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Über dieses Buch

In diesem Open-Access-Sammelband fassen die besten Studierenden der Universität St. Gallen die wichtigsten Ergebnisse von ausgewählten Publikationen in führenden wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften zusammen. Damit wird der Austausch zwischen wissenschaftlichen Nachwuchstalenten, Entscheidungsträgern und der Öffentlichkeit gefördert und über neue Erkenntnisse der Wissenschaft informiert. Information: www.unisg.ch/economics-nextgeneration

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Einleitung

Frontmatter

Open Access

Politik und Wirtschaft im Wandel

Globalisierung, Innovation und Alterung der Gesellschaft treiben den wirtschaftlichen Wandel voran. Der Aufstieg Chinas pflügt die Weltwirtschaft um, die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt. Welche neuen Herausforderungen ergeben sich für die Wirtschaftspolitik?

Christian Keuschnigg, Michael Kogler

Wachstum durch Strukturwandel: Bildung, Innovation, und wettbewerbsfähige Unternehmen

Frontmatter

Open Access

Eine Top-Uni für eine Top-Karriere: Wer profitiert?

Das Renommee der Eliteuniversitäten ist enorm. Ihre Alumni schaffen es in die Top 1 % der Einkommen und dominieren das Who is Who in Wirtschaft und Gesellschaft. Doch wer profitiert von der Eliteausbildung? Ist Talent entscheidend, oder die Abstammung von einem einflussreichen Elternhaus? Fördern die Eliteuniversitäten die Chancengleichheit und den sozialen Aufstieg, oder tragen sie gar zur Zementierung der Ungleichheit bei? Es scheint, dass die Bedeutung von Beziehungen für die Karriere nicht in allen Studiengängen gleich wichtig ist. Der Erfolg einer Management-Karriere hängt scheinbar mehr von Beziehungen ab als in anderen Studienrichtungen. Die Pflege des Beziehungsnetzes profitiert von einem vorteilhaften sozialen Hintergrund und geht von ganz alleine. Umso grösser ist die Herausforderung der Politik, diesen Vorteil zu kompensieren und auf Chancengleichheit hinzuwirken, und der Eliteuniversitäten, ihr Beziehungsnetzwerk allen zu öffnen.Zimmerman, Setz D. (2019), Elite Colleges and Upward Mobility to Top Jobs and Top Incomes, American Economic Review 109, 1–47.

Thomas Schiller

Open Access

Mehr Bildungsrendite mit richtiger Studienwahl

Damit staatliche Investitionen in die Hochschulbildung möglichst viel Wirkung entfalten, kommt es sehr darauf an, dass jeder nach seinen Fähigkeiten und Neigungen das passende Studium verwirklichen kann. Wenn der Staat in höhere Kapazitäten investiert und mehr Studienplätze in einer Fachrichtung mit hoher Bildungsrendite schafft, können mehr Studienwerber ihre erstbeste Wahl in diesem Fach verwirklichen und so zu mehr Einkommen und Lebenszufriedenheit kommen. Weil sie von anderen Fachrichtungen in ihr bevorzugtes Fach wechseln, werden andernorts Studienplätze frei. Mindestens so wichtig für die gesamtwirtschaftliche Rendite von Bildungsinvestitionen sind die Gewinne der «Aufrücker», welche mit den frei werdenden Studienplätzen ihre nächst bessere Studienwahl realisieren können. Auch ihre Einkommensgewinne sollten in einer gesamtwirtschaftlichen Beurteilung von Bildungsinvestitionen mitzählen.Kirkeboen, Lars J., Edwin Leuven und Magne Mogstad (2016), Field of Study, Earnings and Self-selection, Quarterly Journal of Economics 131(3), 1057–1112.

Valentine Huber

Open Access

Wie hoch ist die Rendite privater Forschung?

Mit privater Forschung und Entwicklung bauen die Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit aus und steigern Innovation und Wachstum der Gesamtwirtschaft. Dabei lernen und profitieren sie von den F&E-Erfolgen und Erkenntnissen ihrer Mitbewerber mit ähnlicher technologischer Ausrichtung. Wenn dagegen die Konkurrenten auf den Absatzmärkten aufrüsten und Marktanteile besetzen, ist es für die Absatzchancen und den eigenen F&E-Ertrag weniger gut bestellt. Die Forschung zeigt jedoch, dass die Vorteile privater F&E für andere Unternehmen deutlich überwiegen. Daher ist die F&E-Rendite für die gesamte Wirtschaft viel höher als die private Rendite eines einzelnen Unternehmens. Wenn die Rendite gering ist, investiert man weniger. Die Gesellschaft kann viel gewinnen, wenn sie private F&E erleichtert und unterstützt.Brian Lucking, Nicholas Bloom und John Van Reenen (2018), Have R&D Spillovers Changed? NBER Working Paper No. 24622.

Flurina Mark

Open Access

F&E-Steueranreize stärken Unternehmensgründungen

Mit innovativen Ideen erlangen junge Unternehmen Wettbewerbsvorteile und legen den Grundstein für weiteres Wachstum. Sie schaffen überdurchschnittlich viele Arbeitsplätze und tragen zur Erneuerung der Wirtschaft bei. F&E-Steueranreize helfen, Finanzierungsengpässe zu überwinden und regen die Gründungsaktivitäten an. Regionen mit F&E-Steueranreizen können daher mehr Gründungen verzeichnen als andere. Damit können Staaten und Regionen nicht nur das innovationsgetriebene Wachstum beschleunigen, sondern auch ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.Fazio, Catherine, Jorge Guzman und Scott Stern (2019), The Impact of State-Level R&D Tax Credits on the Quantity and Quality of Entrepreneurship, NBER WP 26099.

