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17.06.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

Autonomes Fahren: Der Fahrer bleibt im Loop

Autor:
Markus Schöttle

Lässt sich ein Jaguar-Fahrer in der Zukunft hochautomatisiert chauffieren? Nein, sagt Entwicklungschef Dr. Wolfgang Epple. Im britischen Gaydon präsentierte er gestern mehrere Konzepte zur bestmöglichen Fahrerassistenz, mit autonomem Fahren nur bis 10 km/h.

Im Wettlauf der markendifferenzierenden Merkmale müssen Autohersteller neue Ideen und Argumente finden. Unter anderem in der Fahrerassistenz. Mit einem Feature, das sich Jaguar Land Rover für seine Geländewagen-Kunden hat einfallen lassen, stärkt der britische OEM den Markenkern seiner Offroader.

Fernsteuerung

Mit der Fernsteuerung eines Land Rover in extrem unwegsamen Gelände via Smartphone lässt sich das Fahrzeug in Reichweite von wenigen Metern beschleunigen (bis maximal 6,4 km/h), abbremsen und lenken sowie in der Höhe nivellieren. Schwierige Passagen, die man vom Fahrersitz nur schwer oder gar nicht einschätzen kann, können so sicher durchfahren werden. Die Fernsteuerung, die nach Angaben des Herstellers auf Basis heutiger Umfeldsensoren funktioniert, unterstützt auch im Alltag, beispielsweise beim Parken in engen Buchten, wo ein Aus- oder Einsteigen nicht mehr möglich wäre.

Das Parkassistenzsystem baut Jaguar zum einem Niedriggeschwindigkeits-Assistenten aus, dem sogenannten Multi-Point-Turn-Assistenten. Das Fahrzeug soll dabei in der Lage sein, selbstständig 180-Grad-Wendemanöver im Vorwärts- und Rückwärtsgang durchzuführen. Es erkennt Fußgänger sowie Hindernisse und leitet gegebenenfalls Bremsmanöver automatisch ein. Dabei handelt es sich um autonome Fahrfunktionen, die laut Epple jederzeit übersteuerbar sind und ausschließlich für den Niedriggeschwindigkeitsbereich vorgesehen sind. Somit spricht sich der Entwicklungschef gegen das autonome Fahren aus, beispielsweise auf Autobahnen: "Fahrerloses Fahren sehe ich für unsere Marken nicht."

Technologien für (teil)automatisiertes Fahren sind keinesfalls gleichbedeutend mit dem Ende des Fahrvergnügens. "Die Erforschung dieser und anderer Technologien bedeutet in erster Linie einen Gewinn an Sicherheit und Komfort. Die gleichen Sensoren und Systeme, die einem autonomen Fahrzeug helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, unterstützen zugleich den Piloten und verbessern das Fahrerlebnis. Zudem helfen sie, Unfälle zu verhindern."

Sixth-Sense-Entwicklungsprojekt

"Maximale Unterstützung bei der Fahraufgabe ist nur dann möglich, wenn wir möglichst viel über den Zustand des Fahrers wissen", betont Epple. So arbeiten die britischen Ingenieure unter anderem an einem sogenannten Wellness-Fahrersitz, der die Herzfrequenz und die Atmung des Fahrers misst, gegebenenfalls warnt oder in Stresssituationen mit Maßnahmen wie beruhigenden Licht- oder Akustikeffekten deeskalieren kann. Das Jaguar Land Rover Sixth-Sense-Entwicklungsprojekt orientiert sich an Erfahrungen aus Fachgebieten wie Medizin, Sport und Luftfahrt, die auch daran arbeiten, Ablenkungsszenarien zu vermeiden und hohe Konzentration zu unterstützen.

Das Forschungsprojekt "Mind Sense"

Im Mittelpunkt des "Mind-Sense"-Forschungsprojekts steht die Frage, ob und wie sich Hirnströme des Fahrers in einem Auto erfassen lassen. Diese Aktivitäten können unter anderem anzeigen, dass der Pilot müde wird oder durch einen Tagtraum abgelenkt ist. Das menschliche Gehirn erzeugt permanent vier oder mehr verschiedene Hirnströme auf verschiedenen Frequenzbändern. Indem man überwacht, welcher Hirnstrom gerade dominiert, kann ein Bordcomputer ermitteln und abschätzen, ob der Fahrer gerade voll konzentriert ist - oder aber abgelenkt beziehungsweise schläfrig.

"Wenn die Gehirnaktivität beispielsweise auf einen Tagtraum oder nachlassende Konzentration hindeutet, könnten Lenkrad oder Pedale vibrieren und den Fahrer so wieder aufmerksamer machen", sagt Dr. Wolfgang Epple. "Falls Mind Sense nach einem Warnhinweis oder Warnton keinen Anstieg der Gehirnaktivität registriert, kann der Wagen seinen Benutzer noch einmal warnen oder auf andere Weise mit ihm kommunizieren, damit der Fahrer die potenzielle Gefahr erkennt."

Schlaglochwarnung in der Cloud

Jaguar Land Rover erforscht derzeit die Möglichkeiten eines sogenannten Schlagloch-Warners, der Position und Größe eines Schlaglochs oder eines beschädigten Kanaldeckels beziehungsweise Rinnsteins ermittelt. Dank dieser Daten kann die Fahrzeugsteuerung in Millisekunden auf die Gefahr reagieren, sie teilt ihr Wissen in Echtzeit über die Cloud mit anderen vernetzten Verkehrsteilnehmern und Straßenbauverwaltungen mit. Auf dem Rundkurs im Forschungs- und Entwicklungszentrum Gaydon konnte das System getestet werden. Die Datenerfassung wurde auf einem Monitor nachvollziehbar visualisiert. Die Aufhängungsabstimmung hingegen, die auf Schlaglöcher in Millisekunden reagieren soll, war nicht spürbar.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

Autonomes Fahren

Quelle:
Handbuch Fahrerassistenzsysteme

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