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Über dieses Buch

Dieser interdisziplinäre Sammelband vereint in zehn Beiträgen Analysen bi- und multipolarer Relationen, durch die potentielle Chancen, aber auch problematische Implikate vor Augen treten.
Der Inhalt„Ironie“. Interpretationsmodell der Historie und ihre Bedeutung für Reinhold Niebuhrs politische Theologie heute ● Über Fremdheit und Selbstfremdheit der Kirchen im Kontext eskalierender Kulturkämpfe ● Politik der Differenz vs. Anerkennung im Zeichen radikaler Alterität ● Ernst Troeltsch und Max Weber – Religionstheorie in transatlantischer Perspektive ● ‚Neuer Atheismus‘ und ‚Kreationismus‘ – Transatlantische Zwillings-Phänomene ● Transatlantic Networks and the German-American Protestant Exchange ● Paul Tillichs Emigration in die Vereinigten Staaten und sein theologisches Reden über die Grenze ● Beobachtungen zum Weg von Leonardo Boff ● Sicherheitspolitischer Dialog zwischen transatlantischem Bündnis und dem Nahen Osten in Zeiten des geopolitischen Umstrukturierungsprozesses
Die HerausgeberProf. Dr. em. Dietmar Schössler war Hochschullehrer für Politik- und Sozialwissenschaften an den Universitäten Mannheim, Frankfurt am Main und München (Universität der Bundeswehr).Prof. Dr. Michael Plathow ist Hochschullehrer für Systematische Theologie an der Universität Heidelberg.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

„Ironie“. Interpretationsmodell der Historie und ihre Bedeutung für Reinhold Niebuhrs politische Theologie heute

Die Denkform der „Ironie“, d. h. für Reinhold Niebuhr der Widerspruch zwischen entgrenztem Ideal und faktischer Realität, verwendet der öffentliche Theologe als Interpretationsmodell der amerikanischen Gesellschaftspolitik. Er differenziert zwischen „politischem“ und „christlichem“ Realismus und expliziert mit dieser Unterscheidung seine politische Theologie, ihre Effizienz und Relevanz. Er fokussiert und konkretisiert diese für demokratische Planungs- und Entscheidungsprozesse im Wert der Versöhnung, in der Haltung der Demut und in der Tugend der Besonnenheit (serenity).
Michael Plathow

Gehört das Christentum zum Westen? Über Fremdheit und Selbstfremdheit der Kirchen im Kontext eskalierender Kulturkämpfe

Als sich 1989 mit dem Mauerfall die bipolare Welt des Kalten Krieges auflöste, wurde die Frage aufgeworfen, welche Konturen die neu entstehende Welt haben würde. Francis Fukuyama und Samuel P. Huntington zählen zu den bekanntesten Deutern der Welt nach Ende des Kalten Krieges. Während Fukuyama vom Ende aller Systemkämpfe und der globalen Durchsetzung der liberalen Demokratie ausging, sah Huntington stärker ethnische, kulturelle und religiöse Gegenbewegungen zur Globalisierung aufkommen. Diese würden auf neue Kulturkämpfe hinauslaufen. Im vorliegenden Aufsatz wird zunächst der Versuch unternommen nach über zwanzig Jahren erneut einen Blick auf die Fukuyama-Huntington-Debatte zu werfen. Dabei wird die These vertreten, dass beide Denker nicht zwei Enden eines Kontinuums beschreiben, sondern „zwei Seiten derselben Medaille“.
Im zweiten Teil wird danach gefragt, welchen Ort das Christentum in der so verstandenen Gegenwart hat. Gehört das Christentum zum Westen? Gehört es gar dem Westen? Wird es als Wurzel des Strebens nach Gleichheit in den Einsatz für Demokratie und Menschenrechte aufgehoben (Fukuyama) oder dient es zur Sakralisierung ethnisch-kultureller Identität (Huntington)?
Im Anschluss an Ingolf Dalferth und Miroslav Volf wird kulturelle Identität von theologischer Identität unterschieden. Die theologische Identität bezeichnet ein ex-zentrisches Ereignis: das In-Beziehung-Setzen Gottes mit dem Gottlosen und die Ermöglichung von Glauben. Diese theologische Identität relativiert und öffnet kulturelle Identitäten.
Dies führt zu einer Struktur der (Selbst-)Fremdheit des Christentums, die Miroslav Volf „interne Differenz“ nennt: eine kritische Solidarität mit der umgebenden Kultur, die zugleich Zugehörigkeit und Distanz zum Ausdruck bringt. Somit geht die theologische Identität nicht auf in kulturellen Zugehörigkeiten, sondern kann diese in ihren Schließungs- oder Expansionstendenzen infrage stellen.
Arne-Florian Bachmann

