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Über dieses Buch

Von Hidden Champions zu sichtbaren Weltmarktführern: Zum ersten Mal erzählen hochrangige Geschäftsführer des deutschen gehobenen Mittelstands über ihre Strategien und ihre industriellen Investitionen in Frankreich. Ein umfangreicher und unverzichtbarer Erfahrungsbericht von erstklassigen Leadern.

Wie schaffen es diese Unternehmen, im zunehmend aggressiven internationalen Wettbewerb weiter in Frankreich und in Deutschland zu produzieren? Was treibt diese Mittelständler nach Frankreich? Welche Ziele verfolgen sie? Worauf müssen sie im Zeitalter der Digitalisierung besonders achten? Inwieweit tragen mittelständische Unternehmen zu einer Vertiefung der deutsch-französischen wirtschaftlichen Kooperation bei?

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die Franzosen schauen oft neidisch auf die meist stark internationalisierten mittelständischen Familienunternehmen auf der anderen Seite des Rheins und versuchen, dem Geheimnis ihrer Anpassungsfähigkeit und ihres Erfolgs auf die Spur zu kommen, obwohl sie natürlich wissen, dass dieses Modell das Ergebnis einer spezifischen Geschichte und Unternehmenskultur ist und nicht eins zu eins übertragen werden kann.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

2. „Ein Zeitfenster von drei bis fünf Jahren wurde aufgemacht.“

Ein Gespräch mit Patrice Pélissier Unternehmens- und Private-Equity-Berater und ehemaliger Vorstandsvorsitzender der MEA AG, Aichach
Zusammenfassung
Es braucht vor allem echte unternehmerische Gründe, um sich in Frankreich niederzulassen, auch wenn die steuerlichen Anreize und verschiedenen Fördermittel sicherlich nicht zu unterschätzen sind. Da ist zunächst die Frage der Nähe zum Markt, auf dem das Unternehmen vielleicht nicht so leicht Fuß fassen könnte, wenn es ein reines Exportunternehmen wäre. Märkte dieser Art haben im Wesentlichen lokalen Charakter. Ist man nah an den Märkten dran, kann man die Erwartungen der Verbraucher und die Bedürfnisse der Kunden viel besser verstehen. Spezialchemie und Reifen haben globale Märkte, dagegen haben zum Beispiel Bauprodukte lokale Märkte. Trotz der europäischen Normen unterscheiden sich die Länder bzw. Regionen in ihren Baugewohnheiten in Wirklichkeit ziemlich voneinander. Das gilt auch für bestimmte landwirtschaftliche Produkte oder Nahrungsmittel.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

3. „Man muss Frankreich allgemein entmystifizieren.“

Ein Gespräch mit Dr. Marc-Alexander Burmeister CEO B. Braun Frankreich
Zusammenfassung
Das Unternehmen B. Braun besteht schon seit 1839. Die ersten Auslandsfilialen waren in Italien angesiedelt. Frankreich ist dann während der großen Internationalisierungswelle in den 1970er- und 1980er-Jahren in den Fokus geraten, genauer gesagt 1976. Typischerweise haben wir in den jeweiligen Ländern Schritt für Schritt unterschiedliche Akquisitionen getätigt. Aber im Vergleich mit anderen Ländern ist Frankreich beinahe prototypisch. Wir sind außerhalb Frankreichs mit 65 anderen Gesellschaften in 65 anderen Ländern tätig – im Rest der Welt arbeiten wir mit Distributoren. In Frankreich haben wir aber nicht nur einen Distributor oder irgendeine Produktionseinheit integriert, sondern auch immer Forschung und Entwicklung betrieben. So steht unsere französische Gesellschaft bis heute stark für die gesamte Wertschöpfungskette – das heißt Forschung, Entwicklung, Produktion und Vertrieb – und für einen starken Export: 80 Prozent unserer Produktion werden exportiert. Wir haben in Frankreich derzeit über 2.000 Mitarbeiter an fünf großen Industriestandorten, einen großen Logistik- und Service-Standort sowie den Hauptstandort plus 18 Dialysezentren.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

