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Über dieses Buch

Seit frühester Zeit setzt sich der Mensch in zweifacher Hinsicht mit dem Wasser auseinander. Einerseits benötigt er es zum Leben (Haus­ wirtschaft, Landwirtschaft), aber auf der anderen Seite muß er sich gegen Hochwasser schützen. So gehören Einrichtungen zur Nutzung des Wassers und Bauten zum Schutz gegen das Wasser zu den ältesten technologischen Errungenschaften des Menschen. Ausgedehnte Hoch­ wasserschutzmaßnahmen und Bewässerungssysteme waren die Grund­ lagen der ersten geschichtlichen Hochkulturen in den Tälern des Nils, des EuphratfTigris, des Indus und des Hoang-Hos. Die großen Städte des Altertums verfügten über eine hervorragende Wasserversorgung, meist verbunden mit bemerkenswerten Abwassersystemen. Wie in den ersten Anfängen der Geschichte des seßhaften Menschen, so ist auch heute die wasserwirtschaftliehe Infrastruktur eine der wesentlichsten Grundlagen der Zivilisation. Hochwasserschutz und Hochwasserentla­ stung sind nach wie vor höchst aktuelle Themen. Im 20. Jahrhundert bereiten Planung, Bemessung, Bau und Betrieb derartiger Anlagen keine grundlegenden Schwierigkeiten, steht uns doch ein reiches mathematisches, hydromechanisches, statisches und bodenmechanisches Wissen zur Verfügung. Als jedoch im Altertum mit dem Bau großer wasserwirtschaftlicher Systeme technisches Neuland betreten wurde, fehlten selbst die einfachsten Kenntnisse in diesen Wissenschaften. Basis des empirisch-pragmatischen Bauens waren damals das Vermögen, sich in physikalisch-hydraulische Vorgänge ein­ fühlen zu können, die über Generationen gesammelten Erfahrungen aus 6 Vorwort vorangegangenen Erfolgen und Fehlschlägen sowie ein hochstehendes handwerkliches Können. Nur mit diesen Mitteln wurden Anlagen ge­ plant, gebaut und betrieben, die zu den hervorragenden Leistungen der frühen Technik zählen und von denen einige als Meilensteine der Tech­ nikgeschichte einzustufen sind.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Der Sadd el-Kafara, die älteste Großtalsperre der Welt

Zusammenfassung
Im Jahre 1885 entdeckte der Afrikaforscher und Geograph Georg Schweinfurth [SCH 22] im Wadi Garawi am östlichen Nilufer die Reste einer geschichtlichen Talsperre (Abb. Seite 8, Abb. 1). Er schreibt: „...hatten die alten Ägypter in einem Tale... ein gemauertes Stauwerk zu dem Zweck ausgeführt, um die in regenreichen Wintern von den höher gelegenen Plateaustufen der östlichen Gebirgswüste oft mit großem Ungestüm herabkommenden Wassermassen aufzufangen und das von steilen Felswänden eng eingeschlossene Talbett auf eine weite Strecke zu einem dauernden Sammelbecken zu gestalten...“.
Günther Garbrecht

Die wasserwirtschaftliche Erschließung der Fayum-Senke (Ägypten)

Zusammenfassung
Das Fayum ist eine rund 1800 km2 große Depression westlich des Nils, etwa 75 km südlich von Kairo (Abb. 1). Die Senke ist mit dem Niltal durch einen 15 km langen und im Mittel 1.5 km breiten Durchbruch durch die Randberge der Libyschen Wüste verbunden. Sie fällt von Osten und Westen von +20 m NN auf −45 m NN ab und verwandelte sich vor etwa 2000 v.Chr. durch Überschwemmungen bei besonders hohen Wasserständen im Niltal immer wieder in einen großen See. Permanente Siedlungen bestanden nur am Seerand und auf hoch gelegenen Flächen im östlichen Teil der Senke. Landwirtschaftlich genutzt wurden zu dieser Zeit nur rund 100 km2.
Günther Garbrecht

Das Wasserversorgungssystem von Ninive und der Aquädukt von Jerwan

Zusammenfassung
Sanherib (705–681 v.Chr.) war eine der stärksten Persönlichkeiten in der langen Folge assyrischer Könige. Er war einerseits interessiert an Wissenschaft und Kunst, war brilliant als Stratege, Architekt und Techniker, gehörte andererseits jedoch zu den grausamsten und despotischsten Herrschern in der Geschichte Assyriens. In seinem Willen, Ninive zur ersten Stadt des Reiches zu machen, die es an Größe und Pracht mit der großen Rivalin Babylon aufnehmen konnte, entfaltete er unter dem Einsatz riesiger Zwangsarbeiterheere eine alles Bisherige übersteigende Bautätigkeit.
Günther Garbrecht

