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Über dieses Buch

Der vorliegende Band führt empirische Forschungsresultate aus unterschiedlichen Teilgebieten der Familien- und Arbeitsmarktsoziologie zusammen, die sich der Untersuchung der Folgen atypischer Beschäftigung für Familien und Partnerschaften widmen. Das Ziel des Bandes besteht darin, sowohl Impulse für zukünftige Forschungsansätze zu geben als auch empirisch fundierte Praxisbezüge jüngster Beiträge in diesem Forschungsfeld aufzuzeigen.

Im Anschluss an einen handlungstheoretischen und empirischen Überblick werden Ansätze zur empirischen Messung der subjektiven Belastung infolge atypischer Beschäftigung aufgearbeitet und empirisch überprüft. Danach werden Folgen atypischer Beschäftigungsverhältnisse auf einzelne Teilbereiche des Familienlebens fokussiert: Die Ausprägungen des Kinderwunschs junger Erwachsener, partnerschaftliche Institutionalisierungsprozesse, die Aufteilung der Kinderbetreuung unter jungen Paaren sowie die Ausprägungen und Folgen migrantischer Pflegearbeit. Ergänzt werden die Studien um eine international vergleichende Perspektive. Am Ende des Bandes werden darüber hinaus praktische Empfehlungen für die zukünftige Regulierung atypischer Beschäftigungsverhältnisse mit dem Fokus auf sozial- und familienpolitische Implikationen gegeben.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Atypische Beschäftigung und ihre sozialen Konsequenzen

In gegenwärtigen soziologischen Forschungsbeiträgen wird der Einfluss atypischer Beschäftigungsformen auf verschiedene Bereiche des Privatlebens intensiv untersucht und diskutiert. Insbesondere die Aspekte Partnerschaftsinstitutionalisierung, Familiengründung, Kinderbetreuung, familiale Netzwerke, private Zukunftsplanung und gesundheitliche Risiken stehen derzeit im Fokus sowohl qualitativer als auch quantitativer Studien. Als atypische Beschäftigung werden dabei Leiharbeit, Zeitarbeit, Teilzeitarbeit sowie befristete Beschäftigung aufgefasst.
Daniel Baron, Paul B. Hill

Wer sind die Prekären? Handlungstheoretische Überlegungen und empirische Befunde

Mit dem Ansteigen der Anteile atypischer Beschäftigungsformen an allen Beschäftigungsverhältnissen in der Bundesrepublik in den letzten gut zwanzig Jahren (Keller/Seifert 2013) ging eine Konjunktur soziologischer Konzepte zur Beschreibung und – ansatzweise – Erklärung der Folgen von Teilzeit- und Kurzarbeit, Leih- und Zeitarbeit sowie befristeter Beschäftigung für die verschiedenen Teilbereiche des sozialen Lebens einher (Motakef 2015). Während sich gegenwartsdiagnostische (Beck 2007, Marchart 2013b) und neo-marxistische Ansätze (Standing 2011) vorwiegend von einer Makro-Perspektive aus dieser Problemstellung widmen, liegt mit der Theorie der kapitalistischen Landnahme (Castel/Dörre 2009, Dörre 2009) ein Ansatz vor, der sich mit den Folgen atypischer Beschäftigung vorwiegend auf der individuellen Verarbeitungs- und Handlungsebene befasst.
Daniel Baron, Paul B. Hill

Chancen und Risiken atypischer Beschäftigung am Beispiel Australiens

Die für Deutschland beobachtete Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ist im int ernationalen Vergleich kein Ausnahmephänomen. Auch viele andere OECD-Staaten hatten in den vergangenen Jahrzehnten eine starke Zunahme atypischer Beschäftigung zu verzeichnen. In welcher Form und in welchem Ausmaß sich diese neuen Gegebenheiten am Arbeitsmarkt auf das Privatleben der Beschäftigten auswirken, ist dabei von institutionellen Filtern des jeweiligen Landes, wie z. B. der wohlfahrtsstaatlichen Ausrichtung und dem Beschäftigungssystem abhängig (Mills et al. 2005).
Inga Laß

Migrantische Dienstleisterinnen in deutschen Haushalten. Erwerbsarbeit mit familiärer Arbeitsorientierung

