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Frankreich Jahrbuch 2016

Sozial- und Solidarwirtschaft in Frankreich und Europa

  • 2017
  • Buch
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Über dieses Buch

Dieser Sammelband gibt einen Überblick über die Sozial- und Solidarwirtschaft, die nicht nur in Frankreich an Bedeutung gewinnt. Vergleichend werden unterschiedliche Aspekte sozialen und solidarischen Wirtschaftens und dessen Entwicklung in Frankreich und Europa beleuchtet. Dabei werden unterschiedliche Organisationsformen und Wirtschaftsmodelle beschrieben, die Bedeutung des Sektors in einzelnen Wirtschaftszweigen aufgezeigt und diskutiert, ob und inwiefern es sich um ein alternatives Wirtschaftsmodell handelt.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. Themenschwerpunkt Sozial- und Solidarwirtschaft in Frankreich und Europa

    1. Frontmatter

    2. Die französische économie sociale et solidaire aus deutscher Perspektive

      Eileen Keller
      Zusammenfassung
      In Frankreich, aber auch in vielen anderen europäischen Ländern, ist ein erheblicher Teil der Bevölkerung der Auffassung, dass das derzeitige Wirtschaftssystem kritisch zu bewerten sei, weil es vor allem den Interessen der Kapitalgeber diene, Umwelt- und ethische Standards nicht hinreichend achte und es der Allgemeinheit nicht ermögliche, gemeinschaftliche Interessen hinreichend zu realisieren. Beispielsweise denken 77 % der Franzosen, dass nur eine Minderheit vom Wirtschaftswachstum profitiere, und 87 %, dass die Marktwirtschaft vor allem den Aktionären zugute komme (Fondation Croissance Responsable 2010: 7). Dabei wird oftmals übersehen, dass unsere Volkswirtschaften zuvorderst gemischte Ökonomien sind, in denen eine ganze Reihe unterschiedlicher Akteure wichtige volkswirtschaftliche Funktionen übernimmt.
    3. Die Sozial- und Solidarwirtschaft in Frankreich – Verortung und Entwicklungsperspektiven

      Philippe Frémeaux
      Zusammenfassung
      Bei dem Begriff der économie sociale et solidaire handelt es sich um eine französische Besonderheit. Er hat sich im Verlauf der vergangenen vier Jahrzehnten herausgebildet, dank der Konvergenz zweier Strömungen. Der Begriff der économie sociale verhalf ab den 1970er Jahren jenen Institutionen, die historisch betrachtet gemeinwirtschaftlich tätig waren (Genossenschaften, Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit, Vereine und Stiftungen), zu mehr Sichtbarkeit.
    4. Innovation, Routine und Gegenwind – Realitäten und Perspektiven sozialen Wirtschaftens im rheinischen Europa

      Ingo Bode, Sabine Ruß-Sattar
      Zusammenfassung
      Soziales Wirtschaften ist (wieder) en vogue. Der Schock der Krisenjahre nach 2008 hat Europa – nicht zuletzt als aus der Not geborene Krisenreaktion vor allem in den südeuropäischen Ländern – ein Revival alternativer Unternehmenskonzepte und auch eine neue Generation von Projekten und Initiativen beschert, die die Idee von einer anderen, solidarischeren Ökonomie praktisch voranbringen wollen. Diese Idee, die im kriselnden Wohlfahrtsstaat am Ende der 1960er Jahre eine erste Renaissance erlebte und dann, zwei Jahrzehnte später, mit dem hegemonialen Paradigma des Marktliberalismus konfrontiert wurde, scheint sich heute in einem neuen Klima zu bewegen (Duverger 2016).
    5. Sozialunternehmen in Europa

