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Über dieses Buch

Dieser Band bietet einen aktuellen Überblick zur Forschung über den digitalen Wandel im Journalismus. Für die zweite Auflage wurde der Band völlig neu konzipiert und erweitert. Im Zentrum steht die Frage: Wie erschließt der Journalismus die neuen partizipativen und technischen Möglichkeiten, die das Internet bietet? Die Aufsätze sind dem digitalen Storytelling, der Recherche mit sozialen Medien und Suchmaschinen, demautomatisierten Journalismus, den besonderen Fragen des lokalen Journalismus, dem mobilen Journalismus, der Nachrichtenrezeption im Internet, den Nutzerkommentaren zu Nachrichten, dem Wandel der Nachrichtenorganisation und den wirtschaftlichen Problemen des Journalismus gewidmet. Der Band richtet sich nicht nur an ein wissenschaftliches Publikum, sondern gibt auch Interessierten aus der journalistischen Praxis Einblick in dieses dynamische und breit ausdifferenzierte Forschungsgebiet.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einführung

Zwischen dem Erscheinen der ersten und der zweiten Auflage dieses Sammelbandes liegt fast ein Jahrzehnt: Im Jahr 2009 erschien „Journalismus im Internet“ zum ersten Mal – dies war zugleich der Name eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Forschungsprojekts. Anlass für den Band war die Präsentation der Ergebnisse unserer Redaktionsbefragungen (Neuberger, Nuernbergk und Rischke 2009a, c, e) und Inhaltsanalysen (Neuberger, Nuernbergk und Rischke 2009b, d). Neben den professionell-journalistischen Websites waren damals auch schon Blogs, Wikipedia, Google und Google News Gegenstand unserer Analysen. Der Name „Facebook“ taucht dagegen in der ersten Auflage noch gar nicht auf.
Christian Nuernbergk, Christoph Neuberger

Journalismus in der Netzwerköffentlichkeit

Zum Verhältnis zwischen Profession, Partizipation und Technik
In der Forschungssynopse wird das vielfältige Beziehungsgeflecht zwischen professionellem Journalismus sowie partizipativen und algorithmischen Anbietern und Anwendungen im Internet resümiert. Dem Journalismus erwächst derzeit im Bereich der Nachrichtenproduktion weder aus den Aktivitäten von Amateuren noch aus der Automatisierung öffentlicher Kommunikation eine ernsthafte Konkurrenz. Weitaus wichtiger sind die komplementären und integrativen Beziehungen, die Redaktionen vor allem mit Hilfe sozialer Medien zu Quellen und Publikum unterhalten. Darüber gerät der Journalismus allerdings in Abhängigkeit von Intermediären wie Facebook und Google (z. B. beim Gewinnen von Nutzern), die zudem auf dem Werbemarkt zu einer übermächtigen Konkurrenz geworden sind. Neben der ökonomischen Krise des professionellen Journalismus, die evident ist, wird auch eine Identitätskrise („Entgrenzung“) und Qualitätskrise („Lügenpresse“) diagnostiziert. Der Journalismus muss sich der Herausforderung stellen, indem er seine Rolle in der Netzwerköffentlichkeit neu bestimmt und dafür das technische Potenzial des Internets innovativ ausschöpft. Der Wandel ist auch eine Herausforderung für die Journalismusforschung. Um sie zu bewältigen, wird hier eine Theorie der dynamischen und integrierten Netzwerköffentlichkeit vorgeschlagen, die Relationen, Rollen und Kontexte betont.
Christoph Neuberger

