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27.05.2014 | Wirtschaftsinformatik + Betriebliche Anwendungen | Im Fokus | Onlineartikel

Ein Upgrade für Europa

Autor:
Andreas Nölting

Industrie 4.0 - eine Zauberwort elektrisiert Ökonomen und Manager. Ihre Vision ist die intelligente Fabrik. Die Reorganisation der Wertschöpfungskette kann enorme Wachstumspotentiale freisetzen.

Seit vielen Jahren gilt Europa im internationalen Wettbewerb als Auslaufmodell. Sicherlich, zwischen Nordsee und Mittelmeer lässt es sich schön leben. Die Infrastruktur ist hervorragend, die Arbeitnehmer bestens qualifiziert und auch viele stolze Konzerne haben  in Deutschland, Frankreich oder Holland ihren Sitz. Doch das Wachstum stagniert: Mehr als zehn Prozent Marktanteil hat die europäische Industrie in den vergangenen Jahren verloren, die Musik spielt woanders - auf den asiatischen oder südamerikanischen Märkten.

Plötzlich jedoch wacht der alte Kontinent auf, prophezeien Ökonomen der Region eine goldene Zukunft mit kräftigen Produktivitätsschüben und satten Wachstumsraten bis zu 30 Prozent. „Industrie 4.0“ heißt das Zauberwort, das Manager und Wissenschaftler elektrisiert – das Zusammenwachsen von Maschinen und Digitalisierung. Vision ist die intelligente Fabrik (Smart Factory) in der Menschen, Maschinen, Ressourcen digital vernetzt sind und durch eine Reorganisation der Wertschöpfungskette enorme ökonomische Potenzial freigesetzt werden, heißt es in einer Studie der Frauenhofer-Gesellschaft.

Die Smarte Fabrik kommt

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Aus herkömmlichen Produktionsstätten werden digitale Einheiten, die intelligente Produkte (Smart Products) ausspucken. Ein „Cyber-physisches System (CPS)“ nennt es Springer Autor  Professor Dr. Thomas Bauernhansl in seinem Buch „Industrie 4.0 in Produktion, Automatisierung und Logistik“. (Seite 16):“Es entsteht die sogenannte Smarte Fabrik, die sich mit Hilfe der CPS dezentral selbst echtzeitnah organisiert, sich eigenständig selbst optimiert und Probleme löst“.

Schöne neue Welt. Die daraus resultierenden Volkswirtschaftlichen Potenziale sind gigantisch. Nach einer Untersuchung des Frauenhofer Instituts werden durch Industrie-4.0-Technologien (Embedes Systems, Smart Factory, Robuste Netze, Cloud Computing und IT-Security):

  • Allein für die sechs Branchen Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik, Automobilbau, chemische Industrie, Landwirtschaft und IT-Technologie bis 2015 ein zusätzliches Wertschöpfungspotenzial von 78 Milliarden Euro erwartet.

  • Dieses Potenzial setze sich aus neuen innovativen Produkten, neuen Dienstleistungen und Geschäftsmodellen sowie effizienteren betrieblichen Prozessen zusammen.

„Europa ist für die Industrie 4.0-Revolution besser vorbereitet, als viele denken“, sagt auch Max Blancher, Partner von Roland Berger Strategy Consultants, „ die Wiederbelebung der europäischen Industrie hängt allerdings davon ab, ob Wirtschaft und Politik in der Lage sind, zügig eine gemeinsame Agenda zu entwickeln.“

Enorme Skaleneffekte winken

Springer-Autor Bauernhansl ist sicher, dass Deutschland von der vierten industriellen Revolution profitieren wird: „Für Deutschland stellt diese Entwicklung eine große Chance dar, die industrielle Produktion im Land zu halten.“. Dezentralisierung und Automatisierung der Systeme seien der Schlüssel zu höchster Produktivität. Mit Hilfe Cyber-physischer Systeme könnten enorme Skaleneffekte ermöglicht werden: „Der Wettlauf um das Produktionssystem der Zukunft hat begonnen.“

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