler und Ulisse Viezzoli sowie den Werkstätten des Wasserbaulabors.

Interessenkonflikt

M. Glas, M. Tritthart, S. Pessenlehner, C. Sindelar, M. Buchinger, S. Baranya, M. Haimann und H. Habersack geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
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Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Literature
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go back to reference Tritthart, M. (2005): Three-dimensional numerical modelling of turbulent river flow using polyhedral finite volumes. Wiener Mitteilungen Wasser-Abwasser-Gewässer, 193, 1–179. Tritthart, M. (2005): Three-dimensional numerical modelling of turbulent river flow using polyhedral finite volumes. Wiener Mitteilungen Wasser-Abwasser-Gewässer, 193, 1–179.
Metadata
Title
Numerische Untersuchung von Skaleneffekten auf die Hydrodynamik in einem Buhnenexperiment
Authors
DI Dr. M. Glas
Assoc. Prof. PD DI Dr. M. Tritthart
DI S. Pessenlehner, Bakk.techn.
PD DI Mag. Dr. C. Sindelar
DI M. Buchinger
Dr. S. Baranya
DI M. Haimann
Univ.-Prof. DI Dr. Dr. h.c. H. Habersack
Publication date
24-01-2024
Publisher
Springer Vienna
Published in
Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft / Issue 3-4/2024
Print ISSN: 0945-358X
Electronic ISSN: 1613-7566
DOI
https://doi.org/10.1007/s00506-023-01024-1

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