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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Zusammenfassung
Im Herbst 2002 unterzeichnete die Bundesregierung mit dem Konsortium Toll Collect einen Vertrag über den Aufbau eines satellitengestützten LKW-Mautsystems. Die teilnehmenden Partner des Konsortiums sind die DaimlerChrysler AG und die Deutsche Telekom AG, jeweils mit einem Anteil von 45 Prozent, sowie der französische Autobahnspezialist Cofiroute mit einer Beteiligung von 10 Prozent.1 Das Projekt zeichnete sich durch seine technologische Novität und Komplexität aus und wurde bei Vertragsunterzeichnung als zukunftsweisend bezeichnet. Nach nur acht Monaten, am 31. August 2003, sollte das System starten.2 Da es sich aber „um ein hochkomplexes System mit enormem Zukunftspotenzial [handelt, bestehen aktuell] Schwierigkeiten und Anpassungsprobleme“3, führte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg am 1. Dezember 2003 aus. Tatsache ist, dass nach bislang zwei Startversuchen kein funktionierendes Mautsystem implementiert ist und nach anfänglichem kon-sensualen Schweigen die Vertragsparteien nun in der Öffentlichkeit die Schuldfrage zu klären versuchen. Für den Fall, dass das System nicht einsatzbereit ist, sieht der Vertrag eine tägliche Vertragsstrafe von 250 000 EUR bis Ende Januar 2004 vor, danach wird eine Strafe in Höhe von 500 000 EUR pro Tag fällig. Die Vertragsstrafen decken nicht die Einnahmeausfälle der Bundesregierung durch die Mautgebühren in Höhe von 5,2 Millionen EUR pro Tag — was sich zu einer Summe von 156 Millionen EUR pro Monat addiert — ab.4 Das Verkehrministerium rechnet mit einer Anspruchsgrundlage von 1,3 Milliarden EUR aus Schadenersatzansprüchen, zu denen noch weitere Ansprüche von mindestens 2,8 Milliarden EUR hinzukommen, sollte das System Ende 2004 nicht funktionieren.5
Sven Christoph Hallscheidt

1. Charakteristika komplexer Leistungen

Zusammenfassung
Um einen Zugang zu dem Begriff der komplexen Leistungen zu ermöglichen, ist es zunächst erforderlich, den Begriff der Leistung zu beschreiben. Eine Einteilung von Leistungen hängt immer von der Fragestellung der jeweiligen Arbeit ab. In diesem Kontext stehen Fragen der Informationsgewinnung und -Übertragung im Vordergrund, die eine Zuordnung und Übertragung der property rights ermöglichen sowie für die Absicherung der jeweiligen property rights erforderlich sind. Da im Weiteren vertragliche Fragen und damit verknüpft vertragstheoretische Ansätze im Rahmen dieser Arbeit herangezogen werden, soll eine Differenzierung anhand des Kriteriums ‚Vertragscharakter’ des Transaktionsgegenstands vorgenommen werden. Vorab gilt es jedoch zu klären, was unter einer Transaktion zu verstehen ist.
Sven Christoph Hallscheidt

2. Unsicherheit als zentrales Problem integrativer Leistungserstellung

Zusammenfassung
In der ökonomischen Literatur gibt es eine Vielzahl von Definitionen, die Unsicherheit beschreiben. Bei einem Vergleich dieser Definitionsansätze fällt auf, dass ein enger Zusammenhang zwischen Unsicherheit und Informationen besteht.71 Die Entscheidungsträger befinden sich auf einem Kontinuum zwischen vollkommener und unvollkommener Information. Wenn Entscheidungsträgern alle relevanten Informationen über einen Transaktionsprozess bekannt sind, spricht man von vollkommener Information. Eine Entscheidung kann also unter Sicherheit gefällt werden.72 Unvollkommene Information liegt vor, wenn den Entscheidungsträgern nicht alle relevanten Informationen bekannt sind73, wobei die Ausprägungen hierbei sehr unterschiedlich sein können. Die ökonomische Theorie beschäftigt sich hauptsächlich mit Entscheidungsproblemen.74 Um das Thema Unsicherheit im ökonomischen Rahmen zu beleuchten, muss die Entscheidungsvariable miteinbezogen werden. Individuen treffen in ökonomischen Transaktionen ihre Entscheidungen unter Sicherheit oder Unsicherheit.75
Sven Christoph Hallscheidt

