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Über dieses Buch

​Die nachwachsenden Generationen lernen Mediennutzung heute vorrangig im Umgang mit Internetangeboten. Sind sie deshalb für die Printmedien - zumal die Zeitung - verloren? Umgekehrt gefragt: Wie sollte sich das Zeitungsangebot verändern, damit es für künftige Generationen attraktiv wird? Von den Antworten auf solche Fragen hängt es im Wesentlichen ab, ob die Zeitungen die nächsten Jahrzehnte überleben werden. Über das mikroanalytische Instrument der Blickverlaufsmessung (Eyetracking) untersucht Sebastian Feuß die Nutzung und Rezeption sowohl von Printmedien als auch von Onlineangeboten journalistischer Nachrichtenmedien. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage nach der Abhängigkeit der Wahrnehmung, der kognitiven Informationsverarbeitung sowie der Seitenerschließung von der Präsentation der Informationsangebote: Wie müssen journalistische Inhalte visuell aufbereitet und präsentiert werden, damit sie wahrgenommen und verstanden werden? Der Autor legt die Forschungsergebnisse offen und diskutiert die praktischen Konsequenzen für die Medienproduktion.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Einleitung

Zusammenfassung
Seit den 90er Jahren kämpfen viele Medienverlage mit einem kontinuierlichen Reichweitenrückgang von Tageszeitungen: Griffen 1990 laut ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation noch 71 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahren täglich zur Zeitung (van Eimeren/Ridder 2005:495), sind es mittlerweile nur noch 44 Prozent (Ridder/Engel 2010:528). Dagegen hat sich die Reichweite des Internets deutlich erhöht: Den Befragungsergebnissen der Langzeitstudie zufolge gingen im Jahr 2000 nur 10 Prozent der Deutschen ins Netz, im Verlauf von fünf Jahren hat sich die Zahl etwa um das Dreifache gesteigert (28 Prozent).
Sebastian Feuß

2. Forschungs- und Wissensstand

Zusammenfassung
Diese Frage kann einem leicht in den Sinn kommen, betrachtet man die Ergebnisse vieler Relaunches von Zeitungen und informatorischer Nachrichtenseiten im Internet durch professionelle Designer. Denn Mediengestaltung ist kein ästhetischer Selbstzweck – sondern muss –funktional begründbar sein, muss im Dienste der Orientierungsleistung stehen, die journalistische Medien zu erbringen haben“ (ebd.).
Sebastian Feuß

3. Im Blickpunkt: Die Studie und ihr Gegenstand

Zusammenfassung
Im Vorfeld der Blickverlaufsmessung wurde die Nutzerfreundlichkeit (vgl. Kap. 2.3.3) der Printausgabe des Donaukuriers qualitativ getestet im Rahmen eines Forschungsseminars am Institut für Praktische Journalismusforschung an der Universität Leipzig unter der Leitung des Verfassers dieser Arbeit. Dies geschah zum einen vermittels einer heuristischen Evaluation (vgl. Kap. 2.3.4) mithilfe einer speziell für das Projekt entwickelten Usability-Checklist. Zum anderen wurde im Rahmen des Usability Testing (vgl. Kap. 2.3.5) die Methode des Lauten Denkens (vgl. Kap. 2.3.5.1) eingesetzt. Diese wurde qualitativ-inhaltsanalytisch ausgewertet.
Sebastian Feuß

4. Augenblick, verweile doch! Die Nutzung des Donaukuriers

Zusammenfassung
Medienwahrnehmung und –nutzung sind vorrangig auf das Zusammenspiel von visueller und textueller Mediengestaltung sowie wahrnehmungsphysiologischer und –psychologischer Voraussetzungen der Rezipienten zurückzuführen. Anhand der Blickverlaufsdaten kann nachvollzogen werden, wie sich dieses Zusammenspiel gestaltet – und welche Nutzungsmuster daraus resultieren.
Sebastian Feuß

