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13.09.2012 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

"CO2-Reduzierung ist ein Mannschaftssport"

Autor:
Richard Backhaus

Die gemeinsamen Anstrengungen der Automobilbranche, den Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen weiter zu reduzieren, fasste Professor Uwe-Dieter Grebe in einer prägnanten Formel zu zusammen: "CO2-Reduzierung ist ein Mannschaftssport".

Grebe (links im Bild), Executive Vice President, Global Business Development & International Operations Powertrain Systems, AVL List, machte diese Aussage im Rahmen seines Vortrags auf der Internationalen AVL-Tagung Motor & Umwelt, die noch bis zum morgigen 14. September 2012 stattfindet. Mehr als 300 Experten aus 18 Ländern diskutieren in Graz unter dem Motto "95 - 70 - 50 g CO2/km - Evolution oder Revolution?" den Weg zur Mobilität der Zukunft. Die Randbedingungen für die Entwickler gestalten sich schwierig, denn die Gesetzgebung zieht die Daumenschrauben in Bezug auf CO2-Emissionen weltweit immer mehr an. Innerhalb der Tagung sollen Fragen geklärt werden wie: Welchen Beitrag kann und muss der Verbrennungsmotor zur Erreichung der Ziele leisten? Welche Rolle spielt Biokraftstoff in dem Zusammenhang? Oder sind die Ziele nur mit revolutionären Lösungen erreichbar? Welchen Beitrag kann die Elektrifizierung bei realer Bewertung des CO2-Ausstoßes der Stromerzeugung leisten?

Wie Grebe in seinem Vortrag weiter ausführte, sind noch 30 Prozent CO2-Reduzierung in der Flotte durch die systemische Optimierung des konventionellen Antriebs bei vernünftiger Kosten-Nutzen-Betrachtung realistisch, beispielsweise durch Lastpunktverschiebung, Downsizing und Zylinderabschaltung. Darüber hinausgehende Konzepte umfassen eine Elektrifizierung vom Mildhybrid bis zum batterieelektrischen Fahrzeug. Als Beispiel zukunftsweisender Zylinderabschaltung mit hoher Kundenakzeptanz stellte er ein System vor, bei dem ein Vierzylindermotor durch spezielles Sound-Engineering trotz der Abschaltung von zwei Zylindern wie der Vollmotor klingt. Weiteres CO2-Verbesserungspotenzial sieht Grebe auch bei der Betriebsstrategie: "Durch eine angepasste Steuerung der Energieströme sind bis zu 3 Prozent an Verbesserungen möglich". Dazu kämen Potenziale durch die Vernetzung mit Fahrerassistenzsystemen sowie einer Car-to-car-Kommunikation.

Auch für Axel Eiser (Bildmitte), Executive Director Powertrain Development bei Audi, sind die ambitionierten CO2-Ziele in Europa, USA und China eine der größten Entwicklungsherausforderungen. Das Reduzierungspotenzial beim konventionellen Antrieb bezifferte er mit 20 Prozent - davon alleine 15 Prozent rein motorisch - etwas geringer als Grebe. Beim Thema Elektrofahrzeuge ist "der Hype einer gewissen Ernüchterung gewichen". Dies böte allerdings die Grundlage, nun auf einer realistischen Basis arbeiten zu können. Bei der Batterietechnik ist der Bauraumbedarf neben den Kosten nach wie vor ein Problem, das offenbar nicht kurzfristig lösbar ist: "Die Speicherdichte wird bis 2020 zwar deutlich ansteigen, aber vor 2025 rechne ich nicht mit einer Verdopplung der heutigen Performance", so Eiser. In Summe ist für ihn die Brennstoffzelle die einzige 0-g-CO2-Technik in der Tank-to-wheel-Bilanz, die auch eine schnelle Auftankzeit bietet. Zu schaffen machen der Brennstoffzellentechnik weiterhin die Zellenkosten und die fehlende Infrastruktur. "Der Marktanteil von Brennstoffzellenfahrzeugen könnte 2030 bei 5 Prozent liegen, aber nur wenn Fahrzeug und Infrastruktur staatlich gefördert werden", erläuterte Eiser.

Einen Einblick in die Entwicklungsaktivitäten in China gab Dr. Mike Ma (rechts im Bild), Vice President, Geely Automotive Tech Center. 2020 werden in China etwa 18 Millionen Fahrzeuge abgesetzt werden. Parallel steigen auch der Rohölbedarf - in fünf Jahren wird China das Land mit dem weltweit größten Energieverbrauch sein - und damit die Energiepreise. Das schafft laut Ma Raum für innovative Antriebstechniken. Auch in China werden dabei alle Entwicklungsrichtungen verfolgt, von der Verbesserung konventioneller Antriebe bis zum rein batterieelektrischen Fahrzeug. Vor allem in der Kosten-Nutzen-Relation bleibt der verbrennungsmotorische Antrieb attraktiv. "Bei einem Markt von 18 Millionen Fahrzeugen entspricht eine 10-prozentige Verbrauchsreduzierung konventioneller Fahrzeuge 1,8 Millionen Zero-Emission-Fahrzeugen, allerdings zu geringeren Kosten", rechnete Ma vor. Nach wie vor sieht der staatliche Fünfjahresplan in China die Ausweitung der Elektromobilität vor. Demnach sollen 2015 0,5 Millionen Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge abgesetzt werden, 2020 dann schon 2 Millionen, sodass zu diesem Zeitpunkt 5 Millionen Einheiten im Feld sein sollen. Aufgrund der Kosten geht Ma dabei allerdings hauptsächlich von Plug-in-Fahrzeugen aus: "Ich rechne mit weniger als 15 Prozent rein batterieelektrischer Fahrzeuge", so Ma.

Die nächste Internationale AVL-Tagung "Motor & Umwelt" wird vom 5. bis 6. September 2013 stattfinden, wieder in Graz.

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