Digitales Storytelling

Nutzererwartungen, Usability, Produktionsbedingungen und Präsentation
Traditionell beschäftigt sich die Journalismusforschung mit Vermittlungsformen, die aktuelle Informationen in den Mittelpunkt stellen. Parallel dazu hat sich im Internetjournalismus jedoch eine stärker an der Thematisierung von Hintergrundinformationen orientierte Form des digitalen Storytelling entwickelt. Dessen Bezugsrahmen wird anhand zentraler Termini (Multimedia, Crossmedia, Transmedia, Storytelling) vorgestellt. Digitales Storytelling im Journalismus kombiniert die Potenziale von Medien wie Text, Fotografie, Grafik, Video, Animation und Audio, um nicht-fiktionale Themen in immersiver Weise aufzubereiten. Die Narration kann dabei cross- oder transmediale Formen annehmen. Drei wesentliche Darstellungsformen des digitalen Storytelling werden in Gestalt der Formate Scrollytelling, Webdokumentation und selektive Multimediastory erläutert. Im Anschluss geht der Beitrag auf die Befunde einer umfangreichen Studie ein, die das Thema in einer für Deutschland repräsentativen Weise empirisch erschlossen hat.
Alexander Godulla, Cornelia Wolf

Recherche im Internet

Social Media und Suchmaschinen als journalistische Suchhilfen
Dieser Beitrag gibt einen Forschungsüberblick über die journalistische Recherche im Internet. Dabei werden verschiedene Aspekte beleuchtet: Die allgemeine Nutzung von Suchhilfen im Internet, die dafür aufgewendete Arbeitszeit, die Verwendung und Eignung von Suchhilfen für spezielle Recherchezwecke, die Entwicklung der redaktionellen Kompetenz sowie die Herausbildung redaktioneller Standards im Umgang mit Social Media. Nachgegangen wird auch der Frage, ob es zu einer Verdrängung von traditionellen Recherchezugängen kommt und wie sich das Verhältnis von Online- und Offlinerecherchen bei der Verifikation von Informationen gestaltet. Im Zentrum der Betrachtungen stehen Social Media, die auf verschiedenen Kanälen vielfältige Informationssuchen ermöglichen. Die Ergebnisübersicht macht deutlich, dass sie vor allem für die Beobachtung von Themen und das Auffinden von Quellen verwendet werden. Bei der Überprüfung zeigen sich Signale der Überforderung vor allem in unübersichtlichen Situationen. Professionelle Beobachtungshilfen und Überprüfungsdienste gewinnen an Bedeutung.
Christian Nuernbergk

Automatisierter Journalismus

Anwendungsbereiche, Formen und Qualität
Automatisierter Journalismus ist die Erstellung von journalistischen Inhalten durch Algorithmen. Dabei wird aus strukturiert vorliegenden Daten menschliche Sprache erzeugt, die schließlich als journalistischer Beitrag publiziert wird. Aktuell tritt diese Form des Journalismus nur textuell und im Rahmen verhältnismäßig kurzer Nachrichten in Erscheinung. Thematisch beschränkt er sich noch primär auf datenreiche Felder wie die Sport- und Finanzberichterstattung, Verkehrsmeldungen sowie einfache Wahlberichterstattung. Die Texte sind dabei derzeit von einem semantisch-repetitiven Duktus geprägt, aufgrund ihrer ökonomisch effizienten Produktion aber insbesondere für Themen lohnenswert, die auf kleine Teilpublika abzielen. Rezipienten erkennen kaum Unterschiede zwischen manuell verfassten und rein computergenerierten Beiträgen. Dennoch bleiben die Texte noch hinter den technologischen Möglichkeiten der automatisierten Sprachgenerierung zurück. Hier ist in den kommenden Jahren eine Optimierung zu erwarten, die zugleich Fragen nach Kriterien der Transparenz, Ethik und Haftung algorithmischer Produkte im Journalismus mit sich bringt.
Mario Haim, Andreas Graefe

