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15.07.2014 | Fahrzeugtechnik | Im Fokus | Onlineartikel

Wenn Autos fliegen lernen

Autor:
Christiane Brünglinghaus

Seit fast 100 Jahren tüfteln Forscher am fliegenden Auto - mal mehr, mal weniger erfolgreich. Gerade bekommt die Erforschung des Flugautos wieder neuen Schwung. Wissenschaftler und Entwickler sind optimistisch: Bald könnten die Autos fliegen - vorausgesetzt, die Menschen lassen sich dafür begeistern.

Autos, die bei Bedarf auch abheben können, beflügeln immer wieder die Phantasien von Ingenieuren. Schon Henry Ford soll 1940 gesagt haben, dass eine Kombination aus Flugzeug und Auto kommen wird. Denn die Idee scheint einfach: Auto plus Tragflächen - fertig. Man würde schneller vorankommen. Ein Stau oder Wohngebiet ließe sich einfach umfliegen. Der Luftraum könnte viel mehr Verkehr aufnehmen als das Straßennetz - zumindest theoretisch. Allerdings wäre das Management verschiedener Flugkorridore in drei Dimensionen eine Herausforderung und fatal die Folgen von Fehlfunktionen in der Luft.

Fliegende Autos sind technisch möglich

Der Forscherdrang ist aber ungebremst. Denn: Technisch möglich ist heute schon Vieles. Verschiedene Hersteller und Institute arbeiten weltweit am Flugauto. Das französische Start-up Mix Aerospace hat zum Beispiel ein Hybridfahrzeug aus Auto und Helikopter entwickelt. Der sogenannte "Skylys" könnte nach Angaben des Unternehmens in fünf bis sechs Jahren marktreif sein.

Vor zwei Jahren präsentierte die US-Firma Terrafugia auf der Autoshow in New York ein voll funktionsfähiges Flugfahrzeug. Gegenüber dem "Boston Business Journal" kündigte der Firmenchef Carl Dietrich nun an, dass das Modell "Transition" Mitte 2016 auf den Markt kommen soll. Allerdings kann man mit dem Transition nicht einfach in die Luft gehen, wenn man im Stau steckt: das Flugauto braucht eine Startbahn um abzuheben. Ein Auto, das wirklich senkrecht in die Luft abheben kann, entwickelt Terrafugia aber auch, nämlich das Flugauto "TF-X", ein viersitziges Gefährt mit Plug-in-Hybrid-Antrieb. Jedoch müssen Kunden noch acht bis zwölf Jahre warten, bis sie den TF-X kaufen können.

Bereits 2012 hat das holländische Unternehmen PAL-V erste Testflüge seines fliegenden Autos PAL-V (Personal Air and Land Vehicle) erfolgreich abschließen können. Das patentierte Fortbewegungsmittel fliegt in der Luft wie ein Tragschrauber, wobei der Auftrieb durch einen automatisch betriebenen Rotor erzeugt und der Vortrieb durch einen am Heck befindlichen, faltbaren Schubpropeller produziert wird. Robert Dingemanse, Chief Executive Officer von PAL-V Europe, gab gegenüber der BBC kürzlich bekannt, dass die ersten Pal-Vs im Jahr 2016 ausgeliefert werden sollen, und zwar 150 Einheiten jährlich in den ersten zwei oder drei Jahren.

Projekt myCopter: Flugautos für Berufspendler

Auch die EU beschäftigt sich mit Flugautos. Wissenschaftler aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz forschen gemeinsam im EU-geförderten Forschungsprojekt myCopter. Ziel des Projekts ist es, individuellen Luftverkehr für Pendler in von Stau geplagten Städten zu ermöglichen und zu erforschen, ob fliegende Autos überhaupt gesellschaftliche Akzeptanz finden würden. Dazu soll ein sogenanntes "Personal air transport system" (PATS) geschaffen werden, wie das Karlsruher Institut für Technologie auf seiner Projekthomepage erläutert. Das KIT arbeitet neben dem Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen, der Universität Liverpool, den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Lausanne und Zürich sowie dem DLR in Braunschweig zusammen am Projekt myCopter.

Die "Personal Aerial Vehicles" (PAVs) sollen für den täglichen Weg zur Arbeit genutzt werden können und in niedriger Höhe, das heißt unterhalb des regulierten Luftraumes, operieren. Die PAVs sollen dabei nicht auf herkömmliche Flugsicherung vom Boden angewiesen sein und möglichst autonom fliegen können.

Sind die Menschen bereit für den individuellen Luftverkehr?

Doch allein mit den technischen Grundlagen ist es nicht getan. Daher ist es auch Teil des Projekts, Schnittstellen und Wechselwirkungen zwischen Mensch und Maschine zu erforschen. In einer Projektpublikation des KIT werden zum Beispiel die Folgen der Technik des individuellen Luftverkehrs für die Stadt abgeschätzt. Die zentralen Problemfelder sind demnach Sicherheit, juristische Fragen, Technik und Betrieb, sozioökonomische und ökologische Herausforderungen, Integration in ein existierendes Transportsystem und städtische Infrastruktur sowie gesellschaftliche Akzeptanz.

Zur Klärung rechtlicher Fragen könnten aber die Entwicklungen im Bereich automatisierter Autos eine wichtige Rolle spielen, ebenso die Entwicklungen im Bereich Batterietechnologie für Elektroautos, wie die KIT-Experten erläutern. Allerdings blieben einige individuelle Problemfelder für PAVs, wie die starke Lärmproblematik, Sicherheitssensibilität oder neue Infrastrukturbedürfnisse, bestehen. Auch für den Zukunftsforscher Ulrich Eberl sind die Schwierigkeiten nicht-technischer Art sehr groß, wie er im Artikel "Vorwärts in die Vergangenheit" aus der Automotive Agenda 3-2011 erläuterte. Daher sieht er fliegende Autos auch nicht als Massenprodukt im Jahr 2050. Etwas optimistischer ist das KIT: Es sei nicht ausgeschlossen, dass PAVs in 50 Jahren ein dominierendes Element des Verkehrssektors darstellen könnten.

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