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International Relations in the Anthropocene

New Agendas, New Agencies and New Approaches

  • 2021
  • Buch
  • 1. Auflage

Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch führt fortgeschrittene Studenten internationaler Beziehungen (und darüber hinaus) in die Art und Weise ein, wie das Aufkommen des Anthropozäns und seine Reflexionen das Studium der Weltpolitik und die disziplinären Grundlagen des IR beeinflussen. Das Buch besteht aus 24 Kapiteln, die von führenden Wissenschaftlern und Nachwuchswissenschaftlern verfasst wurden und gliedert sich in vier Teile, die jeweils detailliert darlegen, warum das Anthropozän für die IR von Bedeutung ist, Herausforderungen für traditionelle Sicherheitsansätze, die Frage der Governance und Handlungsfähigkeit im Anthropozän sowie neue Methoden und Ansätze, die über die Kluft zwischen Mensch und Natur hinausgehen. Kapitel 9, "Sicherheit im Anthropozän" ist unter einer Creative Commons Attribution 4.0 International License über link.springer.com frei zugänglich.

Inhaltsverzeichnis

  1. Frontmatter

  2. 1. Introduction: International Relations in the Anthropocene

    Delf Rothe, Franziska Müller, David Chandler
    Das Kapitel stellt das Konzept des Anthropozäns vor, betont es als Bedingung und nicht als eine Reihe von Problemen und diskutiert seine Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen. Sie argumentiert, dass das Anthropozän traditionelle Binaritäten wie Mensch / Natur und Innen / Außen in Frage stellt und ein Umdenken in den Bereichen Sicherheit, Governance und methodische Ansätze erfordert. Der Text ist in vier Teile gegliedert, von denen jeder verschiedene Aspekte des Einflusses des Anthropozäns auf die internationalen Beziehungen in den Mittelpunkt stellt und pädagogische Merkmale enthält, die Lehre und Verständnis unterstützen. Das Buch zielt darauf ab, eine dringend benötigte Grundlage für die Einbindung von Studenten und Praktikern in diesem aufstrebenden Bereich zu schaffen, die ihren Ansatz in Bezug auf internationale Beziehungen grundlegend beeinflussen wird.
  3. Part I

    1. Frontmatter

    2. 2. Towards a Politics for the Earth: Rethinking IR in the Anthropocene

      Joana Castro Pereira
      Dieses Kapitel untersucht, wie das Anthropozän die konventionellen Strukturen der Internationalen Beziehungen (IR) herausfordert, wie etwa den Staatenzentrismus, positivistische Paradigmen und die Dichotomie zwischen Natur und Gesellschaft. Sie argumentiert, dass diese Beschränkungen die Fähigkeit der IR behindern, ökologische Krisen auf dem Planeten wirksam zu bewältigen. Das Kapitel identifiziert die Notwendigkeit einer breiteren, planetarischen Perspektive in der IR und schlägt Wege zur Entwicklung einer Politik vor, die die Vernetzung menschlichen und nichtmenschlichen Lebens anerkennt. Anhand von Beispielen wie Klimakipppunkten, Wasserkrisen und dem Verlust der Artenvielfalt wird die Dringlichkeit veranschaulicht, die IR im Kontext des Anthropozäns zu überdenken. Der Autor betont, wie wichtig es ist, den Anthropozentrismus hinter sich zu lassen und einen inklusiveren und interdisziplinäreren Ansatz zu verfolgen, um globale Sicherheit und Überleben zu gewährleisten.
    3. 3. Encounters between Security and Earth System Sciences: Planetary Boundaries and Hothouse Earth

