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Über dieses Buch

Isabel Steinhardt legt eine Untersuchung im Forschungsstil der Grounded Theory vor, in der Forschungsergebnisse und methodologisches Vorgehen verwoben sind und damit der zyklische Forschungsprozess nachgezeichnet wird. Inhalt der Untersuchung ist, inwiefern die Studienstrukturreform an deutschen Universitäten ProfessorInnen die Möglichkeit geboten hat, eigene Interessen durchzusetzen. Sie zeichnet für die Disziplin Politikwissenschaft nach, welche Strategien ProfessorInnen anwenden, in welche Strukturen ihr Handeln eingebettet ist und welche Entscheidungsmöglichkeiten sie haben und nutzen. Ergebnis ist, dass im Mittelpunkt aller Strategien die Forschung steht, zu deren Erhalt die Einführung neuer Studiengänge auf unterschiedliche Arten genutzt wird.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

1. Forschungseinblick

Die vorliegende Arbeit wurde im Forschungsstil der Grounded Theory (Glaser und Strauss 2005; Strauss 1998) geschrieben, weshalb in dieser Arbeit die Forschungsergebnisse in das methodologische Vorgehen verwoben sind, d.h. es gibt keine Kapitel Theorie, Methode und Ergebnisse. Aus Sichtweise der Grounded Theory wird Realität als prozessual und multiperspektivisch angesehen, weshalb auch Forschung nur prozessual sein kann, wenn sie Aussagen über die Realität macht (Strübing 2007).
Isabel Steinhardt

2. Grounded Theory als Forschungsstil

So lauten die Einleitungssätze von Glaser und Strauss, den Begründern der Grounded Theory, in der deutschen Übersetzung ihres Buches The Discovery of Grounded Theory: Strategies for Qualitative Research. In diesem Buch legen Glaser und Strauss die Prämissen ihres Forschungsstils dar, um neue Theorien aus „in der Sozialforschung systematisch gewonnenen und analysierten Daten“ (ebd.) zu entwickeln.
Isabel Steinhardt

3. Elemente der Studienstrukturreform

Die Studienstrukturreform wurde bereits vor dem Bologna-Prozess mit der vierten Novellierung des Hochschulrahmengesetzes 1998 und der Möglichkeit, Bachelor- und Masterstudiengänge zur Probe einzuführen, eingeleitet (HRK 1998, KMK 1998). Ausgangspunkt war das Bestreben der Hochschulen nach mehr Autonomie, auch in Bezug auf die Einführung neuer Studiengänge. Die bisherigen Magister- und Diplomstudiengänge wurden von den jeweiligen Landesministerien geprüft und genehmigt. Grundlage der Genehmigung waren Rahmenprüfungsordnungen, die in der gemeinsamen Kommission für Studien- und Prüfungsordnungen der Hochschulrektorenkonferenz und der Kultusministerkonferenz ausgehandelt wurden. Insgesamt wurden die Rahmenprüfungsordnungen und das Genehmigungsverfahren als unflexibel und bürokratisch mit langen Reaktionszeiten auf Veränderungen angesehen (Winter 2009; Kaufmann 2012).
Isabel Steinhardt

4. Disziplingeschichte Politikwissenschaft – Fokus Studiengänge

Die Disziplin Politikwissenschaft wurde aus drei Gründen für diese Untersuchung ausgewählt. Erstens handelt es sich bei der Politikwissenschaft um eine junge Disziplin, die aufgrund ihres Etablierungsstandes, so meine Annahme, entweder besonders anfällig für Veränderungen und Umwälzungsprozesse im Hochschulsystem ist und/oder sich besonders gut darauf einstellen kann. In beiden Fällen, so die erste Ad-hoc-Hypothese, würde es für die junge Disziplin Politikwissenschaft gelten, ihre Ressourcen zu verteidigen oder gar Profiteur der Umstrukturierung zu werden. Dazu wäre es für die Mitglieder der Disziplin und besonders für Professoren, da sie die „Hüter“ der Disziplin sind, notwendig, sich intensiv mit den Veränderungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen zu beschäftigen.
Isabel Steinhardt

