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Über dieses Buch

Spätestens seit der Reaktorkatastrophe von Fukushima ist das Thema Energiewende als generationsübergreifendes Projekt in der breiten Öffentlichkeit angekommen. Dabei reichen die Wurzeln der Energiewende viel weiter zurück. Wer aber kann von sich behaupten, wirklich zu verstehen, worum es jenseits der oberflächlich geführten Pro-Contra-Debatten geht? Die Mechanismen unserer Stromversorgung sind komplex, und populistische Forderungen von Lobbyverbänden erschweren häufig die objektive Meinungsbildung.

Philip Würfel bringt mit diesem Buch Licht ins Dunkel. Anschaulich erklärt er die komplexen Zusammenhänge der Energiewirtschaft und vermittelt den revolutionären, auch im Ausland viel diskutierten Umbauprozess der Stromversorgung in Deutschland. Zahlreiche Beispiele aus dem privaten wie beruflichen Alltag bescheren immer wieder „Aha“-Erlebnisse beim Lesen.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Das Spiel der Spiele: Bedeutung und Entwicklung der deutschen Stromwirtschaft

Zusammenfassung
Es sind zwei revolutionäre Erfindungen, die zwischen den Siebziger- und Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts das Zeitalter der Elektrizität einläuteten: Um 1866 entdeckte Werner von Siemens das dynamoelektrokritische Prinzip. Bereits zu dieser Zeit wurden in kleinen, dezentralen Erzeugungsstationen Wohnhäuser und Manufakturanlagen vereinzelt mit Elektrizität versorgt. Der Durchbruch der Elektrizität kam jedoch erst in der Kombination mit einer zweiten genialen Erfindung: 1881 stellte der Amerikaner Thomas Alva Edison im Rahmen einer Technikausstellung in Paris seine selbstentwickelte Glühlampe vor. Staunend standen die Besucher vor dieser scheinbar durch Magie erleuchteten Glühbirne. In den nachfolgenden Jahren revolutionierten die neuen Möglichkeiten der Elektrizität das wirtschaftliche, öffentliche und soziale Leben der entwickelten Länder. Schon 1882 installierte die Deutsche Edison Gesellschaft, die spätere AEG, in Berlin eine Elektroblockstation zur Elektrizitätsversorgung umliegender Siedlungen und öffentlicher Einrichtungen. In kurzer Zeit entstanden vergleichbare Blockstationen in Berlin und anderen Großstädten des Deutschen Reiches. Unter anderem versorgte 1888 eine solche technische Einrichtung die Bayreuther Festspiele mit Effekt- und Bühnenbeleuchtung. Was in unserer Gesellschaft seit vier Generationen selbstverständlich ist, war für die Menschen damals eine echte Revolution. Die Versorgung mit Elektrizität ermöglichte, dank der Unabhängigkeit von Tages- und Nachtzeiten, einen komplett neuen Lebensrhythmus und befeuerte in der Gründerzeit des jungen Deutschen Reiches die wirtschaftliche Entwicklung. Zu dieser Zeit nutzte man die Elektrizität vorrangig für die Beleuchtung, wobei der Strom für die Nutzer mangels Stromzähler zu einem Pauschalpreis abgerechnet wurde.
Philip Würfel

2. Die Basics: Begriffe der Stromwirtschaft

Zusammenfassung
Jedes Spiel verfügt über einige Grundbegriffe und Regeln, deren Verständnis notwendig ist, um das Spiel zu verstehen. Die Diskussionen über ein Fußballspiel, ohne die Abseits-Regeln zu kennen, macht ja auch nur halb so viel Freude. Als Fußballfan wissen Sie, was sich hinter dem Begriff „Abseits“ oder „Strafstoß“ verbirgt. Stellen Sie sich vor, Sie lesen nun einen Zeitungskommentar über ein wichtiges Fußballspiel, ohne diese Begriffe zu kennen. Ein gewisser Kanon an Grundbegriffen ist notwendig, um die Mechanismen eines Spiels richtig einordnen zu können.
Philip Würfel

3. Das Powerhouse: Technische Grundlagen der Stromversorgung

Zusammenfassung
Es geht um die Frage, welche Technologien zur Stromerzeugung uns zur Verfügung stehen. Über viele Jahrzehnte hatten die fossil-nuklearen Technologien die unbestrittene Leitfunktion in unserem Stromversorgungssystem. Die Energiewende stellt diese Leitfunktion der konventionellen Stromerzeugung in Frage. Die Erneuerbaren Energien fordern die etablierten Erzeugungstechnologien heraus.
Philip Würfel