      Judith Nora Hardt
      Das Kapitel "Begegnungen zwischen Sicherheits- und Erdsystemwissenschaften: Planetary Boundaries and Hothouse Earth" geht den transformativen Auswirkungen des Anthropozäns auf Sicherheitsstudien nach. Sie kritisiert die traditionellen Ansätze der Internationalen Beziehungen (IR) und betont die Notwendigkeit einer neuen Sicherheitsdefinition, die die miteinander verflochtene Beziehung zwischen Mensch und Natur anerkennt. Im Mittelpunkt dieser Analyse stehen die Konzepte der Earth System Sciences (ESS) von "Planetary Boundaries" und "Hothouse Earth", die Sicherheit in Bezug auf existenzielle Bedrohungen und Notfallreaktionen neu definieren. Das Kapitel spricht sich für gemeinsame Forschungsanstrengungen zwischen ESS und IR aus, um diese neuen Herausforderungen anzugehen, und betont die dringende Notwendigkeit eines Paradigmenwechsels in der Sicherheitspolitik. Durch Anwendung des "Sicherheitsprisma" -Ansatzes veranschaulicht das Kapitel, wie ESS einen neuen Rahmen für das Verständnis und die Reaktion auf globale Bedrohungen bieten kann, und fordert einen stärker integrierten und interdisziplinären Ansatz für die Sicherheit im Anthropozän.
    4. 4. The Nuclear Origins of the Anthropocene

      Rens van Munster
      Das Kapitel vertieft sich in die enge Beziehung zwischen dem nuklearen Wettrüsten des Kalten Krieges und dem Beginn des Anthropozäns, einer Epoche, die von erheblichen menschlichen Auswirkungen auf die geologischen Aufzeichnungen der Erde gekennzeichnet war. Sie argumentiert, dass Atomtests in den 1950er Jahren eine bleibende stratigraphische Signatur hinterließen, die sie zu einem wichtigen Wegweiser für den Beginn des Anthropozäns machte. Die Studie kritisiert die traditionelle Trennung von Kriegs- und Umweltstudien innerhalb der Internationalen Beziehungen und betont die ökologischen Folgen von Atomwaffen. Sie hebt auch die oft übersehenen kolonialen Dimensionen der Atomtests hervor und lenkt die Aufmerksamkeit auf die unverhältnismäßigen Auswirkungen auf indigene Gemeinschaften und das anhaltende ökologische Erbe des nuklearen Kolonialismus. Indem das Kapitel die historischen Debatten über Artensterben und Atomkrieg erneut aufgreift, bietet es wertvolle Erkenntnisse für die zeitgenössische Wissenschaft über das Anthropozän und fördert einen ganzheitlicheren und kritischeren Ansatz zum Verständnis des komplexen Zusammenspiels zwischen Geopolitik, Militarisierung und Umweltveränderungen.
    5. 5. Decolonizing the Anthropocene

      Cheryl McEwan
      Das Kapitel "Entkolonialisierung des Anthropozäns" geht den eurozentrischen Ursprüngen und Implikationen des Anthropozänkonzepts nach und betont, wie es die historischen und gegenwärtigen Erfahrungen kolonisierter Völker übersieht. Sie argumentiert, dass das Anthropozän auf einer problematischen Vorstellung von der menschlichen Natur beruht und die Rolle von Systemen wie Kolonialismus, Kapitalismus und Patriarchat bei der Gestaltung der aktuellen ökologischen Krise auslöscht. Der Text betont die Notwendigkeit, das Anthropozän und die postkoloniale Theorie zu dekolonisieren und untersucht, wie nicht-westliche Kenntnisse und Praktiken alternative Zukunftsperspektiven beeinflussen können. Sie diskutiert auch die Herausforderungen und Chancen, die das Anthropozän für postkoloniale Wissenschaftler und die akademische Gemeinschaft im weiteren Sinne darstellt, und tritt für einen integrativeren und gerechteren Ansatz zur Bewältigung der ökologischen Krise ein.
    6. 6. Geoengineering: A New Arena of International Politics

