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Über dieses Buch

Dieses essential widmet sich der Umweltgeschichte als Darstellung des Verhältnisses von Menschen zu ihrer Umwelt in historischer Perspektive. Die Autoren behandeln auf der Basis exemplarisch ausgewählter Abbildungen relevante Fragen und Problemfelder der Umweltgeschichte. Diese reichen vom wissenschaftshistorischen über den wissenschaftssystematischen Kommentar bis hin zu Anmerkungen einzelner historischer Umweltszenarien mit exemplarischem Charakter. Der Leser erfährt, warum Umweltgeschichte ein unverzichtbarer Bestandteil der ökologischen Orientierung und Grundbildung sowie das Fundament jeder Kulturgeschichte ist.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Prolog

Menschen haben die Welt auf verschiedene Weise verändert, es kommt darauf an, diese Veränderungen zu interpretieren.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 2. Jakob Johann von Uexküll und der Umweltbegriff

Uexküll wurde am 8. September 1864 in Keblaste (Mihkli), Estland, geboren. Er starb am 25. Juli 1944 auf Capri.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 3. Von Würmern in Eicheln

Unser Blick auf Natur ist zeit- und kulturabhängig. Die Erde stand lange im Mittelpunkt der Welt – zuweilen als flache Scheibe vorgestellt –, ehe ihr ein neuer Platz als um die Sonne kreisender Planet zugewiesen wurde. Diese uns heute selbstverständliche Einsicht wurde erst im 18. Jahrhundert zu einer von niemand Vernünftigem bezweifelten Auffassung.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 4. Omnia in omnibus oder der Zusammenhang aller Dinge

Das Umweltverständnis der Antike und der auf ihrem Wissen aufbauenden folgenden Zeiten war bis in das 19. Jahrhundert hinein sehr viel umfassender als das heutige, das sich als szientistisches Weltbild auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse beruft. Nur noch geistige Strömungen mit ganzheitlichen Vorstellungen wie z. B. esoterische, anthroposophische oder homöopathische Lehren knüpfen an jene Überlieferungen unmittelbar an. Heutige Systemtheorien stehen zumindest mittelbar in der Tradition dieser Idee.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 5. Die Entdeckung ökologischer Zusammenhänge

Das Denken in ökologischen Zusammenhängen ist ein zentrales Epistem der Umweltgeschichte. Vier Wissenschaftler haben, so scheint es, das heute einschlägige Denken wesentlich vorbereitet.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 6. Umgestaltung einer Landschaft

Flussauen sind wegen ihres günstigen Mikroklimas und des Jahrtausende langen fruchtbaren Sedimenteintrags gesuchte Flächen für die Landwirtschaft. Deshalb wurden seit langem auch ursprünglich sumpfige Flussauen durch Melioration– d. h. Verbesserung – in landwirtschaftlich nutzbare Flächen gewandelt. Gleichzeitig sollen die Anlieger vor Hochwasser geschützt werden. Ein großmaßstäbliches Beispiel betrifft das Niedere Oderbruch östlich von Berlin, ursprünglich eine Bruchlandschaft mit überwiegendem Weiden- und Erlenbestand und reichlich Wasserflächen, die 1747–1753 drainiert und perspektivisch als landwirtschaftliche Fläche und damit als Steuerquelle erschlossen wurden. Hierfür verkürzte man u.a. die Oder durch eine Kanalverbindung zweier Schleifenenden um fast 30 km, wobei eine Landzunge östlich von Freienwalde durchstochen wurde. Der projektierte Kanal ist als rote Doppellinie in die Planungskarte von 1746 eingezeichnet (Abb. 6.1). Als Hochwasserschutz wurde westlich ein kanalparalleler Deich angelegt, das östliche Flussufer ist durch eine natürliche Hochfläche gegen Überschwemmung gesichert.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 7. Was ist eine Kulturlandschaft? I

Vorstellungen, die sich Menschen von der Welt machen, führen zu unterschiedlicher Bewertung der real zugänglichen Räume, in denen menschliches Leben möglich ist. Oft wird der Raum gedanklich in verschiedene Akteursebenen unterteilt und kann so zugleich für spirituelle Zwecke wie für die Notwendigkeiten der materiellen Subsistenz bzw. der Gütererzeugung genutzt werden, wie heute in Mitteleuropa.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 8. Was ist eine Kulturlandschaft? II

Keine Landschaftsfantasie hatte einen ähnlich wirkmächtigen Einfluss auf die europäischen Sehgewohnheiten der Moderne wie die Parklandschaft. Sie ist nachweislich eine Erfindung im Wesentlichen dreier Maler: Claude Lorrain (1600–1682), Nicolas Poussin (1594–1665) und Salvator Rosa (1615–1673), von deren Leinwänden sie ihren Weg in die Englischen Landschaftsgärten fand (Abb. 8.1). An ihnen wurde das europäische Auge geschult, bis es die Künstlichkeit dieser Arrangements für natürlich hielt.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 9. Eine weitere Kulturlandschaft: die Kolonisierungslandschaft

