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Über dieses Buch

Das Buch widmet sich der Rekonstruktion der theoretischen Gehalte und einer immanenten Kritik der vier zentralen marktsoziologischen Konzeptionen der New Economic Sociology, verbunden mit den Namen Granovetter, White, Fligstein und Beckert. Die These lautet, dass die Ansätze ihr erklärtes Ziel, die Erklärung wirtschaftlicher als sozialer Sachverhalte, nicht verwirklichen können. Dazu werden ihre jeweiligen Inkonsistenzen und Leerstellen herausgearbeitet. Zuletzt wird gezeigt, dass nicht nur die Erklärungsstruktur der Ansätze, sondern auch ihre Erklärungslücken denen der Wirtschaftswissenschaft auf überraschende Weise ähneln.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Von der Krise der eigenen Disziplin, die von manchen Soziologinnen und Soziologen bei vielen Gelegenheiten beklagt wird, ist in der Wirtschaftssoziologie kaum etwas spürbar. Seit einigen Dekaden ist sie nun schon in anhaltender Goldgräberstimmung. US-amerikanische Wirtschaftssoziologen in den 1970er und 80er Jahren müssen sich gefühlt haben wie die Schürfer zu Beginn des Jahrhunderts am Klondike River: Ein vormals unbegehbares Terrain und seine Schätze wurden erschlossen.
Jan Sparsam

2. Theoretische Fragestellungen: Theorie, Theoriedynamik und Gesellschaft

Zusammenfassung
Die vorliegende Auseinandersetzung mit dem theoretischen Fundus der New Economic Sociology soll mit Rückgriff auf metatheoretische, ergänzende wissenschaftssoziologische Betrachtungen und erfahrungstheoretische Überlegungen der Kritischen Theorie systematisiert werden.
Jan Sparsam

3. Die Entstehung der New Economic Sociology zwischen Theorieentwicklung, Institutionalisierung und gesellschaftlichen Transformationsprozessen

Zusammenfassung
Noch 1983 beschreibt Stinchcombe im Vorwort zu seinem Grundlagenwerk „Economic Sociology“, dass sein Verleger sich beim Lesen des voluminösen ersten Entwurfs fühlte wie ein „Eskimo confronted with a beached whale“ (1983, S. vii). Stinchcombes ursprüngliches Vorhaben, ein umfangreiches Kompendium der vergleichenden Makrosoziologie zu veröffentlichen, war damit gescheitert. Stattdessen ist daraus eine Einführung mit moderatem Umfang geworden, die sich prinzipiellen theoretischen Problemen einer allgemeinen Wirtschaftssoziologie widmet.
Jan Sparsam

4. Die Vielfalt und die Einheit kapitalistischer Ökonomie

Zwei Seiten der Inadäquanz des neoklassischen Modells
Zusammenfassung
Ohne ein Verständnis ihrer Kritik an der Ökonomik lässt sich die New Economic Sociology samt ihres Methoden- und Theorieverständnisses kaum charakterisieren. Diskursiv ist sie damit auf der Höhe der Zeit: Der allseitige Beschuss der Wirtschaftswissenschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich verstärkt und auch in der Vergangenheit wurde nicht selten so weit gegangen, die Abschaffung der Disziplin in Gestalt ihres neoklassisch ausgerichteten Mainstreams einzufordern.
Jan Sparsam

5. Netzwerktheorie

Zusammenfassung
Der Begriff des Netzwerks ist sowohl in soziologischen Zeitdiagnosen als auch in der Theorie mittlerweile sehr gebräuchlich geworden. Nicht nur seine wissenschaftliche Verwendung, auch seine Präsenz in der Alltagssprache – etwa durch das Internet, Freundschafts- und berufliche Netzwerke usw. – haben ihn zur „Signatur der Epoche“ (Wolf 2000) avancieren lassen. Laut Boltanski und Chiapello (2006, S. 192) ist der Begriff des Netzwerks noch bis in die 1980er Jahre größtenteils pejorativ besetzt gewesen und hauptsächlich mit Illegalität und kriminellen Vereinigungen in Verbindung gebracht worden.
Jan Sparsam

6. Granovetters Einbettungsperspektive

Zusammenfassung
Mit dem Konzept der Einbettung, zuerst systematisch von Granovetter (1985) ins Spiel gebracht, hat die New Economic Sociology in den 1980er Jahren theoretisch und theoriepolitisch Fahrt aufgenommen. Dieser Begriff sollte dem Umstand Rechnung tragen, dass in der sozialen Wirklichkeit ökonomischen Handelns ebenfalls andere Mechanismen als die von der Ökonomik postulierten wirksam sind, wenn nicht sogar in weitaus größerem Ausmaß.
Jan Sparsam