      Olaf Corry, Nikolaj Kornbech
      Das Kapitel geht auf das komplexe Zusammenspiel zwischen Geo-Engineering und internationaler Politik ein und argumentiert, dass der übliche rationalistische Ansatz zum Klimawandel unzureichend ist. Sie stellt Technologien des Geo-Engineerings wie die stratosphärische Aerosolinjektion (SAI) und Bioenergie mit Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (BECCS) vor und diskutiert deren potenziellen Nutzen und Risiken. Der Autor kritisiert die mangelnde Berücksichtigung internationaler Dimensionen in bestehenden Geoengineering-Studien und untersucht, wie diese Techniken die Klimapolitik weiter komplizieren könnten. Das Kapitel berücksichtigt auch verschiedene theoretische Ansätze zum Verständnis der internationalen Politik des Geo-Engineering, darunter Umweltmultilateralismus, Klima-Anarchie und materialistische internationale Beziehungen. Er schließt mit Überlegungen zu den umfassenderen Implikationen des Geo-Engineerings für die internationalen Beziehungen im Anthropozän und legt nahe, dass das Internationale in diesem Zusammenhang nicht von der natürlichen Welt getrennt werden kann.
    7. 7. Genealogies of the Anthropocene and How to Study Them

      Delf Rothe, Ann-Kathrin Benner
      Das Kapitel "Genealogien des Anthropozäns und wie man sie studiert" geht den konzeptionellen Wurzeln des Anthropozäns nach und argumentiert, dass das Verständnis seines historischen Kontextes für das Verständnis aktueller Governance-Strategien von entscheidender Bedeutung ist. Mithilfe der Genealogie als methodologischem Ansatz verfolgt der Autor die Entwicklung des Anthropozänkonzepts und betont seine Verflechtung mit früheren politischen Diskursen und Rationalitäten. Das Kapitel führt in Foucaults Begriff der Genealogie ein und betont die Bedeutung des Studiums diskursiver Problematisierungen, Übersetzungszonen und Wissensartefakte. Eine Fallstudie zur Whole Earth-Bewegung in den späten 1960er Jahren zeigt, wie diese Elemente zusammenwirkten, um den zeitgenössischen anthropozänen Diskurs, insbesondere die Öko-Moderne, zu prägen. Die Analyse unterstreicht die Bedeutung des historischen Kontextes für die Gestaltung der heutigen Umweltpolitik und macht das Kapitel zu einer fesselnden Lektüre für diejenigen, die sich für das Zusammenspiel von Geschichte, Politik und Umwelt interessieren.
  4. Part II

    1. Frontmatter

    2. 8. Environmental Security and the Geopolitics of the Anthropocene

      Simon Dalby
      Das Kapitel vertieft sich in die Geopolitik des Anthropozäns, ein Begriff, der die gegenwärtige geologische Periode bezeichnet, die durch den menschlichen Einfluss auf die Systeme der Erde gekennzeichnet ist. Sie untersucht, wie Umweltsicherheit durch den Klimawandel und die Artenschutzkrise neu definiert wird und stellt traditionelle Vorstellungen von staatlicher Sicherheit und internationalen Beziehungen in Frage. Der Text diskutiert den historischen Kontext der Umweltsicherheit, die Rolle fossiler Brennstoffe bei der Gestaltung der Weltwirtschaft und die Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung, um diese Probleme anzugehen. Sie unterstreicht auch die Bedeutung der Anpassung an eine sich wandelnde Welt und das Potenzial neuer Technologien zur Verringerung von Umweltrisiken. Das Kapitel schließt mit der Betonung der Notwendigkeit eines neuen Ansatzes in den internationalen Beziehungen, der die Vernetzung von Ökologie und Ökonomie auf globaler Ebene berücksichtigt.
    3. 9. Security in the Anthropocene