Gerald Gogola

Wachstum durch Strukturwandel: Kapitalmärkte, Banken und Strukturwandel

Frontmatter

Open Access

Wettbewerbliche Banken fördern das Wachstum

Was nützen die besten Ideen, wenn Investitionen und neue Jobs mangels Zugang zu Bankkrediten nicht zustande kommen? Wachstum und Innovation brauchen einen leistungsfähigen Finanzsektor. Wettbewerb regt auch die Banken zu Höchstleistungen an. Indem sie mehr Informationen über ihre Kunden sammeln und ihre Prozesse bei der Auswahl und anschliessenden Überwachung optimieren, gelingt es ihnen besser, die besonders vielversprechenden Unternehmen zu identifizieren. Dadurch, dass die Banken die Kreditvergabe vor allem auf die innovativen und profitablen Unternehmen mit hohem Wachstumspotential lenken, fördern sie die Produktivitätssteigerungen und das Wachstum der Realwirtschaft.Bai, J., D. Carvalho, und G. M. Phillips (2018), The Impact of Bank Credit on Labor Reallocation and Aggregate Industry Productivity, Journal of Finance 63(6), 2787–2836.

Verena Maria Konzett

Open Access

Wie Banken den Strukturwandel finanzieren

Wenn die Produktivität hoch sein soll, müssen Arbeit und Kapital dorthin wandern, wo die Erträge hoch und die Zukunftsperspektiven gut sind, und dürfen nicht dort verharren, wo Beschäftigung und Einkommen unsicher sind. Innovatives Wachstum löst einen andauernden Strukturwandel kreativer Zerstörung aus. Dieses Wachstum kann sich erst entfalten, wenn der Strukturwandel gelingt. Schwache Unternehmen dürfen nicht länger Marktanteile besetzen und damit das Wachstum der produktiven Unternehmen bremsen. Banken dürfen faule Kredite an wenig wettbewerbsfähige Unternehmen nicht weiter verlängern, sondern müssen sie fällig stellen und teilweise abschreiben, damit sie die Kreditvergabe auf die Wachstumsunternehmen lenken können. Schwache Banken mit wenig Eigenkapital können den Strukturwandel nicht finanzieren, weil die dabei auftretenden Verluste ihre Mindestkapitalausstattung gefährden. Nicht nur die Finanzstabilität, sondern auch das Produktivitätswachstum setzt einen starken Bankensektor mit robuster Kapitalausstattung voraus.Schivardi, Fabiano, Enrico Sette und Guido Tabellini (2017), Credit Misallocation During the European Financial Crisis, CEPR DP 11901.

Christina Maier

Open Access

Bessere Steueranreize für Banken

Eigenkapital ist teuer. Daher haben die Banken einen Anreiz, beim Eigenkapital zu sparen, und finanzieren sich lieber mit Spareinlagen und anderem Fremdkapital. Mit geringeren Finanzierungskosten ist es leichter, den Kunden im Wettbewerb bessere Konditionen anbieten zu können. Die Besteuerung fördert die Verschuldung der Banken zusätzlich. Mit dem Zinsabzug wird das Fremdkapital steuerlich entlastet, das risikotragende Eigenkapital jedoch nicht. Das fördert die Verschuldung der Banken und Unternehmen und trägt zur Krisenanfälligkeit bei. Die Bankenregulierung will mit höheren Kapitalstandards die Eigenkapitalausstattung und damit die Krisenrobustheit des Bankensektors stärken. Da macht es wenig Sinn, wenn der Staat mit dem steuerlichen Schuldenanreiz das genaue Gegenteil tut.Martin-Flores, Jose und Christophe Moussu (2018), Is Bank Capital Sensitive to a Tax Allowance on Marginal Equity? Erscheint in: European Financial Management, doi: 10.1111/eufm.12163 .

Laurenz Grabher

Open Access

Mehr Sicherheit mit zentraler Bankenaufsicht

Die Wirtschaft braucht Kredit, und die Gesellschaft mehr Sicherheit. Die Banken müssen in der Kreditvergabe auf Ertrag und Risiko gleichzeitig achten. Damit die Regulierung effektiven Schutz bieten kann, muss die Bankenaufsicht die Einhaltung der Vorschriften überwachen und frühzeitig das Entstehen übermässiger Risiken aufdecken. In der Bankenunion kann eine zentrale Aufsicht eher für gleich lange Spiesse im europaweiten Wettbewerb der Banken sorgen, kann unabhängiger als nationale Aufsichtsbehörden agieren, und dank besserer Ressourcen auch komplexe Grossbanken wirksam beaufsichtigen. So wird die Kreditvergabe sicherer, indem die Banken angehalten sind, faule und riskante Kredite zügig abzubauen und mehr Kredit auf die produktiveren Unternehmen mit besseren Aussichten lenken.Christian Keuschnigg und Michael Kogler, Herausgeber.Altavilla, Carlo, Miguel Boucinha, José-Luis Peydró, und Frank Smets (2020), Banking Supervision, Monetary Policy and Risk-Taking: Big Data Evidence from 15 Credit Registers, CEPR Discussion Paper Nr. 14288.