7. Whites konstruktivistische Netzwerktheorie

Zusammenfassung
Die strukturalistische Netzwerktheorie, die der New Economic Sociology den Weg ebnete, hat, was allgemeine Theoriebildung angeht, viele Leerstellen. Diese Defizite versuchen Ansätze zu beheben, die dem relationalen Konstruktivismus zurechenbar sind. Vorreiter dieser Weiterentwicklung der Netzwerktheorie ist Harrison C. White, der bis dato der einzige Vertreter aus dem Cluster der Social Network Analysis ist, der sowohl eine eigenständige Sozialtheorie als auch eine Monographie zu einer allgemeinen Marktsoziologie vorgelegt hat, die viele seiner über die Jahre entwickelten wirtschaftssoziologischen Überlegungen bündeln. Er versteht seine Marktsoziologie dabei durchaus als Beitrag zur Wiederbelebung der Wirtschaftssoziologie (vgl. White 2002c, S. 144).
Jan Sparsam

8. Neo-Institutionalismus

Zusammenfassung
Wie sich an der Erweiterung der Einbettungsperspektive Granovetters und der relational- konstruktivistischen Marktsoziologie Whites bereits gezeigt hat, ist der Neo-Institutionalismus nicht spurlos an der Netzwerktheorie vorbeigegangen, sondern in theoretischen Versatzstücken von ihr inkorporiert worden. Relationen bleiben allerdings der zentrale Mechanismus, den sie zur Explanation heranzieht. Der Neo-Institutionalismus als eigenständiges Forschungsprogramm hat sich zunächst parallel zur Social Network Analysis, aber in einer ähnlichen rebellischen Haltung zum dem Parsons’schen Strukturfunktionalismus entwickelt (vgl. DiMaggio und Powell 1991a, S. 15; Dobbin 1999, S. 62), bevor er sich ebenfalls einen festen Platz im soziologischen Mainstream sichern konnte.
Jan Sparsam

9. Fligsteins politisch-kulturelle Marktsoziologie

Zusammenfassung
Der für die New Economic Sociology wohl einflussreichste Ansatz aus dem Theoriecluster des Neo-Institutionalismus stammt von Neil Fligstein. Fligsteins Leistungen umfassen eine allgemeine Marktsoziologie, die das Desiderat eines „systematic attempt to characterize the social relations within markets generally“ in der Soziologie beheben soll (2002a, S. 14). Er bezeichnet seinen Ansatz als politisch-kulturelle Marktsoziologie, die auf einer Theorie sozialer Felder beruht und einen „unified framework“ bereitstellen soll, „with which to understand the key dynamics of the sociology of markets in industrialized societies“ (Fligstein 2002a, S. 20).
Jan Sparsam

10. Beckerts neopragmatistische Marktsoziologie

Zusammenfassung
Der letzte wirtschaftssoziologische Ansatz, um den es im vorliegenden Kapitel geht, ist derjenige von Jens Beckert. Hiermit ist nicht nur ein weiterer generationaler, sondern auch ein transatlantischer Sprung verbunden. Beckert gehört, in Weiterführung der Klassifikation von Convert und Heilbron (2007), zur vierten Generation der New Economic Sociology und hat entscheidend zum Transfer der neueren US-amerikanischen Wirtschaftssoziologie nach Deutschland beigetragen.
Jan Sparsam

11. Fazit

Zusammenfassung
Ziel der vorliegenden Arbeit war es, das Gegenstandsverständnis der New Economic Sociology herauszuarbeiten sowie ihre wichtigsten Theorievorschläge einer immanenten Kritik zu unterziehen. Die damit verbundene zentrale Aufgabe bestand darin, die allgemeinen Aussagen und Zusammenhangsbehauptungen, welche die hier behandelten Ansätze über die (moderne) Wirtschaft treffen, herauszupräparieren und auf ihre Konsistenz zu überprüfen. Im Zuge dessen sollte das Verständnis davon geschärft worden sein, mit welchen theoretischen Mitteln diese Ansätze gegenüber der Wirtschaftswissenschaft eine höhere Gegenstandsadäquanz ihrer Modelle reklamieren.
Jan Sparsam

12. Ausblick

Zusammenfassung
Grundlagenkritik soziologischer Ansätze mag ernüchternd sein, wenn sie deren theoretische Gesamtkomposition infrage stellt. Dennoch kann (und sollte!) sie konstruktiven Charakter haben. Wie bei jeder kritischen Auseinandersetzung dürfte hiermit auch noch nicht das letzte Wort gesprochen sein. Die vorliegende Arbeit will lediglich dazu anregen, im Rahmen einer allgemeinen Wirtschaftssoziologie zentrale Probleme anzusprechen, die in der New Economic Sociology bislang ignoriert worden sind.
Jan Sparsam

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