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01.08.2016 | Bilanzierung | Interview | Onlineartikel

"Die Bilanz wird leider als lästige Verpflichtung gesehen"

Autor:
Sylvia Meier
Interviewt wurde:
Bernd Heesen

ist Geschäftsführender Gesellschafter der internationalen Führungsakademie Berchtesgadener Land (IFAK-BGL) und Inhaber der ABH Partner in München. 

Die Bilanz kann einem Unternehmen viele Informationen liefern und ist ein nützliches Controllinginstrument. Bernd Heesen betont im Interview, dass viele Unternehmen zu selten das eigene Ergebnis analysieren.

Springer Professional: Kann man beim ersten Blick auf eine Bilanz erkennen, wie es um ein Unternehmen steht?

Bernd Heesen: Auf den ersten Blick ist ein wenig übertrieben, aber mit ein wenig Übung reichen wenige Minuten. Und dafür braucht man dann auch noch keinen Taschenrechner oder PC.

In Ihrem Buchkapitel "Analyse mit Kennzahlen Check-Liste" schreiben Sie (Seite 47): "Kennzahlen gibt es wie Sand am Meer und die Kunst ist es, die Richtigen zu wählen und deren Aussagekraft auch zu verstehen." Welche Kennzahlen sind Ihrer Meinung nach besonders aussagekräftig für die Frage, wie rentabel ein Unternehmen ist?

Es geht nicht immer um Rentabilität: Liquidität ist viel wichtiger. Ohne Liquidität sind Unternehmen "tot". Liquidität entsteht sicherlich aus profitablen Geschäften, aber häufig ist Liquidität auch im Vorrat und in den Forderungen gebunden, beziehungsweise die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sind einfach zu früh (früher als der Forderungseingang) gezahlt worden.

Generell empfehle ich die Analyse von Liquidität ersten und zweiten Grades, aber immer in Verbindung mit kreditorischem und debitorischen Ziel und die Cash Liquidität (zum Stichtag: Monat/Jahr) zu monatlichem Personallauf. Aber alle Kennzahlen helfen nichts, wenn eine ausreichende Liquiditätsplanung fehlt.

Empfehlung der Redaktion

2016 | OriginalPaper | Buchkapitel

GuV und Bilanz

Bei der von mir gewählten Gesellschaft (GmbH) handelt es sich um eine Baufirma (Fokus Gebäude und Hallenbau), übrigens aus dem südlichen Baden-Württemberg. Die Abschlüsse sind schon einige Jahre alt und von mir ein wenig abgeändert.Die Zahlenlage …

Gibt es eine Kennzahl, die aus Ihrer Sicht oft zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, obwohl sie sehr aussagekräftig sein kann?

Die Eigenkapitalquote wird immer meiner Meinung nach überbewertet. Mir ist eine Firma lieber, die zwar wenig Eigenkapital hat, aber Liquidität, die ausreicht, Rechnungen und Lohn/Gehalt mehrere Monate zu zahlen.
Und da sind wir bei Ihrer Frage: Unterstellt man einmal in Schwächephasen, dass Debitoren Kreditoren decken sollen und der Bestand nicht weiter abzubauen ist, dann müssen aus der Ist Liquidität mehrere Monate Lohn und Gehalt zahlbar sein. Ich empfehle daher immer die Kennzahl:

Personalzahlfähigkeit: Kasse und Bank / monatliche Personalkosten.

Und diese Kennzahl sollte deutlich über eins, in Schwächephase auch drei sein.

Wie oft analysieren Unternehmen ihre eigene Bilanz? Und anders gefragt: Wie oft sollten sie es tun?

Sinnvoll wäre die Analyse jeweils nach Vorlage der Monatszahlen, auch wenn gewisse Abschlussbuchungen (Abgrenzungen, Rückstellungen, etc.) dann noch nicht gemacht sind. Häufig geschieht es aber nicht einmal jährlich – die Bilanz wird leider als lästige vom Gesetzgeber oktruierte Verpflichtung gesehen.

Die Bilanz ist aber wie das große Blutbild beim Facharzt: Kann ich es lesen, weiß ich sehr, sehr viel. Gerade für den kleinen Mittelstand erachte ich die Bilanz als tolles Controllinginstrument. Aber leider wissen die meisten gar nicht, was man alles daraus ablesen kann.

Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie hier: "Es ist gut, wenn der Unternehmer mehr Wissen zur Bilanzanalytik hat als der Banker"

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