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29.09.2017 | Wasserwirtschaft | Im Fokus | Onlineartikel

Sicher den Wasserbedarf vorhersagen und zuverlässig planen

Autor:
Julia Ehl

Wasserversorger müssen den zukünftigen Wasserbedarf prognostizieren, um realistisch planen zu können. Ein wissenschaftliches Modell gibt Anhaltspunkte und berücksichtigt die komplexen Einflüsse.

Die Wasserabgabe ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Dazu zählen das Klima, das Wasserdargebot, andere Wasserbezugsquellen, die Wasserpreise, die Wirtschaftsstruktur, der demografische Wandel und die Gewohnheiten unterschiedlicher Verbrauchergruppen. Springer Vieweg-Autor Winfried Hoch beschreibt den Faktor Komfort, soziale Struktur sowie Besiedlungsart auf Seite 19 im Buchkapitel Wasserabgabe und Wasserbedarf: "Die Wasserverbrauchswerte nehmen zu mit Wohnkomfort, technischer Ausstattung der Wohnungen mit Wasser verbrauchenden Geräten, Wohnungsgrößen, verbesserten sozialen Verhältnissen, aufgelockerter Bebauung mit hohem Grünflächen- oder Gartenanteil, Fremdenverkehr."

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2014 | OriginalPaper | Buchkapitel

Wasserabgabe und Wasserbedarf

Die Struktur der öffentlichen Wasserversorgung in Deutschland lässt sich anhand der Ergebnisse aus der Umweltstatistik veranschaulichen. 

2016 wurden 2,65 Milliarden Euro für die kontinuierliche Instandhaltung und Erneuerung der Wasserinfrastruktur investiert. Dennoch fällt es kommunalen Wasserversorgern schwer, den zukünftigen Wasserbedarf abzuschätzen. Diese Angaben sind aber die Voraussetzung für die nötige Planungs- und Versorgungssicherheit. Wie hoch der Wasserbedarf in den Versorgungsgebieten der Städte in der Zukunft sein wird, lässt sich nun mit dem Prognosemodell, das am ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung, entwickelt wurde, zuverlässig ermitteln.

Planungssicherheit schaffen

Prognosen für die Entwicklung des Wasserbedarfs stützen sich bisher auf bundesweite Durchschnittswerte des Pro-Kopf-Verbrauchs, auf Daten zum Bevölkerungswachstum und zu erwartende technische Innovationen. Kleinräumige Analysen für einzelne Wasserversorger sind damit nur sehr vage möglich. Inzwischen stehen detaillierte Informationen zu sozio-ökonomischen, siedlungsstrukturellen oder technischen Einflussgrößen sowie Daten zum Nutzungsverhalten zur Verfügung. Insbesondere diese Daten ermöglichen eine räumlich differenzierte Planung für die Wasserinfrastruktur im Versorgungsgebiet und sollten in die Planungen mit einbezogen werden.

Kleinräumig verlässliche Bedarfswerte

Das integrierte Prognosemodell des ISOE baut auf der räumlich gegliederten Verbrauchsstatistik und den Daten zur Bevölkerungs-, Wohnraum-, Siedlungs- und Wirtschaftsstruktur auf und verbindet sie mit Analysen durch ein Geografisches Informationssystem (GIS) sowie Kunden- und Expertenbefragungen. So ist eine Detailbetrachtung bis hin zu Stadtteilen möglich. Bei guter Datenlage können sogar noch kleinere Bereiche untersucht und bewertet werden. Liegen aktualisierte Daten vor, können die Prognosen fortgeschrieben werden. Ist die Datengrundlage gelegt, können die Wasserversorger das Excel-basierte Modell selbst weiterführen.

Im Zusammenhang mit der Vorstellung des Prognosemodells betonen die Wasserforscher des ISOE, dass zukünftig vor allem die Bevölkerungsentwicklung und die damit in Bezug zu setzende wirtschaftliche Entwicklung den Wasserbedarf bestimmen werden. Außerdem werden extreme Witterungsbedingungen zu Schwankungen führen, die berücksichtigt werden müssen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Schwankungen in Trockenjahren bei vier Prozent und in Nassjahren bei zwei Prozent liegen werden.

Mit der Planung von Wasserinfrastrukturen setzen sich Christian Mikovits, et. al. im Fachartikel Klimawandel, Stadtentwicklung und urbane Wasserinfrastrukturplanung – Risiken und Möglichkeiten auseinander. Sie zeigen auf, dass die Betrachtung verschiedener Stadtentwicklungsszenarien, in Kombination mit Klimawandelprognosen, notwendig ist, um das zukünftige Risiko für potenziell problematische Stellen im Netzwerk festzustellen.

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