      • Open Access
      Maria Julia Trombetta
      Das Kapitel "Sicherheit im Anthropozän" geht der Komplexität der Neukonzeption von Sicherheit im Kontext des Anthropozäns nach, einer Ära, die durch den Einfluss des Menschen auf den Planeten definiert wird. Es beginnt damit, die ökologischen Herausforderungen anzuerkennen, die diese Ära charakterisieren, wie Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt, und wie sie ein Überdenken der Sicherheitsparadigmen erfordern. Traditionelle Sicherheitsrahmen, die sich auf nationale Sicherheit und Konflikte konzentrieren, werden für ihre Unzulänglichkeit kritisiert, diesen neuen, miteinander verbundenen Bedrohungen zu begegnen. Das Kapitel nimmt eine Perspektive ein, die von kritischen Sicherheitsstudien und der Verbriefungstheorie inspiriert ist, um zu analysieren, wie Bedrohungen konstruiert und verbrieft werden. Sie argumentiert, dass die Sicherheit im Anthropozän eine tiefgreifende Transformation bestehender Praktiken und Logiken erfordert. Das Kapitel warnt auch vor simplifizierenden Diskursen, die das Anthropozän als einheitliche Bedrohung konstruieren, und betont die politischen Dimensionen und vielfältigen Prioritäten, die Sicherheitsnarrative prägen. Abschließend betont er die Notwendigkeit einer genealogischen Darstellung der Sicherheit und die Grenzen der politischen Vorstellungskraft, wenn es darum geht, der traditionellen Sicherheitslogik zu entkommen. Überall betont das Kapitel die Bedeutung eines relationalen Sicherheitsansatzes, der die komplexen Interdependenzen zwischen Menschen, Nicht-Menschen und der Umwelt berücksichtigt.
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    4. 10. Security Through Resilience: Contemporary Challenges in the Anthropocene

      David Chandler
      Dieses Kapitel vertieft das Konzept der Resilienz im Kontext des Anthropozäns und stellt die Annahmen und Ziele von Resilienzstrategien in Frage. Sie argumentiert, dass externe Interventionen häufig Rückkopplungseffekte übersehen, was zu kontraproduktiver "Brandbekämpfung" führt, anstatt die Grundursachen der Probleme anzugehen. Der Text untersucht, wie das Anthropozän traditionelle Sicherheitsansätze stört und die Welt komplexer und weniger vorhersehbar macht. Er untersucht kritisch sowohl Mainstream-Ansätze als auch alternative Ansätze zur Resilienz und betont die Notwendigkeit eines ganzheitlicheren Verständnisses der Zusammenhänge zwischen menschlichem Handeln und Umweltprozessen. Indem das Kapitel die Durchführbarkeit aktueller Resilienzstrategien in Frage stellt, bietet es eine neue Perspektive, wie die komplexen Herausforderungen des Anthropozäns bewältigt werden können.
    5. 11. Protecting the Vulnerable: Towards an Ecological Approach to Security

      Matt McDonald
      Das Kapitel "Protecting the Vulnerable: Towards an Ecological Approach to Security" geht den tiefgreifenden Auswirkungen des Anthropozäns auf die Weltpolitik und Sicherheit nach. Sie argumentiert, dass sich der traditionelle Fokus auf den Schutz menschlicher Kollektive und Institutionen in Richtung des Schutzes der Ökosysteme selbst verlagern muss. Der Autor argumentiert, dass dieser ökologische Ansatz von entscheidender Bedeutung ist, um die Rechte und Bedürfnisse marginalisierter Bevölkerungsgruppen, anderer Lebewesen und zukünftiger Generationen zu berücksichtigen. Anhand des Klimawandels als Paradebeispiel untersucht das Kapitel unterschiedliche Diskurse über Klimasicherheit und beleuchtet die Grenzen nationaler und internationaler Sicherheitsrahmen. Er führt das Konzept der ökologischen Sicherheit ein, das die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme und die direkte Bedrohung durch den Klimawandel betont. Der Text diskutiert auch die Herausforderungen und potenziellen Wege, um diesen Ansatz in der Praxis voranzubringen, und bietet eine einzigartige Perspektive, wie die ökologische Krise durch ein neu definiertes Sicherheitsverständnis bewältigt werden kann.
    6. 12. Caring for the World: Security in the Anthropocene

