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2011 | Buch

Umweltökonomik

Eine anwendungsorientierte Einführung

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Über dieses Buch

Umweltökonomik bedeutet, nach Mitteln zur möglichst effizienten Bereitstellung von Umweltgütern wie etwa sauberes Wasser und Klimaschutz zu suchen. Dieses Buch führt in die Grundlagen der Umweltökonomik ein, stellt aber auch aktuelle Forschungsfragen vor. Die Theorie externer Effekte sowie die Besonderheiten von Umweltgütern werden ausführlich erläutert, ebenso umweltpolitische Instrumente – Steuern, Emissionshandel und Auflagen – zur Lösung von umweltrelevantem Marktversagen. Dabei legen die Autoren Wert auf Anwendungsorientierung und verständliche Darstellung mit geringem Einsatz formaler Methoden. Fallstudien beschäftigen sich mit externen Kosten des Verkehrs, der Ökologischen Steuerreform, dem EU-Emissionshandel und CO2-Standards für PKWs. Ein Themenschwerpunkt gilt dem Klimawandel und der Klimapolitik.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter
Kapitel 1. Die ökonomische Sicht der Dinge
Zusammenfassung
Worin besteht eigentlich aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht „das Umweltproblem“? Zum sogenannten Umweltproblem melden sich ganz unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen zu Wort. So liegt einigermaßen auf der Hand, dass Ökologen und Biologen etwas zu den Folgen von Umweltzerstörung zu sagen haben, wenn es um die Beeinträchtigung der Funktionsweise von Ökosystemen etwa geht oder sogar deren kompletter Verlust droht. Ziemlich einleuchtend ist auch, dass andere naturwissenschaftliche Disziplinen wie etwa die Klimatologie als Teildisziplin der Physik sich aufgerufen fühlen, sich zum Problem des Klimawandels zu äußern. Aber warum fühlen sich Wirtschaftswissenschaftler aufgerufen, sich zum „Umweltproblem“ zu äußern? Was berechtigt Ökonomen, sich zum Umweltproblem zu Wort zu melden?
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Kapitel 2. Marktversagen Marktversagen durch externe Effekte
Zusammenfassung
Eine Annahme, die wir unausgesprochen die ganze Zeit über zugrunde gelegt haben, ist die, dass wir es mit Wettbewerbsmärkten zu tun haben. Es gibt eine ganze Reihe von Kriterien, die herangezogen werden, um Wettbewerbsmärkte zu charakterisieren. Das zentrale Kriterium ist jedoch, dass Unternehmen auf Märkten als Preisnehmer agieren, d. h., Unternehmen dürfen keine Möglichkeit besitzen, den Marktpreis zu beeinflussen. Typischerweise ist dies nur in der Marktform atomistischer Konkurrenz gewährleistet, wenn sich also viele sehr kleine Anbieter in einem Markt tummeln. Die Mikroökonomik weiß seit langem, dass in abweichenden Marktformen wie etwa dem Monopol oder dem Oligopol die Effizienzeigenschaft des Markts zerstört wird. Der Monopolist etwa verfügt über ein Maximum an möglicher Marktmacht: Er kann durch seine Ausbringungsmenge bestimmen, welchen Preis er von den Nachfragern verlangen kann. Im Standard-Monopolmodell der Mikroökonomik kann man leicht zeigen, dass ein Monopol mit Wohlfahrtsverlusten einhergeht. Marktmacht auf Unternehmensseite kann also ein Grund sein, weshalb reale Märkte nicht effizient funktionieren.
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Kapitel 3. Das Coase-Theorem Coase-Theorem
Zusammenfassung
Wenn Märkte versagen, dann zieht das in der Regel den Ruf nach dem Staat nach sich. Die laisser-faire Konzeption der Wirtschaftspolitik basiert auf der Annahme, dass Märkte aus sich selbst heraus ein optimales Ergebnis hervorbringen. Wir haben gesehen, dass Märkte prinzipiell tatsächlich in der Lage sind, ein Maximum an sozialer Wohlfahrt zu generieren, allerdings war dieses Resultat an eine Reihe von sehr restriktiven Voraussetzungen geknüpft. Wir haben uns ausführlich klar gemacht, dass bei Vorliegen von externen Effekten Marktgleichgewichte ihre Effizienzeigenschaft einbüßen. Während auf perfekten Wettbewerbsmärkten individuell rationales und eigennütziges Verhalten zu einem kollektiv rationalen Ergebnis führt, wird diese Harmonie zwischen individuellem und gesellschaftlichem Interesse bei externen Effekten zerstört: Die ökonomisch rationale und eigennützige Verfolgung der eigenen Interessen führt dann nicht mehr zu einem Maximum an gesellschaftlicher Wohlfahrt.
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Kapitel 4. Die Charakteristika von Umweltgüter Umweltgüter n