Mobiler Journalismus

Produktion, Gestaltung und Vermarktung
Mit der Etablierung internetfähiger mobiler Endgeräte (v. a. Smartphones und Tablet-PCs) und Anwendungen in Form von Apps sind neue Medien entstanden, die von bestehenden Medienorganisationen als Trägermedien genutzt werden. Wie jedes technische Medium, so besitzen auch sie spezifische Potenziale: erstens die Internetspezifika der Aktualität, Additivität, Multimedialität, Selektivität, Interaktivität und Partizipation, zweitens die Mobilspezifika der Kontextsensitivität, ständigen Konnektivität und Ubiquität sowie drittens die Endgerätespezifika der Playfulness und intuitiven Bedienbarkeit. Obwohl Redaktionen bereits in den 1990er Jahren erste mobile SMS-Dienste, später gefolgt von medienspezifischen Angeboten (m-paper, mobiles Fernsehen, Visual Radio), entwickelten, steht ein potenzieller Massenmarkt erst durch die Etablierung von Smartphones, Tablet-PCs und App-Stores zur Verfügung. Die Relevanz mobiler Medien im Informationsrepertoire ist deutlich gestiegen und die hohe Anzahl an journalistischen Apps belegt die Integration in das crossmediale Repertoire. Dennoch vollzieht sich die Institutionalisierung von mobilem Journalismus langsam: Angepasste Produktionsroutinen und innovative Medienschemata, die eine klare publizistische und ökonomische Strategie erkennen lassen, sind rar.
Cornelia Wolf

Lokaler Journalismus im Internet

Zeitungsverlage und neue Anbieter
Dem Lokaljournalismus wird in der Journalistik traditionell lediglich punktuell Relevanz beigemessen, meist bedingt durch externe, vorwiegend medienpolitisch gesetzte Anlässe. Aktuell findet er dank der voranschreitenden Erschließung virtueller Räume verstärkt Beachtung. Zu den Besonderheiten im wissenschaftlichen Kontext gehört unter anderem, dass eine eindeutige Bestimmung des tatsächlichen Bezugsraumes von Lokaljournalismus schwerfällt. Unabhängig von der definitorischen Eingrenzung des Nahraums, wurde das ehemalige Informationsmonopol traditioneller Medienanbieter für die Lokalberichterstattung in den letzten zwanzig Jahren durch die zunehmende Verbreitung des Internets durch neue Kommunikatoren aufgebrochen. Anbieter massenmedial verbreiteter Lokalinformationen versuchen sich im Internet auf unterschiedliche Art und Weise an innovativen Formen der Darstellung, profitablen Vertriebsmodellen und erfolgreichen Wegen der Nutzerpartizipation. Gleichzeitig besetzt eine Vielzahl neuer Wettbewerber durch hyperlokale Berichterstattung, ortsgebundene Special-Interest Angebote und als meinungsstarke Gegenöffentlichkeit lokale Nischen. Die hohe Fluktuation dieser Angebote zeigt allerdings, dass sie dabei mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben wie die etablierten Medienhäuser.
Wiebke Möhring, Felix Keldenich

Das Publikum des Journalismus

Nachrichtenrezeption, Einstellungen und aktive Beteiligung
Journalistische Medienangebote werden on- und offline über verschiedene Kanäle und Plattformen verbreitet; insbesondere im Netz ist die Angebotsvielfalt nahezu unüberschaubar groß. Produziert, verbreitet und genutzt werden sie dabei nicht mehr nur unter den Bedingungen der Massenkommunikation, sondern etwa auch über soziale Netzwerke und Messenger, die eher sozialmedialen und interpersonalen Kommunikationslogiken folgen. Der Beitrag verdeutlicht, warum die traditionelle medienzentrierte Publikums- und Nutzungsforschung den derart gewandelten Kommunikationsbedingungen nicht mehr gerecht werden kann. Hierfür werden zunächst die Entwicklungslinien der Nutzungsforschung von einer medienzentrierten Ausrichtung hin zum nutzerzentrierten Medienrepertoire-Ansatz nachgezeichnet. Anschließend werden ausgewählte empirische Befunde zur Nachrichtennutzung als Schnittstellenthema zwischen Nutzungs- und Journalismusforschung vorgestellt. Mit Blick auf die sich gewandelte Medienumgebung stehen dabei nachrichtenorientierte crossmediale Nutzung, Vertrauen in Nachrichten und Erwartungen an journalistische Leistungen sowie Formen der Nutzerbeteiligung und Partizipation im Mittelpunkt.
Sascha Hölig, Wiebke Loosen