Anerkennung, Identität und radikale Alterität. Politik der Differenz vs. Anerkennung im Zeichen radikaler Alterität

Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem sozialphilosophischen Zusammenhang von Anerkennung und Andersheit. So ist es für eine sozialphilosophische Konzeption von entscheidender Bedeutung, welcher Begriff vom ‚Anderen‘ oder von Andersheit zugrunde gelegt wird. Am Beispiel des derzeit in der Sozialphilosophie häufig verwendeten Begriffs der Anerkennung soll dies erläutert werden. Die These des Beitrags ist, dass die paradigmatischen Anerkennungstheorien (Taylor, Honneth, Butler, Ricœur), die die Andersheit lediglich unter dem Aspekt des spezifischen, relativen Anderen, der sich in bestimmter Hinsicht unterscheidet, betrachten, dahin gehend defizitär sind, als sie den Anderen, wie er besonders bei Denkern wie Emmanuel Levinas, Jacques Derrida, Bernhard Waldenfels und Simon Critchley zu Wort kommt, als radikalen Anderen jenseits des Vergleichs und Unterschieds außer Acht lassen. Die daraus folgenden Aporien, Probleme und Grenzen der jeweiligen Konzeptionen sollen aufgezeigt werden und als Gegenvorschlag die Theorie zum verkennenden Anerkennen von Thomas Bedorf stark gemacht werden.
Patrick Ebert

Ernst Troeltsch und Max Weber – Religionstheorie in transatlantischer Perspektive

Ernst Troeltsch und Max Weber besuchen 1904 gemeinsam die Weltausstellung in St. Louis und sind begeistert. Die Weltausstellung, vor allem aber die damit verbundenen Städtereisen nach New York und Chicago stellen ihnen den technologischen und ökonomischen Aufstieg Amerikas in seinem ganzen Phänomenreichtum vor Augen. Diese Eindrücke wirken sich bei Troeltsch und Weber auf die eigene Forschung aus. Befragt man Troeltschs religionssoziologische und religionstheologische Forschung darauf, was diese zu einer gegenwärtigen Religionstheorie beitragen kann, dann besteht dieser Beitrag weniger in den materialen Ergebnissen seiner Forschung, als vielmehr in den Grundsätzen, die dieser Forschung zugrunde liegen. Der vorliegende Aufsatz versucht anhand von Troeltschs Religionstheorie drei Grundsätze zu rekonstruieren und deren bleibende Relevanz für eine Religionstheorie in transatlantischer Perspektive aufzuzeigen.
Matthias Baum

‚Neuer Atheismus‘ und ‚Kreationismus‘ – Transatlantische Zwillings-Phänomene

Der sogenannte ‚neue Atheismus‘ hat – ausgehend v. a. von den USA – in Deutschland ohne Zweifel Wirkung gezeigt. Allerdings lässt sich die starke Resonanz kaum aus den eigenen Kontexten erklären, da einer der ‚Hauptgegner‘, ein – auch politisch einflussreicher – Kreationismus, in Deutschland so nicht vorhanden war und ist. Es stellt sich daher in einer Reflexion auf das Phänomen die Frage, welche beabsichtigten und unbeabsichtigten Konsequenzen die neukontextualisierte Rezeption des ‚neuen Atheismus‘ zeitigt und was sich in theologischer und kirchlicher Perspektive aus diesem Phänomen lernen lässt. Die Hauptthese, dass der sogenannte ‚neue Atheismus‘ dem Kreationismus in Deutschland erst ein öffentlichkeitswirksames Forum verschafft hat, dass sich gleichzeitig in diesem Phänomen aber auch erkennen lässt, dass das Bild von Theologie und Kirche in der Öffentlichkeit faktisch weniger von deren Akteuren als von den – in vielen Punkten stark US-amerikanisch stämmigen oder geprägten – Medien beeinflusst wird, mündet in ein Votum für eine stärker öffentlich orientierte Theologie.
Sabine Schmidtke