David Gmür

Open Access

Wie innovative Start-ups zu Kapital kommen

Innovative Jungunternehmen brauchen dringend Risikokapital. Die Kreditgeber sind zurückhaltend, verlangen Sicherheiten und wollen verlässliche Hinweise auf gute Erfolgsaussichten sehen. Aber das Risiko ist hoch und der Erfolg auf dem Markt ungewiss. Wie können innovative Start-ups zu Kapital kommen? Verwertbare Patente dienen als Sicherheit and schaffen Zugang zu Kredit. Erfahrene Wagnisfinanziers können besser als andere die Erfolgschancen beurteilen und sind eher bereit, sich zu engagieren. Darauf können auch andere Kreditgeber vertrauen. Wagniskapital hilft gleich zweimal. Die Wagniskapitalisten geben selber Beteiligungskapital. Sie geben auch anderen Kapitalgebern das notwendige Vertrauen, damit diese weitere Finanzierung bereitstellen. Deshalb ist ein aktiver Markt für Wagniskapital in einer innovativen Wirtschaft so wichtig.Hochberg, Yael, Carlos Serrano and Rosemarie H. Ziedonis (2018), Patent Collateral, Investor Commitment, and the Market for Venture Lending, Journal of Financial Economics 130, 74–94.

Roberta Maria Koch

Open Access

Seriengründer: Erfolg macht erfolgreich

Innovative Unternehmensgründungen erneuern die Wirtschaft. Aber vielen Gründern mangelt es an Kapital, an unternehmerischem Knowhow und an Erfahrung. Das Risiko ist gross, nicht alle Start-ups haben das gleiche Potenzial, und nicht jede Gründung lohnt für die Gesellschaft. Um die neuen Start-ups mit den besten Aussichten herauszufiltern und auf Erfolg zu trimmen, braucht es leistungsfähige Wagniskapitalgeber. Sie geben Kapital erst nach sorgfältiger Auswahl und leisten Beratung und Überwachung. Aber das Neue ist auf dem Markt noch nicht getestet. Das Potenzial der Start-ups ist schwer einzuschätzen. Da zählt die Erfahrung in der Vergangenheit. Einem Seriengründer, der bereits einmal Erfolg hatte und Erfahrung sammeln konnte, dem vertraut man eher. Auch ein Wagnisfinanzier, der auf einen erfolgreichen Leistungsausweis zurückblicken kann, geniesst bei den Gründern und ihren Kunden, Zulieferern und Banken mehr Vertrauen. Erfolg macht erfolgreich.Gompers, Paul, Anna Kovner, Josh Lerner und David Scharfstein (2010), Performance Persistence in Entrepreneurship, Journal of Financial Economics 96, 18–32.

Korbinian Wester

Open Access

Wagniskapital: Mit Erfahrung zum Erfolg

Wagniskapital finanziert die innovativsten Unternehmen mit dem grössten Risiko und trimmt diese mit Beratung und Kontrolle auf Erfolg. So beschleunigt die Wagnisfinanzierung die Erneuerung der Wirtschaft. Damit die positiven Wirkungen zustande kommen, braucht es Reputation und einen Erfolgsausweis, damit sich die besten Start-ups anstellen und die Wagniskapitalgesellschaften sich leichter refinanzieren können. Was könnte mehr Reputation bringen als Erfolg? Auch die Wagnisfinanziers werden aus Erfahrung klug. Eine erfolgreiche Investition ist der beste Beweis für die eigene Leistungsfähigkeit. Gerade für junge Wagniskapitalfonds ist es wichtig, mit einer Investition zur richtigen Zeit am richtigen Ort einen ersten Erfolg zu landen, der das nachfolgende Geschäft erleichtert.Nanda, Ramana, Sampsa Samila und Olav Sorenson (2020), The Persistent Effect of Initial Success: Evidence from Venture Capital, Journal of Financial Economics, erscheint demnächst.

Margaret Green

Open Access

Die Tücken der Dividendenbesteuerung

Ausgeschüttete Gewinne sollen nicht stärker belastet sein als andere Einkommen. Deshalb soll eine Dividendensteuer geringer bleiben, um die Vorbelastung mit Gewinn- bzw. Körperschaftssteuer zu berücksichtigen und Doppelbelastung zu vermeiden. Eine zu hohe Dividendensteuer ist volkswirtschaftlich schädlich. Sie bremst die Investitionen der jungen Wachstumsunternehmen, die sich kaum selbst finanzieren können und auf Risikokapital von aussen angewiesen sind. Die reifen Unternehmen mit hohen Gewinnen können der Steuer leicht ausweichen, indem sie ihre Gewinne nicht ausschütten, sondern zur Selbstfinanzierung einbehalten. Die Steuer bremst zwar kaum ihre Investitionen. Sie sperrt aber die Gewinne bei den reifen Unternehmen ein, anstatt Ausschüttungen zu ermöglichen, damit die Investoren das Kapital neu in andere Unternehmen mit höheren Renditen und besseren Wachstumsaussichten investieren können. Sie diskriminiert die jungen Wachstumsunternehmen zugunsten ihrer etablierten Konkurrenten und behindert den produktivitätssteigernden Neueinsatz des Kapitals.Becker, Bo, Marcus Jacob und Martin Jacob (2013), Payout Taxes and the Allocation of Investment, Journal of Financial Economics 107, 1–24.

