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04.10.2016 | Unternehmen + Institutionen | Nachricht | Onlineartikel

Interdisziplinäre Forschung am Leichtbaucampus OHLF aufgenommen

Autor:
Angelina Hofacker

In Wolfsburg wurde ein neues Kompetenz- und Forschungszentrum für wirtschaftlichen Leichtbau und innovative Werkstoff- und Fertigungstechnologien eröffnet — die Open Hybrid LabFactory (OHLF).

Leichtere Werkstoffe und neue Produktionstechniken sollen dabei helfen, dass Automobile in großen Stückzahlen umweltfreundlicher hergestellt werden können. Entsprechende Schlüsseltechnologien für den Fahrzeugbau der Zukunft sollen am jüngst eröffneten Forschungscampus Open Hybrid LabFactory (OHlF) in Wolfsburg entwickelt werden.

Am Leichtbaucampus soll die gesamte Wertschöpfungskette für hybride Bauteile abgebildet werden, von der Konzeption über die Herstellung von Verstärkungstextilien und den hybriden Fertigungsprozessen bis hin zum Recycling. Ziel ist es, die Grundlage für die Produktion von besonders leichten und somit energie- und ressourceneffizienten Fahrzeugkarosserien und Antriebssystemen in hohen Stückzahlen zu schaffen.

Interdisziplinäre Forschung

Die Forscher entwickeln dafür die so genannte Hybridbauweise weiter. Dabei werden Werkstoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften, wie Metall, Kunststoff und textile Strukturen, zu möglichst leichten Bauteilen zusammengefügt. Dabei sollen sie dieselbe hohe Sicherheit und Leistung wie konventionelle Autos bieten.

Jeder Prozessschritt soll neben Partnern aus der universitären Forschung mit international agierenden Technologieführern besetzt werden. Um dies zu ermöglichen, sollen in der Forschungsfabrik Experten aus Universitäten, Forschungseinrichtungen unter einem Dach zusammenarbeiten. Unter der Federführung des Niedersächsischen Forschungszentrums Fahrzeugtechnik der TU Braunschweig (NFF) kooperieren dort Volkswagen, BASF, DowAksa, Engel, IAV, Magna, Siempelkamp, ThyssenKrupp, ZwickRoell, Institute der Fraunhofer-Gesellschaft, der TU Clausthal und der Universität Hannover sowie eine Vielzahl weiterer, auch kleiner und mittelständischer Unternehmen.

Serientaugliche Lösungen

"Mit der Open Hybrid Lab Factory holen wir die Flugzeugtechnologie des Leichtbaus auf die Straße. Leichter und dennoch sicher — das sind wichtige Parameter auf dem Weg zu einer nachhaltigen Automobilindustrie. Wolfsburg wird immer mehr zum Zentrum moderner und umweltfreundlicher Technologien und das ist gut so", sagte Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen im Rahmen der feierlichen Eröffnung des Forschungszentrums am 22. September 2016. Der Campus ist in Wolfsburg, unweit des Stammwerks von Volkswagen, in direkter Nähe zum MobileLifeCampus entstanden.

Das erste Bauteil in der Open Hybrid LabFactory fertigten am Eröffnungstag Sitzentwickler von Sitech. Sie produzierten den Prototyp einer Leichtbau-Lehne für den hinteren Mittelsitz eines Fahrzeugs. Durch die Stahl-Kunststoff-Kombination und eine speziell darauf abgestimmte Konstruktion wird das Gesamtgewicht um rund ein Kilogramm verringert. Gleichzeitig bleibe die Wirtschaftlichkeit erhalten. Damit ist die Leichtbau-Lehne das erste Projekt, bei dem die Stahl-Kunststoff-Hybridbauweise in die Serienstruktur von Volkswagen Fahrzeugsitzen einziehen könnte. "Entscheidend ist, dass wir im OHLF frühzeitig Fertigungs- und Prozesstechnologien erproben, die zu einer bezahlbaren Großserientechnologie führen. Mit den hier auf dem Campus versammelten Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft haben wir exzellente Chancen, dass uns das gelingt", betonte Thomas Schmall, Komponentenvorstand Marke Volkswagen, der den Prototyp in Empfang nahm.

Die Forschung in der Open Hybrid LabFactory wird im Rahmen des Forschungscampus-Programms des Bundes mit bis zu 30 Millionen Euro gefördert. Insgesamt werden über 90 Millionen Euro für Ausstattung und erste Forschungsprojekte vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, dem Land Niedersachsen, der Stadt Wolfsburg und Industriepartnern bereitgestellt. 60 Millionen davon wurden in die Gebäudeerstellung, die Anlagentechnik und die Ersteinrichtung investiert. In den kommenden 15 Jahren sollen Forschungsprojekte mit einem Volumen von über 200 Millionen Euro in der Open Hybrid LabFactory durchgeführt werden.

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