User-Generated (Dis)Content

Eine Literatursynopse zur Nutzung der Kommentarfunktion auf Nachrichtensites im Internet
Nutzerkommentare machen Publikumsreaktionen auf und Anschlusskommunikation über journalistische Inhalte öffentlich und gelten als eine der am häufigsten genutzten Formen von Leserbeteiligung am Journalismus. Aufgrund ihrer Popularität, ihrer kontroversen Natur und den Herausforderungen, die mit der Implementierung einer Kommentarfunktion auf Nachrichtensites im Internet entstehen, werden Nutzerkommentare inzwischen von vielen Forscherinnen und Forschern untersucht. Der Beitrag liefert einen systematischen Überblick über Studien im Bereich der Journalismusforschung, der Nutzer- und Nutzungsforschung sowie der Medieninhalts- und Medienwirkungsforschung. Durch diesen integrativen Überblick soll der Gegenstand systematisch durchleuchtet und ein großer Teil des verfügbaren Literaturkorpus synthetisiert werden, um Diskussionen in Wissenschaft und Medienöffentlichkeit ein theoretisches und empirisches Fundament zu geben, Forschungslücken zu identifizieren und künftige Projekte in diesem Bereich anzustoßen.
Nina Springer, Anna Sophie Kümpel

Nachrichtenorganisation

Umbrüche durch Konvergenz, Crossmedialität, Multikanal- und Innovationsfähigkeit
Dieser Beitrag gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu Folgen soziotechnischer und ökonomischer Veränderungen für den Journalismus aus organisationaler Perspektive. Fokussiert wird dabei einerseits auf Studien auf der Mesoebene, welche die paradoxe Situation von Nachrichtenorganisationen zwischen Tradition und Wandel analysieren. Andererseits wird die Mikroebene der Mitarbeitenden beleuchtet, wobei das Ausbilden von neuen Fähigkeiten sowie die Auswirkungen vom und Einstellungen zum Wandel untersucht werden. Herausforderungen von Nachrichtenorganisationen im digitalen Zeitalter bleiben ein spannendes Forschungsfeld. Dabei bieten organisationstheoretische Ansätze weiteres Potenzial. Als zukünftige Forschungsthemen werden (1) nachhaltige Geschäftsmodelle für den Internetjournalismus, (2) Veränderungen der Angebotsvielfalt im Medienmarkt, (3) die Entwicklung und Hürden von Innovationsfähigkeit sowie (4) das Erreichen von Ambidextrie für das langfristige Überleben von Nachrichtenorganisationen identifiziert.
Juliane Lischka

Wirtschaftliche Probleme des Journalismus im Internet

Verdrängungsängste und fehlende Erlösquellen
Die existenziellen wirtschaftlichen Probleme des Journalismus im Internet sind auf fundamentale Verdrängungsprozesse und auffällig fehlende Erlösquellen zurückzuführen. Auf dem digitalen Werbemarkt werden die klassischen Vermarktungsmodelle journalistischer Anbieter durch die weit überlegenen datengetriebenen Werbemodelle etwa von Facebook und Google verdrängt. Eine breite Durchsetzung von Zahlmodellen auf dem Nutzermarkt scheitert an der Verdrängung durch kostengünstig produzierte Trittbrettfahrer-Angebote, die zum Grenzkostenpreis von null vertrieben werden. Im neuen Paradigma der plattformvermittelten Nutzung und Vermarktung einzelner digitaler Medieninhalte auf mobilen Endgeräten erfolgt zuletzt gar eine Verdrängung des Journalismus selbst in seiner Funktion als gesellschaftlich relevante Institution. Die Frage nach Finanzierungsalternativen des Journalismus im Internet stellt sich vor dem Hintergrund dieses neuerlichen digitalen Paradigmenwechsels dringlicher denn je.
Frank Lobigs

Backmatter

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