Laurenz Grabher

Open Access

Nur gute Schuldner profitieren von niedrigen Zinsen

Damit die Geldpolitik mit niedrigen Zinsen eine Rezession bekämpfen kann, braucht es finanziellen Spielraum bei den Schuldnern. Nur wer beim Kauf einer Immobilie einen hohen Anteil mit Eigenmitteln finanziert, kann die Gunst niedriger Zinsen nützen. Nur gute Schuldner können den Hypothekarkredit weiter aufstocken und Eigenmittel für den Konsum mobilisieren. So können Zinssenkungen die Nachfrage stabilisieren und die Rezession lindern. Wer von vornherein überschuldet ist, hat in der Rezession keinen Spielraum mehr, um mit neuen Krediten den Konsum zu steigern. Systematische Überschuldung nimmt den Zinssenkungen ihre Wirkung und lähmt die Geldpolitik.Martin Beraja, Andreas Fuster, Erik Hurst und Joseph Vavra (2019), Regional Heterogeneity and the Refinancing Channel of Monetary Policy, Quarterly Journal of Economics, 109–183.

Benedikt Lennartz

Wachstum durch Strukturwandel: Globale Wertschöpfung

Frontmatter

Open Access

Ansteckung in der Wertschöpfungskette

Ob Sturm, Feuer, Streik, Managementversagen oder Handelskonflikte, die Risiken der Unternehmen sind zahlreich. Gefahr droht auch, wenn es den Lieferanten und Kunden schlecht geht. Fällt ein schwer ersetzbarer Lieferant aus, oder geht einem wichtigen Kunden das Geld aus, dann herrscht Krise. Je stärker die Arbeitsteilung und Spezialisierung in der Produktion ist, desto mehr sind die Unternehmen in einem Netzwerk von Lieferbeziehungen eng verflochten und voneinander abhängig. Umso verhängnisvoller kann sich ein Unterbruch in der Produktionskette auswirken. Die Ansteckung in der Wertschöpfungskette kann ganze Branchen erfassen und Konjunkturabschwünge verschärfen. Um die Krisenrobustheit zu stärken, können die Unternehmen z. B. mit Lagerhaltung, Diversifizierung der Lieferanten und ausreichenden Kapitalreserven vorsorgen.Barrot, J.-N. und Sauvagnat, J. (2016), Input Specificity and the Propagation of Idiosyncratic Shocks in Production Networks, Quarterly Journal of Economics 131, 1543–1592.

Johannes Matt

Open Access

Brexit: Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft

Kommt es zu einem harten Brexit? Müssen sich die Unternehmen auf neue Zölle, kostspielige Zollformalitäten, Zeitverzögerungen an der Grenze, teure Unterbrüche in der Wertschöpfungskette, erhöhten Kapitalbedarf für die Lagerhaltung, unterschiedliche Produktstandards, abweichende Rechtsvorschriften, und weiter zunehmende Kosten einstellen? Zahlen sich für viele kleinere Unternehmen die Geschäfte mit der EU überhaupt noch aus? Oder gibt es am Ende doch noch ein kooperatives Ergebnis mit beidseitigem Marktzugang zu einem gemeinsamen, einheitlichen Binnenmarkt? Sie wissen es nicht, müssen für alle Eventualitäten planen, und schieben ihre Entscheidungen hinaus. Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft. Bevor überhaupt eine Entscheidung gefallen ist, bremst die Brexit-Unsicherheit die britischen Unternehmen und beeinträchtigt Investitionen und Produktivitätswachstum.Bloom, Nicholas, Philip Bunn, Scarlet Chen, Paul Mizen, Pawel Smietanka, and Gregory Thwaites (2019), The Impact of Brexit on UK Firms, NBER WP 26.218.

Till Nikolaus Folger

Open Access

Wie verschleiert China den Protektionismus?

Wenn Freihandel und Wettbewerb zusammenspielen, können sich die Länder am ehesten auf das spezialisieren, was sie am besten können. Alle gewinnen. Doch die protektionistische Verlockung ist groß, die eigene Wirtschaft auf Kosten anderer zu schützen. Dem soll die WTO einen Riegel vorschieben, indem sie Importzölle und andere Handelsbeschränkungen weltweit abbaut. Doch der Einfallsreichtum der Protektionisten kennt keine Grenzen. Sie weichen unter anderem auf Exportbeschränkungen aus. Kann es protektionistisch sein, den Export einzelner Branchen zu behindern und damit den Markt anderen Ländern zu überlassen? Der Schachzug besteht darin, mit Export- und Absatzbeschränkungen den Preis in dieser Branche zu drücken und damit die heimischen Vorleistungen für die eigentlich strategisch wichtigen Branchen zu verbilligen! Auch damit kann man den Schlüsselbranchen auf dem Weltmarkt einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Diese gelenkte Industriepolitik ist protektionistisch und weltweit im Vormarsch, in China und in anderen Ländern.Jason Garred (2018), The Persistence of Trade Policy in China after WTO Accession, Journal of International Economics 114, S. 130–142.

Piotr Lukaszuk

Wirtschaftlicher Wandel und gesellschaftliche Teilhabe: Ein handlungsfähiger Staat

Frontmatter

Open Access

Kann Demokratie das Wachstum fördern?

