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Über dieses Buch

Nils Goede nutzt den Multiple-Streams-Ansatz, um die abweichenden Entscheidungen des Sicherheitsrats in den Krisen in Somalia und Ruanda zum Beginn der 1990er Jahre zu untersuchen. Das selektive Entscheidungsverhalten des Sicherheitsrats angesichts komplexer humanitärer Krisen wurde in der Forschung bisher nur bedingt thematisiert. Der Autor bezieht sowohl Prozesse der sozialen Konstruktion intersubjektiv geteilter Wirklichkeit als auch die instrumentelle Rationalität einzelner und korporativer Akteure systematisch ein. Er verdeutlicht, dass Mehrdeutigkeit die Entscheidungsprozesse im Sicherheitsrat prägt und zeigt auf, dass Entscheidungen nicht linear-kausal mit bestimmten Problemen verbunden sein müssen, sondern das kontingente Ergebnis des Zusammenspiels unterschiedlicher Faktoren sind.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Die von James March und Pierre Romelaer beschriebene Metapher des „verrückten Fußballspiels“ beschreibt die Entscheidungsprozesse in sogenannten Organisierten Anarchien. Obwohl das dargestellte Spiel zunächst zufällig und chaotisch erscheint, ist es keineswegs ungeordnet und regellos. Zwar lässt das runde Spielfeld sowie die ungewohnte Anzahl von Toren, Bällen und Spielern die gewohnten Strukturen vermissen. Allerdings entsteht zum Beispiel durch die Neigung des Spielfeldes – in der Metapher des Fußballspiels gesprochen – eine Ordnung, die bestimmte Positionen für die Spieler vorteilhaft macht.
Nils Goede

2. Die UN-Charta als mehrdeutiger Bezugsrahmen für das Entscheidungsverhalten des Sicherheitsrats

Zusammenfassung
Wie bereits angeführt, nimmt der Sicherheitsrat aufgrund der Verbindlichkeit und der Reichweite seiner Beschlüsse eine zentrale Position im UN-System ein (Berdal 2010: 10; Cronin/Hurd 2008: 16). Seine Ausnahmestellung ergibt sich durch die UN-Charta, in der der Aufbau, die Stellung und die Aufgaben des Sicherheitsrats festgeschrieben sind. Insbesondere bezüglich der Aufgabenstellung ist allerdings festzustellen, dass sich die Wahrung und Sicherung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit nicht in ein klares Aufgabenprofil mit überprüfbaren Kriterien übersetzen lässt (Liese/Weinlich 2006: 497). Im Folgenden wird dargestellt, das die UN-Charta eher einen mehrdeutigen Bezugsrahmen darstellt und Interpretationsspielräume eröffnet (Kapitel 2.2) (Roberts/Zaum 2008: 12). Zunächst wir allerdings auf den Aufbau und die Stellung des Sicherheitsrats nach der UN-Charta eingegangen (Kapitel 2.1).
Nils Goede

3. Möglichkeiten und Grenzen rationalistischer und konstruktivistischer Ansätze zur Untersuchung des selektiven Entscheidungsverhaltens des Sicherheitsrats

Zusammenfassung
Neben einer Vielzahl von empirisch-orientierten, zumeist induktiv vorgehenden Forschungsarbeiten wurden für die Betrachtung der Entscheidungsprozesse im Sicherheitsrat unterschiedliche theoretische Perspektiven genutzt. Diese sind bei der Selektion relevanter Informationen und deren Systematisierung behilflich und ermöglichen einen differenzierten Blick auf die internationale Politik. Deduktiv vorgehend, wird bestimmten Akteuren und Einflussfaktoren je nach theoretischem Ansatz eine tragende Rolle in den Entscheidungsprozessen zugesprochen. Andere werden hingegen nur am Rande oder überhaupt nicht erfasst (Burchill/Linklater 2009: 17).
Nils Goede

4. Der Multiple-Streams-Ansatz zur Untersuchung des selektiven Entscheidungsverhaltens des Sicherheitsrats

Zusammenfassung
Die Entscheidungsprozesse im Sicherheitsrat sind von einer hohen Komplexität gekennzeichnet. Diese Komplexität äußert sich in den Einflusspotentialen verschiedener Akteure innerhalb und außerhalb des UNSystems, deren unterschiedlichen Positionen zu bestimmten Themengebieten sowie in der uneindeutigen Definition des Friedensbegriffes in der UN-Charta. Um Entscheidungsprozesse in einem solchen Umfeld zu untersuchen, bedarf es eines Ansatzes, der komplexe Zusammenhänge ordnet, mögliche unterschiedliche Interpretationen von Sachverhalten einbezieht und die herrschende Mehrdeutigkeit systematisch erfasst.
Nils Goede

5. Untersuchung des selektiven Entscheidungsverhaltens des Sicherheitsrats anhand des Multiple-Streams-Ansatzes: Die Resolution 794 und die Resolution 912

Zusammenfassung
In diesem Teil der Arbeit wird das selektive Entscheidungsverhalten des Sicherheitsrats in Anbetracht der komplexen humanitären Krisen in Somalia und Ruanda mit dem Multiple-Streams-Ansatz untersucht. Mit Somalia und Ruanda wurden zwei komplexe humanitäre Krisen mit einer großen Anzahl von Todesopfern, massenhaften Flüchtlingsbewegungen, Hungersnöten und Kämpfen mit einhergehenden massiven Menschenrechtsverletzungen ausgewählt (Binder 2009: 337).
Nils Goede

6. Zusammenfassung, Schlussbetrachtung, Kritik und Ausblick

Zusammenfassung
In der Arbeit wurde das selektive Entscheidungsverhalten des Sicherheitsrats bei der Bearbeitung komplexer humanitärer Krisen mit dem Multiple-Streams-Ansatz untersucht. Es wurde gefragt, wie das inkohärente Entscheidungsverhalten des Sicherheitsrats bei ähnlich gearteten Fällen nachvollzogen und erklärt werden kann.
Nils Goede

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