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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

7. SLEs und die Konstruktion machbarer Problemstellungen

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Zusammenfassung

Was passiert, wenn zwar zu Beginn der SLEs erfolgreich machbare Problemstellungen in Aussicht gestellt wurden, im Verlauf der Experimente aber auf dem Street-level Hindernisse auftreten, die die Machbarkeit der zugrunde liegenden Problemstellung infrage stellen oder wenn sich auf dem Street-level neue Gelegenheiten bieten, die bisher bei der in Aussicht gestellten Machbarkeit noch nicht berücksichtigt wurden? In den folgenden Beschreibungen des experimentellen Prozesses wird aufgezeigt, wie die Konstruktion machbarer Problemstellungen und damit der ko-konstruktive Prozess der Aushandlung von Problemdefinitionen, Zielgruppen und Lösungsansätzen im weiteren Verlauf der SLEs fortgeführt wird.
Fußnoten
1
Vgl. Fußnote 4 in Kap 3.
 
2
Dazu zählen neben der MoBiBe die mobilen Berater*innen der Jobpoints (MoBiJob), die einerseits ein Netzwerk zu unterschiedlichen Arbeitgeber*innen bereitstellen und andererseits konkrete Stellenausschreibungen aushängen und Stellen vermitteln; die Job Coaches für Geflüchtete, deren Ansatz sich in Anlehnung an die Arbeit mit Langzeitarbeitslosen durch eine intensivere Begleitung einzelner Personen über einen längeren Zeitraum auszeichnet und in der Regel nicht bei der Vermittlung in eine bestimmte Maßnahme oder ein Praktikum, eine Ausbildung, ein Studium oder eine reguläre Stelle endet. Schließlich sollten Integrationslots*innen in den WiA-Büros aktiv sein, deren Arbeit eher an der Schnittstelle zwischen Sozialberatung und Fachberatung angesiedelt ist. Es gab zudem die Überlegung, dass Vertreter*innen des IQ-Netzwerkes Angebote zur Anerkennungsberatung vor Ort machen.
 
3
Brodkin spricht in diesem Zusammengang von dem häufig bei kennzahlenbasierter Steuerung beobachteten Anpassungsphänomen „meeting the numbers“ (Brodkin 2011: 265).
 
4
Mit Blick auf das Beispiel der WiA-Büros könnte argumentiert werden, dass sich die Bedürfnisse der Zielgruppe in der Zeit seit dem Jahr 2015 verändert haben und dass ein großer Teil der geflüchteten Menschen die Erstaufnahmeeinrichtungen verlassen hat und in kleineren Gemeinschaftsunterkünften oder eigenen Wohnungen lebt und jetzt lieber eine Beratungseinrichtung in einem Ladengeschäft aufsuchen möchte. Die Veränderung des räumlichen Ansatzes regiert also auf die Veränderung der Bedürfnisse der Zielgruppe. Gegen dieses Argument spricht bereits, dass auch in den Jahren nach 2015 zahlreiche Schutzsuchende neu nach Berlin kamen und zuerst in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht wurden. Noch wichtiger ist aber die Beobachtung, dass es sich bei der Anpassung der Ansätze eben nicht um eine Kausalbeziehung zwischen sich verändernden Problemen und Bedürfnissen der Zielgruppe (Ursache) auf der einen Seite und darauf reagierende Lösungsansätze (Wirkung) auf der anderen Seite handelt, sondern um ein wechselseitiges Zusammenspiel, bei dem unter anderem auch Veränderungen auf Seiten der Lösungsansätze zu einer Anpassung der Zielgruppen oder zu einer Umdeutung der zugrundeliegenden Probleme führen können.
 
Metadaten
Titel
SLEs und die Konstruktion machbarer Problemstellungen
verfasst von
Felix Maas
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-38335-0_7