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Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

0. Vorbemerkung

Zusammenfassung
Die vorliegende Studie ist die überarbeitete, gekürzte und aktualisierte Fassung meiner am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften im Sommersemester 2002 verteidigten politikwissenschaftlichen Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde. Sie wurde eingereicht und angenommen unter dem Titel „Demokratie und Judenbild: Antisemitismus in der zeitgenössischen politischen Kultur“. Vom Beginn ihrer Konzipierung im Jahre 1998, als Studie zur öffentlichen Auseinandersetzung mit Antisemitismus in der politischen Kultur und zu Mobilisierungsversuchen eines politischen Antisemitismus im vereinigten Deutschland im Zeitraum 1990 – 2000, bis zu ihrer Fertigstellung im Jahre 2002 haben sich manche ihrer Teil-Untersuchungsgegenstände selbst durch neuere, markante öffentliche Debatten erst ergeben, wie auch verschoben und modifiziert. Der Aktualität und der Bedeutung wegen, die diese jüngsten Auseinandersetzungen und die jüngeren rechtspopulistischen parteipolitischen Mobilisierungsversuche für den Prozess des Umgangs mit antisemitischen Vorurteilen in der politischen Kultur sowie für die Bewertung ihrer zeitgenössischen politischen Gelegenheitsstrukturen zu haben scheinen, habe ich jene neuesten Entwicklungstendenzen in den empirischen Teil ebenso mit einbezogen wie neue Erhebungen, und deshalb den Untersuchungszeitraum bis auf das Jahr 2002 erweitert.
Lars Rensmann

I. Einleitung: Zur Erforschung des Antisemitismus in der politischen Kultur der Gegenwart

Zusammenfassung
Judenfeindlichkeit ist in jüngerer Zeit wieder verstärkt zum Gegenstand öffentlicher Debatten geworden. Antisemitismus ist somit erneut in den Fokus der politischen Kultur gerückt, entgegen weithin gängiger Beschwörungen, es handele sich nur um ein Problem der Vergangenheit. Hierzu haben ein seit der deutschen Vereinigung zu verzeichnender, insgesamt und gerade in jüngster Zeit fortschreitender Anstieg antisemitischer Delikte1, breitere öffentliche Debatten über die nationalsozialistischen Verbrechen und deren politisch-moralische Bewertung sowie nicht zuletzt die jüngeren politischen Diskussionen zum Antisemitismus im Vorfeld der Bundestagswahl 2002 und, vor allem seit Beginn des neuen Jahrtausends, zu Israel respektive dem ‚Nahost-Konflikt’ beigetragen, welchen Antisemiten seit je vielfach als Medium nutzen, um ehedem versteckte oder latente Vorurteile öffentlich zu machen. Das Problem des Antisemitismus, der als solcher in der liberalen Demokratie nach wie vor als illegitim gilt, ist mittlerweile selbst wieder zunehmend Gegenstand parteipolitischer Auseinandersetzungen, ja parlamentarischer Debatten im Bundestag2 geworden, und er hat nunmehr erstmals in einem Wahlkampf einer etablierten demokratischen Partei eine zeitweise zentrale Rolle gespielt.3
Lars Rensmann

II. Theoretische Modelle: Motive, Ursachen und Formen zeitgenössischer Judenfeindlichkeit nach dem Holocaust und die Demokratie

Zusammenfassung
Im Folgenden soll ein kurzer Abriss der Begriffe und Kriterien von ‚Antisemitismus’ (2.1) sowie unterschiedlicher theoretischer Zugänge zu seiner Deutung in der politologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung (2.2) gegeben werden. Dabei werden auch die Grenzen bisheriger Erklärungskonzepte aufgezeigt. Vor diesem Hintergrund werden darauf folgend ‚klassische Theoreme’ der Politischen Psychologie zum Antisemitismus, i.e. der Kritischen Theorie, rekonstruiert und als komplexe, nicht-monokausale Theoreme verteidigt (3.). Diese analytischen Theoreme werden dann anschließend mit neueren, teils konvergierenden, teils konkurrierenden Modellen der Politikwissenschaft, Sozialpsychologie, Gesellschaftstheorie und politischen Kulturforschung unterfüttert und schließlich in einem multifaktoriellen Modell zu Ursprüngen, Motiven und Variablen der politischen respektive politisch-kulturellen Gelegenheitsstruktur von Antisemitismus in der Demokratie verankert und konzeptionalisiert (4.).
Lars Rensmann

III. Empirische Analysen: Politische Mobilisierungen, Dynamiken und Wirkungen von Antisemitismus in der politischen Kultur

Zusammenfassung
Das Problem des Antisemitismus und korrespondierender kollektiv-identitärer Konstruktionen ist bereits ausführlich strukturanalytisch untersucht worden. Den Analysen zu Formen des modernisierten politischen Antisemitismus in der Demokratie und der Untersuchung der öffentlichen Diskurse werden nun nochmals zwei Ebenen vorangestellt, die den poutisch-kulturellen und politisch-historischen Kontext gegenwärtiger Gelegenheitsstrukturen von Antisemitismus empirisch situieren.
Lars Rensmann

IV. Resümee und Forschungsperspektiven

Zusammenfassung
In dieser Untersuchung wurden theoretische Konzeptionalisierungen und Parameter zur Erforschung von antijüdischen Stereotypen und antisemitischen politischen Mobilisierungsversuchen in der demokratischen politischen Kultur entwickelt und in die politikwissenschaftliche Forschung überfuhrt. Fünf Dimensionen zur Analyse der zeitgenössischen politisch-kulturellen Gelegenheitsstrukturen, d.h. der spezifischen politischen, kulturellen und diskursiven Ermöglichungsbedingungen und Chancen politischer Mobilisierungen, standen im Zentrum dieser Studie: (1) die Struktur und Bedeutung antisemitischer Ideologeme und politischer Angebotsstrukturen insbesondere der extremen Rechten; (2) die Reaktionsformen demokratischer Akteure, des politischen Systems und des Rechtssystems, der staatlichen Institutionen und der demokratischen Parteien; (3) die politischen Kommunikations- und Verarbeitungsprozesse im weiteren Sinn, einschließlich der Medien und weiterer intermediärer Akteure, insbesondere in Bezug auf öffentliche Konflikte und Diskurse zum Thema oder zu angrenzenden Themenbereichen; (4) die politischen Orientierungen und politisch-kulturellen Reservoirs von bestimmten Judenbildern, antisemitischen Stereotypen und ethnischnationalen kulturellen Identifizierungen im Elektorat sowie (5) die sozialen und sozio-kulturellen Bedingungen, Transformations- und Modernisierungsprozesse und die mit ihnen verbundenen neuen soziokulturellen Konfliktlinien.
Lars Rensmann

V. Literatur

Ohne Zusammenfassung
Lars Rensmann
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