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Über dieses Buch

Fabian Beckmann untersucht mit Minijobs eine kontrovers debattierte Beschäftigungsform im deutschen Arbeitsmarkt- und Sozialmodell. Angesichts einer „Minijobdebatte ohne Minijobber“ liegt der Fokus der Analyse auf der subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung der Arbeitssituation von geringfügig Beschäftigten. Die empirischen Befunde zeichnen ein ambivalentes Bild: Zahlreichen erwerbsbezogenen objektiven Risiken von Minijobs stehen überwiegend positive subjektive Beurteilungen der Arbeitsqualität sowie eine hohe Arbeitszufriedenheit unter den Beschäftigten entgegen. Der Autor unterstreicht die Bedeutung subjektiver Analysezugänge und multidimensionaler Untersuchungsansätze für die sozialwissenschaftliche Arbeitsforschung.

Inhaltsverzeichnis

Frontmatter

Kapitel 1. Einleitung

Zusammenfassung
Als sich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Winter 2017 in seiner Titel- Story der sozialen Lage in Deutschland widmete, entschieden sich die beteiligten Redakteure für zwei unterschiedliche Titelbilder: während die eine Hälfte dieser Auflage mit einem leuchtend goldenen Hintergrund unterlegt war und titelte, wie gut es den Menschen in Deutschland gehe, erschien die andere Hälfte mit einem tiefschwarzen Hintergrund und einer pessimistischen Zeitdiagnose hinsichtlich der sozialen Lage in Deutschland (vgl. Der Spiegel 2017). Diese Wahl zweier unterschiedlicher Titelbilder ist nicht bloß eine Spielerei eines großen deutschen Nachrichtenmagazins, sondern steht exemplarisch für zahlreiche mediale, politische und wissenschaftliche Debatten um die soziale und wirtschaftliche Lage Deutschlands. Auf der einen Seite prosperiert die deutsche Wirtschaft wie seit Jahrzehnten nicht mehr, was sich auch in einer in den vergangenen zehn Jahren positven Arbeitsmarktentwicklung niederschlägt.
Fabian Beckmann

Kapitel 2. Arbeitsmärkte und Erwerbsarbeit im Wandel

Zusammenfassung
Arbeit ist seit jeher fester Bestandteil des menschlichen Lebens, auch wenn sich die Art und Weise ihrer Erbringung und die ihr zugeschriebene individuelle und kollektive Bedeutung in der Menschheitsgeschichte stark gewandelt haben (für einen anschaulichen Überblick hierzu vgl. Kocka 2000 sowie Bahrdt 1983). Arbeit wird in der Soziologie als vielschichtiges Phänomen verstanden und ist abzugrenzen von Formen der Freizeitgestaltung oder des Müßiggangs (vgl. Hoose 2016: 52). Als Tätigkeit ist Arbeit eine Form sozialen Handelns, das nach Weber verstanden werden kann als „menschliches Verhalten […], wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden“ (Weber 2010 [1922]: 3).
Fabian Beckmann

Kapitel 3. Geringfügige Beschäftigung in Deutschland

Zusammenfassung
Was in Deutschland als geringfügige Beschäftigung gilt, wird in §8 des Sozialgesetzbuches, Viertes Buch definiert. Demnach liegt eine geringfügige Beschäftigung vor, „wenn 1. das Arbeitsentgelt aus dieser Beschäftigung regelmäßig im Monat 450 Euro nicht übersteigt, 2. die Beschäftigung innerhalb eines Kalenderjahres auf längstens zwei Monate oder 50 Arbeitstage nach ihrer Eigenart begrenzt zu sein pflegt oder im Voraus vertraglich begrenzt ist, es sei denn, dass die Beschäftigung berufsmäßig ausgeübt wird und ihr Entgelt 450 Euro im Monat übersteigt“. Für die Zeit vom 1. Januar 2015 bis zum 31. Dezember 2018 gilt für die kurzfristige Beschäftigung jedoch eine Sonderregelung, die in §115 des Sozialgesetzbuches, Viertes Buch festgeschrieben ist.
Fabian Beckmann

Kapitel 4. Die subjektive Wahrnehmung von Erwerbsarbeit: Arbeitsqualität und Arbeitszufriedenheit

Zusammenfassung
Wie zu Beginn dieser Arbeit dargelegt, erfüllt Erwerbsarbeit verschiedene Funktionen, die auf individueller Ebene weit über die reine materielle Daseinsfürsorge hinausgehen. Wenn Erwerbsarbeit als eine Form sozialen Handels verstanden werden kann, die identitätsbildend wirkt, positive psychosoziale Wirkungen haben kann und in eine Vielzahl sozialer Prozesse eingebunden ist, so folgt hieraus, dass für eine differenzierte Analyse von Erwerbsarbeit eine stärkere Integration der subjektiven Wahrnehmungen und Beurteilungen der Beschäftigten notwendig ist. Dies gilt, wie in den obigen Ausführungen deutlich wurde, insbesondere auch für atypische Beschäftigungsformen und der in ihnen geleisteten Erwerbsarbeit und im Speziellen für die geringfügige Beschäftigung, in deren Erforschung und Analyse eine derartige Perspektive bislang nur eine marginale Beachtung findet.
Fabian Beckmann