      Cameron Harrington
      Das Kapitel "Caring for the World: Security in the Anthropocene" vertieft das Konzept der Pflegeethik als transformativen Ansatz für Sicherheit im Kontext des Anthropozäns. Zunächst werden die monumentalen Herausforderungen des Anthropozäns wie Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt und Atommüll hervorgehoben. Traditionelle Sicherheitslogiken, die in nationalen Eigeninteressen und Konflikten wurzeln, werden für ihre Unzulänglichkeit kritisiert, diese komplexen, miteinander verbundenen Bedrohungen anzugehen. Die Autorin führt in die Versorgungsethik ein, die aus feministischen Diskursen schöpft, als einen geeigneteren Rahmen, um die einzigartigen Herausforderungen des Anthropozäns zu verstehen und darauf zu reagieren. Die Pflege-Ethik betont das relationale Denken, die Verantwortung und die gegenseitige Abhängigkeit von Menschen und Nichtmenschen. Das Kapitel untersucht die historische Entwicklung der Versorgungsethik, ihre Anwendung in den internationalen Beziehungen und ihr Potenzial, Sicherheit im Anthropozän neu zu definieren. Er diskutiert auch die Herausforderungen und die Kritik an der Ethik der Pflege, einschließlich ihrer potenziellen Vereinnahmung durch neoliberale Regierungsführung. Das Kapitel schließt mit der Betonung der Notwendigkeit eines sorgebasierten Sicherheitsansatzes, der die Verbundenheit des Lebens und die Notwendigkeit kollektiver Verantwortung anerkennt.
  5. Part III

    1. Frontmatter

    2. 13. Posthuman International Relations: Complexity, Ecology and Global Politics

      Erika Cudworth, Stephen Hobden
      Dieses Kapitel untersucht das transformative Potenzial des Posthumanismus in den internationalen Beziehungen und stellt traditionelle anthropozentrische Ansichten in Frage. Er untersucht, wie der Posthumanismus den Fokus von menschenzentrierten Perspektiven auf ein umfassenderes Verständnis globaler Politik verlagert und dabei die komplexen Interaktionen zwischen Mensch und Natur einbezieht. Das Kapitel untersucht auch kritisch das Konzept des Anthropozäns und argumentiert, dass es problematische anthropozentrische Vorstellungen verstärkt. Indem das Kapitel die Unvorhersehbarkeit und Intersektionalität komplexer Systeme hervorhebt, befürwortet es ein radikales Umdenken der menschlichen Beziehungen zur übrigen Natur und betont die Notwendigkeit einer nachhaltigeren und gerechteren Zukunft. Durch seinen innovativen Ansatz bietet das Kapitel eine neue Brille für das Verständnis des komplizierten Netzes menschlicher und nicht-menschlicher Interaktionen in der internationalen Politik.
    3. 14. Agency in More-than-Human, Queerfeminist and Decolonial Perspectives

      Franziska Müller
      Das Kapitel geht den Auswirkungen des Anthropozäns auf die internationalen Beziehungen nach und beleuchtet die Brüche, die es in traditionellen IR-Kategorien wie Agentur, Akteur und Governance verursacht. Es untersucht mehr-als-menschliche, queerfeministische und dekoloniale Perspektiven, um IR's Verständnis des Anthropozäns neu zu formulieren und bietet einen kritischen und transformativen Ansatz zur globalen politischen Theorie. Durch die Dezentralisierung der menschlichen Perspektive und die Herausforderung anthropozentrischer Weltanschauungen zeigt das Kapitel innovative Wege auf, internationale Politik in einer postholozänischen Welt zu konzeptualisieren, wobei die Notwendigkeit eines integrativeren und pluralistischeren Ansatzes betont wird.
    4. 15. Disrupting the Universality of the Anthropocene with Perspectives from the Asia Pacific

      Dahlia Simangan
      Dieses Kapitel geht der Heterogenität der Erfahrungen der asiatisch-pazifischen Region im Anthropozän nach und argumentiert, dass die universalisierenden Tendenzen des Konzepts erhebliche Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten übersehen. Sie zeichnet die Beiträge der Region zur vorindustriellen Kolonialisierung und Industrialisierung nach und beleuchtet die sozio-ökologischen Folgen und differenzierten Auswirkungen des globalen Umweltwandels. Das Kapitel betont auch die ökologisch ausgerichteten Werte und Praktiken in der Region, die als Grundlage für globale Reaktionen auf die Herausforderungen des Anthropozäns dienen könnten. Indem es sich auf postkoloniale und kritische Perspektiven stützt, durchbricht das Kapitel herkömmliche Narrative und fordert einen integrativeren und emanzipatorischeren Ansatz, um die Komplexität des Anthropozäns zu verstehen und anzugehen.
    5. 16. Challenges to Democracy in the Anthropocene