Der Staat sind wir. Mit Demokratie lenken wir die Politik zu unserem Vorteil. Breiter Zugang zu Bildung steigert nicht nur die Produktivität, sondern fördert auch die demokratische Teilhabe und Kontrolle. Wirtschaftliche Reformen werden wahrscheinlicher, die den Nutzen für eine große Mehrheit anstatt des Vorteiles einer privilegierten Minderheit fördern. Doch die Demokratie ist nicht perfekt. Weltanschauliche Differenzen können den Konsens erschweren und wichtige Entscheidungen verhindern. Braucht es den aufgeklärten Autokraten, um nachhaltigen Wohlstand zu schaffen? Oder ist die Demokratie der verlässlichere Weg zu inklusivem Wachstum?Acemoglu Acemoglu, Daron, Suresh Naidu, Pascual Restrepo, James A. Robinson (2019), Democracy Does Cause Growth, Journal of Political Economy 127, 47–100.

Till Nikolaus Folger

Open Access

Ein korrektes Verhältnis zum Staat

Ein korrektes Verhältnis zum Staat zeichnet sich durch Gemeinsinn, Ehrlichkeit und gegenseitiges Vertrauen aus. Zivile Tugenden begünstigen nicht nur eine hohe Steuermoral, sondern ermöglichen auch bessere Politiklösungen anderswo. Die Arbeitslosenversicherung wird sehr teuer, wenn ein wachsender Teil der Arbeitslosen lieber großzügiges Arbeitslosengeld empfängt anstatt sich für die Beschäftigung zu rüsten und die Mühen der Jobsuche einzugehen. Dann muss der Staat eher auf rigorosen Kündigungsschutz setzen, um vor dem Arbeitslosenrisiko zu schützen und die Kosten der Versicherung zu begrenzen. Das würde aber die existierende Beschäftigung zementieren und verhindern, dass Arbeit von wenig produktiven Jobs zu den aufstrebenden Branchen fließt, wo das Wachstum und die zukunftsträchtige Beschäftigung stattfinden. Es lohnt sich also, die zivilen Tugenden der Bürger zu pflegen, damit der Staat auf die Arbeitslosensicherung anstatt den Kündigungsschutz setzen und die soziale Sicherheit wachstumsverträglicher gestalten kann.Algan and Cahuc (2009), Civic Virtue and Labor Market Institutions, American Economic Journal: Macroeconomics, 111–145.

Elisabeth Essbaumer

Open Access

Wie Investoren mit hohen Staatsschulden umgehen

Die Tragbarkeit der Staatsverschuldung ist begrenzt. Sind die Schulden hoch, ist nichts so wichtig wie die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik. Selbst überschuldete Länder können das Vertrauen der Investoren gewinnen, wenn sie eine Wende einleiten. Selbst bei hoher Verschuldung sind sinkende Schuldenquoten ein starkes Signal, dass die Finanzen unter Kontrolle sind und die Staaten ihre Schulden vollständig bedienen wollen. Die Wahrscheinlichkeit für einen erwarteten Zahlungsausfall sinkt, und damit die Risikoprämien. Fallende Zinsen erleichtern zudem eine nachhaltige Konsolidierung. Wenn jedoch beim selben hohen Schuldenstand die Verschuldung weiter zunimmt, ist das Vertrauen der Investoren schnell verloren.Bassanetti, Antonio, Carlo Cottarelli und Andrea F. Presbitero (2019), Lost and Found: Market Access and Public Debt Dynamics, Oxford Economic Papers 71, 445–471.

Julian Johs

Open Access

Kann Geldpolitik die Marktängste zerstreuen?

Die Krise der Eurozone hat es gezeigt: Die Tragbarkeit der Staatsschulden ist begrenzt. Jedoch ist kaum etwas so unsicher wie die Erwartungen über die künftige Fiskalpolitik eines Landes und so schwierig wie die Einschätzung der staatlichen Kreditwürdigkeit. Die Risikoeinschätzungen der Marktteilnehmer schwanken zwischen Vertrauen, harten Daten und Angst. Geht das Vertrauen verloren und breiten sich Misstrauen und Angst aus, dann setzt eine unkoordinierte Kapitalflucht ein. Sie lässt die Zinsen schlagartig ansteigen, verschärft die Krise erst recht und kann im schlimmsten Fall eine Insolvenz herbeizwingen. Kann die Zentralbank mit ihrer Geldpolitik die Marktängste zerstreuen und eine prekäre Lage stabilisieren?Krishnamurthy, Arvind, Stefan Nagel und Annette Vissing-Jorgensen (2018), ECB Policies Involving Government Bond Purchases: Impact and Channels, Review of Finance 22, 1–44.

Arthur Corazza

Open Access

Schuldenerlass oder Schuldenerleichterung?

Es gibt tausend gute Gründe, wichtige Staatsausgaben mit neuen Schulden zu finanzieren, wenn die Steuern nicht reichen. Reserven aufzubauen und sich auf nachhaltige Finanzpolitik zu verpflichten fällt der Politik dagegen schwer. Ist der Staatshaushalt außer Kontrolle geraten, müssen die Gläubiger entscheiden. Sie können mit einem deutlichen Schuldenschnitt ein Ende mit Schrecken setzen und die Überschuldung kräftig korrigieren, damit wenigsten die restliche Staatsschuld sicher zurückkommt. Wer vorher die Kreditwürdigkeit nicht sorgfältig prüft, muss es eben später nachholen und die Schulden auf ein Niveau reduzieren, das tragbar bleibt. Oder sie einigen sich auf Schuldenerleichterungen und eine Streckung der Rückzahlung, und riskieren damit eine verschleppte Insolvenz anstatt nachhaltiger Gesundung. Ein Schuldenschnitt bietet eher Gewähr, zu neuem Wachstum zurückzufinden und die Tragbarkeit der Staatsschulden wiederherzustellen.Reinhart, C. M., und C. Trebesch (2016), Sovereign Debt Relief and its Aftermath, Journal of the European Economic Association 14(1), 215–51.