5. Innovationsmanagement – eine Sackgasse

Die Universitäten sahen sich aufgrund der deutschen Umsetzung des Bologna-Prozesses einem verordneten Veränderungsprozess gegenüber, der, wie aufgezeigt, eine ganze Reihe an neuen Strukturen wie Modularisierung, ein Leistungspunktesystem und Outcome-Orientierung vorsah (siehe Kapitel 3). Damit ist bereits das zentrale Element von Innovationen angesprochen: Es geht im Kern immer um etwas Neues. Ich lehne mich hier an Blättel-Mink an: „Neu ist neu für das Unternehmen und muss nicht notwendig eine Marktneuheit sein.“ (Blättel-Mink 2006, S. 75) Analog können Bachelor- und Masterstudiengänge im Prinzip, da sie für die einzelne deutsche Universität neu sind, als Innovation bezeichnet werden.
Isabel Steinhardt

6. Angewandte Codierverfahren

In diesem Kapitel wird der vorgenommene Codierprozess inklusive des theoretischen Samplings nachgezeichnet. Bei der Darstellung des Codierprozesses kann es sich nur um einen fundierten Versuch handeln, da lediglich ein minimaler Ausschnitt dargestellt werden kann. Die Darstellung des gesamten Codierprozesses würde den Umfang jeder Form einer schriftlichen Arbeit sprengen. Zudem stellt sich die Frage, in welchem Stadium die einzelnen Codes und Memos dargestellt werden sollten, werden sie im Codierprozess doch ständig überarbeitet. Um den Prozess zu verdeutlichen, habe ich im Folgenden zunächst das Konzept Umetikettierung gewählt, das vom ersten Code, der beim offenen Codieren entdeckt wurde, über die Entwicklung eines analytischen Codes durch die Anwendung des ständigen Vergleichs bis hin zum Konzept, das wiederum in einer Kategorie aufgeht, begleitet wird.
Isabel Steinhardt

7. Die grounded Theory: Studiengangentwicklung als strategisches Moment

Zentraler Akteur und treibende Kraft bei der Einführung der neuen politikwissenschaftlichen Studiengänge im Fallbeispiel A war A2. Er hatte bei der Einführung der neuen Studiengänge die Position eines geschäftsführenden Direktors inne und für sich erkannt, dass die Einführung der neuen Studiengänge und vor allem deren Ausgestaltung richtungsweisend für das politikwissenschaftliche Institut und damit auch für seine eigene Arbeit sein würden. Seine Strategie bestand darin, in allen Spielen auf den Erhalt seiner Forschungsstärke zu achten und sich gegen die Ausrichtung der Universität A als BA-Universität zu wehren.
Isabel Steinhardt

8. Forschungsüberblick und Forschungsausblick

Ausgangspunkt der vorliegenden, im Forschungsstil der Grounded Theory durchgeführten Untersuchung war die Frage, wie Bachelor- und Masterstudiengänge auf der Mikroebene entwickelt werden. Im Laufe des zyklischen Forschungsprozesses, der in dieser Arbeit nachgezeichnet wird, kristallisierte sich aufseiten der professoralen Studiengangentwickler die Schlüsselkategorie „Strategie“ (Crozier und Friedberg 1996) heraus. Im Zentrum aller Strategien, bei der Entwicklung und Einführung von Bachelor und Masterstudiengängen, steht der Primat der Forschung, der durch die Umsetzung der Studienstrukturreform durch die jeweiligen Professoren gestützt werden soll, d.h. die Studiengangentwicklung wird von Professoren genutzt, um ihre eigenen Interessen um- und durchzusetzen.
Isabel Steinhardt

Backmatter

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