3. Theoretische Ansätze der Neuen Institutionenökonomik zur Operationalisierung von Unsicherheit bezüglich der property rights

Zusammenfassung
Bisher wurden komplexe Leistungen charakterisiert und die mit ihnen verbunden Unsicherheiten dargestellt. Es lässt sich bereits erahnen, dass der Abschluss eines Vertrages, überhaupt die Anbahnung eines Vertrages, z.T. mit erheblichen Unsicherheiten und Risiken für die Akteure behaftet ist. Anhand der Informationsökonomik konnten die Unsicherheiten vor dem Vertragsabschluss verdeutlicht werden. Da die Analyse der property rights-Sicherung jedoch in Phasen vor und nach dem Vertragsschluss erfolgen soll, bedarf es einer Theorie die sich mit Verträgen befasst und die weiterhin auch die Sicherung der property rights in der Phase nach dem Vertragsabschluss zu analysieren vermag. In diesem Kapitel werden die property rights-Theorie sowie der property rights-Begriff vorgestellt und erläutert. Im Rahmen von ökonomischen Transaktionen haben property rights eine grundlegende Bedeutung;144 gleichzeitig sind property rights eine Grundlage für die NIÖ und die Theorie der,incomplete contracts’ bzw. der Theorie der relationalen Verträge.145 Auf eine Erläuterung und Positionierung der property rights-Theorie folgt die Darstellung der Institutionen ökonomischer Transaktionen. Schließlich wird das Wirkprinzip der Institution anhand des Institutionen Modells von Jacob dargestellt. Ziel ist hierbei die Beziehung zwischen sozialer Interaktion — z. B. im Rahmen einer komplexen Transaktion — Unsicherheit und einer Institution zu verdeutlichen. Bevor jedoch der Begriff property rights weiter gebraucht wird, erfolgt eine sprachliche Einordnung.
Sven Christoph Hallscheidt

4. Unsicherheitspotenziale in unvollständigen Verträgen im Rahmen integrativer Leistungserstellung

Zusammenfassung
„At the heart of the study of property rights lies the study of contracts. Contracts, whether formal or informal, reallocate rights among contracting parties.“400 Um diesem Einwand von Barzel zu genügen, werden im Folgenden die vertragstheoretischen Grundlagen vorgestellt und die komplexe Leistungserstellung darin eingeordnet. „Since the specification of rights is generally affected through contracting (implicit as well as explicit), individual behavior in organisations, including the behavior of managers, will depend on the natures of these contracts.“401 Verträge sind mit sämtlichen Organisations- bzw. Governanceformen ökonomischer Aktivitäten verbunden.402 Trotz dieser engen Verbindung hat die ökonomische Forschung Verträgen bis in die neunziger Jahre hinein wenig Beachtung geschenkt. Zuvor wurden Verträge lediglich in der ökonomischen Spezialliteratur behandelt, die das Bestehen von Vertragsformen auf Informations- und Transaktionskosten zurückführte.403 Das reine Vertragsrecht kennt im Gegensatz zur Ökonomie, keine verschieden ausgestalteten sozialen Beziehungen. Wie eng bzw. persönlich eine Beziehung ist, wie viel Vertrauen die Akteure ineinander besitzen ist im Vertragsrecht ohne Belang. Es ist blind hinsichtlich der Akteure und derer persönlicher Attribute; wer kauft oder verkauft bzw. was gekauft oder verkauft wird spielt keine Rolle. Beim Vertragsrecht handelt es sich um eine Abstraktion.404 Die Vertragsfreiheit ermöglicht jedem Individuum den Abschluss von Verträgen, also frei am Wettbewerb teilzunehmen und selbst die Bedingungen festzusetzen, zu denen es bereit ist, Waren oder Dienstleistungen am Markt zu tauschen. Jeder kann frei entscheiden, ob und mit wem er einen Vertrag schließen möchte.
Sven Christoph Hallscheidt