Eric Offner

Wirtschaftlicher Wandel und gesellschaftliche Teilhabe: Ungleichheit und soziale Mobilität

Frontmatter

Open Access

Die Superstars der Firmen und die Lohnquote

Die Superstars unter den Firmen dominieren die Wirtschaft. Sie sind überaus innovativ, besetzen als Erste den Markt und erzielen überdurchschnittlich hohe Gewinnspannen. Mit viel Knowhow und einer hoch qualifizierten, aber sehr kleinen Belegschaft dominieren sie die Branchen und erzielen den Löwenanteil der Wertschöpfung. Die gesamtwirtschaftliche Lohnquote fällt, wenn sich die Wertschöpfung von den übrigen Unternehmen mit höherer Lohnquote zu den Superstars mit geringem Lohnanteil verschiebt. Gerade in den innovativsten Branchen sind die Konzentrationstendenzen und der Rückgang der Lohnquote am stärksten. Die Wettbewerbspolitik ist neu gefordert, um den richtigen Ertrag der Innovation zu sichern, aber übermässige Gewinne durch Ausnutzung von Marktmacht zulasten der Konsumenten zu verhindern und den Zutritt neuer Anbieter zu erleichtern.David Autor, David Dorn, Lawrence F. Katz, Christina Patterson und John Van Reenen (2017), The Fall of the Labor Share and the Rise of Superstar Firms, NBER Working Paper No. 23396.

Adrian Jäggi

Open Access

Innovation, Ungleichheit und sozialer Aufstieg

Innovation treibt das Wachstum, aber wenige erfolgreiche Unternehmer, Ingenieure und Forscher profitieren überdurchschnittlich stark. Gerade die erfolgreichsten Innovationen schaffen ungeahnte Vermögen und tragen zur Konzentration der Spitzeneinkommen bei. Gleichzeitig ist innovatives Unternehmertum eine grosse Chance für sozialen Aufstieg und verhindert eine Zementierung der Ungleichheit. Der Wettbewerb durch neue innovative Unternehmen fordert die etablierten Konzerne heraus und verhindert unverdiente Renteneinkommen. Innovative Unternehmensgründungen und die Beseitigung von Marktzutritts- und Wettbewerbsbarrieren fördern inklusives Wachstum, indem sie unproduktiven Vermögenskonzentrationen entgegenwirken.Aghion, Philippe, Ufuk Akcigit, Antonin Bergeaud, Richard Blundell und David Hemous (2019), Innovation and Top Income Inequality, Review of Economic Studies 86, 1–45.

Verena Maria Konzett

Open Access

Mindern bessere Aufstiegschancen den Wunsch nach mehr Umverteilung?

Zu starke Ungleichheit gefährdet den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Die Politik soll möglichst allen eine angemessene Teilhabe am gemeinsamen Wohlstand sichern. Aber Ungleichheit unterliegt einem steten Wandel. Wer in jungen Jahren aus knappen Verhältnissen startet, mag nach erfolgreicher Karriere zu den Spitzenverdienern gehören. Und wer daran glaubt, bald selbst zu den Reichen zu gehören, hat womöglich weniger Verlangen danach, den eigenen Aufstieg mit progressiven Steuern und mehr Umverteilung zu erschweren. Wie weit klaffen Wahrnehmung und Wirklichkeit der Aufstiegschancen auseinander, und wie bestimmen die wahrgenommenen Aufstiegschancen die politische Unterstützung für mehr oder weniger Umverteilung?Alesina, Alberto, Stantcheva, Stefanie and Edoardo Teso (2018), Intergenerational Mobility and Preferences for Redistribution, American Economic Review 108(2), 521–554.

Elisabeth Essbaumer

Open Access

Wenn Frauen mehr als ihre Männer verdienen

Die Frauen haben aufgeholt. Die steigenden Löhne der Frauen und ihre zunehmende Erwerbstätigkeit zeigen ihre wachsende Bedeutung in Wirtschaft und Gesellschaft. Der Trend setzt sich in den Familien fort. Die Familien, in denen die Frauen sich im Beitrag zum Familieneinkommen den Männern annähern, werden immer häufiger. Sobald jedoch die Frauen mehr als ihre Männer verdienen, nimmt der Anteil dieser Haushalte in der gesamten Bevölkerung schlagartig ab. Auch die Scheidungsraten nehmen in dieser Konstellation zu. Hoch qualifizierte Frauen machen bisweilen kostspielige Kompromisse, um Konflikten auszuweichen. Es scheint schwierig, mit traditionellen Rollenbildern zu brechen. Diesen Prozess zu beschleunigen, würde nicht nur der Qualität des Familienlebens nützen, sondern auch Wirtschaft und Gesellschaft zugutekommen.Marianne Bertrand, Emir Kamenica und Jessica Pan (2015), Gender Identity and Relative Income Within Households, Quarterly Journal of Economics 130(2), 571–614.