5. Durch die Augen des Lesers – die Feinanalyse

Zusammenfassung
Zeitungsnutzung und -rezeption ist beschreibbar als dynamisch-transaktionaler, intrapersonaler Prozess, basierend auf stimulusgesteuerten Bottom-up- und kognitiven Top-Down-Prozessen (vgl. Kap. 2.1). Anhand der Titelseite des Donaukuriers, der folgenden Profi l-Seite sowie der Panorama-Seite erfolgt nun eine detaillierte Analyse der vermittels Eyetracking nachvollziehbaren Nutzungs- und Rezeptionsmuster sowie der Identifi kation zentraler gestalterischer Einfl ussvariablen.
Sebastian Feuß

6. Visuelle Einflussvariablen auf die Zeitungsrezeption

Zusammenfassung
Weitgehend unstrittig ist, dass Zeitungsseiten lesergruppenübergreifend ganzheitlich wahrgenommen und erschlossen werden. Dies geschieht vorrangig entlang dominanter Seitenelemente wie Überschrift en und Bilder. In rund 72 Prozent der Fülle (auf 19 von 26 Seiten) steigen die habituierten Leser über das Aufmacherbild in eine Seite ein; bei den jungen Lesern ist dies zu rund 60 Prozent der Fall (auf 16 von 26 Seiten), bei den Nicht-Lesern unter den jungen Lesern zu etwa 45 Prozent (auf 12 von 26 Seiten).
Sebastian Feuß

7. Nutzungsmuster, Lesertypen und Erinnerung

Zusammenfassung
Das Informationsangebot auf einer Zeitungsseite verteilt sich auf zwei Nutzungsebenen, die zwei Nutzungs- bzw. Rezeptionsmuster erlauben: Die erste Ebene ermöglicht eine schnellere, überblicksorientierte Nutzung bzw. Rezeption vorrangig über Überschriften und Bilder; die zweite Ebene lässt über die Artikeltexte eine intensivere Auseinandersetzung mit Inhalten zu.
Sebastian Feuß

8. Gestaltung versus Inhalt

Zusammenfassung
Neben der Gestaltung übt der Inhalt von Beiträgen einen wichtigen Einfluss auf die Art und Weise der Zeitungsnutzung bzw. -rezeption aus. Dies ist insbesondere im Rahmen der Feinanalyse (vgl. Kap. 5) anhand der Verweildauern und der Aufmerksamkeitsverteilungen sowie bei der ausgabenübergreifenden Untersuchung visueller Einfl ussvariablen dargestellt worden (vgl. Kap. 6.2).
Sebastian Feuß

9. Die Nutzung von donaukurier.de

Zusammenfassung
Zu den Forschungsinteressen dieser Eyetracking-Studie zählt die Frage, ob sich Crossover-Leser das Internetangebot donaukurier.de in der Weise erschließen wie sie es von der Zeitung gelernt haben (vgl. Kap. 1; vgl. Kap. 3.2). Bestehen Parallelen zwischen Print- und Online-Nutzungs- bzw. Rezeptionsmustern? Und: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Gestaltung von Nachrichtensites? Zur Beantwortung der Fragen wurde mit fünf Online-Lesern eine kleine Vergleichsgruppe zu den Testlesern der Printausgaben gebildet, die an zwei Untersuchungstagen (Dienstag: N=1; Donnerstag: N=4) das aktuelle Webangebot des Donaukuriers rezipierten.
Sebastian Feuß

10. Mediennutzung Crossover – Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Zusammenfassung
Die Untersuchung der Printnutzung unterschiedlich sozialisierter Mediennutzer am Beispiel des Donaukuriers hat gezeigt: Die Mediensozialisation hat offenbar grundsätzlich Auswirkungen auf die Medienrezeption und führt zu einem insgesamt unterschiedlichen Leseverhalten. Allerdings lassen sich auch Konstanten ausmachen, die unabhängig von der Mediensozialisation bestehen. Zwei Dimensionen des Medienrezeptionsbegriffs sollten unterschieden werden: 1) die initiale und im Verlaufe von Scanprozessen sich wiederholende, nicht- bzw. vorbewusste Seitenerschließung sowie 2) die (intensive) bewusste Rezeption von Inhalten.
Sebastian Feuß

Backmatter

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