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Über dieses Buch

Vivien Sommer rekonstruiert die typischen Erinnerungspraktiken im World Wide Web in ihrer Fülle und Vielfältigkeit anhand des Online-Diskurses über das Verfahren und den Prozess gegen den KZ-Aufseher John Demjanjuk. Darauf aufbauend wird empirisch erläutert, inwieweit sich mediatisierte Erinnerungen im Rahmen von Online-Kommunikation konstituieren, welche Veränderungen damit einhergehen und welche Konstanten sich im Vergleich mit anderen Gedächtnismedien konstatieren lassen. Theoretisch werden dazu Konzepte der Memory Studies, der Praxisforschung, der Diskurstheorie sowie der Mediatisierungsforschung verknüpft. Methodisch wird das Verfahren der Grounded Theory mit der wissenssoziologischen und der sozialsemiotischen Diskursanalyse trianguliert.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung: Erinnern, aber wie?

Die Geschichte des Holocaust scheint auserzählt. Die ,Wahrheiten‘ über die Vernichtung der europäischen Juden scheinen gesetzt. Doch nähert man sich konkreten Diskursen über die NS-Zeit, die die verschiedenen Täter oder Mitläufer oder die verschiedenen Opfergruppen thematisieren, so ist das Narrativ über den Holocaust alles andere als feststehend. Wie der Prolog dieser Arbeit erahnen lässt, scheint es für den Fall des John Demjanjuk zu jeder Erzählung eine Gegenerzählung zu geben.
Vivien Sommer

Kapitel 2. Theoretischer Rahmen: Erinnern im World Wide Web

Das Verhältnis von Vergangenheit und Gegenwart im Rahmen von Erinnerungsprozessen lässt sich nicht als ein linearer Prozess betrachten, in dem Ereignisse abgespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt eins zu eins abgerufen werden. Vielmehr vollziehen sich Erinnerungen von einem gegenwärtigen Standpunkt, der das Erinnern selbst bedingt. Dieser Standpunkt ist wiederum beeinflusst durch historisch entstandene Bedingungen. Jene Verwobenheit von Vergangenheit und Gegenwart in individuellen und kollektiven Erinnerungsprozessen bildet eine grundlegende Annahme in der kultur- und sozialwissenschaftlichen Erinnerungs- und Gedächtnisforschung.
Vivien Sommer

Kapitel 3. Methodologie, Methoden und empirisches Vorgehen: Erinnerungspraktiken analysieren

Im vorherigen Kapitel wurden für den Forschungsgegenstand der Erinnerungspraktiken in Online-Diskursen, ausgehend von den Veränderungsprozessen durch den fortschreitenden Mediatisierungsprozess, insbesondere der Verbreitung des Internets, Forschungsdesiderate aufgezeigt, die bisher noch nicht umfassend untersucht worden sind. Basierend darauf wurden Teilforschungsfragen abgeleitet, die die Analyse des Demjanjuk-Diskurses anleiten. Um die dargelegten Leerstellen ausfüllen und die Forschungsfragen beantworten zu können, bedarf es eines Forschungsprogramms, mittels dessen die Besonderheiten von Erinnerungspraktiken im Internet methodologisch und methodisch reflektiert werden können.
Vivien Sommer

Kapitel 4. Ergebnisse der Analyse: Erinnerungspraktiken in Online-Diskursen

Das Verfahren um den ehemaligen Trawniki John Demjanjuk löste eine weitreichende Debatte rund um die Fragen nach NS-Täterschaft, Schuld, historischer Aufarbeitung und Strafverfolgung nationalsozialistischer Verbrechen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges aus. Der Prozess selbst bot einen Erinnerungsanlass für diskursive Akteur_innen, in verschiedenen Online-Kommunikationsformen erinnerungskulturelle Wissensbezüge zur NS-Vergangenheit und zum Holocaust zu (re-)formulieren. Die Analyse dieses Online-Diskurses bildet die Grundlage zur Beantwortung der Forschungsfrage, welche Erinnerungspraktiken in Online-Diskursen eingesetzt werden und wie sich diese in Hinblick auf eine Mediatisierung von Erinnerungskulturen verorten lassen.
Vivien Sommer

Kapitel 5. Fazit und Ausblick

Das Erinnern wurde in dieser Studie als diskursive Praxisform definiert, die sich, wie soziale Praktiken generell, durch eine Doppelstruktur auszeichnet: Übersubjektive Sinnmuster werden von Akteuren_innen in konkreten Erinnerungspraktiken eingesetzt. Diese Sinnmuster schließen an objektivierte Wissensbestände an. Dabei beziehen sich Erinnernde vor allem auf generierbare Sinnmuster und weniger auf alltagspraktisches Wissen. Individuelles und kollektives Erinnern werden nicht als Gegensatzpaar betrachtet, sondern als Ebenen eines Erinnerungsprozesses. Erinnern kann sowohl auf der öffentlichen als auch auf der privaten Ebene als ein von Kultur bestimmter Prozess verstanden werden, da es in beiden Bereichen kein vorkulturelles Gedächtnis gibt.
Vivien Sommer

Backmatter

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