Roberta Maria Koch

Open Access

Kleiner Kredit mit grosser Wirkung?

Wohlstand entsteht aus Arbeit, Investition und Unternehmertum. Aber wo Armut herrscht, scheitert der Traum vom Aufstieg allzu oft an der Finanzierung, gerade in den Entwicklungsländern. Kleine Kredite könnten grosse Wirkung haben und eine nachhaltige Entwicklung anstossen. Die Realität der Mikrofinanz ist allerdings weniger beeindruckend und lässt zweifeln, dass es allein mit der Bereitstellung von Krediten getan ist. Vielleicht braucht es vorher mehr Bildung, Unternehmergeist und eine Änderung der Rollenbilder, damit nachher die Mikrofinanz bessere Ergebnisse zeitigen kann?Banerjee, A., E. Duflo, R. Glennerster und C. Kinnan (2015), The Miracle of Microfinance? Evidence from a Randomized Evaluation, American Economic Journal: Applied Economics 7, pp.22–54.

Arnaud Schuele

Wirtschaftlicher Wandel und gesellschaftliche Teilhabe: Beschäftigung und Arbeitsmarkt

Frontmatter

Open Access

Handel und Innovation: Chance oder Gefahr

Handel und Innovation lösen einen starken Strukturwandel aus. Sie sind Chance und Gefahr zugleich. Innovative Unternehmen erschliessen in China und anderswo neue Märkte, expandieren und schaffen mehr Beschäftigung. Andere müssen der Importkonkurrenz weichen. Die Konsumenten profitieren von günstigen Preisen und einer grösseren Auswahl. Handel und Innovation ermöglichen grosse Wohlstandsgewinne, aber nur, wenn Arbeit und Kapital erfolgreich von schrumpfenden zu expandierenden Unternehmen wandern. Wie ist inklusives Wachstum möglich, an dem möglichst alle teilhaben können? Den Strukturwandel aufzuhalten würde den Fortschritt blockieren. Die Politik braucht ein Programm, das die besonders betroffenen Arbeitenden absichert und darin aktiv unterstützt, mit neuen Qualifikationen anderswo eine neue Beschäftigung mit besseren Perspektiven zu finden.Autor, David H., David Dorn und Gordon H. Hanson (2015), Untangling Trade and Technology: Evidence from Local Labor Markets, Economic Journal 125, 621–646.

Céline Diebold

Open Access

Wie viel Training brauchen Arbeitslose?

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ist eines der wichtigsten Ziele der Wirtschaftspolitik. Jährlich wenden Industrienationen beträchtliche Summen an Geldern für Arbeitsmarktprogramme auf. Laut einer vergleichenden Aufstellung der OECD entsprachen im Jahr 2015 die Ausgaben für aktive Arbeitsmarktprogramme in Deutschland beispielsweise 0,6 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und in Frankreich 1 % des BIPs. Vor dem Hintergrund dieser hohen Kosten sind belastbare Auswertungen, die die Wirkung der Programme evaluieren, von immenser Bedeutung. Die Autoren der vorliegenden Studie evaluieren dabei insbesondere den Effekt der Dauer eines Arbeitsmarktprogramms.Flores, Carlos A., Alfonso Flores-Lagunes, Arturo Gonzalez, und Todd C. Neumann (2012), Estimating the Effects of Length of Exposure to Instruction in a Training Program: The Case of Job Corps, Review of Economics and Statistics 94(1), 153–171.

Carina Steckenleiter

Open Access

Wie die Arbeitslosenversicherung die Wirtschaft stabilisiert

Die Arbeitslosenversicherung schützt die Arbeitenden vor grösseren Einkommensausfällen in der Rezession und hilft, den Wohlstand über die Zeit zu glätten. Sie ist auch ein wichtiger automatischer Stabilisator, der die Konjunkturschwankungen dämpft. Gerade die Arbeitslosen haben häufig eine hohe Konsumquote und geben in der Rezession jedes zusätzliche Einkommen aus. Die Absicherung der Einkommen stützt zudem die Kreditfähigkeit der Haushalte. Eine solide finanzierte Arbeitslosenversicherung stabilisiert die Konsumnachfrage und festigt die Widerstandskraft der Wirtschaft. Christian Keuschnigg und Michael Kogler, Herausgeber.Marco Di Maggio, Amir Kermani (2017), Unemployment Insurance as an Automatic Stabilizer: The Financial Channel, Harvard Business School Finance Working Paper.

Isabella Maassen

Open Access

Wie wirksam ist Regionalförderung?

Das Ziel der Regionalpolitik ist die Förderung strukturschwacher Gebiete, damit sie zum nationalen Durchschnitt aufschliessen. Doch die Steuermittel sind knapp und haben viele gute Verwendungen. Auch die Regionalförderung muss sich mit ihrem Nutzen rechtfertigen. Ist sie tatsächlich wirksam, die Entwicklung benachteiligter Gebiete mit zusätzlichen Investitionen anzustossen? Oder erschöpft sie sich in reinen Mitnahmeeffekten, indem sie Investitionen fördert, welche die Unternehmen ohnehin getätigt hätten? Führt sie zu einer Verlagerung von Investitionen und Beschäftigung von nicht geförderten zu geförderten Gebieten, ohne dass die Gesamtwirtschaft profitiert? Kann die Regionalförderung eine nachhaltige, selbsttragende Entwicklung anstossen, die auch dann noch bestehen bleibt, wenn die Förderung wieder ausläuft? Oder bleibt der neu geschaffene Wohlstand dauerhaft von Subventionen abhängig?Criscuolo Chiara, Ralf Martin, Henry G. Overman und John Van Reenen (2019), Some Causal Effects of an Industrial Policy, American Economic Review 109, 48–85.