Reforming Christendom: Transatlantic Networks and the German-American Protestant Exchange

This chapter examines the development of two different Protestant “theopolitical” worlds in the United States and Germany and the transatlantic religious networks that developed between them. It does so through sketching the historical development of “formal Christendom” and “informal Christendom” in Germany and the United States, two modes of church-state relations that advanced differing interpretations of political theology and ecclesiology. Through tracing their historical development and intersection, this chapter illustrates how the transatlantic flow of religious actors and ideas reshaped “theopolitcal imaginations” on both sides of the Atlantic. Furthermore, it demonstrates how this underacknowledged history of exchange informed the post-1945 emergence of a transnational Protestant consensus around ecumenism, democracy, and religious activism in the public sphere.
James Strasburg

Grenzgänge. Paul Tillichs Emigration in die Vereinigten Staaten und sein theologisches Reden über die Grenze

In dem Beitrag werden Zusammenhänge zwischen Biografie und Theologie Paul Tillichs untersucht. Tillichs Leben war nach seiner Entlassung durch die Nationalsozialisten im Jahr 1933 bestimmt durch die Emigration in die Vereinigten Staaten. Dabei werden die Emigrationserfahrungen Tillichs in den Kontext anderer Emigrationserfahrungen eingeordnet. In seinen biografisch-theologischen Texten spielt der Begriff der Grenze eine besondere Rolle. Es wird Tillichs Reden über die Grenze in einem frühen biografischen Text, in der Systematischen Theologie und in der späten Rede, die Tillich aus Anlaß der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels hielt, vorgestellt. Dabei wird deutlich, wie sich eine besondere Lebensgeschichte in einer Theologie ausprägt, die stets von einer besonderen Sensibilität für das Verhältnis von Religion und Kultur geprägt war. Dieses erscheint um so aktueller, als auch gegenwärtig die Metapher der Grenze politisch, kulturell und theologisch ihre Bedeutung behalten hat.
Wolfgang Vögele

Option für die Armen. Beobachtungen zum Weg von Leonardo Boff

Der brasilianische Franziskaner Leonardo Boff, neben dem Peruaner Gustavo Gutiérrez Hauptvertreter der Lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, wurde zwischen 1984 und 1986 weltweit bekannt durch seinen Konflikt mit dem Vatikan in Gestalt Joseph Ratzingers, des Präfekten der Glaubenskongregation und späteren Papstes Benedikt XVI. Vor dem Hintergrund der sozialen Probleme zumal Brasiliens knüpfte Boff am Kirchenverständnis des II. Vatikanischen Konzils an und entwarf eine radikale Kirchenreform „von unten“, die aber von der Glaubenskongregation entschieden verworfen wurde. Die heutige Analyse der damaligen Auseinandersetzung Ratzinger-Boff lässt tiefe Differenzen im Wirklichkeitsverständnis wie in der Glaubensauffassung erkennen, die bis in die jeweilige Persönlichkeitsstruktur reichen. Der ungelöste Konflikt führte Boff zur Ausweitung des Begriffs Befreiung auf die Erde und die gesamte Schöpfung. Vorbild war ihm dafür Franz von Assisi, der im ersten lateinamerikanischen Papst Franziskus einen aktuellen Propheten findet.
Klaus P. Fischer

Sicherheitspolitischer Dialog zwischen transatlantischem Bündnis und dem Nahen Osten in Zeiten des geopolitischen Umstrukturierungsprozesses

Die transatlantischen Beziehungen sind derzeit im Wandel begriffen. Genauso verändern sich der Nahe Osten und Nordafrika rasant. Während des Transformationsprozesses im arabisch-islamischen Raum versuchen die transatlantischen Partner, der arabischen Diaspora auf ihrem schwierigen Findungsweg sowohl durch militärische Interventionen, aber auch durch politische Determinanten zu helfen. Durch das schwierige Verhältnis der transatlantischen Verbündeten, aber auch durch Verkrustung und Konservierung alter Strukturen in der islamischen Welt, wirft nun dieser Essay die Frage auf, wie die transatlantischen Partner, in ihrer eigenen schwierigen Situation, die nahöstlichen und nordafrikanischen Staaten auf ihrer Suche nach Befreiung, wirtschaftlichem Aufschwung und Demokratie unterstützen können.
Ilya Zarrouk
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