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2022 | OriginalPaper | Buchkapitel

5. Sozialpolitik: Corona, Suizid und digitale Beratungsangebote in Japan

verfasst von: Karin -Ulrike Nennstiel

Erschienen in: Corona und die anderen Wissenschaften

Verlag: Springer Fachmedien Wiesbaden

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Zusammenfassung

In Japan führte Covid-19 im Jahr 2020 zu mehr Suizid- als Corona-Toten. Bestimmte sozioökonomische Strukturen machen einige Alters- und Geschlechtsgruppen für die Negativkonsequenzen von Kontakteinschränkungen besonders anfällig, insbesondere Jugendliche und junge Frauen.
Nach einer eingehenden Analyse der Daten suizidaler Tendenzen spezifischer Bevölkerungssegmente und der Ursachen dieser Tendenzen unter den Bedingungen der Pandemie werden im vorliegenden Beitrag digitale Beratungsangebote als wichtigstes Mittel zur Unterstützung der Betroffenen und als zentrale Maßnahme der Regierung zur Vorbeugung gegen Suizid erörtert. Dabei zeigt sich, dass mit Beratungsangeboten per Chat junge Menschen am besten erreicht und Suizide verhindert werden können. Um jedoch die Probleme, die den suizidalen Entwicklungen zugrunde liegen, nachhaltig zu beheben, bedarf es struktureller Veränderungen.
Fußnoten
1
Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch im „Corona-Jahr“ begingen mehr Männer als Frauen Suizid. Der Beitrag konzentriert sich jedoch auf die Veränderungen unter dem Einfluss der Pandemie.
 
2
Während der Schulschließungen im Frühjahr allerdings sank die Suizidrate unter Schüler*innen um 49 % (vgl. Tanaka und Okamoto 2021, S. 232).
 
3
Sowohl aufgrund der Datenlage, die ausschließlich nach Alterskohorten und bipolaren Geschlechterkategorien differenziert, als auch aus Platzgründen kann im Folgenden weder auf die besonders hohe Suizidrate sexueller noch ethnischer oder anderer Minderheiten näher eingegangen werden.
 
4
Tanaka und Okamoto (2021, S. 231) nennen für Hausfrauen 132 % Zunahme, doch differieren Zeitraum und Grundeinheit der Berechnungen.
 
5
Andere soziologische Studien legen die zweite Alternative nahe, doch lässt sich Entsprechendes hier nicht belegen.
 
6
In Japan gilt nur als „arbeitslos“, wer im Untersuchungszeitraum aktiv auf Arbeitssuche war und jederzeit eine Tätigkeit aufnehmen könnte. Besonders Frauen und ältere Menschen, denen Hoffnung auf einen Arbeitsplatz unrealistisch erscheint, zählen daher meist nicht als „arbeitslos“.
 
7
Besonders in diesem Bereich messen Teilzeitkräfte – ungeachtet aller finanziellen Sorgen – gesundheitspolitischen Maßnahmen der Regierung eine besonders hohe Bedeutung bei (Okubo 2021, S. 5). Wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen hingegen bevorzugen vor allem Männer der mittleren bis oberen Einkommensklassen, die im Homeoffice arbeiten oder durch flexible Büroarbeitszeiten die gesundheitlich riskante Rush Hour vermeiden können (vgl. Okubo und NIRA 2021, S. 167 f.).
 
8
In Japan nehmen Kinder bis zum Ende der 9-jährigen Schulpflicht mittags über die Schulspeisung eine Mahlzeit zu sich (vgl. Nennstiel und Kohler 2013).
 
9
Ältere Schüler*innen oder (dienst-)ältere Kollg*innen.
 
10
Social Networking Service.
 
11
Eine Ausnahme scheinen Studierende zu bilden, die SNS eher mit privaten Kontakten verbinden und bequem in einer universitären Beratungsstelle vorbeischauen können (vgl. Nakagawa und Sugihara 2019; Koiwa et al. 2018; Itô und Takahashi 2019).
 
12
Die These, das Angebot einer SNS-Beratung in Nagano sei landesweit das erste gewesen (vgl. Tamai et al. 2019, S. 146), beruht auf einem Mangel ausreichender Recherche.
 
13
Seit 2018 arbeitet in dem Beratungsteam eine auf die Anliegen sexueller Minderheiten spezialisierte NGO-Vertreterin mit (vgl. Nennstiel 2021).
 
Literatur
Zurück zum Zitat Appleby L (2021) What has been the effect of covid-19 on suicide rates? BMJ 372: n834 Appleby L (2021) What has been the effect of covid-19 on suicide rates? BMJ 372: n834
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Zurück zum Zitat Nishimura Y (2020) Kodomo no jisatsu no tokuchô to denwa sôdan ya SNS sôdan ni yoru shien [Charakteristika des Suizids von Kindern und Hilfe durch Telefon- und SNS-Beratung]. In: Shoji kangô. Jpn J Child Nurs 43(1):92–97 Nishimura Y (2020) Kodomo no jisatsu no tokuchô to denwa sôdan ya SNS sôdan ni yoru shien [Charakteristika des Suizids von Kindern und Hilfe durch Telefon- und SNS-Beratung]. In: Shoji kangô. Jpn J Child Nurs 43(1):92–97
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Metadaten
Titel
Sozialpolitik: Corona, Suizid und digitale Beratungsangebote in Japan
verfasst von
Karin -Ulrike Nennstiel
Copyright-Jahr
2022
DOI
https://doi.org/10.1007/978-3-658-36903-3_5

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