Céline Diebold

Open Access

Schaden höhere Gewinnsteuern am Ende den Arbeitnehmern?

Wer eine Steuer an das Finanzamt überweisen muss, ist noch längst nicht derjenige, der die Steuer wirtschaftlich tragen muss. Die Betroffenen wehren sich, wo sie nur können, und überwälzen die Steuern gern auf andere. Die Unternehmen müssen Gewinnsteuern zahlen, aber fordern von den Arbeitenden ihren Teil ein, indem sie bei den Lohnerhöhungen sparen. Es passiert auch umgekehrt. Wenn die Lohnsteuern steigen, fordern die Arbeitenden höhere Löhne, um sich wenigstens einen Teil abgelten zu lassen. Dann tragen die Unternehmen und ihre Eigentümer einen Teil der Lohnsteuern mit. Wenn der Staat zugreift und es weniger vom gemeinsam erwirtschafteten Einkommen zu verteilen gibt, müssen eben beide Seiten verzichten. Auch Kunden und Lieferanten müssen oft mitzahlen, wenn die Unternehmen neue Preise durchsetzen, um die Steuerlast weiterzureichen. Wer in diesem Spiel wenig Verhandlungsmacht hat und sich wenig gegen die Überwälzung wehren kann, bei dem bleibt ein besonders hoher Teil der Steuerlast hängen.Fuest, C., A. Peichl und S. Siegloch (2018), Do Higher Corporate Taxes Reduce Wages? Micro Evidence from Germany, American Economic Review 2018, 393–418.

Korbinian Wester

Wirtschaftlicher Wandel und gesellschaftliche Teilhabe: Soziale Sicherheit und Gesundheit

Frontmatter

Open Access

Macht die Pensionierung gesund oder krank?

Viele Länder Europas reformieren ihre Rentensysteme. Eines der Hauptziele ist die Erhöhung des Rentenalters, um die finanzielle Stabilität der Rentensysteme angesichts steigender Lebenserwartung zu sichern. So wollen z. B. Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien und die Niederlande das Rentenalter schrittweise von 65 auf 67 Jahre anheben. Was sind die zu erwartenden Folgen einer Pensionierung für die Gesundheit? Wenn die Pensionierung tatsächlich Auswirkungen auf den Gesundheitszustand hat, sind weitere Folgen für die Kosten im Gesundheitswesen zu erwarten.Norma B. Coe und Gema Zamarro (2011), Retirement effects on health in Europe, Journal of Health Economics 30, 77–86.

Sabrina Stadelmann

Open Access

Fördert ein Selbstbehalt Sparsamkeit in der Krankenversicherung?

Zugang zu Gesundheitsleistungen stellt einen bedeutenden Schutz vor Wohlstandsverlusten durch schwere Krankheit dar. Die Krankenversicherung bietet Schutz. Aber wenn die Versicherung alle Behandlungskosten übernimmt, fehlt der Sparanreiz und es droht eine Überbeanspruchung des Gesundheitswesens. Auch ausufernde Gesundheitskosten können unseren Wohlstand beeinträchtigen. Eine Möglichkeit, den Anstieg der Prämien für die Krankenversicherung zu zähmen, ist der Selbstbehalt. Wenn die Versicherten einen Teil der Behandlungskosten selber zahlen müssen, gehen sie vielleicht sparsamer mit den Leistungen des Gesundheitswesens um. Kann ein Selbstbehalt mehr Sparsamkeit in der Krankenversicherung fördern?Aviva Aron-Dine, Liran Einav, Amy Finkelstein, Mark Cullen (2015), Moral Hazard in Health Insurance: Do Dynamic Incentives Matter? Review of Economics and Statistics 97, 725–741.

Patrick Hasch

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Senkt ein hoher Selbstbehalt die Gesundheitskosten?

Die Gesundheitskosten in der Schweiz und damit auch die Prämien für Krankenversicherungen steigen jährlich an. In der politischen Debatte werden hohe Franchisen bisweilen als Allheilmittel betrachtet, um die Versicherten zu mehr Kostenbewusstsein anzustossen. Dabei wird immer wieder auf Evidenz zurückgegriffen, welche zeigt, dass eine höhere Franchise tatsächlich die Gesundheitskosten senkt. Aber was wäre gewonnen, wenn die Einsparungen auf Kosten der Qualität der Gesundheitsversorgung geht? Eine neue Forschungsarbeit zeigt, dass die Kosten insbesondere deshalb sinken, weil Versicherte auf durchaus sinnvolle Leistungen verzichten, während sich die Preise für die in Anspruch genommenen Leistungen kaum ändern.Brot-Goldberg, Zarek C., Amitabh Chandra, Benjamin R. Handel und Jonathan T. Kolstad (2017), What does a Deductible Do? The Impact of Cost-Sharing on Health Care Prices, Quantities, and Spending Dynamics, Quarterly Journal of Economics 132(3), 1261–1318.

Immanuel Lampe

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