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24.09.2015 | Management + Führung | Im Fokus | Onlineartikel

Wie VW nach Dieselgate strauchelt

Autor:
Andrea Amerland

VW, Dieselgate, Super-GAU: Die Nachrichtenflut rund um Volkswagen verursacht Schnappatmung. Nach Winterkorns Rücktritt müssen auch Audi- und Porsche-Vorstände sowie der US-Chef gehen. Die Abwärtsspirale eines Weltkonzerns geht weiter. Ein Kommentar.

Es ist ein besonders schwerer Fall des Betrugs: Über Jahre hinweg wurden bei Volkswagen Millionen Dieselautos manipuliert. Und der Vorstandschef tritt ohne Schuldbewusstsein zurück. "Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin", hat Martin Winterkorn wörtlich seinen Rückzug begründet. Voraus ging der Satz "Ich bin bestürzt". Das sind auch viele Menschen, die einfach nicht verstehen können, wie ein Vorstands-Chef, der auch bei Compliance und Corporate Governance in der Pflicht steht, einfach nicht verantwortlich sein will.

Klagewelle rollt auf VW zu

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Denn VW war unter Winterkorns Rigide ein zentralistisch geführtes Unternehmen. Das berichteten Mitarbeiter immer wieder. Doch wenn strafrechtliche Konsequenzen drohen, werden Rücktrittsformulierungen schnell juristisch relevant. Bereits jetzt gibt es Medienberichte zufolge in den USA und Kanada rund 40 Sammelklagen gegen VW. Die Käufer sehen sich bei den Angaben zur Umweltfreundlichkeit von VW getäuscht und reklamieren Wertminderung. In den Klageschriften werden dem Konzern Betrug, Vertragsbruch und weitere Gesetzesverstöße vorgeworfen.

Niemand weiß exakt, wie hoch die Kosten für Volkswagen sein werden. Sicher ist nur, dass es kein Pappenstil sein wird, denn auch die Umweltschutzbehörde NEA kann Strafzahlungen verhängen. In diesem Fall bis zu einem Höchstwert in Höhe von 18 Milliarden Dollar, heißt es.

Doch damit nicht genug: Manager sind unlängst ins Visier der US-Justiz geraten. Kurz vor dem VW-Abgasskandal erklärte der stellvertretende US-Justizministerin Sally Yates, dass sein Ministerium künftig bei Rechtsverstößen von Unternehmen schärfer gegen das Management vorgehen werde. Letztendlich bedeutet dies, dass nicht nur Unternehmen, sondern auch einzelne Personen bestraft werden sollen. "Wir können es nicht zulassen, dass die Verantwortlichen davon kommen, während die Mitarbeiter und Anteilseigner zahlen müssen", hatte Yates verschiedenen Medien zufolge gesagt.

Dieselgate ist Wirtschaftskriminalität in großem Stil

Die Frage ist jetzt, was das für die die VW-Führungsriege bedeutet – auch für Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Aber der Konzern hat bereits gehandelt und die Rechtsanwaltskanzlei engagiert, die nach der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon den Ölkonzern BP vertreten hat. Bei dem Ausmaß der Manipulationen ist das eine unabdingbare Notwendigkeit, um die Unternehmensinteressen und gegebenenfalls die einzelner Manager und Vorstände zu wahren. Denn das Personalkarussell dreht sich munter weiter: Auch Audi- und Porsche-Vorstände müssen ihre Posten räumen. Mit ihren Rückzügen sollen Ulrich Hackenberg und Wolfgang Hatz die technische Verantwortung für die Abgas-Affäre übernehmen. Zudem weitet sich der Skandal immer weiter auf europäische Autos und andere Automobilhersteller aus.

Nach Winterkorns Rücktritt bleibt allerdings festzuhalten, was vielen Menschen aktuell ins Gedächtnis eingebrannt ist: VW ist ein Konzern, der offenbar Wirtschaftskriminalität in großem Stil praktiziert hat. Und VW ist ein Unternehmen, bei dem wohl Verantwortung, Ethik, Compliance und Corporate Governance auf der Strecke geblieben sind. Die Suche nach den Schuldigen und deren etwaige strafrechtliche Verfolgung wird eines nicht verhindern können: Dass der Dieselgate-Skandal lange Zeit als großer Makel an Marke und Produkten haften bleibt. Wie sehr das auch für andere Autobauer gilt, bleibt abzuwarten.

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