      Ayşem Mert
      Das Kapitel "Herausforderungen an die Demokratie im Anthropozän" geht den tiefgreifenden Herausforderungen nach, die das Anthropozän für die traditionelle demokratische Regierungsführung darstellt. Sie argumentiert, dass die radikalen Veränderungen in den geo-biochemischen Kreisläufen der Erde ein Überdenken der Demokratie auf globaler Ebene erfordern. Der Text diskutiert die Versäumnisse der gegenwärtigen globalen Umweltpolitik (GEG) bei der Bewältigung kritischer Probleme wie Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt. Sie unterstreicht die Notwendigkeit eines neuen demokratischen Imaginärs, das nichtmenschliche Akteure und zukünftige Generationen einbezieht, und betont die Bedeutung von Reflexivität, Rechenschaftspflicht und Transparenz in Regierungsinstitutionen. Das Kapitel untersucht auch das Potenzial demokratischer Experimente und die Einbeziehung marginalisierter Stimmen in Entscheidungsprozesse. Er schließt mit der Frage, ob demokratische Praktiken Teil der anthropozänen Regierungsarchitektur sein werden, und ermutigt zur Rekonstruktion neuartiger demokratischer Vorstellungen.
    6. 17. Environmental Governance in the Anthropocene: Challenges, Approaches and Critical Perspectives

      Basil Bornemann
      Das Kapitel geht den grundlegenden Herausforderungen nach, die das Anthropozän für bestehende umweltpolitische Governance-Praktiken darstellt und die im Holozän-Zeitalter wurzeln. Sie argumentiert, dass die tiefgreifenden Veränderungen in den Systemen der Erde eine Erneuerung der Governance-Ansätze erfordern, die über traditionelle Methoden hinausgehen, die zur Entstehung des Anthropozäns beigetragen haben. Der Autor rekonstruiert, wie das Anthropozän die Governance des Holozäns in räumlichen, zeitlichen, materiellen und sozialen Dimensionen herausfordert, und stellt zwei prominente Ansätze - Earth System Governance und Ecological Reflexivity - als mögliche Lösungen vor. Das Kapitel bewertet diese Ansätze ebenfalls kritisch und schlägt Nachhaltigkeit als normative Grundlage für anthropozänische Governance vor, wobei die Notwendigkeit einer umfassenden und gerechten Antwort auf die vielfältigen Herausforderungen dieser neuen Epoche betont wird.
    7. 18. Experimental Government in the Anthropocene

      Stephanie Wakefield
      Dieses Kapitel befasst sich mit den Transformationen moderner Regierungsstrukturen angesichts des Anthropozäns. Es werden zwei herausragende Tendenzen diskutiert: die Governance planetarischer Systeme, die versucht, globale Risiken durch internationale Zusammenarbeit zu bewältigen, und situierte städtische Resilienzexperimente, die sich auf lokale, adaptive Lösungen konzentrieren. Das Kapitel argumentiert, dass diese Ansätze zu einem kybernetischen Resilienzdispositiv zusammengefügt sind, das darauf abzielt, Umweltkrisen zu bewältigen und gleichzeitig bestehende soziale und wirtschaftliche Strukturen zu erhalten. Abschließend wird die neuartige Vision einer ständig verwundbaren, aber dennoch kontrollierten Welt hervorgehoben, in der Krisen naturalisiert und technologische Infrastrukturen eingesetzt werden, um menschliche und ökologische Systeme zu sichern.
  6. Part IV

