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Über dieses Buch

Dieses Lehrbuch ist eine Einführung in die psychosoziale Beratung. Es vermittelt ein Verständnis von Beratung als einer Handlungsdisziplin, die sich nicht mehr als Subdisziplin verschiedener Fachgebiete versteht, sondern als ein eigenständiges, disziplinübergreifendes sowie wissenschaftlich fundiertes Denk- und Handlungskonzept. Dieses wird heute über spezifische Studiengänge an Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen vermittelt. – Als Lernende in diesen Einrichtungen erfahren Sie in dem Buch, wie sich Beratung vor dem Hintergrund etablierter Therapieschulen sowie lebensweltlicher und ressourcenorientierter Konzepte begründen kann.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Beratung hat Geschichte: Historische Entwicklungsstränge

Zusammenfassung
Das Kapitel informiert über die Entwicklung von Beratung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert als Folge des gesellschaftlichen Wandels und der Industrialisierung und begründet anhand dessen a) den zunehmenden Bedarf an Beratung und b) die Ausbildung von Beratung als einen speziellen Bereich gesellschaftlicher Funktion in den Feldern der sozialen Fürsorge, Erziehungs- Bildungs- und Berufsberatung, speziell auch von Frauen, und der Ehe-, Lebens- und Familienberatung. Dargestellt werden weiterhin a) die politischen, sozialen und wissenschaftlichen (besonders psychoanalytische, experimentell-psychologische und pädagogische) Strömungen, die zur Entwicklung einer professionellen Beratung beitrugen und b) die neueren kontextorientierten Strömungen, die als lebensweltliche, sozial- und humanökologische und als systemische Konzepte die neuere Entwicklung von Beratung beeinflussten.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 2. Was ist Beratung?

Zusammenfassung
Kap. 2 entfaltet Beratung als einen interdisziplinär angelegten Ansatz, der verschiedene theoriefundierte Konzepte einbezieht. Zunächst erfolgt ein Überblick über den Gegenstand Beratung: Verständnis, Begrifflichkeit, fachliches Profil, allgemeine Aufgaben und Zielsetzungen. Näher ausgeführt werden die Interdisziplinarität von Beratung, die vor allem in den unterschiedlichen Handlungsfeldern zum Ausdruck kommt, und das transdisziplinäre Verständnis von Beratung als eine reflexive, systemisch-sozialökologische (ökosystemische) Handlungswissenschaft. Das anschließende Unterkapitel befasst sich mit der Gestaltung von individueller und gemeinsamer Lebensführung – das umfasst auch biopsychosoziale Gesundheit und Lebensqualität –, die als zentraler Gegenstand von Beratung ausgewiesen und begründet wird. Daraus werden relevante Aufgaben und Ziele abgeleitet. Eine Zusammenstellung der vier zentralen Gebiete strukturiert und klassifiziert die komplexen Aufgaben von Beratung.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 3. Person-Umwelt-Wechselwirkung: Wissenschaftliche Rahmenkonzepte für eine kontextorientierte Beratung

Zusammenfassung
Unter dem Fokus auf ein kontextorientiertes Verständnis von Beratung verfolgt das Kapitel relevante Ansätze zur Erfassung der Wechselwirkungen von Person und Umwelt. Die Beschaffenheit der Beziehung zwischen Person und Umwelt wird über einen phänomenologisch-anthropologischen Zugang erfasst, bevor die Bedeutung solcher Wechselwirkungen für das menschliche Leben und Erleben anhand der vier grundlegenden Prozessebenen nach Kriz (2017) verdeutlicht wird. Die folgenden Unterkapitel zeigen über den lebensweltlichen und sozialökologischen Ansatz, wo die Wechselwirkungen im Sinne von Lebensführung stattfinden und wie sie gestaltet sind. Anschließend bringt das biopsychosoziale Modell eine differenzierte, empirisch fundierte Erweiterung in der Erfassung und Betrachtung der Person-Umwelt-Wechselwirkungsprozesse. Mit der Darstellung neurowissenschaftlicher Wissensbestände und ihrer Nutzung für eine „gehirngerechte Beratung“ erfährt die biopsychosoziale Perspektive eine spezifische Vertiefung.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 4. Beratungsansätze

Zusammenfassung
Kap. 4 stellt konzeptionell fundierte Ansätze vor, die Grundlage für ein integratives Beratungshandeln bilden: Zum einen tiefenpsychologisch-psychodynamische, verhaltenstherapeutische, humanistische und systemische Ansätze; sie entstammen etablierten therapeutischen Schulen und Richtungen. Zum anderen kontextorientierte und ressourcenorientierte Ansätze; sie rücken das wechselseitige Zusammenwirken von Individuen und Umwelt in den Fokus. Humanistische und systemische Ansätze werden vertieft dargestellt, nicht zuletzt wegen ihrer weitreichenden Bedeutung in der Praxis und im konzeptionellen Verständnis von Beratung als Handlungsdisziplin. Der ressourcenorientierte Beratungsansatz kann als Querformat zu den vorab thematisierten Beratungsansätzen verstanden werden. Er erweitert zudem den Blick von einer einengenden Defizit- und Belastungsorientierung hin auf bislang unbeachtete Potenziale und die wirkmächtige Funktion von Ressourcen.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 5. Beratung als Prozess