Das für westdeutsche Haushalte lange Zeit typische male breadwinner model unterliegt bereits seit einigen Jahren einem strukturellen und kulturellen Wandel: Lange Zeit war es eine Selbstverständlichkeit, dass Care-Leistungen, wie die Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Familienmitgliedern, unentgeltlich und vornehmlich von Frauen geleistet wurden, während Männer in relativ stabile Erwerbsarbeitsstrukturen integriert waren. Die zunehmende Erwerbstätigkeit von Frauen führt nun dazu, dass diese traditionelle gesellschaftliche Arbeitsteilung nicht mehr trägt, sodass Care-Arbeit vermehrt an meist kommunale Institutionen wie Kindertagesstätten und Pflegeheime ausgelagert oder als private Dienstleistung (z. B. Tagesmütter) eingekauft wird. Insbesondere auf dem Pflegemarkt hat sich dafür in den letzten Jahren ein diversifiziertes Angebot entwickelt. Die Leistungen erstrecken sich auf unterstützende Dienste wie „Essen auf Rädern“ und ambulante Pflegedienste über Pflegeheime bis hin zu vollumfänglichen „Live-ins“, bei denen der/die DienstleisterIn zum Teil auch im Haushalt der Pflegebedürftigen arbeitet und wohnt.
Karina Becker

Subjektive Prekaritätsbelastung. Erhebungsinstrumente und Befunde

In mehreren soziologischen Teildisziplinen nehmen die Themen Prekarität und soziale Unsicherheit einen zunehmend großen Raum ein. Während in den 1980er und 1990er Jahren häufig von der Risikogesellschaft (Beck 1986) die Rede war, wird seit den früheren 2000er Jahren zunehmend von Prekarität bzw. Prekarisierung gesprochen, um Verunsicherungen von Berufsbiographien und Lebensläufen zu beschreiben (Marchart 2013, Motakef 2015).
Daniel Baron

Atypische Beschäftigung = atypische Kinderbetreuung? Auswirkungen atypischer Beschäftigungsformen auf Kinderbetreuungsarrangements

In den vergangenen Jahrzehnten hatte n atypische Beschäftigungsverhältnisse, namentlich befristete Beschäftigung, Teilzeitbeschäftigung, geringfügige Beschäftigung sowie Zeitarbeit eine starke Zunahme zu verzeichnen. So ist der Anteil atypisch Beschäftigter zwischen 1991 und 2014 von 13 auf 21 Prozent gestiegen (Statistisches Bundesamt 2015b). Die Übernahme dieser Beschäftigungsformen ist dabei nicht nur mit Konsequenzen für die individuellen Beschäftigten verbunden, sondern setzt auch andere Rahmenbedingungen für das Familienleben als das Normalarbeitsverhältnis.
Henning Heddendorp, Inga Laß

Der Zusammenhang zwischen ökonomischer Unsicherheit, sozialer Ungleichheit und dem Kinderwunsch

Die Zahl der Geburten hat sich zwischen dem Jahr 1960 und 2012 annähernd halbiert, sodass seit den 1970er Jahren die Zahl der Geborenen die Zahl der Gestorbenen unterschreitet (Statistisches Bundesamt 2014). Diese Entwicklung bewirkt unter anderem einen demographischen Umbruch, der Deutschland und Europa vor große sozialpolitische Herausforderungen stellt (Sabotka 2011, Schleutker 2014). Empirische Untersuchungen der Determinanten des Kinderwunschs können helfen, die Anzahl der tatsächlich realisierten Kinderwünsche in einer Population vorherzusagen (Ajzen/Klobas 2013).
Mattia-Lisa Eickemeier

Wie wirkt sich befristete Beschäftigung auf die Institutionalisierung von Partnerschaften aus?

In Deutschland und in zahlreichen anderen Ländern haben befristete Beschäftigung und andere atypische Beschäftigungsverhältnisse in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen (Keller/Seifert 2013, Schmid 2010). Angesichts der großen Bedeutung von Beruf und Beschäftigung für die private Lebensführung stellt sich die Frage, ob und inwieweit sich atypische Beschäftigung auf die Institutionalisierung und Stabilisierung von Partnerschaften auswirkt. Vor allem der ökonomische Ansatz zur Erklärung familialen Verhaltens (Becker 1981, 1993) legt nahe, dass befristete Beschäftigung die Institutionalisierung von Partnerschaften verzögert.
Daniel Baron, Ingmar Rapp

Regulierung atypischer Beschäftigungsverhältnisse

Dieses Kapitel präsentiert im Gegensatz zu den anderen keine neuen empirischen Befunde sondern behandelt ausgewählte soziale Folgen atypischer Beschäftigungsverhältnisse und unterbreitet Vorschläge zu ihrer zukünftigen Regulierung. Diese Probleme werden in der öffentlichen Kontroverse sowie im wissenschaftlichen Diskurs eher selten und vorsichtig thematisiert, obwohl der Anteil der atypischen an allen Beschäftigungsverhältnissen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen hat. Trotz des andauernden „Jobwunders“ (Dustmann et al. 2014) befinden sich (bei Eliminierung von Doppelzählungen) derzeit knapp 40 Prozent in atypischen Beschäftigungsverhältnissen.
Berndt Keller

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