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27.11.2023 | Cloud Computing | Im Fokus | Online-Artikel

Finanzdienstleister sind noch nicht "cloud native"

verfasst von: Angelika Breinich-Schilly

4 Min. Lesedauer

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Neun von zehn Finanzdienstleistern befinden sich bereits in der Cloud-Transformation, betätigt ein aktueller Report. Für rund die Hälfte der Banken und Versicherer hat die Reise in der Datenwolke aber erst begonnen.

Das Gros (91 Prozent) der Banken und Versicherungsunternehmen nutzt bereits Cloudanwendungen. Das belegt das erste "World Cloud Report - Financial Services" des Capgemini Research Institute von Mitte November. Im Jahr 2020 war das nur bei 37 Prozent der Finanzanbieter der Fall. Allerdings sagen gut 50 Prozent der Finanzdienstleister, dass sie "nur einen minimalen Teil ihrer Kerngeschäftsanwendungen in die Cloud verlagert haben".

Cloud soll agiler und flexibler machen

Fast jede neunte (89 Prozent) Führungskraft im Finanzdienstleistungssektor sagt, dass eine cloudfähige Plattform entscheidend ist, um die Agilität, Flexibilität, Innovation und Produktivität zu gewährleisten. Doch als "cloud native" seien die meisten Unternehmen nicht einzustufen. Viele konzentrierten sich auf einen Lift-and-Shift-Ansatz, der die Vorteile der Skalierbarkeit und Flexibilität von cloudbasierten Systemen nicht voll ausschöpft.

Der Report nutzt globale Daten und Analysen zweier Umfragen sowie die Ergebnisse von mehr als 30 Interviews mit Führungskräften aus der Finanzbranche sowie Hyperscalern und Cloud-Technologieanbietern. Außerdem sind Beiträge von Capgemini-Experten aus mehr als 20 Ländern in die Bewertung eingeflossen. Die Erhebung konzentriert sich auf die Märkte in den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien, die Niederlande, den VAE, Singapur, Hongkong, Japan, China, Indien sowie Australien. 

Kostenersparnis nicht in den Fokus rücken

Für die Finanzdienstleister sei es mittlerweile keine Option mehr, die Cloud zu ignorieren, betont Armin Schübel, Head of Cloud for Financial Services Germany bei Capgemini. Dabei dürfe die Cloud-Transformation nicht nur auf Kosteneinsparungen zielen, sondern müsse sich darauf konzentrieren, Innovationen voranzutreiben, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. 

Unternehmen, die sich um die Anpassung und Implementierung von generativer Künstlicher Intelligenz (KI) bemühen, müssen sich darüber im Klaren sein, dass ohne cloudfähige Systeme keine zukünftigen KI-Vorteile realisiert werden können", warnt Schübel. 

Mit einem effektiven Cloud-Betriebsmodell lasse sich "das volle Potenzial dieser transformativen neuen Technologien nutzen". 

Die Cloud als Basis für KI-Nutzung

Bereits 62 Prozent der Finanzdienstleister setzen KI-Tools ein und wollen diese Technologie in den nächsten zwei Jahren in der gesamten Wertschöpfungskette nutzen. Dennoch findet KI, einschließlich generativer KI und maschinellem Lernen, in der Branche noch nicht in großem Umfang Anwendung. Die Studienergebnisse zeigen, dass ein Großteil der Cloud-Investitionen in moderne, benutzerfreundliche und kundenorientierte Anwendungen auf Basis von KI geflossen ist. Weniger wurde hingegen in Back-End-Kernverarbeitungssysteme investiert, die Inputs für verbraucherorientierte Front-End-Anwendungen liefern. Das führe zu einer schlechten Nutzererfahrung, resümieren die Studienautoren.

Trotz der Einsatzmöglichkeiten, die die Datenwolke den Banken und Versicherern nicht zuletzt beim Einsatz von KI oder auch im Nachhaltigkeitsbereich verspricht, scheitert so manches Projekt an Sicherheitsbedenken und Kosten. Zwei Drittel (68 Prozent) sehen in der Datensicherheit ein Hindernis für die Einführung von Cloud-Lösungen, während 51 Prozent die hohen Betriebs- und Transformationskosten als potenzielle Hindernisse fürchten. 

Moderene Back-up-Strategien entscheidend

Für Matthias Frühauf, Regional Vice President für Veeam Software in Deutschland, steht fest: "Die Verschiebung der IT-Landschaft hin zu hybriden Infrastrukturen bestehend aus Cloud, Rechenzentren, Virtual Machines (VMs) und Kubernetes-Container erfordern den Einsatz einer modernen Back-up-Strategie."

Im Gespräch mit der Zeitschrift "Bankmagazin" erläuterte der Experte im Sommer 2023 die Notwendigkeit für moderne, flexible und zuverlässige Datensicherungslösungen. Es sollte keinen Vendor Lock-in geben, sonst lasse sich ein Service oder ein verwendetes Produkt kaum durch die Lösung eines anderen Anbieters ersetzen. "Hier ist zu beachten, dass vertragliche Beschränkungen ebenfalls zu einem Vendor Lock-in führen können."

Allerdings führe die Angst vor komplizierten Daten-Migrationsprozessen im Bereich der Cloud aber häufig zu einem freiwilligen Abhängigkeitsverhältnis. Wichtig sei daher eine Exit-Strategie, "um geordnet aus dem Cloud-Service aussteigen zu können, sollte das notwendig werden", rät Frühauf. 

Unabhängiger mit der Sovereign Cloud

Laut Capgemini-Studie nennen 45 Prozent Vorschriften, wie etwa die Datenhoheit, als weiteren Faktor, der Herausforderungen mit sich bringen kann. Laut dem Digital Operational Resilience Act (DORA) müssen Finanzinstitute in der Europäischen Union "die erforderlichen Systeme, Protokolle und Tools implementieren, dokumentieren und aufrechterhalten, um ausreichende Zuverlässigkeit, Kapazität und Ausfallsicherheit zu gewährleisten". 

Die Sovereign Cloud, die Ländern eine sichere und unabhängige Cloud-Computing-Infrastruktur zur Verfügung stellt, um den Datenschutz und die Souveränität zu gewährleisten, entwickele sich daher schnell zu einer gängigen Bereitstellungsoption. Um diese Bedenken auszuräumen, gaben 39 Prozent der Führungskräfte an, dass sie Public Clouds bevorzugen, 49 Prozent bevorzugen Private Clouds, und die verbleibenden zwölf Prozent halten Hybrid Clouds für die beste Option.

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