Zusammenfassung
Kap. 5 befasst sich mit dem Beratungsprozess und seinen konstituierenden Merkmalen und fokussiert folgende Themen und Fragestellungen: Welche Erfahrungen und Prozesse wirken sich auf die Entscheidung aus, eine Beratung aufzusuchen, bzw. kristallisieren sich als Beratungsanlass heraus? Welche Komponenten (Personen, Inhalte, Kontexte, Beziehungsformen, Erfahrungen, Erwartungen) und Wechselwirkungen sind beteiligt und beeinflussen eine Beratung? Welche Modelle zur Erklärung von Veränderung (Veränderungsmodelle) kommen in der Beratung zum Tragen, und wie gestaltet sich Veränderung über die Beratungsphasen (Phasenmodelle)? Ausführlich wird das Gespräch als Basismedium von Beratung und für die Beziehungsgestaltung erläutert und über Beispiele veranschaulicht. Inhalte und Prozesse der Ziel- und Auftragsklärung bilden einen weiteren Fokus. Schließlich werden unter einem biospsychosozialen Verständnis Aufgaben einer mehrdimensionalen Diagnostik für die Beratung dargestellt.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 6. Wirksamkeit und Evaluation von Beratung

Zusammenfassung
Kap. 6 thematisiert Forschungsergebnisse zur Wirksamkeit und Verfahren zur Evaluation von Beratung. Die Aussagen zu beiden Gebieten basieren vornehmlich auf Ergebnissen der Psychotherapieforschung und werden, unter Verweis auf die besonderen Gegebenheiten, behutsam auf Beratung übertragen. Im Besonderen werden Wirkfaktorenkonzepte und schulenübergreifende allgemeine, empirisch fundierte Wirkfaktoren vorgestellt. Das zweite Unterkapitel erläutert Prozess- und Ergebnisevaluation und stellt übersichtsmäßig erprobte Evaluationsverfahren vor.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 7. Wo und wie erfolgt Beratung?

Zusammenfassung
Kap. 7 befasst sich mit den Orten und Problembereichen von Beratung. Zur Bewältigung von Problemen, die aus Ereignissen und Anforderungen der alltäglichen und arbeitsweltlichen Lebensführung entstehen, braucht es Orte, die einen Rahmen für Beratung schaffen. Die wesentlichen Settings, die das Wie von Beratung ausmachen, werden erläutert und nach Kategorien gefasst. Vorgestellt werden Einrichtungen, die Beratung in öffentlicher oder privater Trägerschaft oder freiberuflich anbieten sowie Zielgruppen beschrieben und nach Belastungserfahrungen zusammengefasst. Ausführlich werden typische Problembereiche von Beratung dargestellt, wie Erziehung, Ehe und Familie, Trennung und Scheidung, ungewollte Schwangerschaft, ungewollte Kinderlosigkeit, Krisenereignisse, krisenhafte Übergänge, Bewältigung von bzw. Leben mit chronischer (somatischer und/oder psychischer) Erkrankung, wie auch soziale und wirtschaftliche Notlagen. Weiterhin befasst sich das Kapitel mit der Digitalisierung von Beratung, im Besonderen mit Onlineberatung.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 8. Spezielle Beratungsformate

Zusammenfassung
In Kap. 8 werden spezielle Beratungsformate dargestellt: Coaching, Supervision und Mediation. Für diese drei Formate werden jeweils Begriffsbestimmungen, Anwendungsbereiche, Anlässe, Ziele, Funktionen und Aufgaben, Kompetenzen und Haltungen der Berater erörtert. Bei Coaching und Supervision wird jeweils auf Einzel-, Gruppen- und Teamsettings eingegangen, bei der Mediation wird der strukturierte Ablauf vorgestellt. Somit werden Unterschiede und Gemeinsamkeiten der speziellen Beratungsformate deutlich.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 9. Beratungskompetenz durch Weiterbildungen

Zusammenfassung
Kap. 9 erläutert, wie man Beratungskompetenzen erwirbt. Neben der Theorie und Methodik bestehen Beratungsweiterbildungen aus Übungen, Selbsterfahrung, Peer-Learning, Praxis und Supervision. Das Kapitel befasst sich mit formellem und halbformellem Lernen, einem Blick in die Geschichte sowie in andere europäische Länder, dem Europäischen Qualifikationsrahmen für lebenslanges Lernen sowie beispielhaft mit der systemischen Weiterbildung in Beratung, Supervision, Coaching.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Kapitel 10. Schlusswort

Zusammenfassung
Beratung ist als Einladung zu verstehen, die Grenzen psychotherapeutischen Denkens zu überschreiten und mit den benachbarten psychosozialen Disziplinen und Berufen zu kooperieren, statt zu konkurrieren. Die Kompetenzen der Psychologie, ihre Erklärungsmodelle, ihre diagnostischen und interventiven Konzepte bilden für eine kontextorientierte Beratung und generell für psychosoziale Berufe und Tätigkeitsfelder ein maßgebliches Fundament. Für die Beratung sind weitere Disziplinen einzubeziehen, um die Komplexität der Lebenswirklichkeit von Klienten und Klientinnen angemessen erfassen und beratend handeln zu können. Gerade die kontextuelle Ausrichtung, die die Vielfalt in der Gestaltung und Handhabung von Lebensführung aufnimmt, gibt der Beratung die professionelle Position und Kontur. Dies wäre missverstanden, wenn nur vordergründig an den Umweltbedingungen von Menschen und Lebenslagen gearbeitet würde. Vielmehr muss Beratung auch die psychodynamischen Aspekte erklärend und interventiv einbeziehen können. Aus den verschiedenen Therapierichtungen ist viel methodologisches Erfahrungswissen entstanden, das es in einer Passung zu den Fragen nach Lebensgestaltung und Bewältigung von Lebensanforderungen im Beratungssetting zu nutzen gilt.
Franz-Christian Schubert, Dirk Rohr, Renate Zwicker-Pelzer

Backmatter

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