5. Institutionelle Arrangements zur Sicherung von property rights im Rahmen komplexer Transaktionen

Zusammenfassung
Dass Konflikte bei komplexen Leistungen durchaus vorkommen, klang in den vorigen Kapiteln schon an. Vor der Analyse der Methoden Claim-Management und Mediation werden daher zunächst der Konfliktbegriff sowie der Ablauf und der Umgang mit Konflikten thematisiert. Konflikte über die property rights entstehen im hier gesteckten Rahmen durch die Un-vollständigkeit von Verträgen, die ihren Ursprung in der Knappheit von Ressourcen haben. Grundsätzlich gilt, dass solche Probleme kooperativ oder konfliktär angegangen werden können. Die Bandbreite der Ausprägung von Konflikten kann sehr breit sein. Konflikte können auf der einen Seite äußerst gravierend und damit schwierig zu lösen sein, auf der anderen Seite können Konflikte die Kreativität anregen und/oder mit einfachen Mitteln gelöst werden. Konflikte können in vielen erdenklichen Situationen vorkommen und können auf Missverständnissen, Interessengegensätzen etc. basieren. Die Intensität reicht von einer Meinungsverschiedenheit bis hin zu einem Krieg. Diese Bandbreite ist sicherlich mit dafür verantwortlich, dass sich in der Sozialwissenschaft bisher keine allgemeine Theorie des Konflikts herausgebildet hat; Modelle der Sozialpsychologie des Streits, gesamtgesellschaftliche Analyse sozialer Konflikte und Friedensforschung stehen unverbunden nebeneinander.529
Sven Christoph Hallscheidt

6. Zusammenfassung

Zusammenfassung
Der Ausgangspunkt dieser Untersuchung war die Unsicherheit der property rights im Rahmen von Vertragsbeziehungen bei komplexen Leistungen. Die Vertragspartner gehen bei solchen Transaktionen Risiken bezüglich ihrer property rights ein. In der vorliegenden Arbeit wurden komplexe Leistungen systematisch von anders gearteten Leistungen abgegrenzt. Zum Verständnis des Vertrags Verhältnisses und der daraus resultierenden Leistungserstellung wurden die Unsicherheitspotentiale komplexer Leistungen theoriegestützt aufgezeigt. In einem weiteren Schritt wurden die Charakteristika unvollständiger Verträge, die — wie gezeigt wurde -zwingend in diesem Fall vorliegen, identifiziert sowie die Chancen und Risken von unvollständigen Verträgen in Bezug auf komplexe Leistungen diskutiert. Unvollständige Verträge wurden als Auslöser von Unsicherheiten und Konflikten über die property rights identifiziert. Komplexitätstreiber in diesem Zusammenhang sind der Flexibilitätswunsch der Beteiligten, die generell notwendige Flexibilität aufgrund der mangelnden Antizipierbarkeit des Leis-tungserstellungsprozesses, damit zusammenhängend die prohibitiv hohen Kosten eines vollkommenen Vertragsabschluss sowie der Interdisziplinarität verbunden mit Kommunikationsproblemen bezüglich der Begriffe, Ziele und Methoden. Es wurde daran anknüpfend die plural form vorgestellt, die als komplexe Matrix ökonomischer, sozialer und politischer Strukturen nicht nur singulär auf einer der oben erwähnten Strukturen basiert, sondern auf einer Kombination ökonomischer, sozialer und politischer Faktoren. Es konnten Aussagen hinsichtlich der Dimensionen hoher und niedriger Transaktionsunsicherheit gemacht und idealtypische Handlungsempfehlungen abgeleitet werden.
Sven Christoph Hallscheidt

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