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Über dieses Buch

Mit dem Buch der Klänge führt uns der britische Wissenschaftler Trevor Cox in verborgene Hörwelten. Es weckt in uns das Verlangen, in einem Alltag, in dem das Visuelle so sehr dominiert, doch einmal genauer hinzuhören – und unsere Ohren für das wunderbare Klangdurcheinander um uns herum zu öffnen.

Als Fachmann für technische Akustik hat sich Trevor Cox lange damit beschäftigt, unerwünschte Geräusche verschwinden zu lassen, ob Echos in Konzertsälen oder Lärm in Klassenzimmern. Eines Tages aber verschaffte ihm ein Ausflug in die Londoner Kanalisation ein erstaunliches Hörerlebnis – und die Erkenntnis: Statt seltsame Geräusche abzustellen, sollten wir die seltsamsten und bizarrsten akustischen Effekte zu schätzen lernen: als die Klangwunder unserer Erde.

Das Buch der Klänge beschreibt seine Suche nach diesen Klangwundern. In der Mojave-Wüste besucht Cox singende Dünen. In Frankreich entdeckt er ein Echo, das zu Scherzen aufgelegt ist. In Kalifornien fährt er eine „singende“ Straße entlang, die die Ouvertüre zu Wilhelm Tell erklingen lässt (wenn auch ziemlich schief). Und eine Entdeckung ist so beeindruckend, dass sie einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde verdient hat.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Prolog

Wer hätte gedacht, dass man manchmal in einen schmutzigen Regenwasserkanal hinuntersteigen muss, um eine überraschende Klang-Kostbarkeit zu entdecken? Genau an einem solchen Ort kam Trevor Cox die Erkenntnis, dass unbeabsichtigte oder unerwünschte akustische Effekte (die er als Raumakustiker normalerweise ausmerzt) manchmal wahre Klangwunder sind. Doch in unserer visuell dominierten Welt müssen wir erst einmal wieder lernen, genau hinzuhören, etwa mit Übungen zum „Ear Cleaning“ oder bei einem Klangspaziergang. Unsere Ohren sind zwar ständig auf Empfang, aber wir hören nur das bewusst, worauf sich unsere Aufmerksamkeit richtet. Und genau das will Cox: unsere so auf visuelle Reize konzentrierte Aufmerksamkeit auf die reiche Vielfalt der Klänge in unserer Welt lenken.
Trevor Cox

2. Der längste Nachhall der Erde

Auch ungeübte Ohren können das Phänomen des Nachhalls (mit dessen Erforschung die Disziplin der Raumakustik Ende des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm) sofort erkennen. Wenn ein Geräusch mit Verzögerung verebbt, wirkt das verstärkend und es entsteht ein Empfinden von räumlicher Größe, doch ist ein zu langer Nachhall oft unerwünscht – etwa in Hörsälen oder Konzerthallen. Welcher Ort mag den längsten Nachhall der Erde haben? Ist es tatsächlich die Kapelle des Hamilton Mausoleum in Schottland, wie das Guinness-Buch der Rekorde von 1970 vermerkt? Trevor Cox begibt sich auf eine abenteuerliche Suche, die ihn an sehr ungewöhnliche Orte führt.
Trevor Cox

3. Klingendes Gestein

Schon unsere frühen Vorfahren haben ungewöhnliche Klänge bemerkt und diese genutzt, davon zeugen prähistorische Artefakte wie die berühmten „Gongsteine“ der Serengeti. Instrumente aus Stein haben eine sehr lange Tradition. Welche Eigenschaften sind es, die einen Stein zum Klingen bringen? Auch natürliche Gesteinsformationen wie Höhlen sowie frühe Bauwerke wie Großsteingräber oder der berühmte Steinkreis von Stonehenge haben ihren ganz eigenen Klang. Allerdings ist es heute oft schwer nachzuvollziehen, wie die Akustik zur Entstehungszeit dieser Monumente war – unter anderem deshalb, weil sie im Lauf der Jahrtausende große Veränderungen erfuhren oder moderne Schutzmaßnahmen die Akustik verfälschen. Und wer kann heute sagen, ob die Maya ihre Pyramiden absichtlich so konstruierten, dass das Echo von deren Treppen wie der Ruf des Quetzal klingt?
Trevor Cox

