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25.11.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

DUH stellt bei einem Renault erhöhte NOx-Emissionen fest

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Die Deutsche Umwelthilfe hat bei eigenen Tests nach Opel nun auch bei einem Renault stark erhöhte Stickoxid-Emissionen gemessen. Die Werte hätten den geltenden Grenzwert für Euro-6-Fahrzeuge um das 13- bis 25-fache überschritten. Renault widerspricht den Behauptungen der Deutschen Umwelthilfe.

Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule in der Schweiz hat im Auftrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die Stickoxid (NOx)-Emissionen eines Renault Espace 1.6 dCi (Frontantrieb, Laufleistung 12.300 km, Euro 6b) untersucht. Dabei haben laut DUH insbesondere die im Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) gefahrenen Tests mit warmem Motor sehr hohe NOx-Emissionen aufgewiesen, wie die Umweltbehörde in einer Mitteilung vom 24. November 2015 bekannt gibt. Die Werte hätten den geltenden Grenzwert für Euro-6-Fahrzeuge um das 13- bis 25-fache überschritten. Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule komme in ihrem Prüfbericht zu dem Ergebnis: "Die gemessenen NOx-Werte von 6 NEFZ Messungen überschreiten den Grenzwert von 80 mg/km. Zwei Tests zeigen Werte tiefer als 80 mg/km."

"Den Renault Espace Diesel haben wir für eine Überprüfung ausgesucht, weil er bereits in anderen Tests mit erschreckend hohen Realemissionen aufgefallen ist. Bei unseren Nachprüfungen zeigte sich ein bestimmtes Muster. Nur wenn er in einer ganz bestimmten Form auf die am Folgetag stattfindende Prüfung vorbereitet wurde, bestand er diese mit Bravour. Alle Abweichungen in der Vorkonditionierung beziehungsweise Tests mit warmem statt kaltem Motor führten zu Dieselabgaswerten, die wir in dieser Höhe noch nie gemessen haben", sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. "Wir fordern das Bundesverkehrsministerium dazu auf, sowohl den bereits vor einem Monat übermittelten Prüfbericht über einen Opel Zafira Diesel als auch diese neuen Prüfergebnisse zum Anlass zu nehmen, um eigene behördliche Nachprüfungen anzustellen."

Im Schweizer Prüflabor seien insgesamt neun Einzelmessungen durchgeführt worden, acht im offiziellen Prüfzyklus NEFZ, ein weiterer in einem von der DUH entwickelten eigenen Zyklus. Vor jedem der NEFZ-Durchläufe wurde zur Vorkonditionierung des Testfahrzeuges entweder ein gesamter NEFZ gefahren oder drei Wiederholungen des Außenstadtanteils des NEFZ (EUDC), erklärt die DUH. Die Vorkonditionierung sei im Testverfahren vorgeschrieben, um die Vergleichbarkeit und Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sicherzustellen.

Einhaltung des NOx-Emissionsgrenzwertes nur bei spezieller Vorkonditionierung und kaltem Motor

Die Messergebnisse im NEFZ mit warmem Motor hätten extrem hohe NOx-Emissionen mit Werten von bis zu 2.061 mg/km gezeigt. Erlaubt sind 80 mg/km. Eine Einhaltung beziehungsweise Unterschreitung des Grenzwertes wurde bei zwei Zyklen mit kaltem Motor und einer Vorkonditionierung mit Außenstadtzyklus erreicht, so die DUH. Eine Messung mit kaltem Motor und Vorkonditionierung mit einem NEFZ-Zyklus hätte ebenfalls eine Überschreitung mit einem Wert von 235 mg NOx/km ergeben.

"Emissionswerte in dieser Höhe kennen wir aus den späten 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, vor der Einführung der Euro-Abgasstandards. Es ist unglaublich, dass auch heute noch sogenannte moderne Diesel-Fahrzeuge unterwegs sind, die die Atemluft derartig belasten", so der international tätige Verkehrsexperte Axel Friedrich. "Das macht deutlich, dass wir mit der heutigen Form der Zulassungsverfahren nicht weiterkommen, sondern einen umfassenden Umbau des Systems brauchen, in das regelmäßige Kontrollmessungen auf der Straße verbindlich integriert werden."

Renault weist Vorwürfe zurück

Renault widerspricht hingegen den Behauptungen der Deutschen Umwelthilfe. In einer schriftlichen Stellungnahme 24. November 2015 betont Renault, dass alle im Verkauf erhältlichen Modelle den vorgeschriebenen Werten entsprechen würden. Im August habe der ADAC das gleiche Espace-Modell ebenfalls getestet und festgestellt, dass die Normwerte eingehalten werden, so Renault.

Die Testverfahren der Universität Bern seien laut Renault nicht durchgängig konform mit den Regelmessverfahren. Wie in dem Bericht der Universität vermerkt, hätten die Tests breit gestreute Ergebnisse ergeben und würden "weitere Messungen" erfordern.

Renault hat angekündigt, schnellstmöglich alle nötigen Maßnahmen ergreifen, um die Testergebnisse zu analysieren und aufzuklären.

Die DUH hatte bereits im Oktober ähnliche Vorwürfe gegen Opel erhoben, die das Unternehmen jedoch zurückwies. Die Abgasprüfstelle der Berner Fachhochschule hatte im Auftrag der DUH die NOx-Emissionen eines Opel Zafira 1.6 CDTi (Frontantrieb, Laufleistung 6000 km, Euro 6b) untersucht. Dabei seien in bestimmten Fahrsituationen bis zu 17-fach höhere NOx-Emissionen gemessen als nach dem Euro-6-Grenzwert zulässig. Die Einhaltung der NOx-Emissionen sei im EU-Abgasprüfzyklus beim getesteten Pkw davon abhängig, dass sich die Hinterräder nicht drehen. Laut dem TÜV Hessen waren die Abgaswerte des Pkw aber gesetzeskonform. So hatten die Rüsselsheimer im Beisein des TÜV Hessen einen Zafira mit 1,6-l-Dieselmotor einer Abgasmessung auf einem Vier-Rollen-Prüfstand unterzogen, bei der die Hinterräder betrieben werden. Hierbei seien gesetzeskonforme Abgaswerte erzielt worden.

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