    1. Frontmatter

    2. 19. Collaging as a Method for IR in the Anthropocene

      Anna Leander
      Das Kapitel "Collaging as a Method for IR in the Anthropocene" stellt die traditionellen statistischen und quantitativen Methoden in den internationalen Beziehungen (IR) in Frage und befürwortet die Methode des Collagierens als effektiveren Ansatz, um sich mit den komplexen und multidisziplinären Herausforderungen des Anthropozäns auseinanderzusetzen. Sie argumentiert, dass Collagierung es IR-Wissenschaftlern ermöglicht, zu den multidisziplinären Bemühungen beizutragen, das Anthropozän zu verstehen und zu definieren, während sie zugleich die performativen Folgen dieser Bilder re-problematisiert. Die Methode des Collagierens, die sich auf feministische, Design- und naturwissenschaftliche und technologiewissenschaftliche Studien sowie Kunstwerke stützt, wird als eine Möglichkeit präsentiert, die Pluralität und Heterogenität des Anthropozäns anzunehmen. Das Kapitel betont die Bedeutung von Bescheidenheit, Realismus und Demut bei der Akzeptanz der Grenzen unserer eigenen Methoden und der Notwendigkeit, mit materiellen und ästhetischen Prozessen zu arbeiten. Er schließt mit der Betonung der Notwendigkeit kritischer Wissenschaft, sich durch Design und Zusammenarbeit mit dem Anthropozän auseinanderzusetzen, wobei die Komplexität und Ungewissheit dieser Epoche anerkannt wird.
    3. 20. Knowing of Ontologies: Map-Making to ‘See’ Worlds of Relations

      Caitlin Ryan
      Das Kapitel führt eine neue Methode namens "Community Mapping" ein, um die Ontologien von Agrarunternehmen und landwirtschaftlichen Gemeinschaften in Sierra Leone zu erforschen. Sie argumentiert, dass das Verständnis unterschiedlicher Seinserfahrungen für Wissenschaftler, die das Anthropozän untersuchen, von entscheidender Bedeutung ist. Die Methode besteht darin, Beziehungen zwischen Menschen, Vorfahren und Land "auszuleben", was es den Gemeinschaften ermöglicht, ihr einzigartiges Verständnis der Natur des Seins zu zeigen. Das Kapitel betont die Notwendigkeit, vorherrschende Methoden des Wissens zu dezentralisieren und zu berücksichtigen, wer Gegenstand des Wissens ist. Sie diskutiert auch die Herausforderungen der Zeitlichkeit und die Bedeutung der Anerkennung der Grenzen westlicher Zeitvorstellungen. Die Methode wird als Möglichkeit hervorgehoben, den erkenntnistheoretischen Herausforderungen des Anthropozäns zu begegnen und die Gewalt und Auslöschung indigenen Wissens anzuerkennen.
    4. 21. Spatializing the Environmental Apocalypse

      Suvi Alt
      Das Kapitel "Spatializing the Environmental Apocalypse" vertieft den Begriff der "Umweltapokalypse" im Kontext des Anthropozäns und betont den bedeutenden Einfluss westlicher, christlicher eschatologischer Traditionen. Sie argumentiert, dass das vorherrschende zeitliche Verständnis des Endes der Welt, das in der christlichen Theologie wurzelt, entscheidende räumliche Dimensionen außer Acht lässt. Indem er sich auf die postkoloniale Theologie stützt, schlägt das Kapitel eine räumliche und keine zeitliche Konzeption der Apokalypse vor und legt nahe, dass das Ende der Welt in der Gegenwart unterschiedlich über geografische, soziale und materielle Trennlinien verteilt ist. Das Kapitel veranschaulicht anhand von Beispielen aus der Erhaltung der Artenvielfalt, insbesondere der Saatgutpolitik, die politischen Implikationen verschiedener apokalyptischer Diskurse. Er schließt mit der Betonung der Notwendigkeit, räumlichen, materiellen und sozialen Realitäten in den Debatten über Existenz und Aussterben im Anthropozän Beachtung zu schenken, und bietet ein differenzierteres und politisierteres Verständnis der Umweltapokalypse.
    5. 22. The Weather Is Always a Method

