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Über dieses Buch

Netzwerkstrukturen in und zwischen Unternehmungen sind Thema in Managementpraxis wie -forschung. Die Netzwerkorganisation wird oft als Antwort auf die aktuellen Heraus­ forderungen des Wettbewerbs gesehen, ermöglicht sie doch die Kooperation mit Unter­ nehmungen in Bereichen, in denen man selbst - aus welchen Gründen auch immer - nicht der Beste sein kann. Effizienz und Effektivität, Vertrauen und Macht, Wissen und Lernen, Kooperation und Kompetition sowie die Koordination von Arbeit über Organisations­ grenzen hinweg sind dabei in Unternehmungsnetzwerken wie in virtuellen Unterneh­ mungen höchst bedeutsam. Die Gestaltung dieser Phänomene stellt zugleich erhebliche, zum Teil sogar neuartige Anforderungen an das Management. Der Band versammelt Beiträge aus der , Managementforschung , , die oft an Hand empirischer Daten, manchmal auf der Basis von Praxisfällen, immer jedoch theoretisch fundiert, diese Phänomene analysieren und damit Ansatzpunkte für ein Management von Netzwerken aufzeigen. Abgesehen von dem Editorial und dem Schlußkapitel handelt es sich bei allen Beiträgen um einen unveränderten Wiederabdruck von Aufsätzen, die in der seit 1991 von Wolfgang H. Staehle bzw. - nach des sem viel zu frühen Tod - von Georg Schreyögg sowie von Peter Conrad und mir herausgegebenen ,Managementforschung' erschienenen sind. Zum Teil handelt es sich dabei trotz oder gerade wegen der erst kurzen Rezeptionsgeschichte der Netzwerkforschung bereits um Klassiker.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Editorial

Editorial — Über Netzwerke, Allianzsysteme, Verbünde, Kooperationen und Konstellationen

Zusammenfassung
Kaum ein Konzept hat in der Managementlehre und -praxis im letzten Jahrzehnt soviel Furore gemacht wie das des Netzwerks. Sofern damit überhaupt eine Organisationsform ökonomischer Aktivitäten in den Blick genommen wird, beschreibt dieser Begriff die Kooperation in und/oder zwischen relativ autonomen, gleichwohl in ein Netz von Beziehungen eingebundenen Organisationen bzw. Unternehmungen (oder Organisationseinheiten). Faktisch stellt die Netzwerkorganisation, die ein erhebliches Maß an strategischer Flexibilität aufweisen soll, das Gegenmodell zur vertikal tief integrierten und/oder breit diversifizierten Unternehmung dar.
Jörg Sydow

Ökonomie, Vertrauen und Macht

Ökonomische Analyse von Unternehmensnetzwerken

Zusammenfassung
Unternehmensnetzwerke, eine Koordinationsstruktur zwischen Markt und Hierarchie, finden in der Praxis als neue Form der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen zunehmend Anwendung. Es wird die Auffassung vertreten, daß die Entstehung von Unternehmensnetzwerken auf eine Verschärfung der wettbewerblichen Anforderungen in bezug auf Innovation, Schnelligkeit, Qualität und Kosten zurückzuführen ist. Ziel von Unternehmensnetzwerken ist es, durch eine koordinierte Strategie mehrerer formal unabhängiger Unternehmen eine kollektive Effizienzsteigerung zu erzielen und damit die individuelle Wettbewerbsposition zu verbessern.
Holger Siebert

Effizienz und Autonomie in Zulieferungsnetzwerken — Zum strategischen Gehalt von Kooperation

Zusammenfassung
Die Wirtschaftsorganisation moderner Industriegesellschaften befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Überall sind — unbeschadet anhaltender Konzentrationstendenzen — neue Formen der Dezentralisierung zu beobachten. Davon ist sowohl die Betriebsförmigkeit der Produktion als auch die Marktförmigkeit der unternehmensübergreifenden Austauschprozesse betroffen. Zwischen „Hierarchie“ und „Markt“ drängen sich neue Koordinationsformen, die mit Begriffen wie „Netzwerk“ und „Kooperation“ belegt werden. Während die Praxis stürmisch voranschreitet und die empirische Forschung eine Fülle deskriptiven Materials bereitstellt, hinkt das analytische Verständnis der beobachtbaren Vorgänge jedoch noch deutlich hinterher. Der folgende Beitrag will hier einen Schritt weiterführen. Dabei wird eine theoretische Interpretation entwickelt, die gegenüber den verbreiteten, vornehmlich harmoniebetonenden Deutungen der neuen Austauschformen eine neutrale Konzeptualisierung erlaubt.
Klaus Semlinger

