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03-02-2020 | Transformation | Im Fokus | Article

Finanzdienstleister verpatzen den digitalen Wandel

Author:
Angelika Breinich-Schilly
4 min reading time

Banken investieren fünf Prozent ihres Umsatzes in die digitale Transformation. Doch was sich in den Häusern tatsächlich verändert, ist häufig unklar. Denn die Gewinne hinken den Visionen oft weit hinterher, so eine aktuelle Studie.

Bei den Investitionen der Banken in den digitalen Wandel ist Skepsis angebracht. Viele Institute verzetteln sich in Projekten und können ihre Bemühungen nicht monetarisieren. So lautet das Kernergebnis des State of Financial Services Reports des Beratungshauses Oliver Wyman. Zwar leiten Finanzdienstleistungsunternehmen im Jahr durchschnittlich fünf Prozent ihres Umsatzes in den digitalen Wandel. Doch Anleger können laut Studie nicht nachvollziehen, in was die Unternehmen genau investieren und aus welchen Gründen. Ihnen fehle es zudem an aussagekräftigen Kennzahlen zur Beurteilung der Fortschritte.

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Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung in Banken und Sparkassen

Das Banking unterliegt neben der anhaltenden Niedrigzinssituation und den steigenden regulatorischen Anforderungen einem wesentlichen Einfluss durch die stark zunehmende Digitalisierung in allen Geschäftsbereichen. Zwar ist diese schon seit der Einführung des Computers für Kreditinstitute von Bedeutung, mit der rasanten Geschwindigkeit, in der neue Technologien entwickelt werden, steigt jedoch auch der Einfluss der Digitalisierung auf das Bankgeschäft.

Banken haben ein Kommunikationsproblem

Zudem hegten sie Zweifel am Kosten-Nutzen-Verhältnis hoher Investitionen in neue Technologien. So glauben dem Report zufolge nur 25 Prozent der Anleger, dass die Digitalisierungsstrategien der Unternehmen von Erfolg gekrönt sein werden. Und weniger als ein Prozent ist der Ansicht, dass die Pläne der Banken klar formuliert und glaubwürdig sind. Laut Studie verwenden zwar 98 Prozent der europäischen Banken den Begriff 'digital' in ihrer externen Kommunikation. In den Research-Berichten der Analysten komme dieser aber nur bei 27 Prozent der Institute vor.  

Die Experten des Schweizer Beratungshauses schätzen, dass für 75 Prozent des Wertverfalls im europäischen Bankensektor makroökonomische Faktoren und die Regulierung verantwortlich sind. Nur 25 Prozent führen sie auf neue Wettbewerber wie Fintechs und Bigtechs zurück. Doch der Druck steigt, da die innovativen Tech-Pioniere traditionelle Bankhäuser beim Wachstum bereits abgehängt haben. So sei ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis meist doppelt so hoch wie das etablierter Institute.  

Banken müssen konsequent digitalisieren

"Die nahe Zukunft verspricht hinsichtlich der aktuellen Herausforderungen nur wenig Entlastung für die Banken", schreiben auch Markus Strietzel, Sebastian Steger und Till Bremen im Buchkapitel "Digitale Transformation im Banking – ein Überblick" auf Seite 16. Die Springer-Autoren erläutern: 

Auch wenn die Zinsen langfristig wieder steigen werden, müssen Banken heute die Grundlage für effiziente und kostenoptimierte Prozesse legen. Gleichzeitig werden die regulatorischen Anforderungen in den nächsten Jahren weiter steigen und Banken dazu zwingen, ihre Produkte, Prozesse und IT-Systeme konsequent zu digitalisieren."

Im Hinblick auf das Kundengeschäft sei davon auszugehen, dass komplexe Fragestellungen zwar noch gemeinsam mit dem Kundenberater gelöst werden, Standardprodukte jedoch überwiegend auf digitalen Plattformen vertrieben und abgewickelt werden. "Dies bedeutet, dass die strategische und operative Gestaltung der digitalen Transformation für Banken ähnlich wie in anderen Branchen zu einer existenziellen Herausforderung wird."

Mittel für digitale Transformation besser steuern

Vor diesem Hintergrund müsse auch laut des Oliver-Wyman-Reports weiter in die digitale Transformation investiert werden. Derzeit kämpften die Unternehmen damit, Investitionen in die Bereiche mit strategischer Priorität zu lenken. "Stattdessen fließen noch immer fast 50 Prozent der für die Transformation vorgesehenen Mittel in die Einhaltung obligatorischer regulatorischer Anforderungen", so die Studienexperten. Hierfür sei eine Kombination aus Vision und wirtschaftlichem Nutzen erforderlich. Was das im Einzelnen bedeutet, haben die Analysten in fünft Punkten zusammengefasst:  

Wie Banken Vision und wirtschaftlichen Nutzen in Einklang bringen

Unternehmen müssen ein hohes Maß an Disziplin wahren und dürfen sich nicht dazu hinreißen lassen, in sogenannte Copycat-Technologien zu investieren, die von Marktpionieren entwickelt wurden. Denn diese funktionieren nur für manche, aber eben nicht für alle Unternehmen.

Sie müssen sich auf eine kleinere Anzahl an Initiativen mit guter Mittelausstattung konzentrieren.

Es muss Klarheit herrschen, was von einem Investment in neue Technologie im Hinblick auf Produktivitätssteigerungen zu erwarten ist.

Die Tools zur Bewertung und Steuerung von Veränderungen müssen besser werden.

Die externe Kommunikation muss verbessert werden, damit Anleger leichter nachvollziehen können, welche Faktoren die Entwicklung beeinflussen, und die Möglichkeit bekommen, die Fortschritte langfristiger Veränderungen zu verfolgen. 

Quelle: Oliver Wyman: "State of Financial Services Report"

Geldhäuser brauchen glaubwürdige digitale Strategie

"Für den Erfolg eines Unternehmens wird die richtige Mischung aus Vision und wirtschaftlichem Nutzen entscheidend sein. Doch viele Unternehmen werden hieran scheitern", lautet das Fazit von Bankenexperte Robert Buess, Partner bei Oliver Wyman. "Jedes Unternehmen muss für sich das Richtige bestimmen und sich auf eine Strategie für die Zukunft festlegen. Und das möglichst unbeeindruckt von der wachsenden Bedrohung durch Bigtechs, der Gefahr einer Rezession und der zunehmenden Ungeduld der Anleger."   

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