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Über dieses Buch

Dieser Sammelband befasst sich mit der rapiden Verbreitung von Innovationen, die zu einem ubiquitären Phänomen geworden sind, welches alle gesellschaftlichen Teilbereiche erfasst. In den Beiträgen werden Innovationsphänomene interdisziplinär in Bezug auf verschiedene gesellschaftliche Teilbereiche in ihren heterogenen Facetten analysiert, um so einen empiriegeleiteten Beitrag zur Weiterentwicklung der Diagnose „Innovationsgesellschaft“ zu leisten. Die untersuchten Phänomene reichen von der Planung, Implementierung und Durchsetzung konkreter Innovationen über Praktiken des Innovierens bis zu veränderten Wahrnehmungs- und Deutungsmustern sowie damit einhergehenden neuen Machtbeziehungen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Empirische Spuren einer Gesellschaftsdiagnose Modi und Effekte des Innovierens

Innovationen verbreiten sich in gegenwärtigen Gesellschaften rapide und sind zu einem ubiquitären Phänomen geworden, welches alle gesellschaftlichen Teilbereiche erfasst. Im Zuge dieser Ausbreitung ist das Reden über Innovationen und deren Folgen nicht mehr nur auf die Bereiche Wissenschaft, Technikentwicklung und Wirtschaft beschränkt, die lange Zeit im Fokus der Innovationsforschung standen. Innovationen werden stattdessen zunehmend auch in anderen, traditionell eher strukturkonservativen und von der Innovationsforschung bisher nicht beachteten Gesellschaftsbereichen zu einem handlungsleitenden Phänomen (Rammert et al. 2016; Windeler 2016).
Ariane Sept, Clelia Minnetian, Arne Maibaum, Jannis Hergesell

Innovationsgesellschaft und Innovationsfelder

Innovationen prägen die moderne Gesellschaft seit ihrem Beginn. Gegenwärtig verändert diese Beziehung jedoch ihren Charakter: Moderne Gesellschaften werden heute Innovationsgesellschaften, in denen Innnovationen die dominante treibende Kraft der Entwicklung bilden. Produziert und reproduziert werden Innovationen heute vor allem in Innovationsfeldern.
Arnold Windeler, Hubert Knoblauch, Martina Löw, Uli Meyer

Empirische Perspektive auf Innovationsphänomene I: Modi von Innovationen oder „Wie wird innoviert?“

Frontmatter

Wem gehört ein Klang? „Nur mir“? Zum Verhältnis von Urheberrecht und Kreativität in der samplingbasierten Musikproduktion

Sampling ist eine Produktionspraxis, die seit mehr als 30 Jahren die Popmusik prägt und etwa genauso lange auch die Gerichte beschäftigt. So grundlegend Sampling für den Aufstieg von Genre wie Hip-Hop, House oder Techno auch war, so schwierig und kleinteilig sind bis heute die urheberrechtlichen Lizensierungsprozesse. Vor dem Hintergrund urheberrechtlicher Restriktivität und aktueller Rechtsprechung diskutiert der Beitrag Innovationsphänomene an der Schnittstelle von Geistigem Eigentum, Kreativität und samplinbasierter Musikproduktion.
Georg Fischer

Von Slow Food zu Cittaslow

Zur Übertragung einer innovativen Idee aus der Ernährung in die Stadtentwicklung
Wenn soziale Innovationen die Richtung des gesellschaftlichen Wandels verändern (Zapf 1989) und soziale Beschleunigung ein wesentliches Kennzeichen der modernen Gesellschaft ist (Rosa 2005), dann kann die Idee der Entschleunigung, wie sie von Slow Food seit den 1980er-Jahren propagiert wird, als der Beginn einer sozialen Innovation betrachtet werden (Dumitru et al. 2016, S. 8). Im Feld der Ernährung ist es Slow Food gelungen, neue Arten des Wissens und Handelns sowie neue Beziehungen zwischen Konsument*innen und Produzent*innen zu etablieren. Dabei hat sich die Grundidee des slow inzwischen auch auf andere gesellschaftliche Teilbereiche ausgebreitet.
Ariane Sept