4. Bellende Fische

Tierlaute sind ein wichtiger Bestandteil unseres Bezugs zur Natur. Bestimmte Geräusche wie das Summen von Bienen oder Grillenzirpen wecken vielleicht Erinnerungen an die Kindheit oder einen schönen Urlaub, und der Klang vertrauter Vogelstimmen vermittelt das Gefühl von Heimat. Natureindrücke wirken sich (welche Überraschung!) wohltuend auf uns aus, senken den Stresspegel und fördern sogar die Genesung nach einer Operation. Allerdings befassen sich entsprechende Studien vor allem mit visuellen Eindrücken der Natur. Dabei sind es oft gerade die Naturgeräusche, die eine starke Wirkung auf uns entfalten – das machen sich nicht zuletzt die Tonspezialisten in Hollywood zunutze. Manche Tiere produzieren regelrechten Lärm, und auch unter Wasser ist es alles andere als still: Lautstarke Knallkrebs-Kolonien etwa behinderten im Zweiten Weltkrieg die Ortung feindlicher U-Boote. Da praktisch jedes im Wasser lebende Tier vornehmlich akustisch kommuniziert, stellt menschengemachter Unterwasserlärm inzwischen ein riesiges Problem dar.
Trevor Cox

5. Echos aus der Vergangenheit

„Wie heißt der Bürgermeister von Wesel?“ Um Echos ranken sich schon seit jeher die tollsten Geschichten, und viele Echos – definitionsgemäß nichts weiter als die verzögerte Wiederholung eines Schallereignisses – haben es zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Viele angebliche Effekte, wie das so genannte vielfältige Echo, gehören allerdings ins Reich der Legende. Echos – ob in Gebäuden oder in der Natur – sind oft unterhaltsam und manchmal auch störend. Sie vermitteln uns ein Gefühl für den umgebenden Raum, und viele Tierarten (neben den Fledermäusen unter anderem Vögel wie der Fettschwalm) nutzen die Echoortung, um sich im Dunkeln zu orientieren. Derselben Technik bedienten sich gelegentlich auch Seeleute, und mancher Blinde beherrscht ebenfalls die Kunst, sich mithilfe von Klicks ein hörbares Bild von seiner Umgebung zu machen. Echos lassen sich sogar nutzen, um Verstopfungen in Abwasserkanälen zu lokalisieren!
Trevor Cox

6. Um die Ecke

Gewölbte Flächen können Schallwellen sozusagen um die Ecke lenken und verstärken, was manchmal erwünscht ist und manchmal nicht (etwa, wenn durch einen solchen Effekt in einer Kirche die geflüsterten Beichtgeheimnisse für jeden bestens hörbar sind). Akustische Hohlspiegel und Teleskope machen sich dieses Phänomen zunutze, aber ist eine historische Schilderung, nach der das geblähte Segel eines Schiffes 160 Kilometer vor der Küste den Klang von an Land läutenden Glocken eingefangen hat, tatsächlich glaubwürdig? Durchaus möglich. Im Jahr 2005 sorgte eine Inversionswetterlage dafür, dass die Explosion eines englischen Öllagers noch im 270 Kilometer entfernten Belgien zu hören war. Trevor Cox beschreibt, wie man solchen Effekten in Gebäuden entgegenwirkt und wo man diese akustischen Schätze besser erhält – was wäre schließlich das Mapparium in Boston, ein begehbarer Globus, ohne seine Akustik, die nun wirklich jedem Besucher Streiche spielt? Und die St Paul’s Cathedral in London wäre ohne ihre berühmte Flüstergalerie um eine Touristenattraktion ärmer.
Trevor Cox

7. Singender Sand

In der Natur ist ständig alles in Bewegung, und dabei entstehen die unterschiedlichsten Geräusche. Eines der ungewöhnlichsten Phänomene ist wohl das der singenden Dünen, dem Trevor Cox in der Mojave-Wüste auf der Spur ist. Ihr „Gesang“ ähnelt allerdings eher einem lauten Dröhnen, und manchmal lassen sie sich auch nicht mehr entlocken als ein – pardon – Rülpsen. Im Vergleich zum Sand ist Wasser eine ungleich vielfältigere Quelle von Wohl- und Missklängen. Wodurch entsteht das Geräusch eines Wasserfalls oder murmelnden Bachs? Wer schon einmal bei Sonnenuntergang einem zugefrorenen See gelauscht hat, weiß, dass auch Eis die unterschiedlichsten Klänge hat. Bevor Menschen die Klangphänomene der Natur verstehen konnten, schufen sie vielerlei Mythen zu deren Erklärung – der Donner ist dafür ein gutes Beispiel. Erstaunlich lange erkannte man nicht, dass Blitz und Donner miteinander im Zusammenhang stehen. Erdbeben können ebenfalls ein beängstigendes Donnergrollen entstehen lassen. Und das lauteste natürliche Geräusch, das Menschen je hörten, lässt jeden Überschallknall geradezu leise wirken – es war die Explosion des Vulkans Krakatau im Jahr 1883, die noch in 5.000 Kilometern Entfernung vernehmbar war.
Trevor Cox