Vertrauen und Macht in zwischenbetrieblichen Kooperationen — zur Rolle von Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsverbänden in Deutschland und Großbritannien

Zusammenfassung
Dieser Beitrag setzt sich zunächst auf theoretischer Ebene mit der sozialen Funktion von Vertrauen, den Voraussetzungen der Entwicklung von Vertrauen und dem Gedanken auseinander, daß Macht als ein Mechanismus rekonstruiert werden kann, der in seiner funktionalen Wirkungsweise ähnlich strukturiert ist wie Vertrauen. Der zweite Teil basiert auf empirischen Beobachtungen und untersucht aus einer vergleichenden Perspektive (Deutschland und Großbritannien) den Einfluß, den Wirtschaftsverbände und Wirtschaftsrecht auf die Qualität von zwischenbetrieblichen Beziehungen haben. Die zentrale These, die in dieser Arbeit theoretisch entwickelt sowie empirisch belegt wird, besagt, daß im Verhältnis zwischen Unternehmen mit größerer Wahrscheinlichkeit Vertrauen entsteht, wenn erstens die sozio-ökonomischen Rahmenstrukturen tragfähig und konsistent sind, und zweitens die interorganisationalen Austauschbeziehungen tief in ihre jeweilige institutionelle Umwelt eingebettet sind. Weiterhin wird erörtert, weshalb Macht als alternativer Mechanismus zur Koordination von sozialen Erwartungen und Handlungsweisen an Bedeutung gewinnt, wenn — umgekehrt — die institutionellen Ordnungsmuster und die Verankerungen der konkreten Beziehungen in ihnen eher schwach ausgeprägt sind. Dabei werden Vertrauen und Macht nicht als dichotomisch entgegengesetzte Konzepte konstruiert. Vielmehr wird gezeigt, daß eng geknüpfte und stabile institutionelle settings bestimmte Aspekte von Macht und Herrschaft zum Ausdruck bringen, die für die Entwicklung von Vertrauen auf der Interaktionsebene durchaus förderlich sind.
Reinhard Bachmann, Christel Lane

Wissen, Lernen und Virtualisierung

Wissensintensiv durch Netzwerkorganisation — Strukturationstheoretische Analyse eines wissensintensiven Netzwerkes

Zusammenfassung
Am Beispiel der Wissensspeicherung und -generierung in einem strategischen Unternehmungsnetzwerk aus dem Finanzdienstleistungssektor werden einige Grundprobleme und mögliche Lösungsansätze der Wissensorganisation ausgelotet. Der aus einer strukturationstheoretischen Perspektive analysierte Netzwerkfall zeigt, daß insbesondere mit der Organisation von Expertenwissen verbundene Probleme durch eine adäquate Netzwerkorganisation gelöst werden können. Dazu gilt es personenungebundene und personenabhängige Speicherungsmöglichkeiten geschickt zu kombinieren und verschiedene Modi der Wissensgenerierung im Netzwerk zusammenwirken zu lassen. Aufgrund der Wissensorganisation im Netzwerk, die sich in dem Fall als strategische Ressource erweist, können sogar abhängige Selbständige am Markt wie wissensintensive Unternehmungen agieren.
Jörg Sydow, Bennet van Well

Interorganisationales Lernen: Lernen in, von und zwischen Organisationen

Zusammenfassung
Organisationales Lernen ist nicht mit der Summe individuellen Lernens gleichzusetzen; oftmals wird aber eine Analogie zwischen beiden angenommen. Heterogene Ansätze des organisationalen Lernens dienen als mögliche Quelle für eine Anwendung auf der Interorganisationsebene. Allerdings wird hier besonders die Unbestimmtheit des dem organisationalen Lernen zugrundeliegenden Organisationsbegriffes offensichtlich. Systemtheoretische Ansätze verdeutlichen dieses Problem weiter. Dazu werden Perspektiven des interorganisationalen Lernens aufgezeigt, die sich mit systemtheoretischen Annahmen vereinbaren lassen.
Christiane Prange