4. Der „designte“ Markt: Marktstruktur der Stromwirtschaft

Zusammenfassung
Volkswirtschaftlich ist ein Markt der Ort, an welchem Verkäufer auf Käufer treffen und die Komponenten Menge und Preis eines Gutes aushandeln. In der menschlichen Geschichte gab es bereits sehr früh die ersten Märkte. Es galt schon immer die bekannte Marktregel: Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Diese Regel gilt für Güter und Dienstleistungen aller Art. Unter besonderer öffentlicher Beobachtung stehen die Preise für lebensnotwendige Güter und Dienstleistungen. Da die Stromversorgung zur Daseinsfürsorge zählt, steht ihre Preisbildung im öffentlichen Fokus – und zwar des Staates, der Wirtschaft und der Bevölkerung. Doch ist die „marktwirtschaftliche Ordnung“ im Strommarkt nicht die von Anfang an festgelegte Struktur; es ist sogar eine relativ junge Marktstruktur. Noch vor nicht allzu langer Zeit, das heißt vor der Liberalisierung des Strommarktes 1998, war die Struktur eines Gebietsmonopols für Stromversorger in Deutschland und anderen Ländern die vorherrschende Marktordnung. In manchen Ländern, z. B. Frankreich und Belgien, lag die Stromversorgung des kompletten Landes in der Hand eines Konzerns. In Deutschland belieferten bis zum Ende der Neunzigerjahre die Energieversorger in ihren Netzgebieten als Monopolisten die in ihrem Netzgebiet beheimatete Industrie und Haushalte. Der Preis richtete sich dabei nach Tarifen, welche behördlich reglementiert waren. Ob ein Kunde nun wollte oder nicht, er konnte nur vom örtlichen Energieversorger Strom beziehen. Lediglich Industrieunternehmen hatten die Option, sich durch den Bau von Eigenerzeugungsanlagen diesem Monopol zu entziehen. In Eigenerzeugungsanlagen kann ein Unternehmen seinen gesamten Strombedarf oder nur Teile davon selbst erzeugen. So plante in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts, in der Phase der Kernkrafteuphorie, die Ludwigshafener BASF als einer der bundesweit größten Stromverbraucher auf dem eigenen Werksgelände ein eigenes Kernkraftwerk zu bauen. Nach genauerer Analyse verwarf man die Absicht. Zu dieser Zeit legte die Energiepolitik ihren Schwerpunkt auf den Aspekt der Versorgungssicherheit. Durch die Marktstruktur der Konsortialgebiete dachte sie, diese am besten zu gewährleisten. Nicht zuletzt verdienten die Kommunen über ihre kommunalen Beteiligungen an den üppigen Margen der Stromversorgungsunternehmen mit.
Philip Würfel

5. Ein Ausblick in bewegte(n) Zeiten: die Zukunft der deutschen Stromversorgung

Zusammenfassung
Die vorhergehenden Kapitel des Buches haben die Funktionsweise, die Mechanismen und die großen Veränderungen des deutschen Stromversorgungssystems durch die Energiewende beschrieben. Dabei offenbarten sich die Herausforderungen, vor welchen dieses System heute an vielen Stellen steht. Die Energiewende, die vierte industrielle Revolution, verlangt von der Stromwirtschaft einen umfassenden Veränderungsprozess. Dieser Prozess ist notwendig, um die für unsere Gesellschaft so wichtigen Ziele der Energiewende zu erreichen. Das letzte Kapitel greift diese Entwicklungen auf und beleuchtet sie näher. Es ist ein Ausblick aus einer Gegenwart, in welcher sich die deutsche Stromwirtschaft in Umwälzung befindet. Es muss gelingen, bei allen Beteiligten eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Aufgrund der historischen Entwicklung der Energiewende wird dieser Zustand der Umwälzung und des Aufbruchs mittelfristig der Normalzustand bleiben. Das Kapitel blickt somit auf die nahe bis mittlere Zukunft der deutschen und europäischen Stromversorgung. Dabei ist es nicht das Ziel, jede Frage zutreffend zu beantworten. Viele Antworten sind noch im Dunkeln und werden sich erst im weiteren Verlauf der heutigen Energiewende ergeben. Und in manchen Bereichen kennen wir noch nicht einmal die Fragen, die wir beantworten werden müssen. Es gibt bisher keine Erfahrungswerte. Das Projekt „Energiewende“ ist historisch einmalig. Jedoch deuten sich die Herausforderungen und Entwicklungen an, in welche Richtung sich das Stromversorgungssystem entwickeln wird.
Philip Würfel

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