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25.03.2015 | Informatik in Gesellschaft + Politik | Interview | Onlineartikel

„Mein Antrieb war es nie, möglichst viel Geld zu verdienen“

Autor:
Peter Pagel

Wir sprachen mit Kasper Skaarhoj, dem Entwickler des Content-Management-Systems Typo3, über Open-Source-Software, Motivation und Zufriedenheit mit dem, was man im Leben tut.

Herr Skaarhoj, was hat Sie damals motiviert, die Content-Management-Software Typo3 zu entwickeln?

In erster Linie stand ein persönliches Bedürfnis dahinter, ich brauchte ein Werkzeug, das es so zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt nicht gab. Das ist ein typisches Phänomen im Open-Source-Bereich. Dann traf ich jemanden, der meinte, damit sei Geld zu verdienen. Relativ schnell stellte ich aber fest, dass eine Folge der Ausrichtung auf das Geldverdienen gewesen wäre, dass ich Kompromisse hätte eingehen müssen. Es wäre nicht mehr möglich gewesen, die bestmögliche Qualität zu. Mir wurde klar, dass das meiner eigenen Motivation widersprochen hätte. Mein Antrieb war es nie, möglichst viel Geld zu verdienen. Ich kann aber große Leidenschaft dafür entwickeln, ein möglichst gutes Produkt zu entwickeln. Die Entscheidung, stattdessen auf Open Source zu setzen hatte also damit zu tun, dass ich meinen Handlungsantrieb ernst nahm und damit mich selbst.

Wie sehr trifft diese persönliche Betroffenheit auch auf die Menschen zu, die sich heute in der Typo3-Community engagieren?

Da gibt es große Unterschiede: Diejenigen, die sich mit dem Kernsystem befassen, sind vermutlich am weitesten entfernt von persönlicher Betroffenheit. Wer diese Art der Motivation braucht, um gut und zufrieden zu arbeiten, wird an dieser Stelle auf Dauer nicht glücklich sein. Das war auch für mich ein Grund, meine Arbeit für Typo3 zu beenden beziehungsweise dramatisch zu reduzieren.

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Das persönliche Interesse war nicht mehr da. Ich merkte, dass ich mich nur noch mit Dingen beschäftigte, die zwar für das Projekt wichtig waren, aber nicht mehr für mich persönlich. Ich musste etwas anderes machen. Ich habe dann angefangen, Bauingenieurwissenschaften zu studieren. Das war natürlich etwas vollkommen anderes als Software-Entwicklung (lacht).

Was bedeutete Ihr Ausstieg aus dem Typo3-Projekt für die Community?

Auf der technischen Ebene lief es sehr gut, da war ich gut zu ersetzen und der Übergang war kein großes Problem. Allerdings zeigte sich recht schnell, dass meine Rolle als Motivator nicht von einem anderen übernommen werden konnte. Typo3 brauchte und braucht mich in dieser Funktion. Ich trage also heute zu Typo3 bei aber in sehr begrenztem und klar definiertem Umfang. Die meisten von uns sind stark von Glaubenssätzen beeinflusst, die uns daran hindern, zu spüren, wenn sich unsere Bedürfnisse ändern. Das sind Sätze wie „Ich bin jemand, der nicht kündigt.“ So etwas kann einem und der eigenen Zufriedenheit sehr im Weg stehen.

Worauf kommt es Ihrer Ansicht nach an im Leben?

Das Wichtigste erscheint mir zu sein, dass man herausfindet, welche Gabe man hat, was einem besonders liegt, worin man gut ist. Wenn man Zielen folgt, die damit nicht im Einklang stehen, ist es sehr schwer oder sogar unmöglich, mit dem eigenen Leben zufrieden zu sein. Für mich war Geldverdienen nie eine Motivation. Ich hatte das Glück, dass ich früher oder später mit dem Verfolgen meiner Leidenschaften Geld verdienen konnte – das war aber mehr ein Nebeneffekt. Für andere ist das anders. Entscheidend ist, dass man im Einklang mit der eigenen Motivation handelt.

Das vollständige Interview mit Kasper Skaarhoj können Sie in der Wirtschaftsinformatik & Management lesen.

Die Hintergründe zu diesem Inhalt

01.06.2014 | Spektrum | Ausgabe 6/2014

TYPO3 Neos — die Zukunft im Open-Source-CMS-Umfeld?

2015 | OriginalPaper | Buchkapitel

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Quelle:
Wirtschaftspsychologie
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