Zur reflexiven Hervorbringung von Innovationen in einem raumbezogenen Modus

Überlegungen am Beispiel des transdisziplinären Projekts Die Gärtnerei in Berlin
Innovationen, ganz gleich wie sehr sie vom bisher Bekannten abweichen, fallen nicht einfach als creatio ex nihilo vom Himmel. Sie müssen als Neues durch Rekombinationen, durch Übertragung in neue Kontexte, durch Grenzüberschreitungen oder Zufallsentdeckungen, kurz: durch kreatives Handeln hervorgebracht werden. Zusätzlich müssen sie als neu (an-)erkannt, wertgeschätzt und dauerhaft reproduziert werden (Rammert 2010, S. 36–37). Innovationen entstehen also in der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und gelingen nur dann, wenn die bestehenden Elemente in eine neue und akzeptierte Form übersetzt werden können (Akrich 2002, S. 205). Aus der Perspektive sozialwissenschaftlicher Innovationsforschung stellt sich die Frage, welche Elemente wir bei der Untersuchung von Innovationsprozessen in den Blick nehmen müssen. Im Folgenden möchten wir eine raumbezogene Perspektive einnehmen und danach fragen, welche Rolle Raum und raumbezogene Vorstellungen bei der Hervorbringung von Innovationen spielen. Grundsätzlich ist die räumliche Dimension in Innovationsprozessen seit Langem Bestandteil der Innovationsforschung (Saxenian 1994; Porter 2000).
Nora Rigamonti, Felix Maas

Innovation für die Samenleiter

Die Rolle von Gender, für verschiedene Innovationsstrategien ein Verhütungsmittel für Männer zu entwickeln
Das 20. Jahrhundert erlebte zahlreiche Innovationen für die Prävention von Schwangerschaften: Pille, Spirale, Diaphragma, Hormonspritze, Pflaster, Implantate, Ringe und Femidom. All diese Verhütungstechnologien interagieren mit dem reproduktiven Körper, der in der Lage ist, schwanger zu werden, stehen also Frauen* zur Verfügung. Die letzte Verhütungsinnovation für Männer*, die Vasektomie (die meist irreversible Durchtrennung der beiden Samenleiter im Hodensack), wurde am Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt.
Miriam Klemm

Gründen als Modus des Innovierens

Netzwerkbildung von Start-ups und Spin-offs im Innovationsprozess
Innovationen hervorzubringen ist in verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen zum Imperativ geworden (Rammert et al. 2016). Start-ups und Spin-offs spielen eine zentrale Rolle in diesem Prozess (bspw. Isenberg 2010), weshalb ihre Betrachtung bei der Analyse von Innovationsphänomen nicht fehlen darf. Spezifisch an diesen ist, dass sie eine Organisation gründen, um eine Innovation umzusetzen. Da es ihren Gründern vor allem zu Beginn an Ressourcen und Erfahrung fehlt, spielen Netzwerke im Gründungsprozess eine zentrale Rolle. Interessant ist nun, dass Start-ups, also unabhängige Gründungen mit privatwirtschaftlichem Hintergrund, und Spin-offs, das heißt Firmengründungen aus Forschungseinrichtungen heraus, sich nicht nur darin unterscheiden, welche Art von Inventionen sie jeweils als Innovation zu verbreiten versuchen, sondern auch darin, auf welche Art und Weise sie dies tun: Die Akteure, zu denen Netzwerkbeziehungen aufgebaut werden, sind ebenso verschieden wie die Art des Aufbaus dieser Beziehungen und deren Ausgestaltung.
Katharina Scheidgen

Empirische Perspektive auf Innovationsphänomene II: Effekte von Innovationen oder „Was folgt aus dem Innovieren?“

Frontmatter

„Soziale Innovationen“ für den Fortschritt von morgen

Eine diskursive Betrachtung der deutschen Innovationspolitik
Die Relevanz von Innovationen hinsichtlich internationaler Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftlicher Prosperität ist ein fester Teil des öffentlichen und politischen Diskurses in Deutschland. Durch eine diskursanalytische Rekonstruktion bietet der Beitrag einen empirischen Einblick in die Thematisierung von Innovationen in der deutschen Innovationspolitik seit 1945. Es wird aufgezeigt, wie das zu Beginn primär technische Innovationsverständnis um eine ökonomische Dimension erweitert wird und wie zunehmend soziale Innovationen gefordert werden. Dabei übernehmen soziale Innovationen oft ökonomische Relevanzstrukturen und werden etwa im Kontext aktiver Sozialpolitik bei innovationspolitischen Maßnahmen in neuen Gesellschaftsbereichen – u. a. in der Bildung – relevant.
Lilli Braunisch, Clelia Minnetian