Die Landschaft der Moselschleife bei Kröv (Abb. 9.1) ist ein idealtypisches Beispiel der mitteleuropäischen Kolonisierungslandschaft. Der Begriff steht für absichtliche physische Eingriffe in eine Landschaft, allermeist zum Zweck der Agrarwirtschaft bis hin zu ihren Folgelandschaften, wie etwa Städte und Industrielandschaften.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 10. Ein Baum ist ein Baum ist ein Baum

Das Foto zeigt mehrere Koniferen in einer Gebirgslandschaft vor einem wolkenbewegten Himmel. Die Wuchsform des zentralen Nadelbaums ist durch die Witterungsextreme in exponierter Lage gestaltet. Obwohl eine realistisch anmutende Naturfotografie, geht die inszenierende Abbildungsweise über das bloß Abgebildete hinaus und offenbart in seiner Darstellung für den Betrachter eine gleichsam selbsttätige vielfältige Belegung von Naturphänomenen mit Symbolen und Kontexten. Th. Adorno fand hierfür die Formel: „Schön ist an der Natur, was als mehr erscheint, denn was es buchstäblich an Ort und Stelle ist“ (2003, S. 111).
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 11. Erklärung eines Landschaftswandels

Im 15/16. Jahrhundert kam es in Oberitalien zu einem Bevölkerungszuwachs, der notwendig mit der Ausweitung der Kolonisierungsflächen verbunden war, um den gestiegenen Bedarf an Nahrungsmitteln zu decken. Dabei wurden auch Flächen erschlossen, die bisher bewaldete Hanglagen waren. Waldökosysteme sind wichtige Speicher und Rückhaltesysteme für Süßwasser.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 12. Die Sicht auf die Natur und tatsächliche bzw. vermeintliche Verluste

Wegen ihrer Farbigkeit trug die Blauracke (Coracias garrulus) im 16. Jahrhundert auch die Bezeichnung Teutscher Pappagey. Dürer malte ihren Balg und einen Flügel 1512 in realistisch-exakter Manier und atemberaubender Meisterschaft und Präzision.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 13. Die Natur erobert zurück?

Piranesis Veduten der antiken römischen Bauwerke aus der Mitte des 18. Jh stellen mit ihrem sichtbaren Bewuchs ein Beispiel für Szenerien dar, aus denen sich u. a. der Topos einer angeblichen Zurückeroberung durch die Natur entwickeln konnte. Eindrucksvollere Beispiele liefern heute überwucherte antike Großbauten in Indochina oder Bauwerke mittelamerikanischer Indianerkulturen. Hätte sich jemand die Mühe einer zeitgenössischen Abbildung gemacht, wären hierfür schon früher zahlreiche Wüstungen nach dem großen Siedlungssterben in Mitteleuropa in der Mitte des 14. Jahrhunderts infrage gekommen.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 14. Im Einklang mit der Natur?

Ein Sehnsuchtsziel vieler Menschen ist ein Leben im Einklang bzw. in Harmonie mit der Natur, ein Lebensentwurf, der seit Menschengedenken auch als Gegenentwurf zum gelebten Leben, zuweilen als Utopie verstanden wird. Zu deren Herstellung bedürfe es z. B. einer Entschleunigung der Lebensweise, einer Entkoppelung von vielen materiellen Überflüssigkeiten sowie von Errungenschaften der Moderne.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 15. Die alles verzehrende Kraft des Wassers

Das Prinzip der Entsorgung in Flüsse, wie es die Abbildung zeigt, ist keine Erfindung der kapitalistischen Moderne. In der Alten Welt vertraute man bereits seit der Antike auf die alles verzehrende Kraft des Wassers und meinte damit die Kraft des Fließgewässers, durch die Müll und Unrat wegtransportiert wurden. Wie die Unterlieger am Fluss mit der Verschmutzung umgingen, regelte man mittelalterlich bestenfalls über eine Begrenzung der Entsorgungstage bei den Oberliegern, u. a. deshalb, damit wenigstens an bestimmten Tagen halbwegs sauberes Wasser zum Bierbrauen verfügbar war.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 16. Sehnsuchtsort Wildnis

Nach antiker Vorstellung wäre es die Aufgabe des Menschen, die chaotisch vorgegebene Natur zu ordnen. Letztlich sind Kolonisierungsflächen immer Flächen, die auch menschlicher Arbeitsökonomie entsprechen. Auf ihnen werden genutzte naturale Ressourcen geordnet verwaltet. Vorindustrielle Höhepunkte dieser Entwicklung sind die herrschaftlichen Barockgärten, heute sind es die maschinenbewirtschafteten Anbauflächen der Agrarindustrie. In jedem Falle bedeutet es das Ende der Wildnis im Sinne einer sich selbst überlassenen Natur ohne menschliche Eingriffe (Abb. 16.1).
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

Kapitel 17. CVCVLLVM oder Die Liebe zu den Krisen

Die Erzeugung von Nahrung durch Agrarwirtschaft ist bis in die Moderne eine risikobehaftete Unternehmung. Klimaschwankungen und Wetterlaunen konnten damals, mehr als heute, Ursache für Nahrungsengpässe sein. So sind im europäischen Mittelalter und in der Frühen Neuzeit lokale wie überregionale Hungersnöte häufig.
Bernd Herrmann, Jörn Sieglerschmidt

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