Die Internet-Unterstützung Virtueller Unternehmen

Zusammenfassung
Die Entwicklung der Informationstechnologie hat mit der Kommerzialisierung des Internet einen Bruch erlebt, der in vielen Branchen zu Veränderungen führt. Es lohnt sich deshalb, die aktuellen Veränderungen in den Unternehmensstrukturen aufzugreifen. Der folgende Beitrag beschreibt das Virtuelle Unternehmen als eine durch Internet unterstützte neue Organisationsform. Dabei begegnet er dem Problem, daß weder über die kommerzielle Internet-Nutzung, noch über Virtuelle Unternehmen ausreichende Erkenntnisse vorliegen. Im ersten Teil werden deshalb die zur Zeit bekannten Definitionsmerkmale Virtueller Unternehmen aufgegriffen und durch Beschreibungsmodelle illustriert. Der zweite Teil beschreibt die Möglichkeiten der Technologie und geht auf die Erfüllung der Bedürfnisse Virtueller Unternehmen ein. Um einen Beitrag zur genaueren Definition von Anforderungen zu leisten, ist der Teil durch Beispiele angereichert, die spezifische Situationen aufzeigen. Den Abschluß bildet eine zusammenfassende Beschreibung der bisher erkannten Wettbewerbswirkungen der Internet-Nutzung.
Pascal Sieber

Kooperation, Arbeit und Mitbestimmung

Störungen zwischenbetrieblicher Kooperation — Eine Fallstudie zum Grenzstellenmanagement in der Automobilindustrie

Zusammenfassung
Das Vermögen zu kooperativen Formen der Zusammenarbeit zwischen Herstellern und Zulieferern wird immer mehr zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für beide Seiten. Es gibt jedoch wenig Kenntnisse über die Voraussetzungen und Probleme von zwischenbetrieblichen Kooperationsbeziehungen. Bislang dominieren in der Literatur strategische Kooperationskonzepte, bei denen soziale Prozesse weitgehend ausgeklammert bleiben. Im folgenden werden Ansatzpunkte für eine prozessuale Perspektive von Kooperationen aufgezeigt. Anhand empirischer Untersuchungsbefunde aus der Automobilindustrie werden zwischenbetriebliche Störungen als Kooperationschance beleuchtet. Schließlich geht es um Gestaltungsperspektiven zur Verbesserung zwischenbetrieblicher Kooperationen.
Egon Endres, Theo Wehner

Mitbestimmung und logistische Kette

Zusammenfassung
Die Organisation des Betriebsablaufs liegt nicht allein in der Hand des Managements, sondern unterliegt in wesentlichen Teilen der Mitbestimmung des Betriebsrates. Im Rahmen systemischer Rationalisierung erweist sich das traditionelle Modell betrieblicher Mitbestimmung als unzulänglich. Die Betriebsbezogenheit der Mitbestimmungsrechte im Betriebsverfassungsgesetz ist kaum kompatibel mit den komplexen unternehmerischen Entscheidungsstrukturen in „logistischen Ketten“. Die Rechtswissenschaft ist nunmehr herausgefordert, Lösungen zu entwickeln, die eine effektive Ausübung des Mitbestimmungsrechts auch in solchen Produktionssystemen ermöglichen. In der Diskussion stehen verschiedene rechtliche und informelle Ansätze zur Kompensation entstehender Mitbestimmungsdefizite.
Wolfgang Däubler

Perspektiven

Management von Netzwerkorganisationen — Zum Stand der Forschung

Zusammenfassung
Dieser Beitrag stellt Netzwerke als Form der Primärorganisation vor, von der sich Unternehmungen selbst in turbulenten Umwelten eine dauerhafte Sicherung strategischer Wettbewerbsvorteile versprechen. Diese Form ist mit dem jüngeren organisatorischen Postulat nach einer konsequenten Prozeßorientierung nicht nur vereinbar, sondern kann geradezu als logische Konsequenz der Umsetzung dieses Organisationsprinzips gelten. Obwohl es zweckmäßig erscheint, verschiedene Netzwerktypen zu unterscheiden, können dieser Organisationsform ökonomischer Aktivitäten generell bestimmte Chancen und Risiken zugeschrieben. Zudem können vier basale Managementfunktionen identifiziert werden, deren kompetente Wahrnehmung einem Netzwerkversagen vorbeugen kann. Die Problematik des Managements von Netzwerkorganisationen wird dabei mit Blick auf die erforderlichen Managementkompetenzen analysiert, bevor Stand und Perspektiven der Managementforschung zur Netzwerkorganisation abschließend resümiert werden.
Jörg Sydow

Backmatter

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