Kapitel 5. Untersuchungskonzept und Forschungsdesign

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit hat zum zentralen Ziel, eine mehrdimensionale Vermessung geringfügiger Beschäftigung vorzunehmen und hierbei insbesondere die subjektiven Einschätzungen und Beurteilungen der Minijobber in den Fokus der Betrachtung zu rücken. Da, wie gezeigt, eine derartige Forschungsperspektive bislang so gut wie nicht Gegenstand in der wissenschaftlichen Befassung mit Minijobs war, weisen insbesondere jene Teile der empirischen Untersuchung mit einem starken Fokus auf die subjektive Wahrnehmung der Minijobber einen explorativen Charakter auf. Hierbei geht es zentral um eine Abschätzung, Eruierung und Aufdeckung der Einschätzungen und Beurteilungen der in Minijobs beschäftigten Personen hinsichtlich ihrer Arbeits- und Beschäftigungssituation.
Fabian Beckmann

Kapitel 6. Empirische Befunde zur objektiven Arbeits- und Beschäftigungssituation geringfügig Beschäftigter

Zusammenfassung
In den folgenden Kapiteln und Abschnitten dieser Arbeit stehen die empirischen Befunde der Online-Befragung von geringfügig Beschäftigten im Zentrum des Interesses. Die Präsentation der empirischen Befunde orientiert sich an dem oben vorgestellten Untersuchungskonzept, welches dieser Arbeit zugrunde liegt. Zunächst wird im sechsten Kapitel die objektive Arbeits- und Beschäftigungssituation von Minijobbern beleuchtet.
Fabian Beckmann

Kapitel 7. Minijobs im Spiegel der Beschäftigten: Zur subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung von Minijobs

Zusammenfassung
Nachdem die soziodemografische Zusammensetzung, die Haushalts- und Familienkontexte sowie die objektiven Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen geringfügig Beschäftigter ausgeleuchtet wurden, stehen im Folgenden die subjektiven Wahrnehmungen und Beurteilungen der Minijobber im Zentrum der Analyse. Die obigen Ausführungen in dieser Arbeit haben unterstrichen, dass durch die Integration der subjektiven Perspektiven der geringfügig Beschäftigten eine differenziertere und mehrdimensionale Vermessung dieser Erwerbsform und der hier geleisteten Erwerbsarbeit möglich ist. Die Hinzunahme subjektiver Einschätzungen kann somit wichtige zusätzliche Forschungserkenntnisse liefern und bislang nur wenig beachtete Aspekte dieser Erwerbsform zu Tage fördern, die auch dabei helfen können, die Diskrepanz zwischen den zum Teil unterdurchschnittlichen objektiven Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen – etwa hinsichtlich der Entlohnung oder der Gewährung gesetzlich zugesicherter Arbeitnehmerrechte – und der ungebrochen hohen Attraktivität dieser Erwerbsform zu erklären.
Fabian Beckmann

Kapitel 8. Minijobs in Deutschland: Erwerbsarbeit zwischen objektiver Prekarität und subjektiver Zufriedenheit

Zusammenfassung
In Kapitel 6 und 7 dieser Arbeit wurden die empirischen Befunde der hiesigen Untersuchung präsentiert und diskutiert. Aufbauend auf dem unter 5.1 vorgestellten Untersuchungskonzept wurden für die empirische Analyse sechs zentrale Dimensionen untersucht, von denen zwei die soziodemografischen Merkmale, die Haushalts- und Familienkontexte der Beschäftigten sowie ihre objektiven Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen im Minijob zum Gegenstand hatten (Kapitel 6). Hierauf aufbauend wurden in Kapitel 7 die empirischen Ergebnisse zur subjektiven Wahrnehmung und Beurteilung der Arbeits- und Beschäftigungssituation unter Minijobbern beleuchtet, wobei hier vier zentrale Untersuchungsdimensionen im Fokus standen.
Fabian Beckmann

Kapitel 9. Fazit und Ausblick

Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit hatte die Untersuchung von Minijobs zum Gegenstand und hat insbesondere danach gefragt, wie geringfügig Beschäftigte ihre Arbeitsund Beschäftigungssituation subjektiv wahrnehmen und von welchen objektiven und subjektiven Faktoren eine negative oder positive Gesamtbeurteilung beeinflusst wird. Ausgangspunkt der Untersuchung waren die Wandlungsprozesse des deutschen Arbeitsmarktes und der auf ihm angebotenen und nachgefragten Erwerbsarbeit. Deutlich wurde, dass der Bedeutungsgewinn geringfügiger Beschäftigung in einen größeren Kontext der Flexibilisierung von Arbeitsmärkten und Erwerbsarbeit eingebettet ist, welcher auf struktureller Ebene zu einer Pluralisierung der Erwerbsformen sowie zur Herausbildung eines Niedriglohnsektors geführt hat.
Fabian Beckmann

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