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Über dieses Buch

Jan Starcke geht unter Rückgriff auf die Theorie der kollektiven Wirksamkeit (Collective Efficacy) den Fragen nach, welche Rolle die informelle soziale Kontrolle innerhalb von Nachbarschaften für das persönliche Sicherheitsgefühl spielt und wie Vertrauen zwischen Bewohnern einer Nachbarschaft entsteht. Erstmals werden dabei Datensätze für zwei deutsche Großstädte mit unterschiedlichen sozialstrukturellen Voraussetzungen in vergleichender Perspektive analysiert: Wuppertal und Stuttgart. Im Rahmen von Mehrebenenanalysen (Multilevel Analysis) wird festgestellt, dass der kollektiven Wirksamkeit in den Untersuchungsstädten ein unterschiedlicher Stellenwert für die subjektive Wahrnehmung von Sicherheit zukommt, womit die Generalisierbarkeit des Ansatzes in Frage gestellt wird.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Sicherheit und Unsicherheit sind innerhalb von Städten nicht gleich verteilt. In vielen Städten gibt es Kriminalitätsschwerpunkte („Hot-Spots“) oder zumindest Orte, die von den Bürgerinnen und Bürgern als besonders unsicher empfunden werden. In der kommunalpolitischen Diskussion werden die betreffenden Straßenzüge und Plätze mitunter als „Angsträume“ bezeichnet (Ruhne 2011). Unterschiede im Sicherheitsniveau zwischen verschiedenen städtischen Gebieten werden in steter Regelmäßigkeit im Rahmen von kriminologischen Regionalanalysen festgestellt, und sind vielfach in Kriminalitätsatlanten kartiert und dokumentiert worden (siehe z.B. LKA Berlin 2014).
Jan Starcke

Kapitel 2. Methodische Vorüberlegungen

Zusammenfassung
Die Frage, ob und in welcher Weise individuelle Wahrnehmungen, Handlungen und Lebenslagen von den Bedingungen des sozialräumlichen Umfeldes abhängen, ist eine der zentralen Fragen der Soziologie (Nonnenmacher 2007: 493). Kontexteffekte bezeichnen dabei die Idee, dass der Sozialraum einen eigenständigen Effekt auf Menschen ausübt, über die soziodemografischen und psychologischen Charakteristika der Personen, die sich in ihm aufhalten, hinaus. Neben Wirkungen auf kriminalitätsbezogene Probleme, wurde in empirischen Studien ein Einfluss der sozialräumlichen Wohnumgebung z.B.
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Kapitel 3. Theoretische Grundlagen der Untersuchung

Zusammenfassung
Zur Erfassung der Furcht der Bürger vor Kriminalität werden in der Literatur zahlreiche Vorschläge gemacht, wie z.B. „Kriminalitätsfurcht“, „Verbrechensangst“, oder „kriminalitätsbezogene Unsicherheitswahrnehmungen, -gefühle, und -empfindungen“, sodass diesbezüglich schon früh von „terminologischer Anarchie“ (Warr 1987: 29) gesprochen wurde. In der Kriminologie herrscht mittlerweile Einigkeit darüber, dass Kriminalitätsfurcht ein mehrdimensionales Gefüge verschiedener kriminalitätsbezogener Einstellungen darstellt (Ziegleder et al. 2011: 28), welches sich nicht alleine durch ein einzelnes Item umfassend operationalisieren lässt (Farrall et al. 1997; Ferraro/LaGrange 1987; Skogan/Maxfield 1981).
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Kapitel 4. Empirischer Forschungsstand

Zusammenfassung
Die Forschung zur Kriminalitätsfurcht hat eine lange Tradition. Hintergrund der Entwicklung des Forschungszweiges war die Hinwendung der Kriminologie zur Perspektive der Opfer von Kriminalität (Viktimologie), welche dabei auch zu einer stärkeren Berücksichtigung der Kriminalitätsfurcht der Bürger im Allgemeinen geführt hat (Boers 1991; Ziegleder et al. 2011: 12). Nach den ersten richtungsweisenden Fragebogenuntersuchungen zu Opfererlebnissen und dem Sicherheitsgefühl der Bürger, welche Mitte der 1960er Jahre in den USA durchgeführt wurden, wurde das Thema mit etwas zeitlichem Verzug in den 1970er Jahren auch in deutschsprachigen Ländern empirisch aufgegriffen (Hirtenlehner/Hummelsheim 2015: 458).
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Kapitel 5. Beschreibung der Untersuchungsstädte

Zusammenfassung
In dieser Untersuchung stehen mit Wuppertal und Stuttgart zwei Großstädte im Fokus, die in den vergangenen Jahrzehnten eine sehr unterschiedliche Entwicklung genommen haben, und die sich in ihren wirtschaftlichen und sozialstrukturellen Voraussetzungen im Befragungsjahr 2015 stark voneinander unterscheiden (Haverkamp et al. 2015a, 2015b). Im Folgenden werden die beiden Untersuchungsstädte hinsichtlich ihrer strukturellen und kulturellen Bedingungen beschrieben, zuerst für beide Städte separat und anschließend in vergleichender Perspektive, um dadurch wesentliche Unterschiede zwischen den Städten herauszustellen. Sofern nicht anders gekennzeichnet, werden für die Sozialstrukturanalyse sozialstatistische Daten der Statistikstelle der Stadt Wuppertal bzw.
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Kapitel 6. Systematisierung, theoretisches Modell und Hypothesen