4. „Wir wollen alle Wachstumsmotoren sein und uns gemeinsam in Frankreich entfalten.“

Ein Gespräch mit Jean-Claude Reverdell Geschäftsführer der SEW-USOCOME, und Eric Hoffstetter Leiter des SEW-Werks in Brumath
Zusammenfassung
Jean-Claude Reverdell: Die Süddeutsche Elektromotoren-Werke (SEW) hat ihre Tochterfirma 1959 gegründet. Um das Unternehmen erkennbar zu „französieren“, wurde es SEW-USOCOME getauft – der zweite Namensbestandteil steht für „usine d’organes de commande mécanique“, Fabrik für mechanische Steuerungselemente. Das Stammunternehmen selbst wurde 1931 gegründet und zählte in den 1950er-Jahren gut 100 Mitarbeiter. In der Fertigung entwickelte man in den 1960er-Jahren ein geniales Baukastenprinzip und produzierte Komponenten, aus denen in aller Welt verschiedenste Produkte montiert werden konnten. Bestimmte Fabriken stellten die Komponenten her, und andere montierten sie vor Ort: Für das Wachstum der SEW war dieses Konzept ausschlaggebend.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

5. „Wir haben in Obernai die Entwickler, wir haben die Kompetenz.“

Ein Gespräch mit Daniel Hager Vorstandsvorsitzender Hager Group
Zusammenfassung
Wir sind in einem Land entstanden, das es heute nur noch als Bundesland gibt. Als mein Vater, mein Onkel und mein Großvater, Peter Hager, das Unternehmen 1955 gegründet haben, befanden wir uns im eigenständigen Saarland – denn das Saarland war zweimal in seiner Geschichte „unabhängig“, nämlich nach dem Ersten und nach dem Zweiten Weltkrieg. Nach 1945 wurde es von den Franzosen administriert: Wir hatten den französischen Franc und offene Grenzen zu Frankreich. Unsere Kunden waren also alle im französischen Wirtschaftsraum ansässig – im Saarland, im Elsass, in Lothringen und darüber hinaus. Zu Deutschland hin gab es damals eine Grenze.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

6. „Wir sind mit der Entscheidung für den Traktor den absolut richtigen Weg in Frankreich gegangen.“

Ein Gespräch mit Hermann Lohbeck Sprecher der Konzernleitung CLAAS KGaA mbH
Zusammenfassung
Im Grunde haben wir da zwei Geschichten zu erzählen. Die eine reicht weit in die Historie, bis in das Jahr 1953 zurück. Damals hat einer unserer Gründerväter in Lothringen, in Woippy bei Metz, ein neun Hektar großes Baugrundstück erworben. Das war August Claas, der Vater von Dr. Helmut Claas. Die CLAAS-Gruppe war seinerzeit noch ein bisschen kleiner. Aber man hatte schon erkannt, dass man ein Standbein in Frankreich, einem der größten Landtechnikmärkte Europas, haben sollte. Der Standort in Metz stand also fest, aber das Produktionswerk ließ sich nicht sofort verwirklichen: 1953 wurde das Grundstück gekauft, doch erst 1961 liefen die ersten Produkte vom Band, weil mit der französischen Bahngesellschaft SNCF einige offene Fragen, unter anderem die Erschließung des Grundstücks, zu klären waren. Das war damals schon erlebte Bürokratie in Europa! Aber wir haben uns davon nicht abschrecken lassen. Denn egal, ob in Deutschland oder in Frankreich oder anderswo – Schwierigkeiten gibt es immer, die es zu überwinden gilt. Und die haben wir mit dem sportlichen Ansatz eines Familienunternehmens auch damals schon gelöst.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

