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29.04.2013 | Bauplanung | Im Fokus | Onlineartikel

Städtisches Wohnen mit Hindernissen

Autor:
Annette Galinski

Das Wohnen im Grünen war lange Zeit im Trend. Mittlerweile nimmt die Stadtbevölkerung wieder deutlich zu. Allerdings fehlen vor allem in begehrten Groß- und Universitätsstädten wie Berlin, München und Hamburg bezahlbare Wohnungen. Dies liegt nicht nur an den vielen Studierenden und einer zunehmenden Anzahl an Single-Haushalten, sondern  auch an den Wohnungstypen. So entsteht vermehrt  besonders hochwertiger bis luxuriöser Wohnraum, der den sozialen Wohnungsbau in den Innenstädten verdrängt.

Zehn deutsche Städte mit dem größten Bevölkerungswachstum in Deutschland verzeichnen in den letzten neun Jahren eine Bevölkerungszunahme zwischen rund 3 bis mehr als 9 Prozent. Dieser Trend setzt sich aktuell mit einer besonderen Dynamik fort. Und bringt diverse Probleme bei der Verteilung des Wohnraums mit sich.

Verdrängung gewachsener Milieus

Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist das eine Problem wachsender Städte – das andere ist die zunehmende Verdrängung gewachsener Milieus durch den Zuzug finanzkräftigerer Bewohner. Angetrieben wird diese Entwicklung von der Vermarktung innerstädtischer Grundstücke zu Höchstpreisen. Viele Kommunen haben  zudem mit dem Verkauf öffentlicher Wohnungen an meist international agierende Investmentfonds ihre wohnungspolitischen Handlungsspielräume eingeschränkt und können nun nicht ausreichend auf den Wohnungsmarkt einwirken. Wenn Stadtentwicklung sozial – und dem Ziel des Städtetages folgend nachhaltig – gestaltet  sein soll,  dürfen derartige Prozesse aber nicht allein dem Markt überlassen werden.

Beispiel: Berlin

Neue Wohnungen werden laut Wohnmarktreport der GSW in der Hauptstadt hautsächlich dort gebaut, wo Eigentümer monatliche Kaltmieten von 9 Euro und mehr verlangen können. Dies ist besonders in Berlin Mitte und anderen Innenstadtlagen der Fall. Rund 80 Prozent der Neubauten in Berlin sind Eigentumswohnungen. Wer derzeit eine günstige Wohnung sucht, muss sich in die Außenbezirke der Stadt orientieren. Aber auch hier sind die Mieten größtenteils über das von vielen Berlinern bezahlbare Niveau gestiegen.

Gezielte Wohnbauförderung

Um die wachsenden Probleme durch den aktuellen Wohnungsmangel in einigen Städten in den Griff zu bekommen, forderte der bisherige Städtetagspräsident Christian Ude zum Auftakt der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages am 23. April 2013 Maßnahmen in drei Bereichen:

  • einen stärkeren öffentlichen, privaten und genossenschaftlichen Wohnungsbau,
  • einen wirksamen Schutz der Mieter vor überhöhten Mieten und
  • eine deutliche Aufstockung des Wohngeldes für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen.

"Gegen den teilweise rasant zunehmenden Wohnungsmangel in vielen großen Städten hilft vor allem der Bau neuer Wohnungen." sagte Ude in Frankfurt. Und weiter: "Hier sind Städte, Bund und Länder gemeinsam gefordert. Damit wirklich nur dort gefördert wird, wo die Wohnungsknappheit besteht, brauchen die Städte keine Geldverteilung mit der Gießkanne, sondern eine streng zweckgebundene Verteilung von Fördermitteln. Dafür geeignet sind gezielte Förderprogramme der Länder. Außerdem muss der Bund angesichts der Mangelsituation seine Ausgleichszahlungen für die Wohnraumförderung an die Länder über das Jahr 2014 hinaus verlängern."

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