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Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch zu Stadtökosystemen beantwortet wichtige Fragen, die sich zum ökologischen Aufbau, zu den Funktionen und zur sozial-ökologischen Entwicklung von Städten weltweit stellen. Ausgehend davon, wie sich Städte heute in einer immer stärker urban werdenden Welt entwickeln, werden ökologische Herausforderungen für Städte des 21. Jahrhunderts wie Ressourceneffizienz, Klimawandel, Moderation der Lebensqualität und Resilienz erläutert. Das Buch verbindet Theorien der Stadtentwicklung und Ökologie mit praktischen Anwendungen und Fallbeispielen und spürt auf diese Weise Verbesserungspotenziale sowie und Beispiele guter ökologischer Stadtentwicklung weltweit auf. Es zeigt, dass Städte bei weitem nicht nur Problemräume sind, sondern auch große Potenziale für ein gutes Leben bieten und dass dazu die verschiedenen Stadtökosysteme einen erheblichen Beitrag leisten können. Die „Ökostadt“ ist damit keine Utopie, sondern ein reales Ziel, das schrittweise unter Beachtung des lokalen und regionalen Kontexts gezielt angestrebt werden kann.

Vier renommierte Stadtökologen haben ihre spezifischen Erfahrungen in Teilgebieten eingebracht, ohne den Blick für das Ganze dabei außer Acht zu lassen. Jürgen Breuste ist Stadtökologe und arbeitet an der Paris-Lodron-Universität Salzburg, Österreich, zu den Themen Nachhaltige Stadtentwicklung, urbane Biodiversität, Ökosystemdienstleistungen und Ökostädte. Dagmar Haase ist L

andschaftsökologin und arbeitet an der Humboldt-Universität zu Berlin zu urbanen Ökosystemdienstleistungen und Themen der Landnutzungsmodellierung. Stephan Pauleit ist Landschaftsplaner und arbeitet an der Technischen Universität München zu Strategien für die nachhaltige Entwicklung von Stadtlandschaften. Martin Sauerwein ist Geograph und arbeitet an der Universität Hildesheim zur Geoökologie in Kulturlandschaften, Geoarchäologie und zum Bodenschutz.

Das Lehrbuch spricht ein breites Publikum von Studierenden, Lehrenden und auch Praktikern im Bereich Ökologie, Stadtökologie, Stadtentwicklung, Nachhaltigkeit, Stadtgeographie, Natur- und Landschaftsschutz, Raumplanung, Landschaftsökologie, Sozialwissenschaften und Urbanistik an. Die zahlreichen Fotos und Grafiken, viele davon vierfarbig, sowie übersichtliche Tabellen illustrieren die Sachverhalte. Fallstudien, Beispiele und Erläuterungen erlauben einen vertiefenden Einblick. Fragen am Kapitelende ermöglichen eine Überprüfung des Wissensfortschritts, ein umfassendes Literaturverzeichnis zu jedem Kapitel weitergehende Studien.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Urbanisierung und ihre Herausforderungen für die ökologische Stadtentwicklung

Zusammenfassung
Städte werden durch eine hohe Konzentration menschlicher Bevölkerung, dichter Bebauung und vielfältiger menschlicher Aktivitäten geprägt. Stadtentwicklung findet ihren räumlichen Ausdruck in Flächenwachstum, baulicher Verdichtung, aber auch in dem Phänomen des „Schrumpfens“. Diese räumlichen Prozesse schließen sich nicht aus, sondern können gleichzeitig stattfinden und stehen auch in Beziehung zueinander. Welche Auswirkungen haben diese Prozesse auf die ökologische Struktur und die Funktionsweisen der Stadt, und in welcher Beziehung stehen sie zu den drei großen Herausforderungen für eine ökologische orientierte Stadtentwicklung – Förderung einer hohen Lebens- und Umweltqualität in der Stadt, Verminderung des Ge- und Verbrauchs natürlicher Ressourcen durch Städte und städtische Anpassung an den Klimawandel?
Stephan Pauleit, Martin Sauerwein, Jürgen Breuste, Dagmar Haase