Zusammenfassung
Aus den vorgestellten individuellen und kontextuellen Einflussfaktoren der Kriminalitätsfurcht und der kollektiven Wirksamkeit wird nun ein theoretisches Erklärungsmodell erstellt, das im weiteren Verlauf der Untersuchung anhand von Befragungsdaten aus Wuppertal und Stuttgart empirisch überprüft wird. Neben verschiedenen Prädiktoren der Kriminalitätsfurcht werden innerhalb des Modells auch Einflussfaktoren auf die Wahrnehmung der kollektiven Wirksamkeit in der Nachbarschaft berücksichtigt. Da das Hauptaugenmerk in dieser Untersuchung auf der Frage nach der Generalisierbarkeit des collective efficacy-Ansatzes über unterschiedliche Stadtkontexte hinweg liegt, wird in dem Modell von einer identischen Zusammenhangsstruktur der theoretischen Konstrukte in Wuppertal und Stuttgart ausgegangen.
Jan Starcke

Kapitel 7. Methode und Ablauf der Datenerhebung

Zusammenfassung
In der vorliegenden Untersuchung werden verschiedene Datenquellen herangezogen. Die Datenerhebung erfolgte dabei vollständig im Rahmen des vom BMBF geförderten Forschungsprojektes „Aspekte einer gerechten Verteilung von Sicherheit in der Stadt“ (VERSS), welches zwischen 2014 und 2017 in Wuppertal und Stuttgart durchgeführt wurde (Haverkamp et al. 2015a, 2015b). Abbildung 13 zeigt ein Ablaufdiagramm mit den vier wichtigsten Erhebungs- und Auswertungsschritten.
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Kapitel 8. Statistische Methoden der Datenanalyse

Zusammenfassung
Das Verhältnis von Individuum (Mikroebene) und Gesellschaft (Makroebene) und damit die Frage nach dem wechselseitigen Verhältnis von Handeln und Struktur ist eine der Grundfragen in den Sozialwissenschaften (Schimank 2016). Dabei wird angenommen, dass die vorherrschenden ökonomischen, sozialen und kulturellen Bedingungen das individuelle Handeln prägen, und die kontextuellen Bedingungen gleichzeitig wiederum vom Handeln individueller Akteure beeinflusst werden. Sozialer Wandel und gesellschaftlicher Fortschritt sind damit als das Produkt einer dialektischen Beziehung zwischen individuellen Handlungen und strukturellen Bedingungen anzusehen.
Jan Starcke

Kapitel 9. Operationalisierung und deskriptive Statistik

Zusammenfassung
Nachdem bis dato das theoretische und methodische Konzept der Untersuchung erörtert worden sind, soll nun beschrieben werden, wie das in Kapitel 6.1. entwickelte Theoriemodell (Abbildung 12) operationalisiert, d.h. empirisch messbar gemacht wird. In diesem Zusammenhang werden in diesem Kapitel daher die entsprechenden abhängigen und unabhängigen Variablen auch anhand ihrer deskriptiven Statistik beschrieben.
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Kapitel 10. Ergebnisse der Mehrebenenanalysen

Zusammenfassung
In diesem Abschnitt der Untersuchung werden die forschungsleitenden Hypothesen anhand von hierarchisch-linearen Mehrebenenanalysen (Random-Intercept-Modelle mit fixierten Effekten auf der Individualebene) überprüft. Zunächst werden dabei für beide Untersuchungsstädte Mehrebenenmodelle zu den individuellen und kontextuellen Einflussfaktoren auf die kollektive Wirksamkeit bzw. deren zwei Subdimensionen der sozialen Kohäsion und der informellen Sozialkontrolle berechnet (Kapitel 10.1. – Kapitel 10.2.).
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Kapitel 11. Schlussbetrachtung

Zusammenfassung
Maßnahmen und Projekte zum Aufbau von sozialem Kapital stellen mittlerweile in vielen Kommunen einen eigenständigen Bereich der kommunalen Kriminalprävention dar, so auch in Wuppertal und Stuttgart. Beispiele hierfür sind etwa die Errichtung von Stadtteiltreffs, Stadtteilfeste oder bauliche Maßnahmen die mit Bürgerbeteiligung einhergehen, wie z.B. die Umgestaltung von öffentlichen Parks und Plätzen. Insbesondere in strukturschwachen und sozial benachteiligten Stadtteilen müssen oftmals erhöhte soziale Integrationsanforderungen bewältigt werden. Durch entsprechende Aktivitäten wird versucht, die Begegnung von Menschen unterschiedlicher sozialer, kultureller und ethnischer Herkunft zu fördern, um somit wechselseitige Vorurteile abzubauen und das Vertrauen in die Nachbarschaft und deren Institutionen zu stärken.
Jan Starcke

Backmatter

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