      Andrea Maier
      Zusammenfassung
      Europa steht heute vor einer Vielzahl gesellschaftlicher Herausforderungen: Langzeitarbeitslosigkeit infolge der Wirtschaftskrise, alternde Bevölkerung, Veränderungen in der Arbeitswelt, Flüchtlingskrise, Knappheit in den Staatskassen, Umweltprobleme. Diese Situation lässt sich von staatlicher Seite allein schwer bewältigen, weshalb das Interesse an einer Zusammenarbeit mit dem Privatsektor gestiegen ist. Die Wirtschaftskrise der letzten Jahre hat auf der anderen Seite auch dazu geführt, dass soziale Aspekte für Unternehmer ebenso wie ihre Kunden wichtiger geworden sind.
    6. Solidarwirtschaft, Wiedereingliederung von Arbeitslosen und Stadterneuerung in Frankreich und Deutschland

      Maurice Blanc
      Zusammenfassung
      Die Sozial- und Solidarwirtschaft (SSW) bezeichnet einen Wirtschaftszweig, dem Unternehmen angehören, die eine wirtschaftliche Tätigkeit mit sozialem Ausgleich verbinden wollen und rechtlich die Form einer Genossenschaft, einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit, eines Vereins, oder – seit dem Gesetz vom 31. Juli 2014 – eines Sozialunternehmens annehmen. Diese Branche repräsentiert heute 10 % aller Arbeitsplätze und 8 % der Löhne in Frankreich und ist daher nicht zu vernachlässigen (INSEE 2015). Man kann dabei zwei verschiedene Blöcke unterscheiden: Die Sozialwirtschaft und die Solidarwirtschaft.
    7. Ungleiche „Genossen“ in Deutschland und Frankreich – Genossenschaftsbanken im Vergleich

      Christophe Braouet
      Zusammenfassung
      Am 22. Juni 2016 stimmten die Eigentümer der DZ Bank und der WGZ ihrer Zusammenlegung zu und machten den Weg zur Gründung der drittgrößten deutschen Bank frei. Somit wird ein jahrzehntelanger Konsolidierungsprozess innerhalb des Genossenschaftsverbandes im föderalen Deutschland mit nur noch einem einzigen Zentralinstitut gekrönt, während im zentralistischen Frankreich nach wie vor drei Genossenschaftsverbände (davon einer mit Sitz in Straßburg) miteinander im Wettbwerb stehen.
    8. Der Beitrag der co-construction für die regionale Entwicklung – Lehren aus dem Elsass

      Cécile Dupré la Tour, Sébastien Poulet-Goffard, Laure Vicard
      Zusammenfassung
      Angesichts der wirtschaftlichen, sozialen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen sich Frankreich konfrontiert sieht, hat sich seit rund zehn Jahren eine Bewegung integrativer, kooperativer Raumentwicklung (co-construction) geformt, die mit vereinten Kräften zur weiteren Entwicklung lokaler und regionaler Wirtschafts- und Lebensräume beiträgt. Es entstehen neue Allianzen, mit denen den Herausforderungen begegnet werden soll – und das obwohl Frankreich traditionell eher durch eine fragmentierte Akteurslandschaft gekennzeichnet war (Allier et al. 2015).
    9. Die Sozial- und Solidarwirtschaft – Ein alternatives wirtschaftliches Entwicklungsmodell?

      Hervé Defalvard
      Zusammenfassung
      Bei dem französischen Begriff der économie sociale et solidaire (Sozial- und Solidarwirtschaft, SSW) handelt es sich um eine neumodische Bezeichnung in Frankreich für an sich sehr alte Phänomene. Denn tatsächlich haben sich bereits mit der Ausbreitung des Kapitalismus zu Beginn des 19. Jahrhunderts zunächst in Großbritannien und dann auch in Frankreich angesichts der Ungleichheiten und der Ausbeutung und Verarmung der Arbeiterschaft, die dieser mit sich brachte, Alternativen zu ebendiesem entwickelt und zwar sowohl auf der ideellen Ebene wie auch auf der Ebene der praktischen Umsetzung. Will man die SSW als Rückkehr einer Alternative zum Kapitalismus darstellen, scheint es deshalb nützlich, die SSW zunächst in einer historischen Perspektive zu situieren, denn die Alternative, die sie verkörpert, betrifft eine sehr alte Frage.
    10. Der Dritte Sektor aus ökonomischer Sicht