2. Welche Beziehungen bestehen zwischen der räumlichen Stadtstruktur und den ökologischen Eigenschaften der Stadt?

Zusammenfassung
Die räumliche Form und die ökologischen Eigenschaften der Stadt stehen in einer engen Beziehung. Biodiversität, Stadtböden und -klima, die Hydrologie, aber auch die Energie- und Stoffflüsse der Stadt werden in unterschiedlicher Weise von dem Gefüge unterschiedlicher Flächennutzungen, der Bebauung, dem Versiegelungsgrad und dem Anteil und der Art der Grünflächen und weiteren Faktoren beeinflusst. Ihre Erfassung durch Ansätze wie Biotop- und Strukturtypenkartierungen sowie von Gradientenansätzen ist daher ein Schlüssel zum ökologischen Verständnis der Stadt und Stadtregion für eine ökologisch orientierte Stadtentwicklung.
Stephan Pauleit

3. Was sind Stadtökosysteme und warum sind sie besonders?

Zusammenfassung
Kapitel 3 definiert Stadtökosysteme und arbeitet die Besonderheiten von diesen gegenüber anderen Ökosystemen, insbesondere Agrar- oder Forstsystemen, in Bezug auf ihre Eigenschaften und prinzipielle Funktionsfähigkeit heraus. Die abiotischen Grundlagen und Eigenschaften von Stadtökosystemen werden detailliert beschrieben. Ebenso werden verschiedene Wege der Abgrenzung von Stadtökosystemen sowie deren Vor- und Nachteile diskutiert. Außerdem stellt Kap. 3 verschiedene Konzepte von Stadtökosystemen vor und würdigt diese kritisch. Informationsboxen informieren über aktuelle Themen, Methoden und Fallstudien.
Dagmar Haase, Martin Sauerwein

4. Was sind die Besonderheiten des Lebensraumes Stadt und wie gehen wir mit Stadtnatur um?

Zusammenfassung
In Stadtgebieten, insbesondere in deren Randbereichern oder in besonderen Reliefpositionen, z. B. Berge oder Flussauen in der Stadt, gibt es Standortbedingungen, die auch außerhalb von Städten in der agrarisch-forstlichen Kulturlandschaft vorzufinden sind.
Trotzdem sind die überwiegenden Standorte in Städten Besonderheiten, die im Offenland außerhalb von Städten so nicht vorkommen.
Ökologische Steuergrößen wie Temperatur, Feuchte und Wasserhaushalt, Licht, Luftchemismus, Bodenzustand, Konkurrenz und Störung sind im Unterschied zum Umland der Städte häufig stark verändert. Ihre vielfältigen, kleinteilig begrenzten, oftmals abrupt wechselnden Zustände und Merkmalskombinationen machen die Vielfalt der städtischen Standort- und Habitatbedingungen aus und erklären die Besonderheiten städtischer Biodiversität.
Jürgen Breuste

5. Was leisten Stadtökosysteme für die Menschen in der Stadt?

Zusammenfassung
In diesem Kapitel werden Ökosysteme betrachtet sowie die Leistungen, die sie für das Wohlbefinden der Menschen in der Stadt erbringen, sogenannte Ökosystemdienstleistungen, aber auch die biophysikalischen Prozesse, Strukturen und Funktionen, welche zur Entstehung von Ökosystemdienstleistungen und deren Erhaltung wesentlich beitragen. Dazu werden für diese einzelnen Komponenten – Klima, Wasser, Vegetation und Boden – ausgewählte Methoden zu Messung, Monitoring, Statistik, Modellierung und Bewertung dieser Strukturen und Prozesse bzw. Funktionen vorgestellt. Zudem werden grundlegende Methoden der Bewertung bzw. Inwertsetzung von Ökosystemdienstleistungen dargestellt. Mittels Informationskästen (Case Study und Exkurs) werden aktuelle Ansätze der Analyse und Untersuchung von Komponenten von Stadtökosystemen und urbanen Ökosystemdienstleistungen verdeutlicht.
Dagmar Haase