Die Formation und Legitimierung regionalisierter Förderinstrumente in der Wissenschafts- und Technologiepolitik

Regionalisierte Förderinstrumente gelten als eines der weit verbreitetsten „Instrumente“ für die Steuerung von Innovationen im Bereich der Wissenschafts- und Technologiepolitik (Mejlgaard et al. 2012). Clusterstrategien und -programme werden heute von einer großen Anzahl von Organisationen für Zwecke aufgerufen und als weithin anerkanntes Modell zur Förderung von Regionalentwicklung befürwortet (Uyarra 2007; Lundvall 2002; Rip 2002).
Wiederholt wurde jedoch argumentiert, dass regionalisierte Förderinstrumente weniger als eigenständige Innovation des politischen Betriebs, sondern vielmehr als Ausdruck von Ökonomisierungsbemühungen in der wissenschafts- und technologiepolitischen Umsetzung interpretiert werden können, insofern die Politik durch die aus der Welt der Wirtschaft importierten Rationalisierungskonzepte kolonisiert wird (Passoth und Rammert 2015).
Clemens Blümel

Der Einfluss von assistiven Sicherheitstechniken auf Wissensbestände der Altenpflege

Zur Transformation von Deutungsmustern durch Innovationen
Folgt man der These der „Innovationsgesellschaft“, durchläuft unsere Gesellschaft zurzeit einen folgenreichen Umbau ihrer sozialen Struktur (vgl. Hutter et al. 2016). Der mit dem ubiquitären Reden über Innovationen stets aktualisierte Innovationsimperativ bewirkt eine in allen gesellschaftlichen Teilbereichen vorzufindende stete reflexive Überprüfung und Transformation von bestehenden Institutionen, Handlungsmustern, Rollen- und Identitätsauffassungen (vgl. Rammert und Passoth 2016). Wie dieser Umbau von Gesellschaft durch das Phänomen „Innovation“ vonstattengeht und welche konkreten Effekte Innovationen mit sich bringen, ist allerdings keinesfalls durch die in Innovationsdiskursen immer wieder auftauchenden und als positivistisch messbar aufgefassten Kriterien wie „Neuheit“ oder „Verbesserung“ in einem objektiven Sinne zu untersuchen, da Innovationen soziale Phänomene sind (vgl. Braun-Thürmann 2005; Knoblauch 2016).
Jannis Hergesell

Innovating while Inventing

Warum sich neue Technik in Wettkämpfen misst
Einer der Effekte der Innovationsgesellschaft ist das Aufkommen technischer Wettkämpfe. Sie erfüllen diverse Funktionen der Technikentwicklung: Um sie herum bilden sich Netzwerke zwischen staatlichen oder halbstaatlichen Institutionen, philanthropischen Sponsoren, industriellen Herstellern und verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen; sie dienen zur Nachwuchsausbildung und zur Erprobung. Dieser Artikel zeigt auf, dass technische Wettkämpfe dazu genutzt werden, neue Technologien miteinander zu vergleichen. Der Grund für diese neue, innovative Form der Technikgenese sind die spezifischen veränderten Ansprüche, die an Innovationen in der Moderne gestellt werden.
Arne Maibaum

Narrative im Innovationsgeschehen der Energiewende

Am Beispiel der Wind- und Solarenergieentwicklung ab 2010
Die reflexive Innovationsgesellschaft zeichnet sich durch Handlungen aus, die mit Bedacht und unter Berucksichtigung bisheriger und potenziell weiteren Effekten vollzogen werden (Hutter et al. 2011). Neues wird intendiert hergestellt, um existierende Probleme zu losen, Forschungslucken zu schliesen oder Anpassungen an veranderte Rahmenbedingungen vorzunehmen. Ein solches Vorgehen kann im Kontext der Energiewende aufgezeigt werden. Verschiedene Akteure versuchen Einfluss auf den Entwicklungsverlauf der erneuerbaren Energien (EE) zu nehmen. Erfolgreiches Durchsetzen von Akteursinteressen beruht dabei auf einer effektiven Konstruktion und Verbreitung von Narrativen (Curran 2012, S. 237), was hier fur die Wind- und Solarenergieentwicklung zwischen 2010 und 2017 aufgezeigt wird. Die Analyse von Narrativen (als Form der Kommunikation) ermoglicht es, wertvolle und uberzeugende Erzahlungen von Fallstudien zu liefern (Czarniawska 2008).
Juliana Mercedes Müller
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