Zusammenfassung
Wir sind bislang nicht weiter auf die ökonomisch relevanten Eigenschaften von Gütern eingegangen. In den folgenden Abschnitten zeigen wir, wie sich Güter hinsichtlich ihrer aus ökonomischer Sicht relevanten Eigenschaften charakterisieren lassen und was das Besondere an Umweltgütern ist. Wie wir sehen werden, geht es dabei insbesondere darum, ob der Preismechanismus zur Bereitstellung eines Guts angewendet werden kann und ob dies wünschenswert ist.
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Kapitel 5. Instrumente der Umweltpolitik
Zusammenfassung
Wir haben in Kap. 3 gesehen, dass das Coase-Theorem nur unter recht einschränkenden Bedingungen gültig ist. Insbesondere bei Umweltproblemen, an denen viele Akteure beteiligt sind, steigen die Transaktionskosten direkter Verhandlungen sehr schnell an, was kaum hoffen lässt, dass reale Probleme negativer externer Effekte auf dem Wege direkter Verhandlungen internalisiert werden könnten. Letzten Endes wird also doch ein staatlicher Eingriff benötigt, um das Marktversagen zu korrigieren. Die Frage ist: Wie kann der Staat eine Internalisierung externer Kosten erzwingen, und: Ist er in der Lage, eine effiziente Lösung herbeizuführen?
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Kapitel 6. Der Klimawandel Klimawandel als globales Umweltproblem
Zusammenfassung
Dieses Kapitel ist globalen Umweltproblemen gewidmet. Was unterscheidet diese Umweltprobleme von lokalen Umweltproblemen? Der erste offensichtliche Unterschied besteht darin, dass globale Umweltprobleme nicht vor Landesgrenzen halt machen, sondern in ihren Auswirkungen die gesamte Weltbevölkerung betreffen. Die Erhöhung der Konzentration von CO2 in der Atmosphäre und der resultierende Klimawandel ist ein globales Problem, da jede Tonne CO2, unabhängig davon, wo sie emittiert wird, den gleichen Effekt auf die Konzentration dieses Gases in der Atmosphäre hat. Gleichzeitig treffen die Auswirkungen des Klimawandels praktisch alle Länder, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß. Im Unterschied zu einem globalen Umweltproblem ist die Emission von Abwässern in einen Fluss ein lokales Umweltproblem – Schäden entstehen nur für die Anlieger flussabwärts.
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Kapitel 7. Empirische Evidenz zur Bereitstellung öffentlicher Güter
Zusammenfassung
Kapitel 6 zeichnet ein recht pessimistisches Bild, was die Möglichkeiten zur freiwilligen Bereitstellung öffentlicher Güter angeht: Unabhängig davon, wie komplex wir unser Modell gestaltet haben, zeigte sich, dass rationale Akteure hierbei versagen und das Gut nicht oder in ineffizient geringer Menge bereitstellen werden. In Kap. 7 soll nun diese theoretische Prognose mit der Empirie konfrontiert werden, und zwar auf zwei Ebenen: Zunächst werden wir in Abschn. 7.1 untersuchen, ob das von der Theorie prognostizierte Kooperationsversagen auch in der realen Klimapolitik zu beobachten ist. Wir werden uns daher etwas ausführlicher mit dem Kyoto-Protokoll und seiner Verhandlungsgeschichte auseinandersetzen. In Abschn. 7.2 werden wir dann die mittlerweile sehr umfangreiche empirische Evidenz aus der experimentellen Wirtschaftsforschung in Grundzügen kennenlernen. Es zeigt sich: Während sich die ökonomische Theorie bei der Erklärung der realen Klimapolitik recht gut behauptet, versagt sie bei der Erklärung der experimentellen Befunde: Es zeigt sich nämlich, dass ein beträchtlicher Teil von Versuchsteilnehmern in Experimenten sich durchaus kooperativ verhält und zur Bereitstellung von öffentlichen Gütern beiträgt. In Abschn. 7.3 wird ein prominenter theoretischer Ansatz vorgestellt, der in der Lage ist, kooperatives Verhalten in sozialen Dilemma-Situationen zu erklären. Es handelt sich um die Theorie von Fehr und Schmidt (1999), die zentral auf der Idee von Ungleichheitsaversion beruht. In Abschn. 7.4 werden wir diesen Ansatz auf das Geschehen in der realen Klimapolitik anwenden und eine alternative Deutung für das bisher beobachtbare Kooperationsversagen in der Klimapolitik versuchen.
Bodo Sturm, Carsten Vogt
Backmatter
Metadaten
Titel
Umweltökonomik
verfasst von
Bodo Sturm
Carsten Vogt
Copyright-Jahr
2011
Verlag
Physica-Verlag HD
Electronic ISBN
978-3-7908-2643-2
Print ISBN
978-3-7908-2642-5
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-7908-2643-2

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