6. Wie verwundbar sind Stadtökosysteme und wie kann mit ihnen urbane Resilienz entwickelt werden?

Zusammenfassung
Die Empfindlichkeit gegenüber externen Störungen wie beispielsweise Hochwasser, Hitzewellen, Tsunamis oder Wirbelstürme ist in den sensiblen Stadtökosystemen sehr hoch. Stadtökosysteme sind auch durch ihre offenen Stoffkreisläufe generell verwundbar. Speziell wird dargestellt, welche Auswirkungen der vorhersehbare Klimawandel auf Städte haben wird und wie ihnen entgegen gewirkt werden kann. Es wird darüber hinaus aufgezeigt, welchen Problemen gerade Stadtökosysteme unter dem Aspekt des globalen Wandels ausgesetzt sind und welche Konzepte für eine Minderung der Verwundbarkeit denkbar sind. Dem Aufbau von urbaner Resilienz wird besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Stadtstruktur, Stadtgröße und Stadtregion werden hier mit Fallbeispielen besonders in den Blick genommen.
Jürgen Breuste, Dagmar Haase, Stephan Pauleit, Martin Sauerwein

7. Wie sieht die Ökostadt von morgen aus und welche Wege führen dahin?

Zusammenfassung
Dieses Kapitel greift die große Vision der ökologischen Zukunftsstadt auf und beschreibt ihre Wurzeln, Zugänge und Umsetzungen. Im ersten Abschnitt werden ideale Städte als Leitbilder definiert und beschrieben. Es wird gezeigt, dass die Moderne als Initiator funktionaler und effizienter Stadtentwicklung bestehende Ansätze aufgriff und weiterentwickelte. Darauf baute das Leitbild der sogenannten Nachhaltigen Stadt des 21. Jahrhunderts auf, deren Interpretation vielfältig ist, ökologische Komponenten einschließt und verbindlicher Beurteilungs- und Gestaltungskriterien bedarf. Im Abschnitt  2 werden die Kriterien, die das Konzept von Ökostädten bilden, näher erläutert. Es soll deutlich werden, dass, je nach Perspektive und bezogen auf Naturprozesse („ökologische“ Kriterien) eine große Zahl von Kriterien oder auch nur wenige herangezogen werden können. Im 3. Abschnitt wird das Leitbild Ökostadt anhand von Beispielen in Neubauprojekten „von oben“ und in Stadtteilprojekten und in Aktionen zu mehr Freiraum und Natur „von unten“ vorgestellt. Das Leitbild Ökostadt nimmt so reale Gestalt an, kann aus verschiedener Perspektive beurteilt werden und ist damit in jedem einzelnen Projekt neu zu definieren. Es wird gezeigt, dass die große Vision der Ökostadt oftmals sicher ambitioniert und in jedem Einzelprojekt neu zu definieren ist, dass es aber auch auf in kleinen Schritten angestrebt werden kann. So entsteht ein aufbauender Zugang zum Thema, der die Vision zu einem praktisch handhabbaren Projekt werden lässt.
Jürgen Breuste

8. Worum geht es bei Stadtökologie und ihrer Anwendungen in der Stadtentwicklung?

Zusammenfassung
Urbanisierung ist eines der prägenden Phänomene des 21. Jahrhunderts, das alle Regionen der Erde erfasst hat. Bei einer auf über neun Milliarden Menschen anwachsenden Weltbevölkerung ist auch keine ernsthafte Alternative zur Stadt als menschliches Habitat zu erkennen. Denn sie ist auch aus einer ökologischen Perspektive die effektivste und effizienteste Organisationsform menschlichen Lebens. Allerdings erzeugen Städte, so wie wir sie kennen, große Umweltbelastungen, von denen nicht nur die Stadtbewohner selber betroffen sind, sondern mit denen globale Auswirkungen einhergehen. Klimawandel, die Ausbeutung fossiler Energieträger und nicht erneuerbarer Rohstoffe, die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, sowie nicht zuletzt die enorme Problematik der Freisetzung von Abfallstoffen in die Umwelt, die erst langsam in ihrem vollen Umfang erkannt wird, sind an vorderster Stelle zu nennen.
Jürgen Breuste, Dagmar Haase, Stephan Pauleit, Martin Sauerwein

Backmatter

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