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Über dieses Buch

Sondersendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens sind eine zentrale Institution der politischen Medienöffentlichkeit in Deutschland. Sie werden unter hohem Zeitdruck und mit Aufbietung geballter journalistischer Kompetenz produziert. Die Medienakteure sehen sie voller Stolz als imagebildende ‚Premiumprodukte‘ an. Für das Publikum markieren die Formate relevante Störungen gesellschaftlicher Normalität. Sie bieten zudem Einordnungen, Lösungsperspektiven sowie Vergemeinschaftung und Trost. Für politische Akteure sind die Sendungen eine relevante Bühne politischer Krisenkommunikation.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung: Sondersendungen als Störungsanzeiger und Entstörungsritual

Zusammenfassung
Außenreporter Sandro Zahlemann vom Mitteldeutschen Rundfunk steht abends auf dem Gleis 16 des Leipziger Hauptbahnhofs, um live von der Einfahrt eines nagelneuen ICE der Deutschen Bahn zu berichten. An Bord befinden sich u. a. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Verkehrsminister Alexander Dobrindt sowie Jigme Khesar Namgyel Wangchuck, König von Bhutan. Anlass der Fahrt ist die Präsentation einer neuen ICE-Generation und der Abschluss eines großen Geschäfts, denn der König hat angekündigt, eine große Anzahl an ICE-Zügen in Auftrag zu geben.
Andreas Dörner, Ludgera Vogt

Kapitel 2. Die Methodik der Studie

Eine ethnografisch eingebettete Medienanalyse
Zusammenfassung
Das methodische Vorgehen der in diesem Band veröffentlichten Studie wurde bereits in zwei Vorgängerprojekten erprobt, die durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert wurden. Im einen Projekt ging es um Politikerauftritte in Personality-Talkshows des deutschen Fernsehens (vgl. Dörner u. a. 2015), im anderen um den Einsatz von Komik und Humor im Bundestagswahlkampf 2013 (vgl. Dörner/Vogt 2017; siehe auch Dörner/Vogt 2018).
Ludgera Vogt

Kapitel 3. Fernsehen unter hohem Zeitdruck

Die Produktion von Sondersendungen
Zusammenfassung
Durch die Interviews mit den an Sondersendungen beteiligten Akteuren konnte der Produktionsprozess nachgezeichnet werden. Die Interviewten ermöglichten einen Einblick in die redaktionellen Arbeiten an Sondersendungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Die Redaktionsbüros sind Orte der Entscheidungs-, Planungs- und Gestaltungsprozesse von Sondersendungen, an denen verschiedene Akteure in unterschiedlicher Form beteiligt sind.
Marcel Mathes, Ludgera Vogt

Kapitel 4. Das Selbstverständnis der Feldakteure

Zusammenfassung
Der folgende Beitrag befasst sich mit dem Selbstverständnis der Redakteure, die als Journalisten für die konkrete Produktion von Sondersendungen verantwortlich zeichnen. Um dieses Selbstverständnis rekonstruieren zu können, wurden teilstandardisierte, leitfadengestützte Interviews mit insgesamt elf Redakteuren durchgeführt. Die Interviewpartner erwiesen sich als sehr gesprächsfreudig und auskunftsbereit, die Interviews dauerten teilweise bis zu zwei Stunden.
Ludgera Vogt, Marcel Mathes, Svenja Reinhardt, Fiona Hollmann

Kapitel 5. Die Sondersendungen des deutschen Fernsehens

Spektrum, Programmierung, Gestaltung
Zusammenfassung
Der folgende Beitrag versucht, das Format der Sondersendung im gegenwärtigen deutschen Fernsehen systematisch zu beschreiben. Grundlage ist zum einen eine Vollerhebung der öffentlich-rechtlichen Sondersendungen ARD Brennpunkt und ZDF spezial für die Jahre 2015 und 2016 – Vollerhebung mit Einschränkungen, weil nicht alle tatsächlich ausgestrahlten Sendungen auch gesichtet werden konnten, wie in 5.1 genauer dargelegt wird. Alle erhobenen Sendungen jedoch wurden gesichtet und analysiert.
Axel Fischer, Deborah Wolf, Andreas Dörner

Kapitel 6. Die Rollen der Akteure

Typologien auf der Grundlage triangulierter Daten
Zusammenfassung
Sondersendungen sind für die beteiligten Akteure vor der Kamera öffentlichkeitswirksame sowie reichweitenstarke Bühnen, die mit spezifischen Herausforderungen und Kontingenzen bei der Selbstdarstellung verbunden sind. Je nach Anlass, Kommunikationsstrategie und Ziel wählen die Akteure aus idealtypischen Rollen, die ihnen Sicherheit und Routine in ihren Auftritten bieten.
Axel Fischer, Marcel Mathes

Kapitel 7. Fallstudien

Zusammenfassung
Insgesamt wurden 19 Sondersendung auf ARD und ZDF zum Thema Griechenlandkrise ausgestrahlt, davon acht BP- (vier WDR, vier BR) und elf ZS-Sendungen. Jeweils eine Sendung behandelt den Wahlsieg der Syriza, drei BP und fünf ZS das Auslaufen der IWF-Kredite und die Rückzahlungsschwierigkeiten Griechenlands, zwei BP sowie drei ZS das auf Initiative der griechischen Regierung abgehaltene Referendum zum geplanten EU-Hilfspaket und die Folgen des Abstimmungsergebnisses. Jeweils zwei Sendungen behandeln die erfolgreichen Verhandlungen um ein neues Hilfspaket bei einem EU-Gipfel. Eine Besonderheit stellen der BP vom 29.06.2015 und das ZS vom 29.06.2015 dar, denn diese Sendungen werden live aus Athen gesendet.
Axel Fischer, Deborah Wolf, Andreas Dörner, Ludgera Vogt, Martin Henkelmann, Benjamin Scholz

Kapitel 8. Fazit und Ausblick

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie hat Einblicke in den Produktionsprozess und die audiovisuelle Gestalt der Sondersendungen ARD Brennpunkt und ZDF spezial in den Jahren 2015 bis 2016 gegeben. Diese Sonderformate des deutschen Fernsehens haben nach wie vor hohe Reichweiten und stellen eine zentrale Institution der Krisenkommunikation in der politischen Medienkultur Deutschlands dar. Die Sendungen zeigen öffentlich gravierende Störungen der politischen und gesellschaftlichen Normalität an, sie ordnen diese Störungen jeweils ein und bieten Entstörungsrituale an, deren Spektrum von der kollektiven Trauer bis zur Problemlösungsfindung reicht.
Andreas Dörner, Ludgera Vogt

Backmatter

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