Die Wasserleitung des Eupalinos auf Samos

Zusammenfassung
In der Mitte des 6. Jahrh. v.Chr., als Samos kulturell und politisch auf dem Gipfel seiner geschichtlichen Bedeutung stand, wurde für die Wasserversorgung der Stadt eine Leitung gebaut, die Herodot in seinen Historien (III.6) zu den gewaltigsten Bauten in Hellas rechnet:
„Ich habe habe so ausführlich über Samos berichtet, weil die Samier die gewaltigsten Bauwerke geschaffen haben, die sich in ganz Hellas befinden. Erstens haben sie durch einen einhundertfünfzig Klafter hohen Berg einen Tunnel gebohrt, der am Fuße des Berges beginnt und nach beiden Seiten Mündungen hat. Dieser Tunnel ist sieben Stadien lang und acht Fuß hoch und breit. Unter diesem Tunnel ist seiner ganzen Länge nach ein zweiter, zwanzig Ellen tiefer und drei Fuß breiter Tunnel gegraben. Durch diesen letzteren wird aus einer großen Quelle das Wasser in Röhren in die Stadt geleitet. Diese Wasserleitungsanlage wurde gebaut von Eupalinos, Naustrophos’ Sohn aus Megara...“
Günther Garbrecht

Grundwassererschließung durch Kanate

Zusammenfassung
In den höher gelegenen, ariden (trockenen) und halbariden Gebieten des Nahen und Mittleren Ostens standen größere Flüsse, wie beispielsweise in Ägypten, in Mesopotamien oder im Indus-Tal, zur Deckung des Bedarfs an Trink-, Brauch- und Bewässerungswasser nicht zur Verfügung. Eine über das ganze Jahr gesicherte Wasserversorgung war auf den Hochebenen nur aus dem Grundwasserpotential heraus möglich. Um den mühsamen und in der Leistung begrenzten Prozeß der manuellen vertikalen Wasserförderung aus Brunnen zu umgehen, ist hier um 1000 v.Chr. eine Methode entwickelt worden, mittels der das Grundwasser im freien Gefälle durch leicht geneigte Wassersammelgalerien verfügbar gemacht wird. Diese Wasserstollen werden auf arabisch Kanat, Qanat oder Ghanat bzw. auf persisch Käris, Keriz oder Karez genannt.
Günther Garbrecht

Die Wasserversorgung des antiken Pergamon und die hellenistische Druckleitung

Zusammenfassung
Die antiken Städte des Mittelmeerraumes sind in bezug auf Architektur und Kunst ein Begriff. Der hohe Stand des technischen Könnens bei Planung, Bau und Betrieb der hervorragenden Infrastruktur dieser Städte (Verkehr, Wasserversorgung und -entsorgung) wird im Vergleich dazu, wenn überhaupt, nur am Rande erwähnt. So ist z.B. Pergamon in erster Linie durch seine Bibliothek und den Zeus-Altar bekannt. Daß für die Wasserversorgung der exponiert auf einem einzeln stehenden Bergmassiv liegenden Stadt (Abb. 1) Maßnahmen und Bauwerke erforderlich waren, die in bezug auf Planung und Ausführung den großen zeitgenössischen künstlerischen und architektonischen Leistungen durchaus ebenbürtig waren, wird dagegen nur selten vermerkt. Insbesondere die in die Königsstadt auf der Spitze des Burgberges Pergamon führende Druckleitung gehört zu den Meilensteinen der Technikgeschichte.
Günther Garbrecht

Die Wasserversorgung der Festung Masada

Zusammenfassung
Das Felsmassiv Masada ist Teil des zum Toten Meer steil abfallenden Ostrandes der Judäischen Wüste. Der Dolomit-Block ragt 330 m aus der Küstenebene des Toten Meeres auf und ist von den westlich anschließenden Bergen durch einen tief eingeschnittenen Sattel getrennt. Mit seinen nach allen Seiten vertikal abfallenden Flanken bildet das 650 m lange und 300 m breite Gipfelplateau eine gut zu verteidigende, natürliche Festung (Abb. 1). Der älteste Ausbau von Masada wird dem hasmonäischen Hohepriester und König Alexander Jannai (103–77 v.Chr.) zugeschrieben. Auch nach dem großzügigen Ausbau Masadas und der Errichtung reich ausgestatteter Palastanlagen durch Herodes (37–4 v.Chr.) behielt der Platz für den König die Bedeutung einer Festung und sicheren Zufluchtstätte.
Günther Garbrecht