      Lars P. Feld
      Zusammenfassung
      Nähert man sich dem Thema Gemeinnützigkeit und Dritter Sektor im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich, so stellt man erstaunliche Unterschiede hinsichtlich seiner Bedeutung in der aktuellen Diskussion fest. In Deutschland sind zum Thema Gemeinnützigkeit nach den Reformen aus dem Jahr 2007 kaum mehr weitere Debatten geführt worden. Damals wurden das Gemeinnützigkeitsrecht, insbesondere das Stiftungsrecht, und die steuerliche Förderung gemeinnütziger Zwecke reformiert und ein Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements verabschiedet.
  3. Rezensionen

    1. Frontmatter

    2. Rezension: Das Mouvement Républicain Populaire in der Vierten Republik

      Pauline Heinrich
      Zusammenfassung
      Als das Urgestein der deutschen Politikwissenschaften Gerhard Lehmbruch im Jahre 1959 beginnt, seine Doktorarbeit über das Mouvement Républicain Populaire in der Vierten Republik zu schreiben, kann er nicht ahnen, dass wenige Jahre später der Gegenstand seiner Untersuchung unter der Last des gesellschaftlichen und institutionellen Wandels verschwinden wird. Stattdessen versammelt seine detailreiche Analyse Argumente, die für ein Fortbestehen der Partei sprechen. Nachdem bisher nur neun maschinenschriftliche Exemplare der Arbeit vorlagen, haben nun, 55 Jahre nach der Verteidigung der Doktorarbeit, die Politikwissenschaftler Philip Manow und Thomas C. Ertman die Arbeit herausgegeben und mit einer Einleitung versehen.
    3. Rezension: Brücken bauen. Kulturwissenschaft aus interkultureller und multidisziplinärer Perspektive

      Frank Baasner
      Zusammenfassung
      Grundsätzlich dreht sich das Buch mit 36 Beiträgen um die Frage, was Literaturwissenschaft und allgemeine Romanistik als akademisches Fach zu dem auf den ersten Blick spannenden und aktuellen Forschungsfeld der „Interkulturellen Kommunikation“ (IKK) beitragen kann. Der Begriff IKK zieht sich durch die meisten Beiträge dieses Sammelbands, wobei der Begriff selbst nur selten hinterfragt wird. Das ist insofern problematisch, als der Ausdruck in wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Zusammenhängen inflationär gebraucht wird. Dabei werden unterschiedliche Dinge suggeriert: internationale Beziehungen, Interaktion zwischen Menschen/Gruppen unterschiedlicher Herkunftskultur, Integration einzelner Individuen in ungewohnte soziokulturelle Kontexte und vieles mehr. Dieses grundsätzliche Problem ändert nichts daran, dass viele der Beiträge interessante Erkenntnisse bereithalten.
    4. Sammelrezension: Neuerscheinungen zu den deutschfranzösischen Kulturbeziehungen

      Frank Baasner
      Zusammenfassung
      Als Peter Sloterdijk in seiner unnachahmlichen, provokanten Art bei seiner Rede in Freiburg 2007 („Theorie der Nachkriegszeiten“) den deutsch-französischen Konsens der kontinuierlichen – politischen, gesellschaftlichen und kulturellen – Annäherung durch eine Pirouette auf den Kopf stellte, schwankten die Reaktionen zwischen Empörung, Bewunderung und Gleichgültigkeit. Welches Tabu hatte er gebrochen? Seine These, die er damals kenntnisreich und in Anknüpfung an die Arbeiten von René Girard entwickelte, ist durchaus einleuchtend: Deutsche und Franzosen haben in der Entwicklung ihrer intellektuellen und kulturellen Beziehungen eine so starke emotionale Abhängigkeit entwickelt, dass der eine ohne den anderen nicht auskommt.
  4. Backmatter

Titel
Frankreich Jahrbuch 2016
Herausgegeben von
Deutsch-Französisches Institut
Copyright-Jahr
2017
Electronic ISBN
978-3-658-17622-8
Print ISBN
978-3-658-17621-1
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-17622-8

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    Bildnachweise
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