7. „Mit Akquisitionen in Frankreich stark gewachsen“

Ein Gespräch mit Dr. Stephan Timmermann Sprecher der Geschäftsleitung der KSB SE & Co. KGaA, und Boris Lombard KSB Regional Executive Officer Western Europe und Geschäftsführer der KSB Frankreich
Zusammenfassung
Stephan Timmermann: Dazu müssen wir zurück in die Zeit der Dampfmaschinen, denn sie stellten zu Beginn der Industrialisierung in Deutschland die Hauptantriebsart für Maschinen aller Art dar. Sie waren in allen Industrien vertreten, in denen Antriebsenergie erzeugt werden musste, also beispielsweise im Bergbau zur Wasserhaltung oder im Transportwesen in Lokomotiven. Der Unternehmensgründer Johannes Klein erfand und konstruierte einen Apparat, der selbsttätig das Speisewasser in den Kessel zurückführen konnte, den sogenannten Kesselspeiseapparat oder „Kondenstopf“.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

8. „Wenn man die Chance hat, die Intensität aus Frankreich ein Stück weit nach Deutschland zu holen, dann verändert sie das deutsche Unternehmen zum Besseren.“

Ein Gespräch mit Christian Weber Mitglied der Unternehmensleitung und Generalbevollmächtigter der Karlsberg Brauerei KG Weber
Zusammenfassung
Historisch befinden wir uns hier in Homburg an einem Ort, der mehrmals zu Frankreich gehörte. Das macht die historische Betrachtung kompliziert. In den 1950er- und 1960er- Jahren saßen wir zwischen den Stühlen – immer zwischen Deutschland und Frankreich. Bei jeder Veränderung haben die Kundenstrukturen gewechselt, sodass es für meinen Großvater damals sehr wichtig war, das „klassische“ Exportgeschäft nach Frankreich und die Lohnproduktion für französische Unternehmen zu stärken. Er verfolgte noch gar nicht das Ziel, dort eine eigene Filiale aufzumachen, sondern wollte wirklich nur weiter mit den Kunden in Frankreich arbeiten.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

9. „Der französische Markt ist äußerst kreativ.“

Ein Gespräch mit Christophe Charoy Geschäftsführer von MULTIVAC Frankreich
Zusammenfassung
Alles fing 1961 an, als Sepp Haggenmüller in der Garage auf dem Bauernhof seiner Familie, nur ein paar Kilometer vom heutigen Firmensitz in Wolfertschwenden entfernt, seine erste Vakuum-Kammermaschine zur Verpackung von Lebensmitteln in Plastikbeuteln entwickelte. Die Familie Haggenmüller ist heute noch über eine Holding beteiligt. Die Geschäftsführung von MULTIVAC liegt jedoch in der Hand der geschäftsführenden Direktoren Hans-Joachim Boekstegers (CEO), Christian Traumann (CFO) und Guido Spix (CTO und COO). Die Eigentümerfamilie verfolgt aufmerksam die Unternehmensstrategie und segnet die großen Investitionen ab, denn sie lässt sich von einer sehr langfristigen Vision leiten und legt Wert darauf, das Unternehmen wie „ein guter Familienvater“ zu führen.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

10. „Unsere Mitarbeiter in Frankreich sind Avantgardisten.“

Ein Gespräch mit Adolf Walth Executive Vice President Sales & Marketing Messer Group GmbH, und Diana Buss Senior Vice President Corporate Communications Messer Group GmbH
Zusammenfassung
Adolf Walth: Messer ist ein Traditionsunternehmen und wurde 2018 stolze 120 Jahre alt. Die Kernbereiche unseres Unternehmens sind Industriegase und Schweißen-Schneiden, darüber hinaus treten wir als Spezialist für Gase im Medizin- und Lebensmittelbereich auf. Bei unseren Produkten handelt es sich wohlgemerkt um Industriegase, nicht um Propan- oder Erdgas – das wird oft verwechselt. In Frankreich stehen wir unter anderem im Wettbewerb mit Air Liquide, wir haben fast die gleiche Produktpalette.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