8. Die tiefste Stille

Stille ist heute ein kostbares und seltenes Gut geworden, und es gibt nur noch wenige Orte, wo man sie in natürlicher Umgebung erleben kann. Garantierte Stille bietet ein reflexionsarmer Raum, wie ihn viele Forschungseinrichtungen besitzen. Das völlige Fehlen von Hintergrundgeräuschen löst jedoch bei Besuchern oft Unbehagen aus – und auch der stillste Ort Englands wirkte auf Trevor Cox eher öde, weil Naturgeräusche fehlten. John Cage schuf 1952 das Stück 4’33“, seine berühmte Stille-Komposition, die Künstler und Publikum ein intensives, bewusstes Hörerlebnis beschert. Ohnehin zählen moderne Konzertsäle mit ihrer aufwändigen Schallisolierung zu den stillsten Orten überhaupt. Auf der Bühne und im Film sind Momente der Stille machtvolle Instrumente, um eine besondere Stimmung zu erzeugen oder das Publikum zu überraschen. Im Weltraum herrscht absolute Stille, in Raumschiffen oder der Internationalen Raumstation dagegen ungesunder Lärm – so wie oft auch in unseren Städten. Wie lassen sich dort Orte der Stille, oder besser: der Ruhe schaffen?
Trevor Cox

9. Orte und ihre Klänge

Wir machen es uns nur selten bewusst, aber unser Bild von einem Ort und unsere Erinnerung daran sind nicht nur von den visuellen, sondern auch den klanglichen Eindrücken geprägt, die wir dort gesammelt haben. Typische „Hörenswürdigkeiten“, wie Lothar Cremer sie nannte, sind berühmte Klangwahrzeichen wie der Glockenschlag von Big Ben in London (von dessen Eigenschaften sich Trevor Cox in luftiger Höhe einen persönlichen Eindruck verschaffte) und Klangkunstwerke, von denen es allerdings nicht allzu viele gibt. Eines davon ist die Flutorgel in Blackpool, die von den Gezeiten „gespielt“ wird. Wie entsteht der typische Klang von Glocken oder Instrumenten, wie verarbeitet unser Gehirn die gehörten Töne und wieso entwickelte der Mensch überhaupt eine Vorliebe für Musik? Fest steht jedenfalls, dass Glockengeläut stets eine ganz eigene Wirkung auf uns ausübt und vielerorts traditionell eine besondere Funktion erfüllt. Somit erschließt es sich schneller als Klangkunstwerke, die mit akustischen Effekten spielen und vom Besucher Aufmerksamkeit und manchmal auch Toleranz fordern. Manche Klangkunst entpuppt sich zudem als regelrechte Tortur, wie die „singende Straße“ in Kalifornien, die ein Thema aus der Ouvertüre zu Wilhelm Tell reichlich schief wiedergibt.
Trevor Cox

10. Klangwunder der Zukunft

Unsere Alltags-Klangwelt verändert sich rapide. Digitale Geräte ahmen die Funktionsgeräusche ihrer analogen Vorgänger nur noch nach, um vertrauter auf uns zu wirken, und auf den Straßen sind immer mehr Elektroautos mit künstlichen Fahrgeräuschen unterwegs. Unsere klangliche Nostalgie gilt vor allem vertrauten Geräuschen des Alltags, die Erinnerungen in uns wecken. Wie werden die Klangwunder der Zukunft sein? Sie werden wohl größtenteils von Menschenhand geschaffen sein – vielleicht sind es Ruinen, verlassene Industriebauten oder verwaiste Militäreinrichtungen? Viele einzigartige Klänge von heute drohen für immer zu verschwinden. Höchste Zeit also, zumindest ihre akustische Signatur zu dokumentieren und für die Zukunft zu bewahren. Genau dies hatte man getan, bevor das Teatro La Fenice in Venedig niederbrannte – Glück im Unglück, denn anhand dieser Aufnahmen konnte man die Originalakustik des berühmten Theaters beim Wiederaufbau rekonstruieren. Was mag die Zukunft mit sich bringen? Trevor Cox jedenfalls meint: Wenn wir alle den Klangwundern dieser Welt zuhören und ihnen Aufmerksamkeit schenken würden, wäre das der Beginn einer besser klingenden Welt.
Trevor Cox

11. Anmerkungen

Trevor Cox

Backmatter

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