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08-08-2023 | Corporate Social Responsibility | Schwerpunkt | Article

Nachhaltigkeit braucht einen Chef

Author: Andrea Amerland

3:30 min reading time

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Obwohl die nachhaltige Transformation für Unternehmen durchaus dringlich ist, verfügen die wenigsten über eine eigene Abteilung, die den ESG-Wandel vorantreibt. Oft liegt die Verantwortlichkeit sogar allein beim CEO. Das hat Vorteile.
 

Wer in einem Unternehmen Nachhaltigkeitsziele definiert und umsetzt, sagt viel über den aktuellen Status Quo des Themas aus. Interessanterweise ist in zwei von fünf Unternehmen die ESG-Verantwortung (Environmental, Social und Governance) auf CEO-Ebene verortet. Das hat die Managementberatung Horváth in der Studie "Sustainable responsable: Wer managed Nachhaltigkeit?" ermittelt, indem sie dafür rund 180 Manager aus sechs, überwiegend europäischen Märkten, durch das Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) befragen ließ.

Editor's recommendation

2023 | Book

Der Weg zur nachhaltigen Unternehmensführung

Wie Sie Verantwortung für Menschen, Umwelt und Wirtschaft übernehmen

Dieses Buch zeigt, wie Verantwortliche auf allen Unternehmensebenen die Herausforderungen einer nachhaltigen Unternehmensführung souverän meistern können. Hierzu werden konkrete Handlungskonzepte präsentiert.

Hat beim Thema Sustainability das Top-Management den Hut auf, ist es allein für die Erreichung der ESG-Ziele zuständig. An sich sei diese Verankerung für solch ein wichtiges Zukunftsthema auch vernünftig, so Stefan Tobias, Studienleiter und Partner bei Horváth. "In den meisten Fällen ist es aber sinnvoll, weitere Board-Positionen mit einzubeziehen, da die Herausforderungen nur ganzheitlich und gemeinschaftlich lösbar sind." 

Nachhaltige Transformation fordert Management Boards

Dass sehen auch viele Unternehmen so und beziehen zu 22 Prozent den Chief Financial Officer (CFO) bei der nachhaltigen Transformation federführend mit ein. In 13 Prozent der befragten Organisationen kommt hingegen der Chief Security Officer (CSO) ergänzend zum Zug, um gesellschaftliche, soziale oder grüne Entwicklungen voranzutreiben. In 27 Prozent der Unternehmen ist sogar das gesamte Management Board in Hinblick auf Strategie und Fortschritte gefordert. Dementsprechend bleiben Incentivierungen für ESG-Erfolge zumeist auf die obere Führungsebenen beschränkt. Nur acht Prozent der Befragten geben an, eine entsprechende Bonus-Komponente bei allen Mitarbeitenden eingeführt zu haben.

Auch je nach Land zeigen sich klare Unterschiede bei der Zuordnung der Verantwortlichkeiten. Während in Frankreich überwiegend der CFO mit von der Partie ist (60 Prozent), kommt diese Rolle in Kanada häufig dem CSO zu (33 Prozent). 

CEOs sollen Haltung zeigen

Gesellschaftliche Führung ist jetzt eine Kernfunktion, betont Springer-Autor Ralf T. Kreutzer im Buchkapitel "Dos & Don’ts einer nachhaltigen Unternehmensführung". Der Experte belegt diese Ansicht mit Ergebnissen des Edelman Trust Barometer 2022. Demnach wünschen sich 60 Prozent der Arbeitnehmer von ihrem CEO, dass er sich zu gesellschaftlichen Themen äußert. 80 Prozent der Bevölkerung erwarten zudem, "dass CEOs persönlich in Erscheinung treten, wenn sie mit externen Stakeholdern über die öffentliche Politik oder die Arbeit ihres Unternehmens zum Nutzen der Gesellschaft diskutieren".

Dass Top-Manager Diskussionen und die Politik zu Themen wie Arbeitsplätze und Wirtschaft beeinflussen (76 Prozent), bei Lohnungleichheit (73 Prozent) nicht schweigen, Technologie und Automatisierung (74 Prozent) sowie globale Erwärmung und Klimawandel (68 Prozent) problematisieren, gehört mit in den Erwartungskatalog.

Die Umsetzung obliegt aber letztendlich zumeist abteilungsübergreifenden Teams (80 Prozent). Lediglich drei Prozent haben laut Horváth-Umfrage eigene Abteilungen eingerichtet. Doch in jeden sechsten Unternehmen fehlen klare ESG-Verantwortlichkeiten. Stefan Tobias findet das ausgesprochen problematisch, weil so für jedes Projekt neue Teams gebildet werden müssten. "Dabei gehen Know-how und Effizienz verloren - und es ist anzunehmen, dass der Gesamtfortschritt auf dem Weg zu mehr ökologischer Nachhaltigkeit auch nicht zuverlässig und standardisiert nachgehalten wird", meint der Experte. 

Eigene Teams setzen ESG um

Die Vorteile von übergreifenden ESG-Teams betont auch Ulrich Holzbaur im Buchkpaitel "Nachaltigkeit im Unternehmen" auf Seite 302. "Ein Umwelt- oder Nachhaltigkeits-Management muss 'leben'. Deshalb spielt das Nachhaltigkeitsteam bei der Einführung, Umsetzung und Verstetigung eines Nachhaltigkeitsmanagementsystems eine entscheidende Rolle. Das Nachhaltigkeitsteam fungiert als zentrales Forum für alle Nachhaltigkeitsfragen", schreibt der Experte. 

ESG-Arbeitsgruppen erfüllen demnach folgende Funktionen und Aufgaben: 

  • Bilden zentrales Beratungsforum für alle ESG-Fragen und alle Aktivitäten,
  • planen den Nachhaltigkeitsmanagementprozess und legen das Programm fest,
  • bestehen aus Vertretern der Unternehmensleitung und Mitarbeitern aus allen Bereichen,
  • haben einen Vertreter des Managements als Mitglied,
  • berücksichtigen auch Arbeitnehmervertreter, 
  • organisieren ihre Arbeit selbst,
  • haben eine klare Schnittstelle zur Unternehmensspitze, die von dieser klar benannt wird,
  • verfügen über ein Budget und kommunizieren im Unternehmen, so wie vom Management festgelegt,
  • können sich durch Projektteams ergänzen,
  • planen und setzen Aktionen und Veranstaltungen um.

Übergreifende Arbeitsgruppen machten alleine schon deswegen Sinn, weil das Thema ganzheitlich im Unternehmen verankert werden müsse, so Stefan Tobias. "Inzwischen arbeiten auch in nahezu allen Abteilungen Experten und Expertinnen, die besondere Kompetenzen in Nachhaltigkeitsthemen aufgebaut haben, beispielsweise ESG-Spezialisten in den Finance-Departments."

Doch ohne Unterstützung des Managements - da sind sich alle Experten einig - kann Sustainability nicht richtig im Unternehmen verankert werden. 

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