11. „Das Arbeitsrecht hat sich erheblich flexibilisiert.“

Ein Gespräch mit Alexander Abé Geschäftsführer Jungheinrich Frankreich und Vice President Sales Western Europe & Africa Jungheinrich AG
Zusammenfassung
Wir haben 2017 rund 3,7 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. Der Auftragseingang 2018 soll laut Prognose zwischen 3,85 und 3,95 Milliarden Euro liegen. Über die letzten Jahre hatten wir somit ein außergewöhnliches, sehr dynamisches Wachstum.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

12. „Die Franzosen sind gute Software-Entwickler, und da tut sich einiges.“

Ein Gespräch mit Ulrich Haas Geschäftsführer TRUMPF Frankreich
Zusammenfassung
Die TRUMPF-Maschinen sind seit den 1950er-Jahren von einer französischen Firma namens Technom vertrieben worden, einem Maschinenhändler mit Sitz in Levallois-Perret: Die TRUMPF-Maschinen wurden gekauft, verzollt und dann vertrieben.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

13. „Frankreich ist ein Opportunitätsmarkt für Start-ups und für Akademia.“

Ein Gespräch mit Dr. Werner Lanthaler CEO Evotec
Zusammenfassung
Evotec ist ein Wirkstoff-Forschungsunternehmen, das neue, hochinnovative Medikamente im Frühstadium erforscht und entwickelt. Wir forschen an Medikamenten, die bei einer Krankheit nicht nur symptomatisch eingreifen, sondern die Krankheitsursache bekämpfen. Im Unterschied zu voll integrierten Pharma- oder Biotech-Unternehmen fokussieren wir uns ausschließlich auf die frühe Medikamentenentwicklung bis zum Eintritt in die klinischen Phasen. Hier haben wir eine Plattform von Wissenschaftlern und wissenschaftlichen Technologien aufgebaut, um unseren Kunden gegenüber als „One-Stop-Partner“ für Wirkstoffentwicklung auftreten zu können. Unsere Kunden können Evotec als Outsourcing-Plattform nutzen oder mit uns als Entwicklungspartner für neue Wirkstoffe und Arzneimittel zusammenarbeiten. Insbesondere in der späteren Entwicklung „verpartnern“ wir die Projekte, das heißt, wir geben die klinische Entwicklungsverantwortung und die Vermarktung an unsere Partner ab und partizipieren über erfolgsbasierte Meilensteinzahlungen und Umsatzbeteiligungen.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

14. „Angesichts des Nachholbedarfs und einer hoffentlich anhaltenden Reformwilligkeit bietet Frankreich ein sehr günstiges Investitionsumfeld.“

Ein Gespräch mit Oliver Hermes Vorsitzender des Vorstands und CEO der Wilo-Gruppe
Zusammenfassung
Die WILO SE ist einer der weltweit führenden Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen für die Gebäudetechnik, die Wasserwirtschaft und die Industrie sowie im OEMBereich. Mit über 7.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in über 60 Tochtergesellschaften weltweit entwickeln wir smarte Lösungen, die Menschen, Produkte und Services miteinander verbinden und sie in ihrem Arbeitsalltag effektiv unterstützen. Unser Schwerpunkt liegt in der Gebäudetechnik. Wir gelten aber nicht nur in diesem Marktsegment als Technologieund Innovationsführer. Wilo wurde 1872 gegründet und steht als Abkürzung für Wilhelm Louis Opländer. Wir waren und sind ein Familienunternehmen, wobei in der Corporate Governance die Entscheidung der Familie zu berücksichtigen war, die Mehrheit ihrer Aktien in eine Stiftung zu geben. Die Wilo Foundation hält heute mehr als 90 Prozent der Aktien. Streubesitz gibt es keinen.
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

15. Ausblick

Zusammenfassung
Was ist Frankreich für die internationalen Branchenführer des deutschen Mittelstands: ein peripherer Markt oder ein strategisch wichtiges Land?
Dorothée Kohler, Jean-Daniel Weisz

Backmatter

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