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26.04.2013 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Sound Engineering: Elektromobilität und Lärmminderung

Autor:
Christiane Brünglinghaus
2:30 Min. Lesedauer

Im Bereich der Lärmminderung verspricht man sich viele Vorteile von der Elektromobilität. Doch neueste Erkenntnisse zeigen, dass Elektrofahrzeuge nicht den ersehnten Durchbruch zum leisen Verkehr darstellen.

Mit dem Wunsch nach wirtschaftlichem Wachstum sind auch steigende Anforderungen an Mobilität und Transport verknüpft. Doch gleichzeitig müssen dabei die Auswirkungen von Verkehrsgeräuschen auf Mensch und Umwelt berücksichtigen werden, um eine hohe Lebensqualität sicherzustellen und gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Nach Umfragen des Umweltbundesamtes fühlen sich mehr als die Hälfte der Bundesbürger durch Straßenverkehrslärm belästigt. Öffentlichkeit und Politik setzten große Hoffnung in die vermeintlich leise Elektromobilität. Jedoch stellt sich zum einen die Frage, ob das Lärmminderungspotenzial bei Elektroautos wirklich so groß ist und zum anderen, ob in absehbarer Zeit überhaupt genügend Elektrofahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, um einen signifikanten Effekt beim Verkehrslärm zu erzielen.

Elektroautos können nicht pauschal als leise bezeichnet werden

Untersuchungen des Umweltbundesamtes dämpfen nun die Hoffnungen auf einen leisen Straßenverkehr. Messungen und Modellrechnungen würden nur ein begrenztes Lärmminderungspotenzial bei Elektrofahrzeugen zeigen. Somit können Elektroautos nicht pauschal als leise bezeichnet werden, betonen die Autoren des Positionspapiers. "Ihre spezifischen Vorteile für den Lärmschutz liegen im Bereich des Anfahrens und bei Geschwindigkeiten bis circa 25 km/h." In allen anderen Situationen seien sie genauso laut wie Fahrzeuge mit klassischem Verbrennungsmotor. Daher könnten Elektroautos auch kein alleiniges Mittel zur Minderung des Straßenverkehrslärms darstellen. "Selbst wenn bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs wären, würde dies nach unseren Schätzungen den Lärm am Straßenrand gerade einmal um 0,1 dB(A) mindern, das ist ein völlig unbedeutender Effekt. Zur Reduktion des Straßenlärms sind weitere Maßnahmen daher unverzichtbar. "Potenzial bestehe bei schweren Fahrzeugen, die innerorts häufig anfahren und bremsen, wie Bussen des ÖPNV und Müllsammelfahrzeugen. Noch größeres Potenzial werde bei Mopeds und Motorrädern gesehen.

Unfallrisiko für Fußgänger

Es stellen sich in punkto Akustik von Elektrofahrzeugen aber auch noch andere Fragen. Ist beispielsweise ein erhöhtes Unfallrisiko für Fußgänger aufgrund von sehr leisen Elektroautos bei niedrigen Geschwindigkeiten zu befürchten? Maßgeblich ist hier der Zusammenhang zwischen geräuscharmer, leiser Fortbewegung und der Sicherheit ungeschützter Verkehrsteilnehmer wie beispielsweise Fußgänger. Insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten, bevor wahrnehmbare Abrollgeräusche entstehen, könnte das Fehlen des warnenden Motorengeräuschs eine Gefahr für Passanten werden. Deshalb denkt man über die Einführung von akustischen Warnsignalen bei niedrigen Geschwindigkeiten nach. Das aktive Gestalten der Fahrzeugakustik gelangt vermehrt in den Fokus. In einigen Ländern werden bereits gesetzliche Vorgaben diskutiert. Mit der Einführung von Warnsignalen würde sich das Verkehrsgeräusch auch deutlich ändern.

Um die Auswirkungen der Elektrifizierung des Straßenverkehrs und die Einflüsse von Warnsignalen auf das Gesamtverkehrsgeräusch genau abschätzen zu können, ist eine Verkehrsgeräuschsynthese vonnöten, die unterschiedliche Verkehrsszenarien erzeugen kann. Damit hat man sich unter anderem im Rahmen des Europäischen Forschungsprojektes CityHush, das Gesamtlösungen zur nachhaltigen Lärmminderung erarbeitet hat, beschäftigt.

Gerade bei den alternativ angetriebenen Fahrzeugen, die neuartige Außengeräusche mit sich bringen, sind zukunftsweisende Konzepte zur Gestaltung des Außengeräusches wichtig. Das Sound Engineering im Automobilbereich wird künftig wohl noch einen höheren Stellenwert erlangen.

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Quelle:
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