Die Wasserversorgung des antiken Rom

Zusammenfassung
Die technische Infrastruktur der großen Städte des Altertums tritt in den Geschichtsbüchern und in den Fachveröffentlichungen meist in den Hintergrund, da den zum größten Teil unterirdisch verlegten Zisternen, Kanälen, Rohren und Absetzbecken nicht der gleiche Stellenwert beigemessen wird wie beispielsweise Theatern, Tempeln, Thermen oder Königspalästen. Es steht jedoch außer Zweifel, daß viele der hydrotechnischen Anlagen der großen Städte des Altertums in der Großartigkeit ihrer Konzeption und in der hochstehenden Technik ihrer Ausführung den architektonischen Leistungen ihrer Zeit durchaus ebenbürtig waren. Eines der hervorragendsten Beispiele dafür ist die antike Weltstadt Rom, deren Wasserversorgungs- und Abwassersystem in Planung, Bau und Betrieb auf einer Stufe stand, wie sie nach dem Verfall der Stadt in der Mitte des 1. Jahrt. n.Chr. erst im 19. und 20. Jahrhundert wieder erreicht worden. ist.
Günther Garbrecht

Antike Druckleitungen

Zusammenfassung
Für die großen Metropolen des Altertums sind Versorgungssysteme geplant und gebaut worden, die bei steigendem Bedarf schließlich das gesamte Wasserpotential der näheren und weiteren Umgebung ausnutzen mußten. So wurde z.B. Rom durch 11 Fernwasserleitungen mit Wasser versorgt, die sukzessiv in dem halben Jahrtausend zwischen 312 v.Chr. und 226 n.Chr. entstanden sind (vgl. vorhergehendes Kapitel: Rom). Die 10 großen Leitungen zum antiken Pergamon wurden zwischen 200 v.Chr. und 200 n.Chr. angelegt (vgl. Kapitel: Pergamon). Die längsten der geschichtlichen Kanäle waren die Leitung von Zaghou­an nach Karthago (132 km) und die Aqua Marcia aus den Sabiner Bergen nach Rom (91 km).
Günther Garbrecht

Römische Aquädukte

Zusammenfassung
Auf dem Gebiet der Hydrotechnik waren zur Zeit des Aufstiegs Roms zur Weltmacht alle technischen Grundelemente und die Möglichkeiten ihres zweckmäßigen Einsatzes bekannt. Trotzdem sind die römischen Wasserversorgungsanlagen keine Nachahmung älterer Vorbilder. Kühle Analyse der Probleme, die bei der Wasserversorgung großer Städte auftreten, folgerichtige Anwendung und ständige Verbesserung der Bautechnologie sowie die Einführung des Rundbogens und später des Backsteinbaus in den Wasserbau (all das auf der Grundlage der großen wirtschaftlichen Kraft des Reiches) führten zum Bau und zum erfolgreichen Betrieb von Wasserversorgungssystemen, wie sie in bezug auf Abmessungen, technische Qualität und betriebliche Effizienz bis dahin nicht bekannt waren und sie (insbesondere in hygienisch-gesundheitlicher Hinsicht) auch nachher bis hin ins 19. Jahrhundert nur selten wieder gebaut wurden.
Günther Garbrecht

Schutzbauten für den Hafen von Seleukeia Piera

Zusammenfassung
Die Stadt Seleukeia Piera, nahe der Mündung des Orontes, wurde von dem syrischen König Selefkus I. Nicator (358–280 v.Chr.) als Hafenstadt des rund 20 km von der Küste entfernt liegenden Antiochia (heute Antakya) gegründet. Sie liegt beim heutigen Ort Cevlik, nahe dem Fuß des Moses-Berges (Musa Dag), der im Mittelpunkt von Werfels berühmtem Roman Die 40 Tage des Musa Dag steht. Die Stadt war von 245 bis 219 v.Chr. vorübergehend in ptolemäischem Besitz und entwickelte sich dann in römischer Zeit zu einem wichtigen Flottenstützpunkt im östlichen Mittelmeer. Die Stadt, die in ihrer Blütezeit 30.000 Einwohner zählte, und das geschichtliche Hafenbecken waren von einer starken, einst 12.5 km langen Mauer umgeben (Abb. 1). Zu den bekanntesten Ruinen im Stadtbereich gehören zwei Tempel (in dorischem bzw. ionischem Stil) und das große Markttor mit seinen beiden flankierenden Türmen.
Günther Garbrecht

Abschließende Anmerkung

Zusammenfassung
Rückblickend auf die hochstehende planerische und bautechnische Qualität der hydrotechnischen Infrastrukturen der Staaten und Städte im Altertum, von der die in diesem Band dargestellten Beispiele Zeugnis ablegen, ist den geschichtlichen Baumeistern für ihre ingenieurtechnisch-schöpferische Leistung Bewunderung und Hochachtung zu erweisen. Eine funktionierende Wasserbewirtschaftung und Wasserversorgung gehörte zu den wesentlichsten Voraussetzungen für die Entwicklung und Blüte der alten Kulturen. Ausweislich zahlreicher Inschriften identifizierten sich die Herrscher voll Stolz mit den unter ihrer Herrschaft errichteten großen Wasserbauwerken. Auch die Gesellschaft war sich der Bedeutung dieser Maßnahmen und Bauten für ihre Existenz bewußt und bewunderte sie.
Günther Garbrecht

Backmatter

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