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17-11-2020 | Sichteinlagen | Nachricht | Article

Kunden im Unklaren über Negativzinsen bei ihrer Bank

Author:
Swantje Francke
3 min reading time

Wer sein Geld auf seinem Konto verwahrt, könnte dafür abgestraft werden. Negativzinsen, oder eine sogenannte Verwahrgebühr, lassen Sparguthaben bereits bei einigen Banken schrumpfen, immer mehr Institute erwägen deren Einführung.

Eine zunehmende Zahl von Banken in Deutschland springt mittlerweile auf das Thema Negativzinsen auf. Als jüngstes Beispiel dieser Entwicklung gab unlängst die Direktbank ING bekannt, ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent auf Einlagen über 100.000 Euro auf dem Girokonto, einem Basiskonto oder einem Tagesgeldkonto zu erheben, wenn diese dort neu geparkt werden. Ausgenommen von dieser Neuregelung sollen Altkunden sein. Sobald diese jedoch ein zusätzliches Konto eröffnen und darauf Geld überweisen, greife die neue Regelung auch für sie. Das Verwahrentgelt soll bei der ING ab dem 1. Februar 2021 eingeführt und im März erstmals vom Konto eingezogen werden.

Handhabung der Verwahrgebühr differiert

Wie das Vergleichsportal Verivox unter 709 Banken erfragt hat, bittet bereits jedes fünfte Institut seine Kunden zur Kasse. Von diesen insgesamt 709 Banken berechnen 149 ihren Privatkunden unter bestimmten Voraussetzungen Negativzinsen. Zehn weitere erheben eine Gebühr auf das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto. Zusammen mit diesen zehn Banken verlangen insgesamt 159 Geldhäuser Negativzinsen, so ein weiteres Ergebnis.

Wurden lange Zeit ausschließlich Guthaben von 100.000 Euro und mehr mit Negativzinsen belastet, räumten der Umfrage zufolge mittlerweile 38 Institute ihren Sparern deutlich weniger als 100.000 Euro als Freibetrag ein. Fünf würden ab dem ersten Euro Negativzinsen verlangen.

Unterschiede bei den Geldhäusern regional begründet

Besonders hoch sei ihre Zahl im Osten. Belasten bundesweit 22 Prozent der Banken ihre Privatkunden mit Negativzinsen, forderten im Osten 45 Prozent ein sogenanntes Verwahrentgelt. Als Grund dafür nennt Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox, dass viele Geldhäuser der Region mehr Spargelder verwahrten als sie auf der anderen Seite in Form von Krediten an ihre Kunden ausgeben könnten. Seit der letzten EZB-Zinssenkung im September 2019 müssten Banken auf überschüssige Einlagen, die sie bei der Zentralbank parken, selbst 0,5 Prozent Strafzinsen zahlen.

Im Bundesländervergleich verlangen in Bayern (44) und Nordrhein-Westfalen (26) die meisten Banken ein sogenanntes Verwahrentgelt. Allerdings sei hier die Bankendichte auch besonders hoch. Daher rangiere der Anteil von Instituten mit Negativzinsen in Bayern mit 26 Prozent nur leicht über dem Durchschnitt, in Nordrhein-Westfalen entspreche er mit 22 Prozent dem Gesamtschnitt.

Bankkunden kennen Negativzinsenregelung oft nicht

Gleich, ob ab dem ersten Euro oder erst ab höheren Kontoguthaben: Über die Hälfte der Deutschen wissen nicht, ob ihre Bank Negativzinsen erhebt. Ganze 53 Prozent der Deutschen leben in Unkenntnis darüber, wie eine repräsentative Umfrage der Direktbank Openbank im Oktober unter mehr als 2.000 Bundesbürgern ab 18 Jahren herausgefunden hat.

Was es mit den Negativzinsen überhaupt auf sich hat, kann jeder Zehnte nicht beantworten. Sicher waren sich lediglich 23 Prozent der Befragten, dass ihre Bank keine Negativzinsen erhebt. Auch bei der Suche nach Alternativen, mit denen sich Null- oder Negativzinsen umgehen lassen, zeigen sich laut Studie viele ratlos. Dennoch ihr Geld auf dem Girokonto belassen wollen 19 Prozent, 23 Prozent kennen erst gar keine Alternativen.

Negativzinsen sind Argument für einen Bankwechsel

Auch, wenn 30 Prozent der Befragten mit dem Angebot ihrer Bank zufrieden sind und ein Bankwechsel zum jetzigen Zeitpunkt für sie nicht in Frage kommt, wären 26 Prozent angesichts von Negativzinsen bereit, die Bankverbindung zu wechseln. Niedriger liegt die Schmerzgrenze für sieben Prozent: Für sie wären Nullzinsen ein Grund für einen Bankwechsel. Als wichtigste Kriterien bei einem Bankwechsel identifizierte die Umfrage die kostenlose Kontoführung (81 Prozent) und der Verzicht auf Negativ- oder Strafzinsen (79 Prozent).

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