      Harshavardhan Bhat
      Das Kapitel "Das Wetter ist immer eine Methode" untersucht die Rolle des Wetters als methodisches Werkzeug in den internationalen Beziehungen, insbesondere im Kontext des Anthropozäns. Sie argumentiert, dass das Wetter nicht nur Gegenstand von Studien ist, sondern ein dynamisches System, das die Weltpolitik prägt. Der Autor verwendet den Begriff "Wetter" austauschbar mit Luft und Wind und betont die Vernetzung verschiedener Materialien und Beziehungen. Das Kapitel ist in drei Teile gegliedert: "Wind", "Körper" und "Aerosole Against Meteorology", die jeweils unterschiedliche Aspekte des Einflusses des Wetters auf die internationalen Beziehungen untersuchen. Der erste Teil behandelt den Reisanbau in Monsunregionen und wie sich die Veränderungen des Monsuns auf globale Rohstoffe und Gemeinschaften auswirken. Der zweite Teil widmet sich den Black Studies und der transatlantischen Sklaverei und beleuchtet, wie koloniale Logik das Wetter und seine Ökologien manipuliert. Der dritte Teil untersucht Aerosole und ihre Rolle bei der Herausforderung moderner Ansätze zum Klimawandel und betont die politischen und ontologischen Auswirkungen der Luft. Während des gesamten Kapitels betont der Autor die Bedeutung des Verständnisses des Wetters als materielles Wissenssystem, das tief in menschliche und mehr-als-menschliche Beziehungen verstrickt ist. Das Kapitel schließt mit dem Argument, das Wetter enthülle die transformative Gewalt des Anthropozäns und biete eine Möglichkeit, die internationalen Beziehungen im Lichte dieser materiellen Zusammenhänge zu überdenken.
    6. 23. Thought Experiment as Method: Science-Fiction and International Relations in the Anthropocene

      Isabella Hermann
      Dieses Kapitel untersucht die Schnittmenge zwischen Science Fiction (SF) und internationalen Beziehungen (IR) im Kontext des Anthropozäns. Sie argumentiert, dass SF-Gedankenexperimente wertvolle Perspektiven auf alternative Zukunftsperspektiven und die Bedingung des Menschen bieten und traditionelle IR-Ansätze in Frage stellen. Das Kapitel untersucht, wie SF-Filme wie "The Day After Tomorrow" und "Interstellar" Narrative präsentieren, die gegenwärtige Ängste und Wünsche widerspiegeln und die ambivalente Beziehung zwischen Mensch, Technologie und Umwelt hervorheben. Durch die Analyse dieser Filme bietet das Kapitel Einblicke in das komplexe Zusammenspiel zwischen Global Governance, technologischem Fortschritt und der Zukunft der menschlichen Zivilisation angesichts der Umweltkatastrophe. Das Kapitel schließt mit der Betonung des Potenzials von SF als Instrument für Grenzmanagement und kritische Reflexion in der IR, auch wenn es keine praktischen Lösungen für die Herausforderungen des Anthropozäns bietet.
    7. 24. Disrupting Anthropocentrism Through Relationality

      Jarrad Reddekop, Tamara Trownsell
      Das Kapitel "Disrupting Anthropocentrism Through Relationality" geht der vorherrschenden anthropozentrischen Weltsicht nach, die im Anthropozän zu ökologischen Krisen geführt hat. Er plädiert für eine Verlagerung von einer auf Trennung beruhenden Ontologie hin zu Relationalität und zeigt auf, wie diese alternative Perspektive effektivere Antworten auf aktuelle ökologische Herausforderungen geben kann. Indem das Kapitel die philosophischen Grundlagen dieser beiden ontologischen Annahmen untersucht, bietet es eine neue Perspektive darauf, wie wir unsere Beziehung zur natürlichen Welt überdenken können. Sie stützt sich auch auf indigene Philosophien, wie das Andenprinzip der Ayni, um zu veranschaulichen, wie ein relationaler Ansatz zu harmonischeren und nachhaltigeren Interaktionen mit der Umwelt führen kann. Dieses Kapitel ist besonders wertvoll für diejenigen, die konventionelle Ansätze in der Umweltpolitik hinterfragen und innovative, nicht anthropozentrische Lösungen erforschen wollen.
  7. Backmatter

Titel
International Relations in the Anthropocene
Herausgegeben von
David Chandler
Franziska Müller
Delf Rothe
Copyright-Jahr
2021
Verlag
Springer International Publishing
Electronic ISBN
978-3-030-53014-3
Print ISBN
978-3-030-53013-6
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-030-53014-3

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