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15.12.2020 | Verwaltungsmanagement | Nachgefragt | Onlineartikel | In Kooperation mit: Bund Deutscher Unternehmensberater e.V.

Krisenbewältigung im öffentlichen Sektor: Viel hilft viel oder ist weniger mehr?

Autor:
Peter Krolle
2:30 Min. Lesedauer

Die Kreativität der bislang benannten Lösungsansätze in der Corona-Krise ist gering. Politik und Verwaltung müssen sich um ein deutlich effizienteres und effektiveres Krisenmanagement kümmern. 

Zurzeit durchläuft Deutschland ein ungeahntes Krisenjahr. Die globale Bedrohung durch Corona lässt anderes nur noch blass in Erscheinung treten. Dennoch sind klimatische Veränderungen, globales Wohlstandsgefälle, Pflegenotstand, Brexit, Digitalisierungsrückstand und Wirecard weiterhin bedrohliche Szenarien. Krisenmanagerinnen und -manager haben Hochkonjunktur. 

Einfache Rezepte zur Krisenbewältigung leider auch. So mancher will die aktuelle Krise für die Durchsetzung lange bestehender Glaubenssätze oder auch konkreter Konzepte nutzen. Nun, Politik braucht Krisen. Die viel beschworenen Disruptionen sind ohne Handlungsnot nicht durchsetzbar. 

Krisen decken Schwachstellen auf

Staat und Kommunen werden in diesen Krisen besonders strapaziert, zum Teil über ihre Leistungsgrenze hinaus. Diese Strapazen decken unbarmherzig Schwachstellen und Lücken auf. Diese schnell zu beseitigen, ist sicherlich ein guter Ansatz in der Krisenbewältigung. Aber nicht jede Schwachstelle lässt sich durch die bekannten Lösungsmuster (mehr Geld, mehr Personal, mehr Regulierung) beheben. Oft führen diese Lösungsmuster sogar mittel- und langfristig zu weiteren Krisen. 

Die Arbeitsweisen in den Gesundheitsämtern sind hoffnungslos unmodern. Hier hilft mehr Personal nur, dieses Antiquariat zu bewahren. Mitarbeitende in einigen Bereichen der öffentlichen Verwaltung haben in den vergangenen Monaten Enormes geleistet. Belohnungen über Applaus hinaus wären angemessen. Allgemeine, dauerhaft wirkende Lohnerhöhungen für alle anderen (auch für Pensionäre und Ruheständler), wie Verdi nun durchgesetzt hat, sind dagegen fehl am Platze. Es gibt andere Bevölkerungsgruppen, die ebenfalls viel leisten in dieser Krise, ob aus Philanthropie oder schierer Not ist dabei unerheblich. Und: Meist sind sie nicht so gut materiell abgesichert wie die Beschäftigten im öffentlichen Dienst.

Auch viele Unternehmen leiden massiv unter den Coronabedingten Einschränkungen. Ihnen muss geholfen werden. Aber staatliche Hilfen oder gar staatliche Beteiligungen für nicht marktfähige Unternehmen verhindern die notwendige Innovation und die Schumpetersche "kreative Zerstörung". Hier wird der Grundstock für die nächsten Krisen gelegt.

Lösungsansätze bisher wenig kreativ

In all diesen Beispielen zeigt sich die geringe Kreativität der bislang benannten Lösungsansätze. Auch die geringe Passfähigkeit: Temporäre Herausforderungen brauchen temporäre Hilfen. Strukturelle Hindernisse sind auch dauerhaft zu beseitigen. Bewährte Grundsätze staatlichen Handelns dürfen nicht verworfen werden, weil's gerade passt. Lang versäumte Hausaufgaben (Digitalisierung, Entbürokratisierung, Innovationsförderung, smarte Infrastruktur, Stabilisierung des Gesundheitssystems, Klimaschutz) könnten trotz Krise jetzt angegangen werden.

Die weiteren, zukünftigen Krisen sind absehbar. Politik und Verwaltung müssen sich heute um ein effizienteres und effektiveres Krisenmanagement kümmern, das andere Lösungen bereithält als Geld und Personal.

So schön es sein mag, auf Kosten anderer Geschenke zu verteilen, so unverantwortlich ist es, Krisen ohne Rücksicht auf Verluste zu nutzen, um die eigene Position zu stärken. Dies zahlt sich auf lange Sicht nicht aus.

Dieser Beitrag ist erschienen in der innovativen Verwaltung 12/2020.

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