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09.04.2015 | Automobil + Motoren | Nachricht | Onlineartikel

TH Ingolstadt baut Zentrum für Fahrzeugsicherheit

Autor:
Christiane Brünglinghaus

In Ingolstadt entsteht derzeit ein Testzentrum für Verkehrs- und Fahrzeugsicherheit. Das Besondere: Der ganzheitliche Ansatz des Zentrums. Denn es sollen nicht nur Teilaspekte wie Airbags, sondern das Gesamtkonzept aller sicherheitsrelevanten Themen im Fahrzeug an einem zentralen Ort getestet werden.

Ein Testzentrum für die Erforschung und Entwicklung im Bereich der Verkehrssicherheit in Deutschland entsteht derzeit an der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI). Das Projekt mit dem Namen Carissma (Center of Automotive Research on Integrated Safety Systems and Measurement Area) soll unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Dr. Thomas Brandmeier, das Leitzentrum für Integrale Sicherheit in Deutschland werden. Integral bedeutet in diesem Zusammenhang, dass erstmals in Deutschland nicht nur Teilaspekte wie Airbags, Karosserien oder aktive Sicherheitssysteme wissenschaftlich untersucht werden, sondern das Gesamtkonzept aller sicherheitsrelevanten Themen im Fahrzeug an einem zentralen Ort getestet werden.

Die vollständige Inbetriebnahme von Carissma ist für Januar 2016 geplant. Das Zentrum soll dann auf insgesamt 4000 Quadratmetern Nutzfläche Labore, Büros und Versuchsflächen beherbergen. Der erste Spatenstich der Bauarbeiten wurde im Beisein des bayerischen Wissenschaftsministers Dr. Ludwig Spaenle am 2. April 2014 gesetzt. Bundesweit handelt es sich hierbei um den ersten an einer Fachhochschule geförderten Forschungsbau, wie die THI betont. Die Gesamtkosten von 28 Millionen Euro für das Forschungsprojekt werden zu 50 Prozent vom Bund und zu 50 Prozent vom Freistaat Bayern getragen. Insgesamt sollen bei Carissma über 50 Wissenschaftler und Versuchsingenieure integrale Systeme der Fahrzeugsicherheit erforschen.

Crashtestanlage von Messring geplant und ausgerüstet

Zu Beginn des Jahres erfolgte die Vergabe der Crashanlage, eines der Herzstücke des Projekts, an den Crashtestanlagenbauer Messring aus Krailling. Die bayerische Firma arbeitet derzeit an der baulichen Integration der neuen Crashtesteinrichtung und rüstet die Hochschule mit der Anlagentechnik aus.

Die Firma Messring liefert in den nächsten Monaten ein MicroTrack-Schienensystem, einen speziell für Crashtestanlagen konzipierten elektrischen Antrieb, einen mobilen Aufprallblock, eine Filmgrube mit transparenter Abdeckung, sowie diverse Barrieren und Aufbauten für unterschiedlichste Aufprallszenarien nach Ingolstadt.

MicroTrack-Schienensystem und Electric-Propulsion-System

Die 74 Meter lange Schlittenanlage von Carissma wird mit dem MicroTrack-Schienensystem ausgerüstet. Dieses System hat den Vorteil, dass der Führungskanal sehr viel schmaler als bei üblichen Lösungen ist und dadurch viel mehr Details bei Crashaufnahmen des Fahrzeugs von unten aus der Filmgrube sichtbar werden, erklärt Messring. Die gelieferten Spezialbarrieren sollen den Ingenieuren der THI unter anderem Offset-Versuche, Small-Overlap- sowie Pfahl- und Seitenaufpralltests ermöglichen.

Angetrieben wird die Schlittenanlage von einem sogenannten Electric-Propulsion-System, ein Antrieb, der von Messring speziell für Crashtests entwickelt wurde. Der Elektromotor für die THI wird eine Leistung von 400 Kilowatt haben. Damit lassen sich Fahrzeuge mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht auf eine Geschwindigkeit von 65 km/h beschleunigen, bevor sie auf den Aufprallblock treffen. Dieser Block hat die Besonderheit, dass er vollständig demontierbar ist, um die Hallenfläche komplett freiräumen zu können. So lassen sich innerhalb der Crashhalle auch Fußgänger-Versuche und Active-Safety-Tests durchführen, die mehr Fläche benötigen.

Final wird Carissma neben der Crashtestanlage auch ein Fallturm-Labor, ein Batterie-Labor und ein HiL (Hardware-in-the-Loop)-Labor beherbergen. Auf der geplanten Außenfläche sollen vor allem Testmethoden für Car-to-X-Kommunikation getestet werden.

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Quelle:
Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik

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